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Bildmontage Quelle: dpa/Baumgarten - Montage: BMEL

Niedrige Preise für Milch - Fragen und Antworten zur Lage

Der fallende Milchpreis hat die wirtschaftliche Lage der Milchbauern zugespitzt. Diese Situation stellt viele Höfe vor große Herausforderungen.

Stichwort: Milcherzeugung in Deutschland

  • Unter den 28 Mitgliedsstaaten der EU ist Deutschland mit einem Produktionsanteil von etwas über 20 Prozent der größte Milcherzeuger.
  • Etwa jeder vierte landwirtschaftliche Betrieb in Deutschland hält Milchkühe. Die Milchproduktion ist hierzulande der wichtigste tierische Produktionszweig.
  • Aufgrund der vergleichsweise hohen Milcherzeugerpreise und vor dem Hintergrund des Auslaufens der Milchquotenregelung im Jahr 2015 wurde die Milcherzeugung seit 2008 um 14 Prozent gesteigert.
  • Angesichts der steigenden Milchmengen gewinnt der Außenhandel mit Milchprodukten für die deutsche Milchwirtschaft zunehmend an Bedeutung.

Wie schwierig ist die Lage für Deutschlands Milchbauern?

Die Zahl der Milchkuhhaltungen in Deutschland hat sich seit dem Jahr 2000 nahezu halbiert: Derzeit (Mai 2016) gibt es in Deutschland rund 71.300 Milchkuhhaltungen; im Jahr 2000 waren es noch 139.000.

Wie herausfordernd die Lage am Markt für die Betriebe ist, erschließt sich beim Blick auf die Preisentwicklung der vergangenen Jahre. Nach der letzten amtlichen Auswertung für Mai 2016 lag der Erzeugerpreis für konventionell erzeugte Milch bei 23,08 Cent je Kilogramm (s. Grafik). Für ökologisch erzeugte Milch werden wesentlich höhere Preise gezahlt. Der gewogene Durchschnittspreis für ökologisch und konventionell erzeugte Milch (Mischpreis) lag für den Monat Mai bei 23,72 Cent je Kilogramm

Betriebe, die bereits vor dem Auslaufen der Milchquote im März 2015 über Kredite stark in ihre Betriebe investiert haben, um sich für die Zeit danach zu wappnen, sind in besonderen Schwierigkeiten: Sie müssen Kredite abbezahlen, derweil ihre Einnahmen sinken.

Balkendiagramm Erzeugerpreise für konventionelle Milch in Deutschland - (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken), Quelle: BMEL

Wo liegen die Gründe für den Milchpreisverfall?

Es ist schlicht zu viel Milchmenge auf dem Markt und zwar nicht nur in Deutschland, sondern EU-weit und auch global. Erschwerend kommt das russische Embargo für Nahrungsmittel sowie eine sinkende Nachfrage aus den ölexportierenden Ländern sowie China hinzu. All dies führt dazu, dass das Angebot an Milch und Milchprodukten auf dem Weltmarkt derzeit die Nachfrage nach Milch und Milcherzeugnissen übersteigt. Das drückt auf den Preis. Nach Jahrzehnten der Regulierung befindet sich der Markt gerade nach Auslaufen der Milchquote in einer schwierigen Anpassungsphase.

Ist Deutschland stärker betroffen als andere EU-Länder?

Die Milchpreise sind derzeit in allen EU-Mitgliedstaaten niedrig; besonders gering fallen sie in den baltischen Staaten aus. Der Milchpreis in Deutschland und Frankreich liegt nahe am EU-Durchschnittswert. Kleinere südliche Länder mit einem niedrigen Versorgungsgrad erzielen höhere Preise. In Ländern mit hohem Exportanteil wie Irland hingegen liegt der Milchpreis noch unter dem in Deutschland.

Warum kehrt Europa nicht einfach zum System der Milchquote zurück?

Milcherzeugnisse werden international gehandelt. Würde Europa die Milchproduktion einschränken, ist damit zu rechnen, dass andere Länder diese Lücke auffüllen. Ein Zurück zur Milchquote kann das Problem nicht lösen: Sie war teuer - auch für die Landwirte. Denn auch mit Quote kam es zu Preisschwankungen. So vermochte es die Quote nicht, die Einkommen der Landwirte zu stabilisieren und kleine Betriebe zu erhalten. Die staatliche Mengenregulierung konnte beispielsweise 2014 einen Preisverfall bei Milch nicht verhindern und auch 2009 lagen die Milchpreise schon einmal unter dem heutigen Niveau. Die Quote war also keine Erfolgsgeschichte und wird es auch nicht mehr werden.

Was unternimmt Brüssel?

Die Europäische Kommission hat im März 2016 eine befristete, freiwillige, gemeinsame Angebotssteuerung der Rohmilchproduktion erlaubt. Sie kommt damit Forderungen der EU-Agrarminister nach und greift Kernelemente eines deutsch-französischen Positionspapiers zum Thema auf. Praktisch bedeutet das für Agrarorganisationen (Erzeugerorganisationen, deren Vereinigungen und Branchenverbände) und Genossenschaften (Molkereien): Sie dürfen sich vorübergehend untereinander absprechen und die Milchmenge gemeinsam regulieren. So können die Erzeuger Verantwortung für sich übernehmen, ohne dass der Staat direkt eingreift. Die einzelnen Mitgliedsstaaten müssen sicherstellen, dass die Vereinbarungen und Beschlüsse die Funktionsfähigkeit des Binnenmarktes nicht untergraben und dass sie auf die Stabilisierung des Milchmarktes abzielen. In Deutschland ist dies inzwischen erfolgt. Am 18. Juli 2016 hat die Kommission im Rat vorgeschlagen, die Frist für Absprachen zur freiwilligen Mengenplanung bis zum 12. April 2017 zu verlängern.

Die Kommission hat eine weitere Aufstockung der Höchstmenge für die Intervention von Magermilchpulver zum Festpreis auf nunmehr 350.000 Tonnen beschlossen. Der Hintergrund: Der Ankauf von Magermilchpulver oder Butter in die öffentliche Lagerhaltung kann innerhalb bestimmter Obergrenzen und innerhalb bestimmter Perioden des Jahres (April bis September) zum Interventionspreis erfolgen. Die genannten Obergrenzen sind in der sog. Fixing-Verordnung festgelegt, über die nur der Rat, nicht aber das Europäische Parlament entscheidet. Wenn die Obergrenze erreicht ist, endet zwar nicht der Ankauf in die öffentliche Lagerhaltung. Es wird aber nicht mehr zum Interventionspreis eingekauft. Vielmehr wird der Ankaufspreis im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens jeweils gesondert festgesetzt; er kann damit auch niedriger als der Interventionspreis ausfallen. In der jetzigen Marktphase würde ein Ankauf in die öffentliche Lagerhaltung zu einem geringeren als dem Interventionspreis den Stabilisierungseffekt der Lagerhaltung auf den Markt abschwächen. Das Sicherheitsnetz aus privater Lagerhaltung und öffentlicher Intervention soll auf Vorschlag der Kommission bis Februar 2017 bzw. September 2017 bestehen.

Was unternimmt das BMEL?

Bundesminister Schmidt Quelle: BMEL

Bundesminister Christian Schmidt und die Bundesregierung haben eine Reihe von Maßnahmen als Reaktion auf die Schwierigkeiten am Milchmarkt ergriffen. Sein Ziel: Die gerechte Verteilung des Marktrisikos.

Beim Klicken wird eine vergrößerte Version der Grafik angezeigt Quelle: BMEL

  1. Die Marktstrukturen müssen anpassungsfähiger und die Stellung der Milchbauern innerhalb der Wertschöpfungskette muss verbessert werden. Denn: Im Moment trifft der Preisverfall allein das schwächste Glied der Kette - die Bauern; Handel und Molkereien verdienen weiter. Der Bundesrat hat am 17. Juni 2016 einer Änderung des Agrarmarktstrukturgesetzes zugestimmt, mit Erzeugerorganisationen und Molkereien eine Möglichkeit an die Hand bekommen, um zeitlich befristet Absprachen zur Begrenzung oder Reduzierung der Milchmenge treffen.
  2. Die betroffenen Milchbauern müssen in der schwierigen Phase mit zusätzlichen Hilfen unterstützt werden. Deshalb gab es 2015 schon ein 70-Millionen-Euro Liquiditätshilfeprogramm und eine weitere Unterstützung durch die 178 Millionen Euro starke Entlastung bei der landwirtschaftlichen Unfallversicherung, die 2016 wirksam wurde. Bundesminister Schmidt hat sich außerdem auf EU-Ebene für ein zweites EU-Hilfsprogramm auch in diesem Jahr mit Erfolg eingesetzt: Die EU hat im Juli 2016 ein solches Hilfspaket in Höhe von 500 Millionen Euro vorgelegt, das aus zwei Programmen besteht: 150 Millionen Euro an EU-Mitteln zur freiwilligen Reduzierung der Milchproduktion sowie 350 Millionen Euro für die Mitgliedstaaten. Von letzteren erhält Deutschland mit 58 Millionen Euro den höchsten Beitrag. Aus Bundesmitteln wird der Betrag um weitere 58 Millionen Euro auf 116 Millionen Euro für das nationale Liquiditätshilfeprogramm mit Angebotsdisziplin verdoppelt. Im Oktober 2016 wurden die Liquiditätshilfen im Kabinett beschlossen und somit für 2017 auf den Weg gebracht.
  3. Bundesminister Schmidt unterstützt Bemühungen der Wirtschaft, neue Exportmärkte zu erschließen und bestehende Handelshemmnisse abzubauen.
  4. Bereits beim Milchgipfel am 30. Mai 2016 in Berlin hatte sich Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt mit Vertretern der Landwirtschaft, der Molkereien und des Einzelhandels auf eine weitere Unterstützung der Milchbauern verständigt und damit den Weg für das zweites EU-Hilfspaket vorgezeichnet. Darüber hinaus haben sich die Marktbeteiligten verpflichtet einen Branchendialog Milch zu initiieren. Hierzu laufen Gespräche zur Gründung eines Branchenverbandes Milch, deren Ergebnis aber abzuwarten bleibt. (Weitere Informationen zu den Ergebnissen des Milchgipfels finden Sie hier.)
  5. Mittel- und langfristig unterstützt das BMEL die Landwirtschaft auch, indem es die ländlichen Räume stärkt: Das entsprechende Gesetz zur "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes", das unter anderem eine zusätzliche Förderung von Infrastruktur in Kleinstbetrieben vorsieht, wurde am 7. Juli 2016 vom Deutschen Bundestag verabschiedet.

Insgesamt belaufen sich die Hilfen für deutsche Landwirte aus den beiden Paketen 2016 und 2017 zur Milchkrise auf rund 581 Millionen Euro.

Welche Rolle spielt der Verbraucher?

Alle können ihren Teil dazu besteuern, die aktuelle wirtschaftliche Lage der Milchbauern zu verbessern – auch die Verbraucher tragen Verantwortung: Während sie in Umfragen angeben, viel Wert auf regionale Produkte oder hohe Tierschutzstandards zu legen, spiegelt sich das an der Ladenkasse nicht immer wider. Jedem muss klar sein, dass es deutsche Qualitätsmilch auf Dauer nicht für 46 Cent geben kann.

Was sind die neuesten Informationen zum zweiten EU-Hilfspaket vom Juli 2016?

Der Rat "Landwirtschaft und Fischerei" hat am 18. Juli 2016 erneut die schwierige Situation auf den Agrarmärkten diskutiert. Bei der Tagung hat die Kommission auf Druck der Mitgliedstaaten Vorschläge für ein neues EU-Hilfspaket in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro vorgelegt. Dieses zweite EU-Hilfspaket besteht aus zwei Programmen:

  • 350 Millionen Euro für Maßnahmen der Mitgliedstaaten, die aus einem Katalog an Themen von Angebotsdisziplin bei der Milcherzeugung über die Stichworte kleine landwirtschaftliche Unternehmen, Anwendung extensiver Produktionsmethoden, Anwendung umweltfreundlicher Produktionsmethoden, Bildung von Kooperationsprojekten, Implementierung von Qualitätsmaßnahmen zur Förderung der Qualität und des Mehrwertes bis hin zur Schulung in Sachen Finanzinstrumente reichen. Die Bundesregierung führt auf Basis des ersten Punktes ein nationales Liquiditätshilfeprogramm mit Angebotsdisziplin über insgesamt 116 Millionen Euro durch. Mit rund 58 Millionen Euro erhält Deutschland den höchsten Beitrag an EU-Mitteln aus diesem Programm. Eine zusätzliche Finanzierung mit nationalen Mitteln des Bundes erfolgt in gleicher Höhe (58 Millionen Euro).
  • Ferner sollen 150 Millionen Euro für ein EU-Programm zur freiwilligen Reduzierung der Milchproduktion zur Verfügung gestellt werden. Das Programm ist nicht kofinanzierungsfähig. Vorgesehen ist eine EU-Prämie in Höhe von 14 Cent je Kilogramm weniger Milch. Ab September können konventionelle und ökologische Milcherzeuger für jeweils drei Monate Prämien bei den Landesstellen beantragen. Voraussetzung ist, dass es sich um aktive Milcherzeuger in der EU handelt, die Milch an einen Käufer, d.h. an eine Molkerei, Erzeugerorganisation oder Rohmilchhändler liefern. Die maximal mit den Mitteln erreichbare Produktionsverringerung beträgt 1,07 Millionen Tonnen Milch.
Stand:
02.11.16

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