BMEL

Service

Logo des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz - zur Startseite

Ein Düngeschlepper fährt mit Schleppschläuchen über ein Feld Quelle: fotolia/Countryixel

Neue Düngeregelungen betreffen auch Cross-Compliance

Die Düngeverordnung (DüV) und die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) wurden neu gefasst. Damit sind zahlreiche Änderungen für die Landwirtschaft verbunden sowie Auswirkungen auf die Cross-Compliance im Jahr 2017.

Die neue DüV ist zum 2. Juni 2017 in Kraft getreten. Bei der AwSV wird dies am 1. August 2017 der Fall sein. Beide Verordnungen dienen insbesondere der Umsetzung der EG-Nitrat-Richtlinie. Die Regelungen zur Umsetzung der EG-Nitrat-Richtlinie werden bei den entsprechenden Cross-Compliance-Kontrollen überprüft.

Die Änderungen, die bereits 2017 im Rahmen von Cross-Compliance zu beachten sind, betreffen nachfolgende Punkte:

  • die nunmehr geforderten Aufzeichnungen zur Düngebedarfsermittlung für die jeweilige Kultur;
  • die erweiterten Verpflichtungen, den Nährstoffgehalt der Düngemittel vor der Aufbringung zu ermitteln und aufzuzeichnen;
  • die verschärften Regelungen zu den Sperrzeiten;
  • die erweiterten Abstandsregelungen zu oberirdischen Gewässern;
  • die verschärften Regelungen zur Düngung auf gefrorenem Boden;
  • die Einbeziehung der Gärrückstände in die 170 kg-Obergrenze für organische und organisch-mineralische Düngemittel und
  • die bundeseinheitliche Regelung zur Mindestlagerkapazität für flüssige Wirtschaftsdünger, Gärrückstände, Festmist und Kompost.

Auswirkungen auf Cross Compliance im Detail

In der Informationsbroschüre "Cross-Compliance" des jeweiligen Landes werden die Landwirte im Rahmen der EU-Agrarförderung zu Beginn eines Kalenderjahres jeweils über die bei Cross-Compliance relevanten Verpflichtungen informiert. Bei Versendung der Informationsbroschüre 2017 konnten die sich aus den beiden Verordnungen ergebenden Änderungen noch nicht berücksichtigt werden.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die noch für das Jahr 2017 zu beachtenden Änderungen auf:

DüV 2006 (bisherige Regelung)DüV 2017 (neue Regelung)
Düngebedarfsermittlung
Ermittlung des Düngebedarfs, aber keine Verpflichtung zur detaillierten Aufzeichnung

Eine Düngebedarfsermittlung für Stickstoff (N) ist vorgeschrieben vor dem Aufbringen von wesentlichen Nährstoffmengen zu einer Kultur (mehr als 50 kg N pro Hektar und Jahr). Die Bedarfsermittlung ist gemäß Anlage 4 DüV Tabelle 1 bzw. Tabelle 8 zu erstellen und gemäß § 10 DüV aufzuzeichnen. Zu beachten sind dabei ertrags- und kulturspezifische N-Bedarfswerte (Sollwerte) und Vorgaben für Zu- und Abschläge.


Für Düngemaßnahmen, die noch im Jahr 2017 erfolgen sollen, ergibt sich daraus folgendes:

  • Eine Düngebedarfsermittlung ist erforderlich bei einem nach dem 2. Juni 2017 stattfindenden Anbau von Zweitkulturen, deren Ernte im Jahr 2017 vorgesehen ist, sowie beim Anbau von Gemüsekulturen und Erdbeeren (§ 4 i.V.m. Anlage 4 DüV).
  • Bei Grünland muss im Kalenderjahr 2017 keine Düngebedarfsermittlung aufgezeichnet werden.
  • Sofern eine Düngung im Herbst 2017 auf nicht vom ersten Aufzählungspunkt erfasstem Ackerland zulässig ist und durchgeführt wird, ist der Düngebedarf vor der Aufbringung in einem verein-fachten Verfahren nach Vorgabe der Länder zu ermitteln und zu dokumentieren. Eine ausführliche Ermittlung des Düngebedarfs nach Anlage 4 Tabelle 1 bzw. Tabelle 8 der DüV ist nicht erforderlich.

Die nach Kulturarten differenzierten Sperrzeiten sind zu beachten (siehe unten).

Aufzeichnung über den Nährstoffgehalt vor der Düngung
Vor jedem Aufbringen von Düngemitteln sowie Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten oder Pflanzenhilfsmitteln nach dem 2. Juni 2017 müssen ihre Gehalte an Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff bekannt sein und aufgezeichnet werden (§ 10 Abs. 1 i.V.m. § 3 Abs. 4 DüV).
Sperrzeiten
  • Aufbringungsverbot Ackerland – 1.11. bis 31.1.
  • Aufbringungsverbot Grünland – 15.11. bis 31.1.
  • Aufbringungsverbot auf Ackerland – ab Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum Ablauf des 31.01.
  • Aufbringungsverbot auf Grünland, Dauer-grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutter bei einer Aussaat bis zum 15.05. – in der Zeit vom 01.11. bis zum Ablauf des 31.01.
  • Aufbringungsverbot für Kompost und Festmist – vom 15.12. bis zum Ablauf des 15. 01.

Ausnahmen:

  • Düngung bis zum 01.10. möglich bei Winterraps, Zwischenfrucht und Feldfutter (bei Aussaat bis zum 15.09), bei Wintergerste nach Getreide (bei Aussaat bis zum 01.10.).
  • Düngung bis zum 01.12 möglich beim Anbau von Gemüse, Erdbeeren und Beerenobstkulturen

(§ 6 Abs. 8 und 9 DüV).

(Siehe auch Übersicht zu den Sperrzeiten in der Anlage).

Abstände zu oberirdischen Gewässern
3 m Abstand zu oberirdischen Gewässern: Düngung nur, wenn kein Eintrag in GewässerInnerhalb 1 m ab Böschungsoberkante absolutes Aufbringungsverbot.
Je nach Aufbringungstechnik von 1 m bis 4 m und Düngung nur, wenn kein Eintrag in Gewässer.
(§ 5 Abs. 2 DüV)
Abstände zu oberirdischen Gewässern bei stark geneigten Flächen (durchschnittlich mindestens 10 % Gefälle innerhalb eines Abstandes von 20 m zur Böschungsoberkante)

3 m zur Böschungsoberkante absolutes Aufbringungsverbot

Weitere Anforderungen bei Abständen zwischen 3 m bis 10 m Gewässerabstand bzw. 10 m bis 20 m Gewässerabstand

Bis 5 m zur Böschungsoberkante absolutes Aufbringungsverbot.

5 m bis 20 m zur Böschungsoberkante:

  • Auf unbestellten Ackerflächen sofortige Einarbeitung
  • Auf bestellten Ackerflächen

    • auf Reihenkulturen (Reihenabstand mind. 45 cm) nur bei entwickelter Untersaat oder sofortiger Einarbeitung,
    • auf sonstigen Flächenkulturen nur bei hinreichender Bestandsentwicklung oder
    • nur nach Mulch- oder Direktsaat.

(§ 5 Abs. 3 DüV)

Aufnahmefähigkeit Boden
Aufbringungsverbot auf gefrorenem und im Tagesverlauf oberflächig nicht auftauendem Boden.

Aufbringungsverbot auf gefrorenem Boden, jedoch ist es erlaubt, bis zu 60 kg/ha Gesamt-N aufzubringen, wenn der Boden tagsüber aufnahmefähig wird, keine Abschwemmgefahr besteht, der Boden durch Einsaat einer Winterkultur oder von Zwischenfrüchten im Herbst eine Pflanzendecke trägt oder es sich um Grünland oder Dauergrünland handelt und anderenfalls die Gefahr einer Bodenverdichtung und von Strukturschäden durch das Befahren bestehen würde.

Verbot der Aufbringung auf wassergesättigtem und schneebedecktem Boden gilt weiterhin, jedoch bei Schnee nunmehr generell unabhängig von der Schneehöhe. (§ 5 Abs. 1 DüV).

Nährstoffvergleich
Bleibt für 2017 (vorzulegen bis 31.03.2018) noch wie bisher.
Obergrenze 170 kg N/ha und Jahr im Betriebsdurchschnitt für alle organischen und organisch-mineralischen Düngemittel – erst für das Jahr 2018
N-Obergrenze wird nur für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft berechnet.

Nach der neuen Düngeverordnung gilt die Obergrenze für alle aufgebrachten organischen und organisch-mineralischen Düngemittel (ein-schließlich Gärrückstände und Wirtschaftsdünger tierischer oder pflanzlicher Herkunft). Entscheidend ist hier das vom Betrieb gewählte Düngejahr (Kalender- oder Wirtschaftsjahr).

Kalenderjahr: Für das Jahr 2017 bleibt es bei der bisherigen Regelung, d.h. es sind nur die Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft zu berücksichtigen, ab dem 1. Januar 2018 dann alle wie oben beschrieben.


Wirtschaftsjahr: Das Wirtschaftsjahr beginnt mit dem 1. Juli eines Jahres, insofern gilt die neue Regelung (Berücksichtigung aller organischen und organisch- mineralischen Düngemittel) sofort.
(§ 6 Abs. 4, § 8 i.V.m. Anlagen 5 und 6 DüV)

Fassungsvermögen und Lagerdauer
Bislang landesrechtliche Regelungen maßgeblich.
  • Fassungsvermögen muss größer sein als die Kapazität, die für den Zeitraum der einzuhaltenden Sperrzeiten erforderlich ist. (§ 12 Abs. 1 DüV).
  • Bundeseinheitlich mindestens sechs Monate für flüssige Wirtschaftsdünger und Gärrückstände und mindestens einen Monat für Festmist und Kompost (§ 12 Abs. 2 DüV i.V.m. § 6 Abs. 8)
Bisherige RegelungAwSV 2017 (neue Regelung)
Anforderungen an Jauche-, Gülle- und Silagesickersaftanlagen (JGS-Anlagen)
Bislang landesrechtliche Regelungen maßgeblich.Die bisherigen Anforderungen an JGS-Anlagen wie Dichtigkeit und Standsicherheit gelten bundeseinheitlich entsprechend auch für Behälter für flüssige Gärrückstände, die Anforderungen an Festmist- und Siliergutlagerstätten, wie seitliche Einfassung, gelten entsprechend für Lagerstätten für feste Gärrückstände.

Hinweis:
Bitte beachten Sie, dass diese Tabelle unter Berücksichtigung des gegenwärtigen Sachstands lediglich eine Orientierung gibt und nicht eine intensive Auseinandersetzung mit den neuen Vorgaben der DüV und der AwSV ersetzt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Behörde oder Beratungsstelle und ziehen Sie Veröffentlichungen der Fachpresse zu Rate. Alle übrigen in der Informationsbroschüre 2017 zu Cross-Compliance aufgeführten Vorgaben sind weiterhin zu beachten.

Stand:
25.07.17

Zum Thema

Video: "Was ist eigentlich die Gemeinsame EU-Agrarpolitik?"

Gedeckter Frühstückstisch

Was hat unser tägliches Frühstück mit der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU zu tun? Ein Video erklärt den Weg von den Anfängen bis zur heutigen europäischen Agrarpolitik.

zum Video: Video: "Was ist eigentlich die Gemeinsame EU-Agrarpolitik?" …

Reden

Publikationen

Umsetzung der EU-Agrarreform in Deutschland - Ausgabe 2015

Cover der Broschüre "Umsetzung der EU-Agrarreform in Deutschland"

Die vorliegende Broschüre gibt einen umfassenden und aktuellen Überblick über die EU-Agrarreform in Deutschland. Sie erhält Informationen über das Verfahren der Neuzuweisung von Zahlungsansprüchen, die Ausgestaltung der verschiedenen neuen Direktzahlungsregelungen sowie Hinweise für die Antragstellung. Darüber hinaus werden die Regelungen zu Cross Compliance und weitere Bestimmungen der neuen GAP vorgestellt.

Gemeinsame Agrarpolitik der EU - 2014 bis 2020

Titelseite des Flyers 'Gemeinsame Agrarpolitik der EU - 2014 bis 2020'

Neuer Flyer des BMEL mit Infos zur Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP): Planungssicherheit für eine nachhaltige Landwirtschaft und Perspektiven für lebenswerte ländliche Regionen

Presse

Links

Schlagworte

e

Wichtige Mitteilung

Bundespreis 2018 - Für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung

Jetzt Anmelden!

Aufruf zur Bewerbung zum Bundespreis 2018

Unternavigation aller Website-Bereiche