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Europäischer Obst- und Gemüsesektor anpassungsfähig

Der Parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser hat am 18. September 2015 den Deutschen Obst- und Gemüsekongress in Düsseldorf eröffnet. Zentrale Themen des Kongresses waren die Entwicklungen auf dem Apfelmarkt und die Veränderungen der Warenströme.

Der Deutsche Obst- und Gemüsekongress ist der einzige Kongress der gesamten Obst- und Gemüsewertschöpfungskette von der Produktion bis zum Konsumenten. Er dient dem Austausch von Wirtschaft, Verbänden und Verwaltung. In diesem Jahr haben über 400 Personen am Kongress teilgenommen.

Der deutsche und auch der EU-Obst- und Gemüsesektor haben ein schwieriges Jahr 2014 hinter sich. Es war geprägt durch hohe Bestände und gute Ernten, die zu Angebots- und damit Preisdruck geführt haben. Auch das russische Importembargo hatte zu einer Verschärfung der Lage beigetragen.

In diesem Jahr dürften sich die wirtschaftlichen Auswirkungen durch den Importstopp weiter abschwächen, da sich EU-Produzenten bereits seit dem ersten Importstopp im letzten Jahr auf die veränderte Marktsituation einstellen konnten; insbesondere konnten neue Absatzmärkte erschlossen werden (u. a. in USA, China, Schweiz und Asien). Eine vergleichbar schwierige Situation wie im letzten Jahr, als das Embargo insbesondere viele Obstproduzenten überraschend traf, wird deshalb nicht erwartet.

"Die vergangenen Monate haben erneut gezeigt: Der EU-Obst- und Gemüsesektor ist sehr anpassungsfähig und reagiert flexibel auf veränderte Marktsituationen. Insbesondere konnten alternative Drittlandsmärkte in arabischen Ländern und Asien erschlossen werden und so die Verluste im Russlandhandel zumindest teilweise ausgeglichen werden. Das ist auch der richtige Weg", so Staatssekretär Bleser in seine Eröffnungsrede.

Unterstützungsmaßnahmen

Im Sommer 2014 hat die Europäische Kommission als Reaktion auf das im August 2014 verhängte Einfuhrverbot von frischem Obst und Gemüse Unterstützungsmaßnahmen erlassen. Das hat zur Stabilisierung der Märkte insbesondere in Polen und den südlichen Mitgliedstaaten beigetragen. Insgesamt wurden die Maßnahmen aber sowohl EU-weit als auch in Deutschland nur in begrenztem Umfang von der Wirtschaft angenommen. Mit etwa 155 Millionen Euro wurde nur etwa die Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Haushaltsmittel abgerufen. Die Marktentlastung blieb mit rund 770 000 Tonnen Obst und Gemüse hinter den Erwartungen zurück. Nur etwa 3 Prozent der EU-Apfelernte wurden vom Markt genommen. In Deutschland wurde die Stützung praktisch nicht in Anspruch genommen: lediglich 130 Tonnen Äpfel und 450 Tonnen Kohl wurden kostenlos an soziale Einrichtungen verteilt. Marktentlastung und bürokratischer Aufwand standen hier in keinem vernünftigen Verhältnis.

Vor diesem Hintergrund hat das BMEL in Abstimmung mit den Bundesländern von der im EU-Recht vorgesehenen Option Gebrauch gemacht und wird die bis zum 30.06.2016 verlängerten Stützungsmaßnahmen in Deutschland nicht mehr anwenden. Das BMEL bleibt auch grundsätzlich bei seiner sehr kritischen Bewertung von Marktrücknahmen für die Kompostierung oder Biogasanlagen sowie Grün und Nichternten. Die Vernichtung von Lebensmitteln ist vor dem Hintergrund von noch immer bestehendem Hunger auf der Welt inakzeptabel.

"Aus gutem Grund haben wir die Kampagne Zu gut für die Tonne ins Leben gerufen. Lebensmitteln gebührt Wertschätzung. Sie sollten nicht entsorgt werden", erklärte Bleser.

Förderung der Exportaktivitäten

Statt Lebensmittel zu vernichten, gilt es, die Exportchancen – insbesondere auch in Drittländern – zu nutzen. Denn diese Märkte zeichnen sich durch eine immer höhere Wertschöpfung und durch ein großes Wachstumspotential aus. Das BMEL leistet durch das Programm zur Förderung der Exportaktivitäten der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Absatzmöglichkeiten deutscher Produkte und wird sich hier auch weiter engagieren.

Voraussetzung für den Export und für erfolgreiche Marktöffnungsverfahren sind gesunde Erzeugnisse und der Nachweis der Befallsfreiheit. In einigen Fällen sind auch bei neuen Importmärkten spezielle Monitorings zum Nachweis, dass Erzeugungsgebiete oder das Land frei sind von bestimmten Schadorganismen, Voraussetzung für den Marktzugang. Bei Apfelimporten aus Deutschland fragen zum Beispiel einige Drittländer insbesondere nach der Befallssituation zur Mittelmeerfruchtfliege. Im Auftrag der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen (BVEO) führt das Julius Kühn-Institut (JKI) zusammen mit den Pflanzenschutzdiensten der Länder aktuell dazu ein umfassendes Monitoring zur Befallssituation in Deutschland durch. Die Ergebnisse sind die Grundlage für die anstehenden Marktöffnungsverfahren des BMEL.

Das JKI wird zudem Gutachten für die Bewertung phytosanitärer Risiken von Äpfeln aus Deutschland für die Zielländer Brasilien, China, Indien, Kanada, Südafrika, Südkorea, Taiwan, Thailand und Vietnam erstellen. Die Gutachten sind Grundlage für die Bewertung und spätere Entscheidung der Zielländer zur Genehmigung des Imports von Äpfeln aus Deutschland. Damit trägt das BMEL dem gestiegenen Interesse deutscher Unternehmen am Export in Drittstaaten Rechnung. Diese Aktivitäten sind Teil der Initiative des BMEL zur Öffnung neuer Drittlandmärkte für Äpfel infolge des russischen Importstopps. Denn es ist nicht immer einfach, für deutsche Erzeugnisse Alternativ-Märkte zu finden.

"Die Vernichtung von Lebensmitteln ist keine sinnvolle Maßnahme, um auf veränderte Marktsituationen zu reagieren. Ich betone nochmals: Richtig ist es, neue Absatzmärkte zu erschließen. Die Marktlage in Deutschland und Europa wird zunehmend auch von den Exportchancen auf den Drittlandmärkten abhängig sein", betonte Staatssekretär Bleser.

Stand:
18.09.15

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