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Preisträger des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2016

Engagement, Innovationsbereitschaft und Mut, das sind die herausragenden Eigenschaften der diesjährigen Siegerbetriebe des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2016, die im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin am 21. Januar 2016 vom Parlamentarischen Staatssekretär beim BMEL, Peter Bleser ausgezeichnet wurden.

Die Jury zeichnete den Milchviehbetrieb der Familie Kaemena im Bremer Blockland, die Bio-Rinderzucht Harzer Rotes Höhenvieh von Daniel Wehmeyer in Osterode am Harz sowie die Hofgut Oberfeld Landwirtschaft AG bei Darmstadt für deren gesamtbetriebliche Konzepte aus.

Die drei Gewinner erhalten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 7.500 Euro. Insgesamt hatten sich 49 Betriebe für den Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau 2016 beworben. Seit dem Jahr 2001 ehrt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Preis Betriebe, die mit wegweisenden Konzepten besonders erfolgreich ökologisch wirtschaften.

Die Preisträger 2016

Hof Kaemena in Verbindung mit Blocklander Eisdiele "Snuten lekker" (Bremen)

Gruppenfoto Hof Kaemena (v.l.n.r.): Staatssekretär Peter Bleser, Sieger Harje Kaemena mit seiner Frau und seinen Eltern, Quelle: BLE

Die 300 Jahre alte Hofstelle der Familie Kaemena liegt vor den Toren Bremens im sogenannten Bremer Blockland. Der Hof ist ein Milchviehbetrieb auf dem zur Zeit vier Generationen leben und arbeiten. Durch einen intensiven Dialog zwischen Jung und Alt ist das jetzige Betriebskonzept entstanden. In Zeiten, in denen viele Bio-Betriebe um die Betriebsnachfolge ringen, ist dies ein wichtiges Beispiel für eine innovative und vorausschauende Betriebsentwicklung.

Mit der Umstellung auf die ökologische Wirtschaftsweise entstand der Wunsch, die Milch möglichst hofnah zu vermarkten. Auch hier ging die Familie ungewohnte Wege. Mutter und Sohn begannen 2005, die gute Bio-Milch zu leckerem Speiseeis zu veredeln, das handwerklich in der hofeigenen Speiseeismanufaktur hergestellt wird. Mit dem Entschluss, das Speiseeis direkt vor Ort im hofeigenen Cafe zu verkaufen, öffnete sich der Betrieb einer breiten Öffentlichkeit. Damit wirtschaften die Kaemenas nicht nur ökologisch und erhalten eine wertvolle Kulturlandschaft, sondern sie zeigen vielen Menschen, wie Landwirtschaft, Kunst, Kulinaristik und Kultur zusammenhängen.

Gewürdigt wird mit dem Preis auch die Tatsache, dass die mutige Umstellung des Betriebs auf ökologische Wirtschaftsweise wichtige Impulse für die gesamte Region mit sich gebracht hat. Inzwischen haben 6 weitere Milchviehbetriebe die Umstellung gewagt. Sie pflegen und bewirtschaften zusammen nun knapp 600 ha Bio-Grünland im Blockland. In der ortsansässigen Molkerei konnte so eine regionale Bio-Milchverarbeitung entstehen, die Bremen und das Umland mit ökologischem Frischkäse, Sahne, Joghurt und natürlich Frischmilch versorgt.

Bio-Rinderzucht Harzer Rotes Höhenvieh, Daniel Wehmeyer (Osterode)

Der Betrieb von Daniel Wehmeyer hat die Jury enorm beeindruckt: Ein junger Neueinsteiger ohne landwirtschaftlichen Hintergrund, der innerhalb weniger Jahre einen erfolgreichen Betrieb im Bereich Mutterkuhhaltung und Landschaftspflege etabliert hat. Und dies, obwohl das wirtschaftliche Umfeld für Mutterkuhhalter enorm schwierig ist und die Berater sowie die Banken von einer Ausrichtung im Haupterwerb abgeraten haben. Dennoch hat Wehmeyer an seiner Überzeugung festgehalten und über die Jahre eine auf mehrere Standorte aufgeteilte Herde mit 240 Rindern der Rasse Rotes Harzer Höhenvieh aufgebaut. Die horntragenden Tiere sind vom Frühjahr bis Herbst ständig auf der Weide, in den kalten Wintermonaten werden sie in einem Außenklimastall auf Stroh untergebracht.

Daniel Wehmeyer pflegt naturschutzfachlich wertvolles Grünland in der gesamten Region des Oberharzes durch Beweidung oder Mahd, und erhält dadurch bedrohte Pflanzenarten wie Steppelfenchel oder verschiedenen Orchideen. Wehmeyer versteht sich selbst als Dialogpartner für den Naturschutz und geht aktiv auf die Naturschutzbehörden in der Region zu, um schützenswerte Flächen zu finden und unter Vertrag zu nehmen. Hierzu gehören auch spezielle Naturschutzarbeiten in den Landkreisen Osterode und Goslar sowie die Anlage von Schonstreifen für den Rotmilan. Als einziger Betrieb im Harz erntet er zudem mit dem Mähdrescher Gräser- und Kräutersamen von artenreichen Oberharzer Bergwiesen.

Auch im Ackerbau probiert Daniel Wehmeyer immer wieder Neues aus: So betreibt er einen speziellen Gemenge-Anbau von Ackerbohnen und Hafer für die Bullenfütterung und erzeugt Speise-Linsen im Gemenge mit Backgetreide. Die Linsen werden in einer eigenen Verpackung über den Naturkosthandel vertrieben, das Getreide wird überwiegend in einer benachbarten Vollkornbäckerei verarbeitet.

Hofgut Oberfeld Landwirtschaft AG, Familie Göbel und Will Schaumann (Darmstadt)

Gruppenfoto auf der Bühne Hofgut Oberfeld (v.r.n.l.): Staatssekretär Peter Bleser, Thomas und Kathrin Goebel, Will Schaumann, Quelle: BLE

Das Hofgut Oberfeld überzeugte die Jury durch Innovationen, besonders durch eine eigene Innovation, nämlich die der Bürgeraktiengesellschaft. Diese wurde von Menschen in der Region mit Hilfe der Software AG-Stiftung gegründet, die sich dem Zerfall eines landwirtschaftlichen Betriebes in der Großstadt entgegenstellten.

Mit dem Konzept der mobilen Legehennenhaltung gelingt es der Betriebsleitung die Hühner in die Fläche zu bringen und so die oft problematische Akkumulation von Hühnerkot und damit von Nährstoffen im stallnahen Bereich zu unterbinden. Verbraucher können oft nicht verstehen, wieso auch im Biolandbau die Kälber so früh von der Mutter genommen werden. Oberfeld gehört zu den Pionieren, die zeigen, dass und wie eine muttergebundene Haltung von Kälbern möglich ist.

Die Gemüseselbsternte ist ein Konzept, bei dem Verbraucherinnen und Verbraucher Teil des landwirtschaftlichen Betriebes werden. Sie übernehmen eine vom Betrieb fertig bestellte Parzelle und kultivieren auf eigenes Risiko ihr eigenes Gemüse. Kinder bekommen hier früh einen prägenden Zugang zur Erzeugung von Lebensmitteln und zur Landwirtschaft, Erwachsene eine hohe Wertschätzung bezüglich der engagierten Tätigkeit der Landwirte, die ihnen ja täglich und auch an Wochenenden auf dem Betrieb präsent sind.

Auf dem Hofgut Oberfeld ist diese Landwirtschaft vorzeigbar! Nicht nur den Gemüseselbsternterinnen und –erntern werden großzügig Einblicke in das eigene Wirtschaften gewährt, auch Spaziergänger haben Zugang und für Kindergärten gibt es eigene Möglichkeiten teilhabende Bildungsarbeit auf dem Hof zu praktizieren.

Hofgut Oberfeld zeigt, wie innovative Landwirtschaft – ganz nah am und vor allen Dingen auch mit dem sogenannten Verbraucher aussehen kann.

Laudatio, Bilder, Videos unter der Adresse

Stand:
21.01.16

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