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FAQ zu Gentechnik in Honig

Wie wird Honig mit Pollen einer gentechnisch veränderten Pflanze gekennzeichnet?

Für das BMEL haben Sicherheit und Transparenz einen hohen Stellenwert. Es unterstützt die Wahlfreiheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern beim Einkauf von Lebensmitteln. Der Schwellenwert, ab dem gentechnisch veränderte Bestandteile bei Lebensmitteln gekennzeichnet werden müssen, liegt jedoch grundsätzlich bei 0,9 Prozent. Diese Grenze wird bei gentechnisch veränderten Pollen im Honig weit unterschritten. Eine Sonderbehandlung von gentechnisch veränderten Pollen im Honig ist nicht erforderlich.

Das EuGH-Urteil aus dem Jahr 2011

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) darf Honig, der gentechnisch veränderten Pollen enthält, nur in den Verkehr gebracht werden, wenn für diesen Pollen eine Zulassung nach dem EU-Gentechnikrecht als Lebensmittel vorliegt ("Honig-Urteil"). Bis zu diesem Zeitpunkt gingen die EU-Kommission und die nationalen Verwaltungsbehörden davon aus, dass der gentechnisch veränderte Pollen keine Lebensmittelzulassung braucht. In seinem Urteil hat der EuGH das geltende Recht zudem so ausgelegt, dass Pollen als Zutat des Honigs einzustufen sei.

Deutschland hat die Feststellung des EuGH, dass gentechnisch veränderter Pollen eine Zulassung als Lebensmittel benötigt, umgehend umgesetzt. Honige, die gentechnisch veränderten Pollen ohne Lebensmittelzulassung enthielten, wurden vom Markt genommen und werden dies auch heute noch. Die Kennzeichnung von Pollen als Zutat wurde allerdings in keinem EU-Mitgliedstaat in der Praxis umgesetzt, vor allem weil

  • Pollen faktisch ein natürlicher Bestandteil von Honig und keine Zutat ist,
  • dies zu einem erheblichen, auch finanziellen Aufwand für die Imker, die Lebensmittelwirtschaft und den Handel geführt hätte,
  • dies im Widerspruch zum Codex Alimentarius stehen würde, der für die Honigimporte und -exporte von Bedeutung ist und
  • die Kommission eine Änderung der Honig-Richtlinie vorgeschlagen hat, die diese Kennzeichnung entbehrlich macht.

Vorschlag der EU-Kommission aus dem Jahr 2012

Die Kommission hat in der Folge dieses Urteils einen Vorschlag zur Änderung der Honig-Richtlinie vorgelegt, mit dem klargestellt werden soll, dass Pollen in Honig ein natürlicher Bestandteil und keine Zutat ist. Damit soll

  • die bisherige Praxis in allen Mitgliedsstatten, wonach Pollen (und damit auch gentechnisch veränderter Pollen) im Honig nicht als Zutat gekennzeichnet wird, rechtlich abgesichert werden, und
  • die Feststellung des EuGH, dass gentechnisch veränderter Pollen im Honig eine Zulassung als Lebensmittel benötigt, unangetastet bleiben.

In informellen Trilogen von EU-Kommission, Europäischen Parlament und Rat wurde im März 2014 ein Ergebnis erzielt. Das Europäische Parlament hat der Regelung im April 2014 zugestimmt, Anfang Mai 2014 folgte die Zustimmung des Rates.

Warum ist Pollen keine Zutat im Honig?

Pollen gelangt durch die Sammeltätigkeit der Bienen in den Honig. Ein absichtliches Hinzufügen, wie es die Definition der "Zutat" im Lebensmittelkennzeichnungsrecht verlangt, erfolgt nicht. Pollen ist also ein natürlicher Bestandteil des Honigs und Honig ein reines Naturprodukt. Weiterer Beleg hierfür ist die Tatsache, dass der Pollen zur Identifikation der pflanzlichen Herkunft des Honigs genutzt wird (z. B. bei der Feststellung, ob es sich um Raps- oder Heidehonig handelt).

Wie wird Pollen im internationalen Handel eingestuft?

Der Codex Alimentarius, der für den internationalen Handel Standards vorgibt, stuft Pollen als natürlichen Bestandteil des Honigs ein. Diese Vereinbarung aus dem Jahr 1981 wurde bislang von keinem der 185 Mitgliedsstaaten des Codex Alimentarius in Frage gestellt. Mögliche Kennzeichnungspflichten wurden von betroffenen Handelspartnern bereits in den zuständigen Ausschüssen der WTO als Handelshemmnis gerügt. Ein wahrscheinliches WTO-Streitbeilegungsverfahren nach Einführung einer Kennzeichnungspflicht für Pollen wäre für die Mitgliedsstaaten der EU mit erheblichen Risiken behaftet.

Wie hoch ist der Anteil von Pollen am Honig?

Der Anteil des Pollens beträgt nur ungefähr 0,01 bis maximal 0,5 Gramm je Kilogramm Honig. Im Normalfall sind es ungefähr 0,03 Gramm je Kilogramm Honig. Das entspricht 0,003 Prozent. Die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Bestandteilen in Lebensmitteln ist nach dem EU-Recht grundsätzlich erst dann vorgeschrieben, wenn sie einen Anteil von 0,9 Prozent überschreiten.

Welche Rolle spielt das Schleudern für den Pollen?

Das Schleudern spielt für die Frage, wie der Pollen in den Honig gelangt, keine Rolle. Der Pollen wird durch die Bienen in den Honig eingetragen. Er ist daher immer im Honig vorhanden, unabhängig davon, wie der Honig gewonnen wird. Das heißt: Auch nicht geschleuderter Honig – z. B. Tropf- oder Wabenhonig - enthält Pollen.

Wie kann gentechnisch veränderter Pollen festgestellt werden?

Ob ein Honig gentechnisch veränderten Pollen enthält, kann mit einer Laboranalyse festgestellt werden. Es gibt jedoch derzeit keine Analysemöglichkeiten, mit denen zuverlässig festgestellt werden könnte, ob der Kennzeichnungsschwellenwert von 0,9 Prozent gentechnisch veränderter Pollen am Gesamtpollen überschritten wurde. Das heißt: Wenn der Pollen als Zutat eingestuft würde, wäre eine zuverlässige Quantifizierung des Anteils des gentechnisch veränderten Pollens im Gesamtpollen derzeit nicht möglich. Eine Regelung, die den Pollen als Zutat einstuft, wäre also in der Praxis nicht umsetzbar. Es ist zudem zu berücksichtigen, dass der gesamte Anteil wasserunlöslicher Stoffe im Honig einschließlich Pollen gemäß der Honig-Richtlinie ohnehin nur 0,1 Prozent betragen darf (Ausnahme Presshonig mit 0,5 Prozent).

Ab wann müsste eine Kennzeichnung erfolgen?

Würde man gentechnisch veränderten Pollen als Zutat einstufen, wäre der gentechnisch veränderte Pollen bereits ab einer Menge von ca. 0,00027 Gramm je Kilogramm Honig zu kennzeichnen. Zum Vergleich: Bei der „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung gilt ein Beurteilungswert von 1 Gramm pro Kilogramm. Dieser Wert liegt das 3.500fache über dem hier Diskutierten.

Wie hoch sind die Kosten für die Analysen?

Die Analyse von gentechnisch veränderten Pollen wird in der Folgenabschätzung, die für das Europäische Parlament angefertigt wurde, mit etwa 150 Euro je Probe angegeben. Das seien Kosten, die die gegenwärtigen Produktionskosten je Bienenkorb überstiegen. Die Imker, insbesondere die kleinen Erzeuger, wären damit überfordert. Das gilt vor allem für kleinere Imker in Drittländern, z. B. in Süd- und Mittelamerika. Diese Imker erzeugen zum Teil auch Honig, der mit dem Fair Trade-Siegel gehandelt wird.

Wird ein neues Kennzeichnungssystem eingeführt werden müssen?

Nein. Mit der Änderung der Honig-Richtlinie wird die bisherige Praxis in allen EU-Mitgliedsstaaten, wonach Pollen im Honig nicht gekennzeichnet wird, fortbestehen.

Wird nun Honig mit nicht zugelassenen Pollen in Umlauf kommen?

Nein. Die Feststellung des EuGH, dass gentechnisch veränderter Pollen im Honig eine Zulassung als Lebensmittel benötigt, wird von dem Kommissionsvorschlag nicht angetastet. Das heißt: Honig mit Pollen, der keine Zulassung als Lebensmittel besitzt, bleibt auch nach dem Kommissionsvorschlag nicht verkehrsfähig. Es bleibt also auch hier bei der Nulltoleranz. Gesundheitlicher Verbraucherschutz hat höchste Priorität.

Ist im deutschen Honig gentechnisch veränderter Pollen?

In Deutschland werden derzeit keine gentechnisch veränderten Nutzpflanzen angebaut. Deutscher Honig ist damit frei von Gentechnik. Verbraucher haben hier Transparenz: Das Ursprungsland, in dem der Honig erzeugt wurde, muss nach der Honig-Richtlinie angegeben werden.

Bei den Importhonigen werden regelmäßig gentechnisch veränderte Pollen nachgewiesen. Besteht eine Gefährdung von Verbrauchern?
Es handelt sich um minimale Spuren von in der EU als Lebensmittel zugelassenen gentechnisch veränderten Pollen, die gesundheitlich unbedenklich sind. Das wurde jeweils im Einzelfall im Rahmen des EU-Zulassungsverfahrens und der Risikobewertung der EFSA festgestellt.

Könnte die deutsche Honigproduktion nicht ausländische Produkte ersetzen?

40 Prozent des Honigbedarfs wird in Europa über Importe gedeckt. In Deutschland sind es sogar 70-80 Prozent. Die Honigproduktion hängt von vielen Faktoren ab und kann nicht ohne weiteres verdreifacht werden.

Ist Honig mit gentechnisch verändertem Pollen kein natürliches Produkt?

Das kommt darauf an, wie man "natürlich" definiert. Honig wird von Pflanzen gewonnen, darunter auch landwirtschaftliche Nutzpflanzen, aus denen zahlreiche Lebensmittel erzeugt werden. Die Änderung der Honig-Richtlinie führt dazu, dass Honig so behandelt wird wie andere Lebensmittel auch.

Stand:
09.05.14

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