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BMEL im Dialog: Ernährungssicherung als Beitrag zur Friedenssicherung

"Krisen verhindern - Fluchtursachen bekämpfen: Welche Rolle spielen Landwirtschafts- und Ernährungspolitik" - unter dieser Überschrift stand am 30. November eine Podiumsdiskussion im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Im Verlauf der Debatte wurde deutlich: Ernährungssicherung kann einen wichtigen Beitrag zur Friedenssicherung leisten.

Die von der Journalistin Dr. Ursula Weidenfeld moderierte Diskussion fand in der Reihe "BMEL im Dialog" statt. Zu der Abendveranstaltung hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt Experten aus den Bereichen der Sicherheits-, Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik geladen: Neben Thomas Wrießnig, Botschafter und Vizepräsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, saßen Ralf Südhoff, Direktor des UN-Welternährungsprogramms für Deutschland, Schweiz, Österreich und Dr. Bettina Rudloff von der Stiftung Wissenschaft und Politik auf dem Podium.

Mehr als 65 Millionen Menschen sind auf der Flucht

Mehr als 65 Millionen Menschen sind dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen zufolge weltweit auf der Flucht - sechs Millionen mehr als noch im Vorjahr. "Was die Menschen aus ihrer Heimat vertreibt ist in der Regel menschengemacht: Kriege und Konflikte. Doch als Fluchtursachen kommen auch mangelnde Zukunftsperspektiven und die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen hinzu", sage Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in seinem Eröffnungsstatement deutlich machte.

Angesichts der Lage in Syrien fragte der Minister: "Wenn wir zu einem nachhaltigen Frieden in einer Krisenregion kommen wollen, sollten wir dann nicht unseren Ansatz der vernetzten Sicherheit aus Diplomatie, Entwicklungshilfe und militärischen Fähigkeiten um den Baustein Landwirtschaft und Ernährungssicherung erweitern?"

Beitrag der Ernährungssicherung zur Friedenssicherung lange unterschätzt

Unter Verweis auf die Tatsache, dass Syrien von 2005 bis 2011 eine der größten Dürren des vergangenen Jahrhunderts erlebt hat, die viele Menschen ihres Lebensunterhaltes beraubte, urteilte Schmidt: "Wir haben ganz einfach unterschätzt oder nicht ausreichend genug erkannt, welchen Beitrag die Ernährungssicherung der Menschen für die Stabilität ihrer Heimatregionen spielt."

Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung - 2050 werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben - mahnte der Minister, sie alle gelte es ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Hungerrevolten und Fluchtbewegungen ungeahnten Ausmaßes wären sonst die Folge. Soll die Landwirtschaft diese Mammutaufgabe bewältigen, muss sie nach den Worten des Ministers noch produktiver, nachhaltiger und widerstandsfähiger werden - gerade mit Blick auf den Klimawandel.

Bedeutung präventiver Krisenvorsorge

Ralf Südhoff, Direktor des UN-Welternährungsprogramms für Deutschland, Schweiz, Österreich, stellte heraus, man habe im Kampf gegen Hunger große Fortschritte erzielen können: Die Zahl der Hungernden sei seit den 90er Jahren massiv zurückgegangen. Doch diese Entwicklungserfolge drohten nunmehr durch große Konflikte, wie etwa in Syrien oder das Wetterphänomen El Niño verloren zu gehen. "Wir müssen im Krisenmanagement besser werden", mahnte Südhoff. Dies sei mit Blick auf Klimakrisen leichter als mit Blick auf politische Konflikte, da sie besser vorhersehbar seien. Positiv aus seiner Sicht: Nachdem bis vor zehn Jahren die Rolle von Ernährung und Landwirtschaft zur effektiven Ursachenbekämpfung massiv vernachlässigt worden sei, habe sich dies geändert. So hätten sich inzwischen beispielsweise die G7 und G20 Staaten des Themas angenommen. Er hoffe, dass dies so bleibe.

Podiumsdiskussion im BMEL Von links: Moderatorin Dr. Ursula Weidenfeld, Bundesminister Schmidt, Thomas Wrießnig, Dr. Bettina Rudloff, Ralf Südhoff, Quelle: bmel/ photothek.net/Ronny Hartmann

Auch Thomas Wrießnig, Botschafter und Vizepräsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, machte deutlich, wie wichtig präventive Krisenvorsorge ist. Als positives Beispiel nannte er die Erdbebenregion Nepal. Dort habe man vorsorglich in Erwartung weiterer Naturkatastrophen, ein großes Versorgungslager angelegt. Eine Strategie, die sich bewährte. Zugleich stellte Wrießnig die Bedeutung von Sicherheit - etwa mit Blick auf Landnutzungsrechte - heraus, um Krisen vorzubeugen. Sicherheit sei die Grundvoraussetzung für jede Entwicklung.

Ländliche Räume stärken und für junge Menschen attraktiv halten

Dr. Bettina Rudloff von der Stiftung Wissenschaft und Politik ging unter anderem auf die potenziell destabilisierenden Wanderungsbewegungen gerade junger Menschen vom Land in die Städte ein. Es gelte nicht nur die Landwirtschaft, sondern die ländlichen Räume als Ganzes im Blick zu halten und sie als Lebensraum für junge Menschen attraktiv zu halten.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass es wichtig sei, Landwirtschaft und Ernährungssicherung als Mittel präventiver Krisenvorsorge weiter zu stärken und in Konzepten der "vernetzten" Sicherheit mitzudenken. Präventiv zu arbeiten sei nicht nur ein vergleichsweise preiswertes und effektives Mittel, um mit dazu beizutragen Krisen zu verhindern und Fluchtursachen zu bekämpfen, sondern auch ein Gebot der Humanität

Stand:
01.12.16

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