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Arbeitsgruppe "Carry over unerwünschter Stoffe in Futtermitteln" beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Stellungnahme zu Getreidestroh als Mykotoxin-Quelle in der Tierernährung (Stand: September 2010)

Stroh kommt als Einstreumaterial sowie als Strukturkomponente in Futterrationen zum Einsatz. Stroh wird, insbesondere für Schweine, die besonders empfindlich auf eine Reihe von Mykotoxinen reagieren und mehr als 10 % der täglichen Gesamtration als Stroh aus der Einstreu aufnehmen können, als zusätzliche orale Mykotoxin-Expositionsquelle vermutet. Eine quantitative Expositionsabschätzung fehlt ebenso wie Angaben zur Bioverfügbarkeit der mit dem Stroh aufgenommenen  Mykotoxine.

Ziel eines bundesweiten Screenings von insgesamt 201 Strohproben der Erntejahre 2007 und 2008 war es, das Vorkommen und die Variation von Deoxynivalenol (DON) und anderen Trichothecenen, Zearalenon (ZON) und Ochratoxin A (OTA) besser abschätzen zu können sowie die Bioverfügbarkeit von DON aus Weizenstroh im Vergleich zu den zellwandärmeren Weizenkörnern beim Schwein zu bestimmen.

Die DON-Konzentrationen der Screening-Proben (83 % positive Proben) variierten zwischen 0,016 und 23,27 mg/kg, wobei die mittlere Konzentration 1,23 mg/kg betrug[1]. ZON war in 46% der 201 Proben nachweisbar, wobei eine mittlere Konzentration von 0,089 mg/kg bei einem Schwankungsbereich von 0,007 bis 0,767 mg/kg gemessen wurde. OTA wurde lediglich in einer einzelnen Probe im Spurenbereich von 0,0015 mg/kg festgestellt. Neben DON wurden weitere Typ B-Trichothecene, wie Nivalenol sowie 3- und 15-Acetyl-DON als auch die Typ A-Trichothecene Scirpentriol, 15-Monoacetoxyscirpenol, 4,15-Diacetoxyscirpenol, T-2-Toxin, HT-2-Toxin, T-2-Tetraol, T-2-Triol und Fusarenon-X in unterschiedlichen Konzentrationen und Häufigkeiten detektiert.

Die Strohproben enthielten im Mittel 3 Toxine; allerdings wurde auch das gleichzeitige Vorkommen von bis zu 10 Toxinen festgestellt. Unterschiedliche Gehalte und Vorkommen der einzelnen Mykotoxine sind dabei insbesondere bedingt durch Strohart, Erntejahr, Anbauregion, Vorfrucht und Bodenbearbeitung.

Die Untersuchungen zur Bioverfügbarkeit von DON aus Weizenstroh zeigten keine Unterschiede zur DON-Verfügbarkeit aus Weizenkörnern. Daher kann davon ausgegangen werden, dass der Anteil des Strohs an der DON-Exposition von Schweinen allein vom Grad der DON-Gehalte im Stroh sowie der tatsächlichen Menge an aufgenommenem Stroh abhängt.

Für eine Risikoabschätzung wird eine mittlere DON-Konzentration von 1,23 mg/kg Stroh sowie unter Berücksichtigung, dass Stroh von den Tieren auch als Beschäftigungsmaterial genutzt wird, eine maximale Strohaufnahme von 14 % der Gesamttagesration für das Schwein unterstellt (van Barnevelt, 2003), so ergibt sich durch den Anteil des Strohverzehrs eine DON-Konzentration von 0,17 mg/kg an der gesamten Tagesration. Bei Zugrundelegung der maximal ermittelten DON-Konzentration von 23,27 mg/kg errechnet sich eine entsprechende DON-Konzentration von 3,28 mg/kg. Daher wäre im Maximalfall ein Überschreiten des Richtwertes für die DON-Konzentration in der täglichen Ration für Schweine von 0,9 mg/kg (EU 2006) einzig durch den Verzehr von Stroh gegeben, wobei zu berücksichtigen ist, dass im Mittel deutlich weniger Stroh von Schweinen freiwillig aufgenommen wird. Ferner ist zu beachten, dass der Richtwert für Stroh als Einzelfuttermittel 8 mg/kg beträgt (EU 2006). Über die unterschiedlichen Kombinationen zwischen Strohkontamination und Strohaufnahme im Hinblick auf den Richtwert von 0,9 mg/kg in der Tagesration gibt folgende Abbildung Aufschluss:

Für ZON lassen sich ähnliche Risikoabschätzungen vornehmen. Die ZON-Gehalte in der täglichen Ration für Schweine überschreiten bei mittleren Gehalten (ermittelter Mittelwert von 0,089 mg/kg) und der genannten maximalen Strohaufnahme die Richtwerte von 0,1 mg/kg für Jungsauen bzw. von 0,25 mg/kg für Zuchtsauen und Mastschweine (EU 2006) nicht. Unter Berücksichtigung der maximal ermittelten ZON-Konzentration von 0,767 mg/kg Stroh erreicht die Tagesration eine Konzentration von 0,11 mg/kg; damit würde der Richtwert für Jungsauen allein durch den Strohanteil überschritten.

Insgesamt kann geschlussfolgert werden, dass Stroh im Vergleich zu anderen Futtermitteln aus Getreide nicht als eine besonders prädisponierte Quelle für die untersuchten Mykotoxine anzusehen ist. Das potenzielle Risiko für landwirtschaftliche Nutztiere, insbesondere für das Schwein, hängt neben den Gehalten im Stroh auch von der tatsächlichen Strohaufnahme aus der Ration bzw. aus der Einstreu ab. Die Mykotoxin - Exposition über die tägliche Gesamtration sollte daher unter Berücksichtigung von Stroh als Rationsbestandteil oder als Einstreu bewertet und durch geeignete Maßnahmen so gering wie möglich gehalten werden. Darüber hinaus  trägt die Verwendung von hygienisch einwandfreiem Stroh mit geringen Mykotoxinkonzentrationen auch zu einer Verringerung einer potenziellen und schwer abschätzbaren zusätzlichen inhalativen Exposition über oberflächlich dem Stroh anhaftende kontaminierte Stäube bei.

Die Bedeutung anderer Mykotoxine, wie Toxine aus Schwärzepilzen (z.B. Alternaria spp.), bedürfen in diesem Zusammenhang noch weiterer Untersuchungen.

Literatur

  • Van Barneveld, R.. (2003) Accurate assessment of diet intake and composition in various pig housing systems; Pig Research Report (APL Project 1754)
  • EU (2006)

    Empfehlung (EG) Nr. 2006/576 der Kommission vom 17. August 2006 betreffend des Vorhandensein von Deoxynivalenol, Zearalenon, Ochratoxin A, T-2- und H-T-2-Toxin sowie von Fumonisinen in zur Verfütterung an Tiere bestimmen Erzeugnissen; (2006/576/EG) ABl. L 229 v. 23.08.2006, S.7

[1] Im Hinblick auf die futtermittelrechtlichen Regelungen beziehen sich die Konzentrationsangaben durchgängig auf einen Trockenmassegehalt von 88 %.

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