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Eismeer mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund Quelle: axily - Fotolia.com

Deutschland beantragt Meeresschutzgebiet in der Antarktis

Die Bundesregierung setzt sich für die Ausweitung der Meeresschutzgebiete ein und hat einen Antrag auf ein Meereschschutzgebiet (MPA) im antarktischen Weddellmeer ausgearbeitet. Ein entsprechender Antrag wurde bei der Internationalen Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) gestellt.

Das wissenschaftliche Fundament dazu lieferten Forscher des Alfred-Wegner-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Vom 16. bis 27. Oktober 2017 findet die 36. Sitzung der CCAMLR in Hobart (Tasmanien) statt. Ihre Mitglieder müssen einstimmig über die Einrichtung des Schutzgebietes abstimmen.

Dieser Vorschlag ist Teil eines repräsentativen Netzwerkes mariner Schutzgebiete im Südpolarmeer, für das die CCAMLR, der 24 Mitgliedstaaten und die Europäische Union angehören, derzeit in einem mehrjährigen Prozess die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet. Das Weddellmeer ist eine von insgesamt neun Planungsregionen im CCAMLR-Vertragsgebiet des gesamten Antarktischen Ozeans. Der von Deutschland erarbeitete Schutzgebietsvorschlag umfasst eine Fläche von rund 1,8 Millionen Quadratkilometern, fünf Mal so groß wie Deutschland. Es würde das mit Abstand größte Meeresschutzgebiet der Welt werden.

Eines der letzten nahezu unberührten Regionen der Antarktis

Stichwort Weddellmeer

Das Weddellmeer erstreckt sich südöstlich von Südamerika über eine Fläche von rund 2,8 Millionen Quadratkilometern. Hier leben circa 14.000 Tierarten. Meeresbiologen vergleichen die Artenvielfalt des Südpolarmeeres mit der tropischer Riffe. Seit Entdeckung des Weddellmeeres im Jahr 1823 wurde dort wegen der nahezu unschiffbaren Eisverhältnisse nie kommerzielle Fischerei betrieben. Das einzigartige, weitgehend unberührte Gebiet beherbergt marine Tiergemeinschaften und Ökosysteme, die sich über Jahrmillionen an die antarktischen Lebensverhältnisse angepasst haben.

Extremer als im Weddellmeer können die Lebensbedingungen für Meerestiere kaum sein. Seine Bewohner müssen jederzeit Energie sparen und haben dafür einmalige Techniken entwickelt. Eisfische etwa bilden Frostschutz-Proteine, die ein Gefrieren ihres Blutes verhindern. Das Weddellmeer ist ein Meer großer Vögel: In der Nähe seiner Küsten brüten mehr als 300.000 Paare des Antarktischen Sturmvogels. Auf dem Meereis erblickt ein Drittel aller Kaiserpinguine das Licht der Welt.

Wissenschaftler haben bisher sechs Robben- und zwölf Walarten dokumentiert. Die bekanntesten Vertreter der Großwale sind Buckelwale, Schwertwale, Blauwale und Antarktische Zwergwale.

Bundesminister Christian Schmidt betonte: "Das Weddellmeer gehört zu den letzten, nahezu unberührten Regionen der Antarktis. Bisher hat die internationale Fischereiflotte einen Bogen um dieses Gebiet gemacht. Damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen wir hier einen Großteil der für die Fischerei interessanten Meeresgebiete unter Schutz stellen. Die kommerzielle Fischerei wäre eine extreme Gefahr für die empfindlichen Bestände der rund 14.000 Tierarten im Weddellmeer. Das Meeresschutzgebiet soll allein der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten bleiben und die internationale Kooperation auf diesem Gebiet stärken. Beides bildet die Säulen des Antarktisvertrages. Es ist unsere historische Aufgabe, einzigartige Ökosysteme wie die Antarktis zu schützen."

Deutschland unterstützt die internationalen Anstrengungen zum Schutz der Meeresgebiete in der Antarktis seit langem mit großem Nachdruck.

Experten am Alfred-Wegner-Institut haben in den vergangenen vier Jahren Hunderttausende von Daten aus dem Weddellmeer zusammengetragen und ausgewertet. Damit wurde eine umfangreiche wissenschaftliche Basis geschaffen, um die empfindlichen marinen Tiergemeinschaften und Ökosysteme, die sich über Jahrmillionen an die antarktischen Lebensverhältnisse im Weddellmeer angepasst haben, gezielt und effektiv zu schützen.

"Unsere Untersuchungen zeigen, dass der Klimawandel bisher wenige Auswirkungen auf diese Meeresregion hat", erklärte die Direktorin des Alfred-Wegner-Instituts, Prof. Dr. Karin Lochte. Dies bedeute, dass dem Weddellmeer eine wichtige Funktion als Rückzugsort für kälteliebende Arten zukommt. Lochte: "Außerdem ist die Region ein wertvolles Referenzgebiet für die wissenschaftliche Grundlagenforschung. Deshalb haben wir selbst großes Interesse daran, dass künftige Forschungsarbeiten in diesem einzigartigen und weitgehend unberührten Gebiet nicht durch zerstörerische menschliche Aktivitäten gefährdet werden."

Vorschläge für Meeresschutzgebiete im Ross-Meer und der Ostantarktis

Bereits 2016 wurde ein von Neuseeland und den USA erarbeitetes Meeresschutzgebiet im Ross-Meer eingeführt. Darüber hinaus gibt es seit 2012 noch einen weiteren Vorschlag für die Einrichtung eines Meeresschutzgebietes in der Ostantarktis, das von Frankreich, der EU und Australien vorbereitet wird. Beide Initiativen sehen Maßnahmen für die Bewahrung und den nachhaltigen Umgang mit weiteren besonders sensiblen Gebieten in der Antarktis vor.

Bei den Vorschlägen zu Meeresschutzgebieten äußern mehrere Staaten grundsätzliche rechtliche Bedenken gegen deren Ausweisung; einige weitere Staaten hinterfragen insbesondere die Größe der Meeresschutzgebiete sowie die Ausgestaltung und Dauer der vorgeschlagenen Maßnahmen. Die Verhandlungen werden weitergeführt mit dem Ziel, die Vorschläge bei der CCAMLR-Jahrestagung im Oktober 2017 zu verabschieden. Die Bundesregierung unterstützt den noch offenen Vorschlag für ein Meeresschutzgebiet nachdrücklich.

Stand:
18.10.16
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