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Die europäische Zusammenarbeit

Innerhalb Europas werden Waldthemen von mehreren Institutionen wahrgenommen. Diese sind innerhalb der EU und/oder innerhalb des gesamteuropäischen Forstministerprozesses "Forest Europe" aktiv.

Europäischer Forstministerprozess "Forest Europe"

Die für Wald zuständigen Minister Europas einigten sich am 20./21. Oktober 2015 in Madrid auf eine Reihe von Beschlüssen zum Schutz der Wälder in Europa. Diese bilden die Basis für die Arbeit der nächsten 5 Jahre im Rahmen des Europäischen Forstministerprozesses "Forest Europe". 2020 wird Deutschland den Vorsitz übernehmen. So soll bis 2020 ein Neuanlauf bei der Europäischen Waldkonvention gemacht werden. Die Verhandlungen dazu waren Anfang 2015 zunächst als gescheitert erklärt worden, weil man sich nicht auf den Sitz des Sekretariates einigen konnte. Die Minister würdigten aber die bisherigen Anstrengungen und insbesondere den fachlichen Teil des Konventionstextes, zu dem bereits weitgehende Einigung erzielt worden war.

Pressestatement von Bundesminister Christian Schmidt

Des Weiteren wurden zwei Resolutionen zu den Themen "Wald im Zentrum der Bioökonomie" und "Forstschutz in Europa im Wandel" sowie eine Entscheidung zur Reformierung und Stärkung des Prozesses Forest Europe verabschiedet. 39 europäische Staaten waren auf der Konferenz vertreten - davon etwa die Hälfte auf Minister- oder Staatssekretärsebene - dazu eine große Anzahl regionaler und internationaler Beobachterorganisationen. Dies unterstreicht die grundsätzliche Unterstützung innerhalb Gesamteuropas für den Prozess Forest Europe, der den Ländern Europas von Russland bis Island und von Finnland bis zur Türkei eine forstpolitisch bedeutende gemeinsame Plattform bietet. Aus Anlass der Konferenz wurde die neueste Ausgabe des gesamteuropäischen Waldberichts "State of Europe’s Forest" vorgelegt – ein Gemeinschaftswerk von Forest Europe mit FAO, das einen umfassenden Überblick über den Zustand der Wälder Europas und alle Aspekte der Umsetzung nachhaltiger Waldbewirtschaftung auf Basis der Daten nationaler Inventuren und Informationen liefert (weiterführende Informationen unter http://www.foresteurope.org/).

EU-Waldstrategie

Obgleich es keine förmliche Zuständigkeit der EU für eine gemeinsame europäische Forstpolitik gibt, werden EU-Aktivitäten in der internationalen Waldpolitik eng koordiniert. Auf EU-Ebene wird die Durchführung waldrelevanter Maßnahmen zwischen den Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission im Rahmen der EU-Waldstrategie vom September 2013 und den Ratsschlussfolgerungen dazu vom Mai 2014 abgestimmt. Darüber hinaus üben eine Reihe weiterer EU-Politiken Einfluss auf die Waldpolitik und die Waldbewirtschaftung in der EU aus, so zum Beispiel die Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt (Schutz der genetischen Ressourcen, der Arten und der Ökosysteme) oder die Beschlüsse zur Klimapolitik und zu den erneuerbaren Energien (30 Prozent weniger Kohlendioxid-Emissionen, 20 Prozent Bioenergieanteil bis 2020).

Die Bedeutung der EU-Waldstrategie liegt vor allem darin, diese vielfältigen und z.T. konträren Ansprüche an den Wald aus den verschiedenen EU-Politikbereichen wie z.B. Naturschutz, Energie, Klimaschutz und Wirtschaft miteinander in Einklang zu bringen. Zur konkreten Umsetzung wird ein Aktionsplan erstellt werden. Schwerpunkte sind z.B. die Bioökonomie, der Waldschutz sowie die Weiterentwicklung von Kriterien und Indikatoren für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Deutschland bringt sich direkt auf EU-Ebene ein und setzt nationale Maßnahmen im Rahmen der Waldstrategie 2020 um.

European Forest Institute

Das European Forest Institute (EFI) ist eine internationale Organisation mit Hauptsitz in Finnland und den, regionalen Büros in Barcelona, Bordeaux sowie jetzt auch in Bonn und Projektzentren in Malaysia und China. Es wird getragen von 28 europäischen Zeichnerstaaten und hat circa 115 Mitgliedsorganisationen, meist aus dem wissenschaftlichen Bereich. Gemeinsam mit seinen Mitgliedern forscht EFI zu allen Aspekten von Wäldern. Die Arbeit reicht dabei von den ökologischen Grundlagen bis hin zur wirtschaftlichen Nutzung der Wälder.

Zugleich unterstützt es die Kommunikation zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis und sorgt dafür, dass politische Entscheidungsträger erleichterten Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen bekommen. Das EFI bietet ein einzigartiges Forschungs-netzwerk und vielfältige Möglichkeiten für Kooperationen im Forstbereich.

Der neue Standort des EFI-Büros in Bonn befindet sich seit August 2017 am Platz der Vereinten Nationen. Damit ergänzt das EFI Bonn als Organisation mit dem Themenschwerpunkt Wald das Spektrum der internationalen Organisationen und Forschungs-einrichtungen in Bonn, die sich mit Nachhaltigkeits- und Umweltfragen beschäftigen.

Die Ansiedlung von EFI in Bonn wurde von der Bundesregierung, dem Land Nordrhein-Westfahlen sowie der Stadt Bonn aktiv unterstützt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat sich bereit erklärt, die Kosten für Miete und Grundversorgung der Liegenschaft für die nächsten zehn Jahre zu tragen und eine jährliche Grundfinanzierung für diesen Zeitraum zu gewährleisten. Zudem wurden mit dem EFI bereits Projekte im Wert von 1,6 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre vereinbart.

Europaweite Zusammenarbeit bei der Integration von Naturschutz in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern

Ein vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördertes internationales Projekt testet derzeit in mehreren europäischen Ländern einen innovativen und anwendungsorientierten Ansatz zur Verbesserung der Berücksichtigung von Naturschutzaspekten in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern.

Durchgeführt wird das Projekt Integrate+ vom Regionalbüro Freiburg des Europäischen Forstinstituts (www.integrateplus.org). Dabei werden in repräsentativen Waldtypen Europas Flächen ausgewählt, auf denen alle Bäume auf einem Hektar erfasst, in einer eigens entwickelten Software eingelesen und von einem Tablet direkt in der entsprechenden Demonstrationsfläche abgerufen werden können. Forstleute und Naturschützer können sodann direkt vor Ort durch eine virtuelle Baumauswahl verschiedene Bewirtschaftungsmaßnahmen testen und sowohl den ökonomischen Erlös als auch die ökologischen Folgen ihrer Entscheidung vor Ort einschätzen lernen. Neu an dem Ansatz ist es, dass dabei auch eine auf die Zukunft ausgerichtete Folgenabschätzung dieser Auswahlentscheidung ausgewertet wird.

Das Projekt dient zu Schulungs- und Demonstrationszwecken. Im Ergebnis sollen Forstpraktiker noch stärker als bisher für ökologisch wertvolle Waldstrukturen sensibilisiert werden, um sie bei ihren künftigen Waldbewirtschaftungsentscheidungen besser berücksichtigen zu können. Forstleute aus aller Welt, zuletzt eine Forstdelegation aus Georgien, besuchen diese Waldflächen und nehmen wertvolle Anregungen mit nach Hause.

Das jetzige anwendungsorientierte Projekt folgt dem ebenfalls vom BMEL geförderten Wissenschaftsprojekt INTEGRATE, an dem führende Experten Europas auf dem Gebiet Wald und Naturschutz beteiligt waren. Deutschland und Tschechien haben im Juni 2015 vereinbart (Arbeitsprogramm der bilateralen strategische Zusammenarbeit), diesen innovativen, konkreten und erfolgreichen Ansatz auch im Rahmen des Arbeitsprogramms zur Umsetzung der EU Waldstrategie einbringen.

Im Rahmen der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit in diesem Bereich haben Bundesminister Christian Schmidt und sein tschechischer Amtskollege am 6. und 7.10.2016 eine internationale Konferenz in Prag durchgeführt und die Prager Erklärung für Waldbewirtschaftung und Biodiversität unterzeichnet.

Stand:
29.08.17

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In-Tree policy brief "A forest pest is not always a forest pest"

Cover Brochure

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