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Förster stehen im Wald und schauen auf ein Tablet Erfahrungsaustausch im Wald: Exkursion des europäischen Netzwerksin in den Kottenforst und an der Waldau, Quelle: BMEL

Waldnaturschutz: Das europaweite Netzwerk "Integrate"

Effektiven und effizienten Waldnaturschutz im Rahmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung voranbringen - das ist das Ziel eines neuen europaweiten Netzwerkes, das Deutschland und die Tschechische Republik gemeinsam angeschoben haben.

Europäisches Netzwerk „Integrate“ erfolgreich gestartet

Rund 50 Vertreter aus der Forst- und Umweltpolitik und der Wissenschaft aus 16 europäischen Staaten sowie der Europäischen Kommissionhaben haben bei der ersten Sitzung des Europäischen Netzwerkes Integrate am 26./27.6.2017 in Bonn ihr Interesse unterstrichen, die Integration von Naturschutzsaspekten in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern weiter zu verstärken und zu verbessern.

Das Netzwerk Integrate wird künftig den Erfahrungsaustausch über besonders gelungene Integration von Naturschutz in bewirtschafteten Wäldern in den europäischen Ländern fördern und so Wege aufzeigen, wie effektiver und intelligenter Waldnaturschutz effizient umgesetzt werden kann.

Die Entscheidung, das Netzwerk Integrate zu starten, geht auf eine Initiative von Bundesminister Christan Schmidt und seinem tschechischen Kollegen Marian Jurečka zurück. Der Vorschlag der beiden Forstminister fand große Unterstützung im Ständigen Waldausschuss der Europäischen Kommission, denn die Herausforderungen für die Waldbewirtschaftung sind in fast allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union ähnlich. Die Kommission und die meisten der EU-Mitgliedstaaten sagten anlässlich der Sitzung am 10. März 2017 in Brüssel zu, in diesem informellen Netzwerk zusammenzuarbeiten. Die Kooperationspartner wollen sich sowohl beim fachlichen Austausch aktiv einbringen als auch Waldflächen für eine nachhaltige Bewirtschaftung zur Verfügung stellen.

Naturschutz und biologische Vielfalt in der Waldbewirtschaftung

Hintergrund für den Start des neuen Netzwerks sind zunehmende Forderungen, den Naturschutz in den Wäldern Europas zu verstärken oder Wälder komplett aus der Bewirtschaftung herauszunehmen. Letzteres ist allerdings mit den vielfältigen weiteren Ansprüchen an die europäischen Wälder und mit den Zielen der nicht-staatlichen Waldeigentümer nur schwer in Einklang zu bringen. Auch die Notwendigkeit, die Wälder fit für den Klimawandel zu machen, ist bei Entscheidungen zur forstwirtschaftlichen Praxis abzuwägen.

Hilfreich sind in diesem Spannungsfeld Erkenntnisse aus der Wissenschaft, dass Waldbewirtschaftung und Naturschutz sich nicht ausschließen: So haben europaweite wissenschaftliche Studien im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) inzwischen belegt, dass es auch in nachhaltig bewirtschafteten Wälder möglich ist, Waldnaturschutz umzusetzen und die biologischen Vielfalt zu erhalten. Im Rahmen dieser Studien wurden zahlreiche erfolgreiche Beispiele aus der Forstpraxis, sowohl in Deutschland als auch in Europa, untersucht. Die Herausnahme von Wäldern aus dem aktiven Waldmanagement ist damit nur eine von vielen Maßnahmen des intelligenten Waldnaturschutzes der Zukunft. Das bestätigen auch zahlreiche weitere Forschungsergebnisse aus Deutschland.

Grenzüberschreitender Wissenstransfer zum Naturschutz für die Praxis

Das Netzwerk soll künftig zur grenzüberschreitenden Förderung des Wissenstransfers und damit zum Kapazitätsaufbau bei der Integration des Naturschutzes in allen beteiligten Fachbereichen beitragen. Nicht nur in der Theorie, sondern vor allem anhand von Beispielen an konkreten Waldorten sollen die Mitglieder des Netzwerkes praxisrelevante Fragen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung diskutieren: Lassen sich erfolgreiche nachhaltige Bewirtschaftungskonzepte auf andere Standorte übertragen? Wie wirken sie sich auf andere Ziele der Waldnutzung aus? Entstehen Mehrkosten?

Dazu werden die teilnehmenden Mitgliedstaaten Flächen mit erfolgreichen Ansätzen zur Demonstration nachhaltiger Waldbewirtschaftung in das Netzwerk einbringen. Das Europäische Forstinstitut (EFI) mit seinem neuen Büro in Bonn wird das Netzwerk Integrate wissenschaftlich unterstützen und begleiten.

Konkrete Empfehlungen für die Forstpraxis: Mikrohabitate erkennen und bewahren

Ziel der Zusammenarbeit im Netzwerk Integrate ist es, aus den gewonnenen Erkenntnissen konkrete Empfehlungen für die Forstpraxis abzuleiten, wie Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden können. Ein Beispiel aus Deutschland: Im Rahmen eines BMEL-geförderten EFI-Projekte wurde ein Erkennungsschlüssel für so genannte Mikrohabitate entwickelt (Katalog der Baummikrohabitate (PDF, 2 MB, nicht barrierefrei)) entwickelt. Dazu gehören ökologisch besonders wertvolle Einzelbäume. Die Vielfalt an solchen Mikrohabitaten ist eine zentrale Voraussetzung für den Erhalt der Vielfalt von Waldarten in bewirtschafteten Wäldern. Sie können bei optimaler Anlage sogar zu höheren Artendichten als im Naturwald führen. Der neue Erkennungsschlüssel hilft den Förstern, ökologisch besonders wertvolle Einzelbäume noch besser zu identifizieren und im Zuge notwendiger Waldbewirtschaftungsmaßnahmen gezielt zu erhalten oder sogar zu fördern. Vermittelt wird dieses Verfahren bereits an Forstpraktiker und den forstlichen Nachwuchs durch praktische Übungen auf Lehr- und Demonstrationsflächen in ganz Europa. Unterstützt wird dies durch eine moderne Software für die Vor-Ort-Modellierung von Waldmanagement-Entscheidungen.

Stand:
06.07.17

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