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Klimaschutz und nachhaltige Waldbewirtschaftung

Klimaschutz ist eine globale Herausforderung, der eine politische Priorität zukommt. Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und beteiligen sich aktiv an den Klimaverhandlungen.

Anders als bei lokalen oder regionalen Umweltproblemen werden Minderungen der Treibhausgasemissionen unabhängig davon wirksam, in welchem Sektor und in welcher Region der Welt sie erzielt werden. Als eine der kosten-effektivsten Klimaschutzmaßnahmen bezeichnet der Weltklimarat die nachhaltige Waldbewirtschaftung.

Erfolg bei den Klimaverhandlungen von Paris

Teilnehmer der Klimaverhandlung Am 12.12.2015 war der Abschluss des neuen Klimaabkommens erreicht, Quelle: Französische Botschaft in Deutschland

Die Verhandlungen zu einem neuen Klimaabkommen im Dezember 2015 in Paris konnten zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden. Als Ergebnis von Paris steht das erste globale, völkerrechtlich verbindliche Klimaabkommen mit dem Langfristziel, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts Klimaneutralität der weltweiten Wirtschaft zu erreichen.

Das Abkommen ist ein großer Erfolg und ein Wendepunkt im Prozess der globalen Klimaverhandlungen. Mit ihm ist ein langfristiger und verlässlicher Handlungsrahmen entstanden. In den folgenden Jahren wird der in Paris beschlossene Rahmen nun umgesetzt werden, wofür Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weltweit gefordert sind.

Inhaltlich umfasst das Klimaabkommen von Paris auch die den Wald betreffenden Elemente wie REDD+ , nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Anerkennung von Holz und Holzprodukten als zusätzliche Kohlenstoffspeicher oder Substitut für fossile Rohstoffe. Erstmals sind damit alle den Wald und den Rohstoff Holz berührenden Beiträge zum Erhalt des Weltklimas in einem Abkommen gewürdigt, das für alle Staaten der Erde gilt. Die Vertragsstaaten werden durch das Klimaabkommen aufgefordert, diese positive Klimawirkung von Wäldern, nachhaltiger Waldbewirtschaftung und Holznutzung (in der "Klimasprache": Kohlenstoffsenken und Reservoirs) zu erhalten und auszubauen.

Hinter dieser Aufforderung steht, dass Wald und Holzprodukte Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufes sind. Nach aktuellen Auswertungen der dritten Bundeswaldinventur sind in der Biomasse der nachhaltig bewirtschafteten Wälder Deutschlands rund 1169 Mio. Tonnen Kohlenstoff langfristig gespeichert. Zusätzlich bindet der deutsche Wald durch den Anteil des ungenutzten Zuwachses der Waldbäume jedes Jahr, so ermittelt im Zeitraum 2008-2012, 52 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Hinzu kommt die Wirkung des Kohlenstoffspeichers in genutzten Holzprodukten mit einem Senken- oder Speicherungseffekt von derzeit rund 3,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid je Jahr.

Eine weitere Verstärkung dieser positiven Klimawirkung von Wald und Holz ergibt sich durch den so genannten Substitutionseffekt. Dieser besteht aus zwei Effekten: Zum Einen wird bei der Herstellung von Holzprodukten (z.B. Möbel oder Bauelemente) weniger Energie benötigt als bei vergleichbaren Produkten. Zum Anderen kann Holz als Energieträger fossile Energieträger ersetzen. Diese Substitutionswirkung belief sich in den Jahren 2005-2009 im stofflichen Bereich auf weitere rund 57 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich, im energetischen Bereich auf rund 30 Millionen Tonnen jährlich.

Studien des Europäischen Forstinstitutes (EFI) eröffnen, dass auf EU-Ebene, konkrete Anreizsysteme vorausgesetzt, 400 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zusätzliche Minderungsleistung im Forstbereich möglich wären. Damit wäre ein Klimaeffekt des Waldes, einschl. Holznutzung, zu erreichen, der gleichbedeutend mit 22 Prozent der derzeitigen CO2-Gesamtemission der EU ist.

Das neue Klimaabkommen mit der Verankerung der Klimaneutralität als Langfristziel unterstreicht, dass die Umsetzung der enthaltenen Beschlüsse nicht ohne die Forstwirtschaft zu realisieren sein wird. Voraussetzung dafür ist, dass Forstbetriebe und Waldbesitzer die Wälder weiter nachhaltig und verantwortungsvoll bewirtschaften können. Nach einer Studie des Thünen Institutes sind aktuell 5,6 Prozent der deutschen Wälder aus der Nutzung genommen. Mit einer weiteren Ausdehnung dieser Waldflächen, wie sie in Deutschland beispielsweise im Rahmen der aktuellen "Wildnisdebatte" anvisiert wird, können die vielfältigen Anforderungen an eine moderne Forstwirtschaft nicht erfüllt werden. Die Paris-Beschlüsse machen dies nun noch deutlicher als zuvor.

Die Klimawirkung des Waldes außerhalb Europas

Die Rodung und Zerstörung von Wald, insbesondere in den Tropen, ist nach dem Energiesektor die zweitgrößte Ursache für vom Menschen verursachte Treibhausgase in der Atmosphäre. Da die globalen Gesamtemissionen in den letzten Jahren gestiegen sind, verminderte sich der rechnerische Anteil der Emissionen aus nicht-nachhaltiger Waldnutzung in den letzten Jahren von ehemals knapp 20 Prozent auf nunmehr 12 Prozent. Diese 12 Prozent der globalen Kohlendioxidemissionen könnten durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung vermieden werden. Daher liegt bei den jährlichen Klimaverhandlungen ein großes Augenmerk auf der Erhaltung und nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern in den Tropenländern.

Vor den Beschlüssen zum neuen Klimaabkommen in Paris sind nur Industrieländer Verpflichtungen zur Emissionsminderung eingegangen. Mit einer verringerten Rate an Waldzerstörung sollen künftig auch Tropenwaldländer einen aktiven Klimaschutzbeitrag leisten. Dazu ist es erforderlich, dass entsprechende Anreize für den Waldschutz geschaffen werden. "Schutz durch Nutzung" ist dabei der Schlüssel. Das bedeutet, die Wälder nicht nur als Kohlendioxid-Speicher zu betrachten. Die Waldwirtschaft muss vielmehr - auch in den Tropen - ökologische, soziale und wirtschaftliche Funktionen der Wälder sichern. Denn die Wälder tragen oftmals erheblich zur wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes wie auch zur Ernährungs- und Einkommenssicherung insbesondere bei der ärmeren Landbevölkerung bei.

Für eine nachhaltige Waldwirtschaft werden jedoch entsprechende Rahmenbedingungen benötigt. Am Ende können die Wälder so vor Raubbau und ungeregelter Umwandlung in Agrarflächen geschützt werden. Daher setzt sich Deutschland mit Nachdruck für den so genannten REDD-Prozess (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) ein.

Das im neuen Klimaabkommen verankerte REDD+ Rahmenwerk umfasst nicht nur den Schutz bestehender Wälder, sondern auch deren nachhaltige Bewirtschaftung sowie vorbereitende Maßnahmen zur Stärkung von Rechtsdurchsetzung.

Stand:
19.01.16

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