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Prager Erklärung: Naturschutz, biologische Vielfalt und Waldbewirtschaftung gehören zusammen

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat am 7. Oktober 2016 in Prag mit seinem tschechischen Amtskollegen Marian Jurecka die internationale Konferenz "Integration des Biodiversitätsschutzes in der nachhaltigen Waldwirtschaft" eröffnet.

"Naturschutz und Waldwirtschaft sind keine Gegenspieler. Naturschutz und Waldwirtschaft sind zwei Seiten einer Medaille", betonte Schmidt mit Blick auf Erkenntnisse aus Walddemonstrations- flächen in beiden Ländern.

Biodiversität in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern

Naturschutz und biologische Vielfalt sind in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern möglich, ohne dass dafür weitere Waldflächen stillgelegt oder größere Wildnisgebiete eingerichtet werden müssen. In Deutschland gibt es dazu sehr erfolgreiche Praktiken, die wissenschaftlich begleitet werden.

Auch auf den drei tschechischen Demonstrationsflächen haben Forstwissenschaftler und Forstpraktiker beider Länder den Umgang mit ökologisch wertvollen Bäumen und Waldstrukturen über zwei Jahre untersucht. Die Arbeit zeigt:

Mein Prinzip heißt deshalb Schutz durch Nutzung." Bundesminister Schmidt

Mit effizienten und intelligenten Lösungen, wie z.B. dem Schutz ausgewählter Bäume, die für die biologische Vielfalt von hohem Wert sind, können auch auf anspruchsvollen Flächen Naturschutz und Waldbewirtschaftung zusammengebracht werden. Die Demonstrationsflächen in Tschechien wurden im Rahmen des europäischen Projekts „Integrate“ eingerichtet und erweitern das europaweite Netzwerk derartiger Flächen. Das Projekt wird durch das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) gefördert und vom Europäischen Forstinstitut wissenschaftlich betreut.

Natur- und Artenschutz im Wald

Neben seinen vielfältigen Funktionen ist der Wald ein wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna. Die Bundeswaldinventur 2012 in Deutschland hat gezeigt, dass der Ist-Zustand der deutschen Wälder positiv ist und Naturschutz berücksichtigt wird:

  • Die Waldfläche in Deutschland ist konstant.
  • Der Holzvorrat und damit die Gesamtbiomasse der Wälder haben weiter zugenommen, denn es wurde weniger Holz geerntet als nachwächst.
  • Die Artenmischung der Wälder wird größer. Damit wird der Wald für den Klimawandel vorbereitet und stabilisiert.
  • Auch der Totholzanteil als ein Aspekt des Natur- und vor allem Artenschutzes entwickelt sich positiv.

Nur im Zusammenspiel von Naturschutz und Waldbewirtschaftung können wir unsere globalen Nachhaltigkeitsziele und ambitionierten Klimaziele erreichen." Bundesminister Schmidt

"Diese guten Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass Natur- und Artenschutz im Wald schon heute gelebt werden und eben kein Widerspruch sind", betonte Schmidt. Er machte in Prag aber auch klar: "Doch darauf dürfen wir uns nicht ausruhen: Wir wollen, dass der Wald weiterhin Vorreiter des gelebten Naturschutz bleibt. Deshalb will ich, dass auch der Forstsektor sein Wissen im Bereich praktischer Naturschutz stetig fortentwickelt."

Prager Walderklärung, internationale Konferenz und Strategischer Dialog zur Waldwirtschaft

Die internationale Konferenz in Prag findet im Rahmen des strategischen Dialogs zum Thema Waldwirtschaft der beiden Länder Deutschland und Tschechien statt. Ihr Ziel ist, die naturschutzrelevanten Ansätze in der Waldwirtschaft mit Forstpraktikern und -politikern aus Tschechien und anderen Staaten zu diskutieren, auszubauen und mit sinnvollen internationalen Instrumenten zu ergänzen.

Nachhaltige Waldbewirtschaftung fördert Biodiversität und dient dem Klimaschutz; ein Beispiel dafür ist die Verwendung von Holz als Baustoff, in dem Kohlendioxid gespeichert ist." Bundesminister Schmidt

Auf der Konferenz unterzeichneten Bundesminister Schmidt und der Minister für Landwirtschaft der Tschechischen Republik, Marian Jurečka, die Prager Walderklärung. In dieser würdigen sie die Ergebnisse des strategischen Dialogs zwischen den beiden Ländern. Sie unterstrichen die wesentliche Bedeutung der Integration des Biodiversitätsschutzes in der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Hiermit leisten beide Länder einen Beitrag zur Umsetzung der EU-Waldstrategie und laden andere europäische Länder zur Mitwirkung ein.

Teilnehmer der Konferenz sind insgesamt rund 85 Forstexperten, Behördenvertreter, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Waldbesitzerverbände aus Tschechien und Deutschland. Zudem waren Vertreter der Europäischen Kommission sowie acht weiterer EU-Mitgliedstaaten anwesend, da die deutsch-tschechischen Demonstrationsflächen auch als Best-Practices – Pilotflächen im Rahmen der EU- Waldstrategie dienen .

Europäisches Netzwerk für Waldnaturschutz und Biodiversität geplant

Bundesminister Schmidt und der tschechische Minister planen, ein Netzwerk von Wissenschaftlern und Regierungsvertretern europäischer Länder einzurichten. Dieses soll der europaweiten nachhaltigen Waldbewirtschaftung und der Verbesserung der biologischen Vielfalt dienen.

Das Europäische Forstinstitut (EFI) soll das Netzwerk wissenschaftlich begleiten. EFI mit Hauptsitz in Finnland ist eine etablierte wissenschaftliche Forschungseinrichtung und hat im Frühjahr 2017 ein Büro in Bonn eröffnet.

Stand:
07.10.16

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