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Wälder für Menschen

Zwischen 2010 und 2015 lag der weltweite Verlust an Naturwaldfläche – hauptsächlich Tropenwald - gemäß Erhebungen der FAO (United Nations Food and Agriculture Organisation) bei rd. 9 Mio je Jahr.

Das ist ein Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren. Zudem wurden erhebliche Flächen (2,5 Millionen Hektar pro Jahr) wiederaufgeforstet oder bewaldeten sich auf natürliche Weise ( 3 Millionen Hektar pro Jahr). Satellitenaufnahmen deuten allerdings darauf hin, dass die Fläche des Naturwaldverlusts eher noch größer sein dürfte. Die Hauptursachen der Tropenwaldzerstörung sind Umwandlungen in andere Landnutzungsformen, so zum Beispiel für die Palmöl-, Soja- oder Fleischproduktion, Waldbrände (oft auch durch menschliches Tun verursacht) oder eine nicht nachhaltige oder gar illegale Holznutzung. Letztere, die oftmals zur Verschlechterung des Waldzustandes führt, ist oft nur der erste Schritt, dem sodann die komplette Räumung und Umwandlung in Landwirtschaft folgt.

Die Erhaltung und nachhaltige Bewirtschaftung der Tropenwälder ist eine zentrale Herausforderung der internationalen Staatengemeinschaft. Gerade die Ärmsten sind oft von Wäldern als Lieferanten für Nahrung, Medikamente, Baumaterial und Energie direkt abhängig.

Deutscher führt Internationale Tropenholzorganisation (ITTO)

Dr. Gerhard Dieterle, ehemals Mitarbeiter des Bundeslandwirtschaftsministeriums und derzeit deutscher Mitarbeiter der Weltbank für klimarelevante Projekte zur Erhaltung der Wälder, wird künftig die Geschicke der ITTO mitbestimmen: Dies entschied die 52. Sitzung des ITTO- Rates am 12. November 2016 in Yokohama. Damit wird erstmals ein deutscher Forstexperte Leiter einer Internationalen Waldorganisation.

Die ITTO mit Sitz in Yokohama, Japan, hat zum Ziel, die nachhaltige Bewirtschaftung der Tropenwälder und die nachhaltige und legale Nutzung von Tropenholz zu fördern. Dazu definiert sie Standards und fördert konkrete Projekte. Ihre umfassenden Richtlinien zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Tropenwälder aktualisierte sie zuletzt 2015. Zudem setzt sie konkrete Arbeitsprogramme zur Zusammenarbeit mit den Sekretariaten des Washingtoner Artenschutzabkommens und des Übereinkommens zur biologischen Vielfalt um. So konnte erst vor kurzem die Listung einer Reihe Baumarten der Familie der "Rosenhözer", die aufgrund ihres kostbaren Holzes derzeit extrem gefährdet sind, durchgesetzt werden.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium förderte von 2013 bis 2016 Projekte der ITTO, um den genetischen "Fingerabdruck" für afrikanische Tropenhölzer als Grundlage für verbesserte Kontrolle des Handels zu entwickeln. Dr. Dieterle überzeugte mit seinem Plädoyer für eine nachhaltige Waldnutzung in Balance mit den nötigen Schutzmaßnahmen sowie für eine enge Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Konsumenten von Tropenholz. Damit sollen die Überlebenschancen für die Tropenwälder als wichtige Kohlenstoffspeicher aber auch unverzichtbare Lebens- und Wirtschaftsgrundlage für die Menschen in den betroffenen, meist schwach entwickelten, Ländern erhöht werden. Deutschland und die gesamte EU hatten ihm dafür Unterstützung zugesagt. Am Ende stimmten auch die Vertreter der Tropenwaldländer für ihn, die zunächst erhebliche Vorbehalte gegenüber einem Direktor aus einem Kosumentenland hatten.

Waldbewirtschaftung in Schwellen- und Entwicklungsländern: Stärkung der Familien und dörflichen Gemeinschaften

Mehr als 30 Prozent der Wälder in Entwicklungsländern werden von lokalen Volksgruppen, dörflichen Gemeinschaften oder ortsansässigen Familien besessen, bewirtschaftet und bewahrt. Die Bedeutung dieser Kleinwaldbewirtschaftung nimmt seit wenigen Jahren in immer mehr Tropenwaldländern, aber auch in China als Ergebnis der großangelegten Landreform, stark zu. Es ist das Ergebnis einer erweiterten Verfügungsfreiheit für Waldnutzungen, die diese Länder beispielsweise durch Landreformen, Ausweitung kommunaler Rechte oder die Schaffung neuer Nutzungsrechte immer größeren Bevölkerungsteilen einräumen.

Diese trägt weltweit zur Verbesserung der Lebensbedingungen, der Ernährung und der Einkommenssituation der Menschen in ländlichen Regionen bei. Denn Ernährung, Baustoffe und Haushaltswaren beziehen insbesondere die ärmsten Bevölkerungsteile oft direkt aus dem Wald. Zudem können sie Einkommensbeiträge aus Verkauf von Waldprodukten erzielen. Dem Grundprinzip "Schutz durch Nutzung" folgend, werden Waldzerstörungen auf diese Weise eingedämmt, da Überlebensperspektiven aufgezeigt und das Eigeninteresse an der Erhaltung der Wälder gefördert werden. Bemühungen zum Schutz der Wälder gerade in den abgelegensten Gebieten erhalten somit das notwendige "Rückgrat"

Allerdings leben und arbeiten Kleinwaldbesitzer standortbedingt oft weitgehend isoliert – sowohl untereinander als auch von Märkten, Infrastruktur und dem Zu­gang zu Informationen. Um ihnen und damit auch den Wäldern in der Landnutzungspolitik der Regierungen eine stärkere Stimme zu geben, sind freiwillige Zusammenschlüsse oder Kooperativen oftmals der Schlüssel zum Erfolg.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und die UN-Welternährungsorganisation (FAO) haben 2013 ein internationales Projekt zur Waldbewirtschaftung in Schwellen- und Entwicklungsländern gestartet, bei dem die Menschen, die von der Ressource Wald leben, im Vordergrund stehen. Zum Auftakt des Projekts fand eine Konferenz mit dem Titel "Strength in numbers" – auf Deutsch in etwa "Gemeinsam sind wir stark" –in Guilin im Süden Chinas statt. Rund 140 Teilnehmer aus Amerika, Asien, Afrika und Europa berieten darüber, wie die Rolle der forstlichen Selbsthilfeorganisationen weltweit gestärkt werden kann, um die Lebensbedingungen und die Ernährungssituation in den oft von Armut und Landflucht geprägten ländlichen Räumen zu verbessern. Private Waldbesitzer und Vertreter von Zusammenschlüssen aus vielen Teilen der Welt berichteten von ihren Erfahrungen aber auch Schwierigkeiten bei der Etablierung von regionalen Selbsthilfeorganisationen. Allein das Gastgeberland China hat in einer groß angelegten Landreform in den vergangenen fünf Jahren Waldbesitz an über 90 Millionen Familien übertragen. Parallel dazu haben sich auch 115.000 Kooperativen gebildet.

Im Laufe des Projektes sollen die weltweit bereits vorliegenden Erfahrungen aufbereitet, ausgetauscht und verbreitet werden. Das BMEL unterstützt das Vorhaben in den nächsten zwei Jahren mit einer Millionen Euro.

Das Projekt wird aus Anlass des "Carlowitzjahr" 2013 gefördert zum Gedenken an das vor 300 Jahren von Hans Carl von Carlowitz in Sachsen erstmals umfassend beschriebene und eingeführte Konzept der nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Ernährung aus Wäldern

Der Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt ist die Rolle, die insbesondere tropische Wälder für die Ernährung spielen. Ein klares Bild davon zeichnen lokale und regionale Märkte in den Tropen, wo zahlreiche Baum- und Strauchfrüchte oder Produkte daraus teilweise sehr präsent sind. Einige dieser Produkte gelangen auch auf die Märkte hierzulande, meist ohne dass deren "Waldherkunft" bekannt ist. Nur bei prominenten Vertretern, wie dem Kakao ist dies oft noch klar. Aber wer weiß schon, dass beispielsweise die beliebten Cashews aus tropischen Wäldern stammen?

Die allmähliche Zerstörung der tropischen Wälder, aber auch die Übernutzung ihrer Produkte stellen eine Gefährdung für dieses Ernährungspotenzial dar. Immerhin sind weltweit etwa 1,6 Milliarden Menschen direkt von Wäldern abhängig. Je mehr dieser zusätzliche Wert der Wälder bekannt und anerkannt wird, desto mehr steigen die Chancen für den Schutz der Wälder. So tragen diese Maßnahmen auch zur Armutsbekämpfung, zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur nachhaltigen Entwicklung in den betroffenen Ländern bei.

Mit gezielten Projekten im Kongobecken förderte das BMEL in den letzten Jahren Ansätze, diese oftmals wenig beachtete Nahrungsquelle stärker in die forst-, ernährungs- und agrarpolitischen Planungen oder ordnungspolitischen Vorhaben der Erzeugerländer einzubeziehen. Damit die Ergebnisse aus diesem und ähnlichen Projekten in Politikprozesse einfließen, wurde 2013 gemeinsam mit FAO die Konferenz "Forestry and Food security" durchgeführt, die Empfehlungen für die Politik erarbeitete. Damit konnte erreicht werden, dass sich nun auch der Ausschuss für Welternährung der FAO mit dem Thema Ernährung aus Wäldern im Rahmen seines Programms auseinandersetzen wird.

Stand:
27.04.15

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