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Wir brauchen für den Strukturwandel in der Landwirtschaft keine flotten Sprüche, sondern vor allem engagierte Landwirte.

Datum:
18.04.17

Im Interview mit der "Mittelbayerischen Zeitung" spricht Bundesminister Christian Schmidt über Tierschutz, Massentierhaltung, Wölfe, Jagd und die ländlichen Räume

Frage: Herr Minister, konnten Sie unbeschwert Ostereier essen, wo nahezu jedes zweite Küken getötet wird, weil es männlich und damit nicht profitabel ist?

Christian Schmidt: Das ist ethisch und moralisch nicht hinnehmbar. Deshalb will ich es auch stoppen.

Frage: Sie könnten das Kükentöten sofort verbieten.

Christian Schmidt: Sie meinen per Gesetz verbieten? Das wäre ein sicheres Programm zur Verlagerung der Produktion von Legehennen, also von Brütereien, ins Ausland. Dort würde das Kükentöten weitergehen. Um im österlichen Bild zu bleiben, das wäre eine Pilatus-Strategie: Ich wasche meine Hände in Unschuld. Das ist nicht meine Strategie. Ich setze vielmehr auf die in Deutschland entwickelte Technologie der Geschlechtsbestimmung im Ei, mit der das Ausbrüten und Töten männlicher Küken entfällt.

Frage: Wann hört das Küken-Schreddern auf?

Christian Schmidt: Ich werde mir im Sommer das neu entwickelte Gerät im Praxiseinsatz in einer Brüterei anschauen. Wir können stolz sein auf diese weltweit führende Technologie. Der Einstieg in den Ausstieg ist da. Natürlich müssen die Maschinen gebaut und überall aufgestellt werden. Ich gehe aber davon aus, dass der Druck durch die Verbraucher für eine schnelle Verbreitung sorgen wird.

Frage: Tierschutzverbände und die Grünen machen mobil gegen Massentierhaltung. Haben sie Recht?

Christian Schmidt: Ich empfehle, das sensible Thema nicht zum Gegenstand des Wahlkampfes zu machen. Wir sollten nicht pauschalisieren, sondern konkrete Verbesserungen zum Tierwohl erreichen. Für mich ist nicht entscheidend, wie viele Nachbarn das Tier hat, sondern dass es vernünftig gehalten wird. Was mich an dieser eindimensionalen Debatte über sogenannte Massentierhaltung stört, ist, dass die ökologischen, ökonomischen und sozialen Produktionsbedingungen völlig ausgeblendet werden. Wir brauchen für den Strukturwandel in der Landwirtschaft keine flotten Sprüche, sondern vor allem engagierte Landwirte. Skeptisch bin ich allerdings, was Mega-Ställe betrifft. Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch sinnvoll. Allein die Kontrolle des einzelnen Tieres ist in übergroßen Anlagen eine enorme Herausforderung.

Frage: Aber die Tierhalter werden doch als Berufsstand an den Pranger gestellt, wenn ich nur an die Plakataktion denke: Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.

Christian Schmidt: Ich verstehe die Verunsicherung und den Ärger der Landwirte. Deshalb will ich mit meiner Nutztierhaltungsstrategie für Verlässlichkeit und Planungssicherheit sorgen. Die Tierhalter müssen wissen, in welche Haltungsbedingungen sie in den nächsten Jahren investieren können, wie sie in Zukunft am Markt bestehen können.

Frage: Die Angst vor dem bösen Wolf steckt in den Menschen nicht erst seit Grimms Märchen. Gehört der Wolf zu Deutschland?

Christian Schmidt: Diese Frage hat der Wolf beantwortet. Er ist hier. Die Tiere auszurotten, wie das unsere Vorfahren getan haben, ist kein gangbarer Weg. Dennoch dürfen wir nicht vor den Konflikten die Augen verschließen. Wir müssen Wolfsmanagement betreiben. Vor allem müssen die Herden von Schafen, Ziegen, Rindern und Pferden vor dem Wolf geschützt werden. Deshalb werden die Anschaffung von Schutzzäunen und wehrhaften Hunden für die Herden auch staatlich gefördert und Tierverluste, die Wölfe verursacht haben, entschädigt.

Frage: Warum wird der Wolf nicht dem Jagdrecht unterworfen, dann könnten Jäger für seine Regulierung sorgen?

Christian Schmidt: Der Wolf ist und bleibt kein jagdbares Wild. Einzelne gefährliche Tiere können bereits heute nach strengen Regeln abgeschossen werden. Wir kommen aber an den Punkt, wo wir im Rahmen der Bestandskontrolle über eine begrenzte Abschussfreigabe reden müssen.

Frage: Die Mehrheit der Deutschen lebt in ländlichen Räumen. Dennoch scheint es, als drehe sich alles um die großen Städte, die immer mehr wachsen. Vergisst die Politik die ländlichen Räume?

Christian Schmidt: Nein. Ich bin viel auf dem Land unterwegs und komme mit den Menschen ins Gespräch. Ich weiß sehr gut, wo der Schuh drückt. Mein Bericht zur ländlichen Entwicklung zeichnet ein durchwachsenes Bild: Es gibt Regionen mit guter und solche mit weniger guter Entwicklung. Mein Credo ist es, nicht die Landflucht in die Städte zu dramatisieren, sondern die Attraktivität des Lebens in ländlichen Gebieten, geringe Mieten und Lebenshaltungskosten, Natur und anderes in den Vordergrund zu stellen.

Frage: Von guter Luft und schöner Landschaft wird aber kein Mensch satt.

Christian Schmidt: Richtig. Ein wichtiger Punkt ist auch die Infrastruktur. Eine große Chance bietet die Digitalisierung, die die Kilometer-Entfernungen auf einen Mausklick schrumpfen lässt.

Frage: Was ist dabei eigentlich Ihr Job? Für den Breitbandausbau ist Alexander Dobrindt zuständig, für die Gesundheitsversorgung Hermann Gröhe, die Daseinsvorsorge wiederum - vom Wasser, Strom bis hin zu Straßen - ist Sache von Ländern und Kommunen.

Christian Schmidt: Ich möchte mein Haus zum Ministerium für die ländlichen Räume weiterentwickeln, das muss auch im Namen sichtbar werden. Zur Koordinierung der vielen Querschnittsaufgaben haben wir bereits den ständigen Ausschuss der Staatssekretäre eingerichtet. In der nächsten Bundesregierung sollte das Ministerium die klare Hauptzuständigkeit für die ländlichen Räume bekommen. Dazu muss auch das Bundesprogramm ländliche Entwicklung sowie die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz finanziell aufgestockt werden.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung vom 18. April 2017

Fragen von:
Reinhard Zweigler
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