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Was draufsteht, muss auch drin sein.

Datum:
11.05.17

Bundesminister Christian Schmidt spricht im Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger" über Kükentöten, Ernährung und Lebensmittelkennzeichnung

Frage: 50 Millionen männliche Küken werden in Deutschland jährlich getötet, weil sie keine Eier legen und somit für die Lebensmittelindustrie nutzlos sind. Wann will die Bundesregierung das Massensterben endlich gesetzlich verbieten?

Christian Schmidt: Mir geht es wie allen anderen: Ich finde das Töten und moralischen Gründen völlig inakzeptabel. Deshalb tue ich alles dafür, dass diese Praxis schnellstmöglich beendet wird. Solange es aber keine EU-weite Regelung dazu gibt, würde eine Gesetzesverschärfung in Deutschland nur dazu führen, dass die Brütereien ins Ausland abwandern. Das kann nicht unser Ziel sein, denn damit ist dem Tierschutz nicht geholfen. Deswegen werde ich das Problem mit technischer Spitzenforschung lösen.

Frage: Wie soll die aussehen?

Christian Schmidt: Ich bin begeistert davon, was mittlerweile technisch möglich ist. Es gibt tatsächlich eine Methode, die mein Haus mit erheblichen finanziellen Mitteln fördert, um das Geschlecht von Küken schon im Ei zu bestimmen. Männliche Küken müssen dann gar nicht erst ausgebrütet werden. Noch in diesem Sommer werde ich einen Praxistest in einer Brüterei besuchen das ist der Einstieg in den Ausstieg aus dem Töten männlicher Küken. Durch Spektroskopie werden Eier darauf überprüft, ob ein männliches oder weibliches Küken schlüpfen würde. Dabei werden die Eier mit einem Laser geöffnet, dann wird ein spezieller Lichtstrahl in das Ei-Innere geschickt, um das Geschlecht zu bestimmen. Danach wird das Ei wieder zugeklebt und lediglich die Eier, aus denen weibliche Küken schlüpfen, werden weiter bebrütet.

Frage: Können sich die Betriebe den Einsatz dieser Technik leisten?

Christian Schmidt: Wenn die Technologie flächendeckend verfügbar ist, dürften Kostengründe keine Ausrede mehr sein. Die Anschaffung rechnet sich für die Betriebe nicht nur durch bessere Vermarktungschancen, sondern auch ökonomisch, weil nur noch die Eier bebrütet werden, aus denen weibliche Küken schlüpfen.

Frage: Macht die Spektralanalyse, die sogenannte Spektroskopie, die Eier teurer?

Christian Schmidt: Für den Verbraucher dürften sich die Mehrkosten kaum bemerkbar machen. Wir gehen davon aus, dass das Verfahren den Brütereien laufende Mehrkosten in Höhe eines niedrigen einstelligen Cent-Betrags je ausgebrütetem Legehennenküken verursachen wird. Die Mehrkosten für das eigentliche Frühstücksei aus dem Supermarkt liegen weit darunter.

Frage: Essen Sie selber auch Eier?

Christian Schmidt: Ja sicher. Wir essen zu Hause Eier aus Freilandhaltung.

Frage: Wie stark ist der Trend zur bewussten Ernährung in Deutschland?

Christian Schmidt: Der Markt für Bioprodukte ist stark wachsend. Derzeit decken wir den Bedarf an Bioprodukten über den Import. Das ist nur die zweitbeste Wahl. Deshalb streben wir die Erhöhung auf einen Marktanteil von 20 Prozent an. Dafür habe ich mit der "Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau" die Grundlagen geschaffen. Diese Strategie beinhaltet auch das Ziel, mehr Bioprodukte in Kitas und Kantinen anzubieten.

Frage: Und was ist mit den Schulen?

Christian Schmidt: Ich sehe Steigerungsbedarf bei der Qualität der Schulverpflegung. Deshalb habe ich ein nationales Qualitätszentrum Schulverpflegung installiert, das mit den Ländern Standards für die Schulverpflegung festlegen soll. Dabei geht es aber nicht nur um Bioprodukte, sondern um die Qualität des Angebots ganz allgemein. Wir wollen beispielsweise keine Caterer an den Schulen, die das Essen stundenlang warmhalten. Außerdem muss die Auswahl größer werden.

Frage: Sie haben vorgeschlagen, dass wieder mehr Schweinefleisch auf den Tisch kommt...

Christian Schmidt: Nein, da missinterpretierten Sie mich. Mein Ansatz war und ist, dass Schweinefleisch zum Angebot dazu gehören sollte, um die kulturelle Vielfalt zu erhalten. Gerade in den großen Städten, in denen Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichsten Ethnien unterrichtet werden, hat man sich vielerorts auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt. Nach meinem Verständnis sollen die Schülerinnen und Schüler aber die Wahl haben und nicht nur Lamm- oder Hähnchenfleisch bekommen.

Frage: Sie kämpfen dagegen, dass sich vegetarische Burger "Veggie-Burger" nennen dürfen. Warum?

Christian Schmidt: Mein Ziel ist es, die Transparenz bei der Lebensmittelkennzeichnung zu erhöhen: Was draufsteht, muss auch drin sein - und umgekehrt. Das gilt für den Veggie-Burger genau wie für den Analogkäse. Damals wurde auch verboten, dass eine Masse als Käse bezeichnet wird, die - abgesehen vom Äußeren - nicht viel mit Käse gemein hat. Eine "vegetarische Curry-Wurst" ist auch keine Wurst, sondern ein Fleischersatzprodukt. Das muss für den Verbraucher auf den ersten Blick erkennbar sein.

Frage: Wie würden Sie denn einen "Veggie-Burger" nennen?

Christian Schmidt: Es ist nicht meine Aufgabe, Marketingideen für die Lebensmittelindustrie zu erfinden. Die sogenannte "Soja-Milch" wird inzwischen auch als "Soja-Drink" vermarktet, weil man sie nicht mehr als Milch bezeichnen darf.

Frage: Manche Parteifreunde in der CSU kritisieren, Sie seien als Minister zu "grün" geworden.

Christian Schmidt: Das würde ich so nicht sehen. Mein Ziel ist es, vermeintliche Gegenpole zusammenzuführen. Der Öko-Landbau ist, neben dem konventionellen Landbau, eine wichtige Säule der Ernährungs- und Landwirtschaft. Deswegen ist mein Ziel, beides zu stärken und in Deutschland zu erhalten.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger vom 11. Mai 2017

Fragen von:
Joachim Frank, Michael Hesse, Gerhard Voogt
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