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"Wir sind stolz auf unsere Landwirtschaft!"

Datum:
26.06.14
Ort:
Bad Dürkheim
Redner:
Bundesminister Christian Schmidt

Rede des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt auf dem Deutschen Bauerntag am 26. Juni in Bad Dürkheim

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

für mich ist dieser Auftritt eine Premiere. Der Deutsche Bauerntag gilt als die große Bühne des Berufsstandes. Und bereits die Kulisse wird diesem Ruf gerecht. Bad Dürkheim haben Sie als Tagungsort ausgewählt – kein Wunder, ist dieses malerische Städtchen doch eingebettet in land- und forstwirtschaftliche Kulturlandschaften: Umgeben von Weinbergen, die beste Tropfen hervorbringen, unweit des Pfälzerwaldes, der als größtes zusammenhängendes Waldgebiet Deutschlands für beste Luftverhältnisse sorgt.

Und dann, so sagen es die Statistiker, ist Bad Dürkheim noch der Ort in Deutschland, der im Jahr gerne die meisten Sonnenstunden zählt, so dass hier ein besonders mildes Klima herrscht.

Ich bin gerne nach Bad Dürkheim gekommen. Für den heutigen Tag habe ich Dispens erhalten. Im Gegensatz zu vielen Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag, die mit Leib und Seele Landwirtschaftspolitik machen, konnte ich mich von den parlamentarischen Verpflichtungen einer Sitzungswoche – zumal Haushaltswoche – befreien. Wen Sie also von den Kolleginnen und Kollegen hier vermissen, den bitte ich zu entschuldigen!

Mein Programm orientiert sich an dem, was Sie, die deutschen Bauern, brauchen, um nachhaltig erfolgreich sein zu können:

Das ist erstens durch die Gemeinsame Agrarpolitik ein stabiles politisches Fundament, auf dem die bäuerliche Landwirtschaft für die nächsten Jahre in der Betriebsplanung aufbauen kann.

Das ist zweitens ein Konzept von Nachhaltigkeit, das zum einen gesellschaftlichen Erwartungen entgegenkommt und zum anderen mit Ihrem ökonomischen Erfolg vereinbar sein muss.

Und das ist drittens ein Weg, mit dem Marktanteile gesichert und neue Märkte erschlossen werden können: vom Wochenmarkt bis zum Weltmarkt!

Schon heute können wir uns mit Platz vier der Exportstatistik rühmen. Über Diskussionen, ob das legitim ist, muss ich oftmals den Kopf schütteln. Stellen Sie sich mal vor, BMW, Mercedes oder Volkswagen dürften nur in der Nähe ihrer Produktionsstätten verkauft und gefahren werden! Nein, zur Produktion gehört in der arbeitsteiligen Weltwirtschaft auch der Export in kaufkräftige Märkte. Für mich gibt es da keinen Zweifel!

Ich weiß um die wertvolle Arbeit vor allem der vielen bäuerlichen Familienbetriebe bei uns im Land. Die Berufung von Gerd Sonnleitner als UN-Sonderbotschafter im Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft ist eine große Auszeichnung für ihn persönlich und zugleich eine große Auszeichnung für alle deutschen Bauernfamilien.

Und die bäuerliche Landwirtschaft soll Verantwortung leben können, wie Sie es mit dem Titel für diesen Bauerntag bekannt haben – ohne ideologische Anfeindungen, sondern mit tatkräftiger Unterstützung der Politik!

Wir müssen uns nichts vormachen: Die Landwirtschaft bewegt sich in Spannungsfeldern, die in der medialen Berichterstattung auf problembehaftete Spitzen reduziert werden. Schrille Töne von einzelnen Akteuren eignen sich für diese Art der Berichterstattung oft sehr gut – zur konstruktiven Problemlösung taugen sie weniger. Mir müssen Sie es nachsehen, dass ich für solche schrillen Töne nicht zu haben bin. Aber glauben Sie mir: Ich bin kampferprobt.

Wer in der Vergangenheit große Schlagzeilen als Landwirtschaftsminister gemacht hat, hat nicht immer viel für die Landwirtschaft erreicht.

Ich bin selbst ein Kind des ländlichen Raumes. Meine Eltern haben einen Landhandel betrieben, die Bäckerei war Teil unseres Hauses. Meine Großeltern hatten einen Hof. Daher kenne ich auch Tierställe von innen. Das prägt: Diese biographische Nähe zur Wirtschaft auf dem Land hat mir eine gewisse Unaufgeregtheit mit auf den Weg gegeben. Das bringt die Nähe zur Praxis mit sich. Schaum schlagen können andere – ich will greifbare Ergebnisse liefern. Und dies tue ich gemeinsam mit den Beteiligten – im Dialog.

1. Gemeinsame Agrarpolitik: Feste Zusagen für bäuerliche Landwirtschaft

Liebe Bäuerinnen und Bauern, wie viele Bauerntage haben Sie in den vergangenen Jahren erlebt, bei denen von den Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik berichtet wurde?

Damit, meine Damen und Herren, sind wir durch. Das Herzstück der Reformen einer Gemeinsamen Agrarpolitik ist beschlossene Sache. Der Weg für die nationale Umsetzung ist frei. Ilse Aigner, Hans-Peter Friedrich und ich wissen, dass unsere Bauern feste Zusagen für die Aussicht auf den betrieblichen Erfolg brauchen. Dafür haben wir uns eingesetzt: jeder für sich, aber alle auf einer Linie!

Der wichtigste Punkt zuerst: Die Direktzahlungen haben wir in der Reform weitgehend erhalten können. Rund 4,8 Milliarden Euro kommen der deutschen Landwirtschaft nun bis 2020 jedes Jahr zugute. Sie sind für den Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft unverzichtbar!

Punkt zwei: Bäuerliche Landwirtschaft soll darüber hinaus weiteren Rückenwind erhalten. Für die kleinen und mittleren Betriebe werden wir neben der ab 2019 bundeseinheitlichen Basisprämie einen Zuschlag für die ersten Hektare zahlen.

Ein weiteres Prozent verwenden wir für eine Junglandwirteprämie. Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland wollen eine bäuerliche Landwirtschaft, und diese Förderung – das muss mal klar gesagt werden – entspricht ihrem Wunsch!

Punkt drei betrifft die Umweltleistungen in der Landwirtschaft. Das Greening ist Kernbestandteil dieser Reform. Indem wir 30 Prozent der Direktzahlungen an eine Wirtschaftsweise binden, die dem Klima- und Umweltschutz förderlich ist, hat die Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung gewonnen.

Das sind zusätzliche Leistungen der Landwirte und die brauchen wir uns gar nicht kleinreden zu lassen!

Zugleich haben wir sicherstellen können, dass Landwirten nicht der Boden unter den Füßen weggezogen wird: Die pauschale Zwangsstilllegung von wertvollen Ackerflächen haben wir erfolgreich verhindern können!

Ich denke, in den harten Verhandlungen in Berlin und Brüssel haben wir gute Kompromisse für die deutsche Landwirtschaft aushandeln können: beim Anbau von Zwischenfrüchten und der Anrechenbarkeit stickstoffbindender Pflanzen mit dem Faktor 0,7 als ökologische Vorrangfläche oder bei der Startdüngung und dem Pflanzenschutz bei Leguminosen, die nach guter fachlicher Praxis zulässig bleiben!

Wir haben weiter gute Kompromisse erzielt beim Pflegeumbruch in Vogelschutzgebieten, die nicht gleichzeitig FFH-Gebiete sind, oder bei der Definition des aktiven Landwirts, wo die Negativliste nicht aus dem Rahmen fallen darf und es auch nicht tun wird!

Mit einer so ausgestalteten GAP haben wir ein solides Fundament für bäuerliche Landwirtschaft in den nächsten Jahren!

2. Nachhaltigkeit: gesellschaftliche Erwartungen und betrieblichen Erfolg zusammenbringen

Tierwohl: Wissenschaftsbasiert, mit dem Berufsstand

Liebe Bäuerinnen und Bauern, die GAP ist Ausdruck gesellschaftlicher Erwartungen. Wir nehmen sie ernst. Und das tun wir auch bei so heiß umstrittenen Themen wie der Tierhaltung.

Wir müssen aber auch Fragen an die Verbraucher stellen. Denn es kann nicht sein, dass die Verbraucher bei ihren Kaufentscheidungen in erster Linie auf den Preis schauen, sich dann aber übergesetzliche Standards wünschen. Nicht billig dürfen Lebensmittel sein, sondern ihren Preis wert.

Mir ist es wichtig, die Dinge beim Namen zu nennen: Fleisch ist wesentlicher Bestandteil der Ernährung der großen Mehrheit unserer Bevölkerung. Die meisten von uns vertrauen täglich auf die qualitativ hochwertigen Produkte unserer Tierhalter. Und es muss auch Teil einer ehrlichen Debatte sein, dass derjenige, der Fleisch essen will, auch die Erzeugung von Fleisch zulassen muss. Ohne Ihre Arbeit, meine Damen und Herren, geht es nicht und sie hat unsere Wertschätzung verdient. Ich verbinde das von meiner Seite mit einem klaren Bekenntnis zur Nutztierhaltung in Deutschland!

Für eine bessere Akzeptanz müssen wir gemeinsam arbeiten, Politik und Berufsstand. Für eine bessere Akzeptanz müssen wir dort Anpassungen vornehmen, wo Kritik gerechtfertigt ist – und wir müssen dort, wo Kritik nicht gerechtfertigt ist, sachlich moderne Produktionsmethoden erklären. Der Deutsche Bauernverband hat das erkannt und er handelt entsprechend. Auf dieser Linie können wir uns gut gemeinsam weiter bewegen!

Die gesellschaftliche Diskussion um den Tierschutz hat auch im Koalitionsvertrag ihren Niederschlag gefunden. Ich begrüße das sehr, denn für mich gehört der Tierschutz zu den Schlüsselthemen der Landwirtschaft.

Wir wollen gemeinsam mit dem Berufsstand, gemeinsam durch Best-Practice und gemeinsam mit der Wissenschaft Fortschritte für mehr Tierwohl machen: in Deutschland und darüber hinaus.

Denn der Handel mit den Produkten endet nicht an den nationalen Grenzen. Deshalb können wir auch nicht nur in Deutschland höhere Standards entwickeln, während die Nachbarländer dahinter zurückbleiben. Deshalb ist es unser Ziel, EU-weit einheitliche und höhere Standards zu verankern.

In der vergangenen Woche habe ich mich mit meinem Amtskollegen in Dänemark getroffen. Als starke Standorte der Land- und Ernährungswirtschaft haben Dänemark und Deutschland ähnliche Interessen. Deshalb wollen wir den Austausch intensivieren – und auch die Niederlande hinzuziehen.

Gemeinsam können wir beim Tierschutz eine Art Benchmarking etablieren. Dänemark hat beachtliche Erfolge bei der Reduzierung von Antibiotika in der Nutztierhaltung erzielt. Die dänische Wirtschaft hat angekündigt, freiwillig auf das Schnäbelkupieren bei Legehennen verzichten zu wollen. Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland Initiativen etwa zum Tierschutzlabel als freiwilliger Tierschutzkennzeichnung oder auch die Tierwohlinitiative der deutschen Branche.

Und diesseits wie jenseits der Grenzen ist klar, dass wir Fragen wie zu den Folgen eines Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration oder des Verzichts auf das Kupieren von Ferkelschwänzen klären müssen – und das am besten EU-weit.

Nur hilft ein schlichtes Verbot nicht weiter. Wir brauchen Lösungen, die sich in der Praxis als tauglich erweisen. Dafür brauchen wir die Begleitung durch die Forschung. Und dafür steht mein Haus bereit.

Liebe Bäuerinnen und Bauern, den Haushalt 2014 für mein Ministerium haben wir gerade im Deutschen Bundestag verabschiedet, über den Haushalt 2015 wird bereits sehr intensiv gesprochen. Wenn die Forschungsgelder verteilt werden, werde ich auch für die deutsche Landwirtschaft einen Anteil sichern. Fest steht schon jetzt, das Tierwohl werden wir weiter in den Mittelpunkt rücken: 21 Millionen Euro für die Modell- und Demonstrationsvorhaben in der Tierhaltung, 30 Millionen Euro für Innovationen in einer nachhaltigen Nutztierhaltung, und 12 Millionen Euro für die Minimierung von Antibiotika in der Lebensmittelkette – damit setzen wir in den kommenden drei Jahren gute Wegmarken. Und wir werden nochmals deutlich mehr Geld für die Forschung im Bereich einer nachhaltigen und tiergerechten Landwirtschaft in die Hand nehmen.

Liebe Bäuerinnen und Bauern, nicht das Bauchgefühl, die Forschung gemeinsam mit dem Berufsstand gibt die Richtung vor!

Düngeverordnung: Praxisgerecht und unbürokratisch!

Liebe Bäuerinnen und Bauern, derzeit wird viel über die Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie durch die Düngeverordnung in Deutschland diskutiert. Nach den Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie ist Deutschland verpflichtet, die Düngeverordnung in vierjährigen Abständen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Das von der EU-Kommission akzeptierte Aktionsprogramm zur Umsetzung der Richtlinie ist Ende 2013 ausgelaufen.

Ich bin auch dankbar, dass die Länder hier mitgehen und wir noch vor der Sommerpause mit einem Vorschlag rechnen können, der den Anforderungen der Praxis gerecht wird.

Praxisgerecht, das heißt für mich etwa, dass es keine starren und pauschalen Obergrenzen für die Aufbringung von Düngemitteln geben darf!

Deshalb setze ich mich gegen alle Vorbehalte der Kommission dafür ein, das gut funktionierende und fachlich fundierte System der standortangepassten Düngebedarfsermittlung beizubehalten und im Sinne einer ökologisch tragbaren und ökonomisch effizienten Landwirtschaft weiterzuentwickeln.

Praxisgerecht heißt auch, dass kleinere landwirtschaftliche Betriebe die Anpassungen auch tragen können. Bei den weiteren Diskussionen mit der Kommission und den Ländern werde ich mich insbesondere dafür einsetzen. Über längere Sperrzeiten für die Düngerausbringung und vergrößerte Lagerkapazitäten in bestimmten Fällen werden wir allerdings auch reden müssen. Daran führt kein Weg vorbei!

Nitrat ist gut für die Pflanze. Nitrat ist aber nicht gut für das Grundwasser. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt, gemeinsam mit der Kommission, mit Ihnen, dem Berufsstand, mit den Ländern, der Wasserwirtschaft und der Umweltseite einen vernünftigen Weg zwischen sauberem Wasser einerseits und landwirtschaftlicher Bewirtschaftung andererseits zu beschreiten.

Ich weiß, dass Düngung und Pflanzenschutz nach guter fachlicher Praxis zu Ihren Geschäftsgrundlagen gehören – und diese Geschäftsgrundlage darf Ihnen nicht entzogen werden!

Und lassen Sie mich auch zu den JGS-Anlagen Stellung nehmen. Sie wissen: Die Anlagenverordnung zum Umgang mit Wasser gefährdenden Stoffen steht auf der Agenda. Wenn es nach mir und meinem Haus gegangen wäre, würden wir von Bundesseite auf eine Regelung zu den JGS-Anlagen verzichten – und das ist auch noch immer meine Position.

Eine Mehrheit der Länder im Bundesrat hat das allerdings anders gesehen. Sie will die JGS-Anlagen in diese Verordnung aufgenommen sehen, sie verlangt eine Prüfung durch Sachverständige – aus meiner Sicht trotz eines eher geringen Gefährdungspotentials. Auch längere Übergangszeiten hielte ich für sinnvoll.

Beide Punkte sehe ich mit großen Bedenken. Und diese Bedenken habe ich dem federführenden Bundesumweltministerium bereits mitgeteilt. Wir müssen sehen, wie weit es möglich ist, dass der Bundesrat sich hier noch einmal bewegt und die Anlagenverordnung neu verhandelt.

Ich bin der Meinung, unsere Bauern betreiben keine Chemiewerke. Unsere Bauern führen in der übergroßen Mehrzahl Familienbetriebe, die wir so weit wie möglich frei halten müssen von überbordenden Vorschriften – zumal wenn aus ihnen spürbare Kosten resultieren!

EEG: Bestandsschutz gesichert

Wer gesellschaftliche Erwartungen und betrieblichen Erfolg zusammenbringen will, der kommt an der Neugestaltung des EEG nicht vorbei. Wir alle wissen, dass die Korrektur nötig ist, da es eine Förderung ohne Limit nicht geben kann. Die Energiequellen stehen hier in Konkurrenz zueinander. Doch alle Energieträger haben Federn lassen müssen.

Nun hat Biogas aus meiner Sicht eine Sonderstellung inne: Es ist speicherbar und einsetzbar, wenn kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint. Ohne Biomasse ist die Energiewende nicht möglich: Insgesamt macht sie fast zwei Drittel der erneuerbaren Energieversorgung bei uns aus. Sie als Bauern tragen außerdem als Energiewirte damit zur Wertschöpfung im ländlichen Raum bei. Für mich war deshalb der Vertrauensschutz im EEG essentiell.

Im Ressortkreis waren das harte Verhandlungen. Ich habe gegen die Widerstände in den anderen Häusern merkliche Verbesserungen durchsetzen können.

Für mich war klar: Wir brauchen Bestands- und Vertrauensschutz im neuen EEG. Wir wollen den Luftreinhaltebonus beibehalten für die Bestandsanlagen. Und wir wollen die bestehende Flexibilitätsprämie für Bestandsanlagen beibehalten – eine Teilstilllegung muss nicht mehr erfolgen, wenn man flexibilisieren will.

Besonders wichtig ist mir, bereits getätigte Investitionen zu schützen. Wer seine Anlagen bereits erweitert hat, muss sie auch so nutzen können. Dies darf nicht durch eine unangemessene „Höchstbemessungsleistung“ eingeschränkt werden. Wir wollen dies im EEG sicherstellen.

Außerdem soll der Ausbaupfand von jährlich 100 MegaWatt nur den reinen Zubau neuer Anlagen einrechnen – und nicht den Zuwachs durch die Flexibilisierung.

Das war meine, das war unsere Position, die auch den Erfordernissen eines zu bremsenden Preisanstiegs und von Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft gerecht wird. Und das bedeutet, dass Biomasse auch in Zukunft noch ein Träger der Energiewende sein wird. Es ist so: Die Energiewende kann nur gelingen, wenn sie bei den Bürgerinnen und Bürgern Akzeptanz findet. Aber sie darf nicht die wirtschaftliche Existenz unserer bäuerlichen Betriebe gefährden!

Zugleich ist die Neuregelung des EEG auch eine Antwort auf die zunehmende Flächenkonkurrenz. Die Erzeugung von Nahrungsmittel muss für mich immer Vorrang haben. Deshalb muss auch der Entzug von land- und forstwirtschaftlichen Flächen für den Netzausbau auf das absolut Notwendige beschränkt werden!

Eine Doppelbelastung der Land- und Forstwirtschaft durch zusätzlich zum Trassenbau notwendige naturschutzfachliche Kompensationsmaßnahmen muss so weit wie möglich vermieden werden. Das heißt, dass wir den Schutz des Eigentums wahren und eine anständige Entschädigungsregelung für unsere Landwirte bekommen müssen. Da haben Sie mich an Ihrer Seite!

Und, lieber Norbert Schindler, das ist bei den Biokraftstoffen nicht anders: Ich habe mich für eine höhere Treibhausgasreduktionsquote eingesetzt. Mit den jetzt vereinbarten 3,5 Prozent wird auch in den kommenden Jahren der heimische Raps-Absatz gesichert!

Ökolandbau

Alles können wir nicht hinnehmen, was aus Brüssel an Vorschlägen kommt. Als Beispiel nenne ich die Bio-Produktion. Die EU-Kommission hat einen Vorschlag zur Revision der EU-Rechtsvorschriften für die Bio-Produktion vorgelegt. Er hat das Ziel, den fairen Wettbewerb zu fördern und das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in Bio-Produkte – also in ihre Echtheit – zu steigern. Diese Ziele unterstütze ich ohne Wenn und Aber. Es ist klar, dass wer Bio produziert, Prinzipen einhalten muss. Aber man darf den Markt nicht mit einer Ansammlung von Vorschriften überziehen, die niemand mehr einhalten kann. Ziel können nicht übergroße Ökokonzerne sein. Es gibt ein großes Marktpotential, aber bislang wird nur auf rund 6 Prozent der Fläche in Deutschland Ökolandbau betrieben.

Wir dürfen nicht zulassen, dass der Ökolandbau mit bürokratischen Fesseln in die Nische zurückgedrängt wird. Und wir dürfen erst recht nicht zulassen, dass Landwirtschaft in ihrer Gesamtheit nach dem Baukastenmodell Brüsseler Büros entsteht. Denn dann wird sie nicht mehr praktizierbar sein!

3. Wochenmarkt und Weltmarkt: Märkte sichern und gewinnen

Liebe Bäuerinnen und Bauern, Export von Nahrungsmitteln ist für ein Zeichen der Leistungsfähigkeit und Wettbewerbskraft unserer Land- und Ernährungswirtschaft – und nicht etwa ein notwendiges Übel zum Ausgleich von Überschüssen!

Milchexport und Milchquote

Vor allem unsere Milch und Milchprodukte haben sich in der Vergangenheit zu wahren Exportschlagern entwickelt. Die Molkereien vermelden günstige Aussichten – dank des Exports. Meiner Meinung nach macht es bei so guten Aussichten wenig Sinn, die Milcherzeuger unter Ihnen, meine Damen und Herren, im letzten Quotenjahr mit einer vollen Überschussabgabe zu belasten.

Deshalb waren wir Anwalt unserer Milchbauern und haben für eine weiche Landung beim Auslaufen der Quote plädiert. In einem ersten Versuch konnten wir uns jedoch in Brüssel nicht durchsetzen, da verschiedene Mitgliedsstaaten eine Anpassung der Fettkorrektur strikt ablehnen. Seien Sie versichtert, ich werde nicht nachlassen, für die Interessen einer leistungs- und wettbewerbsstarken Milchwirtschaft in Deutschland zu streiten!

Transatlantisches Freihandelsabkommen

Wir sind bekanntlich nicht nur ein großer Lebensmittelexporteur. Wir sind ein noch größerer Lebensmittelimporteur. Dabei sind Nahrungsmittel neben medizinischen Produkten die wohl sensibelsten Elemente, mit denen man Handel treiben kann. Vertrauen ist hier die Basis.

Wir in Deutschland und Europa haben hohe Standards in Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz. Standards, denen die Verbraucherinnen und Verbraucher vertrauen.

Zurzeit ist das Freihandelsabkommen der EU mit der USA, TTIP, in aller Munde. Die Aufregung in weiten Teilen der Bevölkerung ist groß. Denn es wird befürchtet, dass die hohen EU-Standards im Verbraucherschutz aufgeweicht werden. Doch um es klar zu sagen: Das hohe europäische Verbraucherschutzniveau steht nicht zur Disposition!

Wir sollten insgesamt etwas gelassener reagieren. Eine Ausweitung des Handels hilft, Wertschöpfung, Wohlstand und Arbeitsplätze bei uns zu schaffen und zu sichern. Deutschland hat als Exportnation stets vom freien Handel profitiert. Ich meine wir können die Aussicht auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigung auf beiden Seiten des Atlantiks nicht einfach links liegen lassen.

Eine so starke und wettbewerbsfähige Land- und Ernährungswirtschaft wie die Unsrige kann bei Wahrung unserer Standards nur Gewinner des freien Handels sein!

4. Schluss

Liebe Bäuerinnen und Bauern, ich bin der festen Überzeugung, dass die deutsche Landwirtschaft mit Zuversicht in die Zukunft blicken kann. Die Marktlage ist gut, Ihre Produkte sind gefragt, die Nachfrage weltweit spielt einem so gut aufgestellten Produktionsstandort in die Hände.

Wir brauchen diese guten Perspektiven: Und so können Sie sicher sein, das wir auch bei der Neugestaltung der Hofabgabeklausel die Interessen der ausscheidenden Generation wie auch die Interessen der Junglandwirte im Blick behalten werden. Ich will gerade mit der Hoferbengeneration reden - nicht nur mit der älteren Generation.

Zugleich wird vom Bundesverfassungsgericht ein Urteil zur Erbschaftssteuer erwartet, das mittelbar auch Auswirkungen auf die Hofübergabe haben könnte. Dies müssen wir genauso berücksichtigen wie den politischen Willen dieser Bundesregierung, Grund und Boden als gemeines Betriebsvermögen nicht mit weiteren Substanzsteuern zu belasten!

Denn Garanten für den Erfolg sind Sie, unsere topqualifizierten Landwirte. Wir wollen Ihnen keine Steine in den Weg legen.

Die Politik begleitet Sie, indem wir das feste Fundament einer Gemeinsamen Agrarpolitik gelegt haben.

Die Politik begleitet Sie, wenn Sie über nachhaltige Konzepte gesellschaftliche Erwartungen und betrieblichen Erfolg zusammenbringen. Wir brauchen einen Vertrag zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Daran sollten alle Seiten ein Interesse haben.

Und die Politik begleitet Sie, wenn Sie mit qualitativ hochwertigen Produkten neue Märkte erschließen wollen.

Sie können stolz auf ihren Berufsstand sein! Es wird mir Pflicht und Freude sein, Sie auf Ihrem Weg zu begleiten. Denn sie leben Verantwortung!

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