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Rede zum ersten deutschen Waldtag – Wald: Klimaschützer und Multitalent

Datum:
18.10.16
Ort:
Berlin
Redner:
Bundesminister Christian Schmidt

Eröffnungsrede des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt zum Ersten Deutscher Waldtag am 18. Oktober 2016 im Humboldt-Carée Berlin

Es gilt das gesprochene Wort

Anrede,

I. Einführung

Wälder prägen das Erscheinungsbild unserer Erde seit Jahrmillionen. Seitdem es Menschen gibt, leben wir mit und vom Wald. Für das Leben auf der Erde ist der Wald eine wichtige Grundlage. Gerade wir Deutschen pflegen eine besondere Beziehung zu unserem Wald. Unsere gesamte Kultur – von der Literatur und Märchen, über die Malerei und Musik bis hin zu Bau- und Kochkunst – ist stark beeinflusst von unseren Wäldern und seinen Erträgen. Und auch wenn Deutschland weltweit eher als wichtiger Industriestandort bekannt ist: Ein Drittel der Fläche unseres Landes ist von Wald bedeckt. Seit 1990 hat die Waldfläche in Deutschland sogar um 100.000 Hektar zugenommen. Das ist ein großer Erfolg der Waldpolitik in unserem hochindustrialisierten und dicht besiedelten Land!

Von Sachsen, über den Harz, bis ins nordostdeutsche Tiefland. Vom Teutoburger Wald, über Eifel und Rhön, bis ins Elbsandsteingebirge: Überall prägen Wälder das Gesicht unserer Heimat. Manche sind sogar namensgebend für ihre Region, wie der Pfälzer Wald, Schwarzwald oder Bayerische Wald.
Doch unser Wald besticht nicht nur durch seine Fläche, sondern auch durch seine Vielfalt. Bei uns wachsen Kiefern, Douglasien und – Baum des Jahres 2017 – Fichten. Aber auch Buchen, Lärchen, Eichen und viele andere Baumarten sind bei uns zu Hause. Vielfalt, Quantität und Qualität unserer Wälder sind aber keine Laune der Natur – auch wenn sie dafür den Grundstock gelegt hat. Die Wälder, die wir heute so selbstverständlich als natürlichen Teil unserer Heimat wahrnehmen, sind Ergebnis harter Arbeit und einer jahrhundertelangen nachhaltigen Forstwirtschaft. Die haben wir Deutschen praktisch erfunden.
Der Begriff "Nachhaltigkeit" stammt, wie Sie wissen, aus der deutschen Forstwirtschaft, ist über 300 Jahre alt und geht zurück auf Hans Carl von Carlowitz. So ist es uns gelungen, den Wald wirtschaftlich, kulturell aber auch ökologisch verantwortungsvoll über Jahrhunderte zu nutzen. Und das, liebe Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, liebe Försterinnen und Förster, liebe Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter, ist vor allem Ihr Verdienst.

II. Herausforderungen unserer Zeit mit unserem Wald lösen

Meine Damen und Herren, die Herausforderungen unserer Zeit machen auch vor unserem Wald nicht Halt. Bis 2050 müssen wir eine Weltbevölkerung von fast 10 Milliarden Menschen dauerhaft ernähren und mit Rohstoffen versorgen. Voraussetzung dafür ist die nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Ressourcen, der Schutz unseres Klimas und der Erhalt der Biodiversität. Der Wald, seine nachhaltige Bewirtschaftung und die Verwendung von Holzprodukten sind Teil der Lösung. Das Cluster Wald und Holz leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Und genau darum soll es beim ersten Deutschen Waldtag gehen.

Unser Wald ist allerdings nicht nur Klimaschützer. Er ist ein wahres Multitalent. Es gibt auf der Welt kaum Wälder, die eine ebenso so hohe wirtschaftliche Produktivität aufweisen und dabei gleichzeitig so große Bedeutung haben für den Natur- und Artenschutz, für Sport und Erholung. Die österreichischen Wälder, liebe Frau Köstinger, können da natürlich gut mithalten. Ich will, dass die multifunktionale und nachhaltige Waldbewirtschaftung noch stärker bei unseren nationalen und globalen Planungen zum Klimaschutz berücksichtigt wird. Auch dazu soll der Deutsche Waldtag einen Beitrag leisten. In diesem Sinne begrüße ich Sie alle sehr herzlich auf dem Ersten Deutschen Waldtag meines Hauses, denn wir sind das Waldministerium.

III. Klimaschützer Wald

Der Wald, seine nachhaltige Bewirtschaftung und die Verwendung von Holzprodukten sind existenziell für den Schutz unseres Klimas. Unsere Wälder und Holprodukte entlasten die Atmosphäre jährlich um 127 Mio. t CO2. 66 Millionen Tonnen davon entfallen auf die Verwendung von Holzprodukten, weil dadurch fossile Rohstoffe ersetzt werden. Ohne den Klimaschutzbeitrag der Wälder würden die Gesamtemissionen Deutschlands um etwa 14 Prozent höher liegen. Genau aus diesem Grund würdigt auch der Pariser Klimaschutzvertrag die wichtige Rolle von Wald und Holz beim Klimaschutz. Und genau deswegen bringe ich diesen Punkt in den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung ein, wie auch die Empfehlungen des Klimaschutzgutachtens der Wissenschaftlichen Beiräte. Bei der internationalen Klimaschutzkonferenz im nächsten Monat in Marrakesch, muss es nun darum gehen, die Senkenfunktion der Land- und Forstwirtschaft im Klimaschutzreglement weiter zu stärken und sie zugleich als Teil der Lösung anzuerkennen. Dafür setze ich mich ein.

Charta für Holz

Ein erster Schritt in diese Richtung ist auch die neue "Charta für Holz", die wir im Kreis der Agrarminister von Bund und Ländern einvernehmlich beschlossen haben. Mein Ziel ist es, mit der "Charta für Holz" den Beitrag des Clusters Forst und Holz zum Klimaschutz mit vereinten Kräften weiter auszubauen. Zwei Punkte sind mir dabei wichtig:

  • Wir wissen, Holz ist Deutschlands bedeutendster nachwachsender Rohstoff. Ihm sind aber auch Grenzen gesetzt: Das betrifft die Fläche und die Einhaltung der Nachhaltigkeit.
  • Es wird also bei der "Charta für Holz" neben dem Klimaschutz darum gehen, die Ressourceneffizienz zu optimieren. Das gilt für die Verarbeitung von Holz im Wald genauso wie für die sich anschließende stoffliche und energetische Verwendung von Holz.

Auch Sie, meine Damen und Herren können und müssen einen Beitrag leisten zum Klimaschutz und zu Ressourceneffizienz. Daher freue ich mich, dass sich die Mitgliedsverbände des Deutschen Holzwirtschaftsrates mit der "Roadmap Holzwirtschaft 2025" selbst in die Pflicht nehmen. Darin haben Sie Maßnahmen für den Schutz des Klimas, den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit aber auch zur Sicherung der Rohstoffbasis entwickelt.
Gerade der Erhalt und Ausbau der Rohstoffbasis ist für den Klimaschutz wichtig. Denn die höchste klimaschützende Wirkung erreichen wir nicht, wenn wir auf die forstliche Nutzung verzichten, sondern wenn wir ihre Produktivität sichern. Wissenschaftliche Studien weisen eindeutig nach, dass der nachhaltig genutzte Wald langfristig mehr zum Schutz des Klimas beiträgt als unbewirtschaftete Wälder. Wer hingegen den Wald aus der Nutzung nehmen möchte, muss klar sagen, wie er den Ausfall der CO2-Minderung in der Forst- und Holzwirtschaft kompensiert. Nutzungsverzichte und neue Bewirtschaftungsauflagen, gefährden auch die wirtschaftliche Entwicklung der ländlichen Räume, wenn sie Augenmaß und Sorgfalt vermissen lassen! Ich kann in diesem Zusammenhang nur an die Worte des österreichischen Schriftstellers Ernst Ferstl erinnern, der einst schrieb: "Wer einen Wald voll Vorurteile pflanzt, dem gedeihen Holzwege in Hülle und Fülle.".

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin für den Erhalt und den Schutz der Natur – doch Stilllegung bedeutet nicht Schutz, sondern Stillstand. Und Stillstand können wir uns angesichts der nationalen und globalen Herausforderungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt und Rohstoffversorgung schon des Klimas wegen nicht leisten. Es muss um eine maßvolle Balance aller Interessen gehen. Denn so erhalten wir am besten unseren Wald als Klimaschützer und auch als Multitalent!

IV. Multitalent Wald

Als Lieferant der nachwachsenden Ressource "Holz", nutzen wir den Wald seit jeher als Wirtschaftsfaktor. Heute verwenden wir Holz als Bau- und Brennmaterial oder für Möbel und Spielzeug. So bietet der Wald eine Million Beschäftigten Arbeit und Einkommen, insbesondere in den ländlichen Regionen. Als Lebensraum von Flora und Fauna nutzen wir den Wald zudem, um Wild zu jagen, Beeren und Pilze zu sammeln und so unsere Essenstafel zu bereichern. Der Wald als Heimat für viele geschützte Tiere und Pflanzen ist natürlich auch ein Ort für Natur- und Artenschutz. Doch nachhaltige Waldbewirtschaftung und Schutz der Biodiversität schließen sich nicht aus. Sie sind zwei Seiten einer Medaille. Das machen wir mit der Prager Walderklärung deutlich.

Nachhaltigkeit in der Waldbewirtschaftung ist für uns kein Lippenbekenntnis: Dies belegen eindrucksvoll die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur. Trotz erhöhten Holzeinschlags und trotz Boom der Holzenergie ist der Wald in Deutschland vorratsreicher, älter, naturnäher und gemischter als vor zehn Jahren. Der Anteil der Laubbäume ist sogar auf 43 Proszent angewachsen und wir haben 18 Prozent mehr Totholz. Die bessere Durchmischung stabilisiert unsere Wälder und bereitet sie noch besser auf den Klimawandel vor.

Und der Wald ist auch unverzichtbarer Erholungsraum: Wanderwege, Naturdenkmäler und Trimm-Dich-Pfade locken Spaziergänger, Jogger, Mountainbiker und Geocatcher in den Wald. Deswegen bin ich fest überzeugt: Wir müssen unseren Wald als Klimaschützer und Multitalent ernst nehmen. Wir müssen unserer Forstwirtschaft Anerkennung für Ihre Leistungen zollen. Denn wir können stolz auf sie sein!

Und wir müssen diejenigen, die unsere Wälder bewirtschaften und pflegen, noch besser unterstützen! Für beides setze ich mich mit meinem Ministerium tatkräftig ein. Denn wir sind die Sachwalter des Waldes und seiner vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten!

V. Bundeswaldgesetz

Meine Damen und Herren, unsere Wälder sind eben nicht Wildwuchs, sondern beredtes Zeugnis einer kulturellen Hochleistung. Dies ist die große Gemeinsamkeit der Wälder in Deutschland: Sie sind vom wirtschaftenden Mensch geprägt und von verantwortungsvollen Waldeigentümern über Generationen nachhaltig gepflegt. Sie sind Natur aus Försterhand! Professionelle Forstverwaltungen und private Dienstleister unterstützen dabei insbesondere kleine Forstbetriebe und Kommunen. Und gerade deswegen wollen wir maßvolle Änderungen am Bundeswaldgesetz vornehmen. Ich weiß, manche unter Ihnen sind skeptisch. Doch ich sage Ihnen: Mit den Änderungen werden wir es auch weiterhin professionellen Forstverwaltungen ermöglichen, ihre Dienstleistung zu marktgerechten Preisen anzubieten. Und wir unterstützen damit ein Mehr an Wettbewerb – für eine zukunftsfähige Waldbewirtschaftung!

VI. Schluss

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns heute gemeinsam schauen, wie wir unseren Wald, die nachhaltige Forstwirtschaft und unseren bedeutendsten nachwachsenden Rohstoff Holz in eine sichere Zukunft führen: Für einen erfolgreichen Klimaschutz und für die Multifunktionalität unserer Wälder! Und lassen Sie mich erinnern an die Worte des berühmten Forstwissenschaftlers Pfeil, der geschrieben hat: "Alle Theorie ist grau, nur der Wald und die Erfahrung sind grün."

Vielen Dank!

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