BMEL

Service

Logo des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz - zur Startseite

Eröffnungsrede: "Viele Akteure – ein Ziel"

Datum:
28.03.17
Ort:
Berlin
Redner:
Bundesminister Christian Schmidt MdB

Rede des Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt MdB anlässlich der Internationalen Bienenkonferenz am 28. März 2017

Es gilt das gesprochene Wort

Anrede,

I. Begrüßung

Herzlich willkommen zur Ersten Internationalen Bienenkonferenz, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gemeinsam mit dem Deutschen Imkerbund ausrichtet! Ich freue mich über Ihr Interesse, denn es zeigt die große Bereitschaft, gemeinsam eines unserer wichtigsten Lebewesen auf dieser Welt zu schützen: Unsere Bienen!

II. Einführung und Zielsetzung der Konferenz

Dank der modernen Technik und Wissenschaft haben wir es in den vergangenen 150 Jahren geschafft, unsere Landwirtschaft immer produktiver und unser Lebensmittelangebot vielfältiger und sicherer zu gestalten. Doch bei allem technischen Fortschritt wissen wir: Ohne unsere Bestäuber wie die Bienen geht es auch heute nicht. Wir brauchen die Biene, um unsere Obst- und Gemüsearten bestäuben und damit unsere Ernährung sicherstellen zu können!

Rund 80 Prozent unserer Pflanzen müssen bestäubt werden, damit sie sich fortpflanzen und wir ihre Früchte ernten können. Allein der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung wird in Deutschland auf jährlich mindestens zwei Milliarden Euro geschätzt – einige Experten gehen sogar von bis zu vier Milliarden Euro aus. Und darin ist der Honigertrag der rund 700.000 Bienenvölker noch nicht mit eingerechnet!

Es geht aber nicht nur um wirtschaftliche Interessen, sondern auch um unsere Biodiversität, unsere Lebensgrundlagen und Kulturlandschaften – weltweit. Bis 2050 werden wir nach Zahlen der Vereinten Nationen knapp 10 Milliarden Menschen weltweit ernähren müssen. Der Schutz unserer Bienen ist damit eine schlichte Lebensnotwendigkeit der Menschheit! Mit ihrem Schutz leisten wir einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Ernährung und Landwirtschaft im 21. Jahrhundert, so wie wir sie mit der Agenda 2030 der Vereinten Nationen angestoßen haben. Deswegen kommt der Bienenhaltung und ihrem Schutz eine hohe politische Bedeutung zu. Daher haben wir uns auch im Koalitionsvertrag zum "Erhalt und Ausbau der Bienenhaltung" bekannt.

Heute begegnen unsere Bienen vielfältigen Herausforderungen:

  • ein immer stärker gefährdetes und weniger vielfältiges Nahrungsangebot,
  • neue Bienenkrankheiten und Parasiten, aber auch
  • die vereinzelte unsachgemäße Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden.

Dringender denn je stellt sich daher heute die Frage: Wie können wir unsere Bienen besser schützen? Viele Staaten sind mit ähnlichen Problemen in Sachen Bienenschutz konfrontiert. Daher bedarf es eines international abgestimmten und vernetzten Ansatzes. Gerade hierfür erwarte ich von der Ersten Internationalen Bienenkonferenz wichtige Impulse! Konkret wollen wir uns in den nächsten zwei Tagen mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Wie wirken Pathogene und Klimaveränderungen auf unsere Bienen? Welche Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen gegen altbekannte und neue Erreger brauchen wir?
  • Wie beeinflussen sich unsere Biodiversität und unsere Ernährung gegenseitig? Und welche Rolle spielt dabei unsere Biene?
  • Wie bringen wir die für eine wirtschaftlich tragfähige und nachhaltige Landwirtschaft unverzichtbare Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auch künftig mit den Anforderungen des Bienenschutzes in Einklang?

Meine Damen und Herren, noch immer fehlen uns wissenschaftlich fundierte Grundlagen für eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Bienenhaltung. Zudem brauchen wir bessere Managementsysteme für die Haltung von Bienenvölkern und für die Erhaltung unserer einheimischen Bestäuber – und zwar solche, die unsere Imkerinnen und Imker in der Praxis auch gut nutzen können. Und auch für eine wissenschaftsbasierte Risikobewertung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ist Ihre Expertise heute und morgen gefragt! Daher ermuntere ich Sie: Bringen Sie sich ein, diskutieren Sie mit!

III. Engagement des BMEL

Ziel dieser Konferenz ist es, den Schutz unserer Bienen gemeinsam auf eine neue Ebene zu stellen. Mein Motto lautet "Viele Akteure – ein Ziel". Dabei will ich auch die Erfahrungen nutzen, die wir in Deutschland bereits gemacht haben. Lassen Sie mich Ihnen daher einige unserer Projekte und Ideen kurz vorstellen:

Öffentlichkeitsarbeit

Für den Schutz unserer Biene und anderer Bestäuber ist es zunächst wichtig, dass wir die Bedeutung der Biene und ihrer Lebensbedingungen stärker ins Rampenlicht rücken und eine breite Öffentlichkeit erreichen.

Besonders erfolgreich ist hier in Deutschland unsere Bienen-App – über 100.000 Mal wurde sie bereits heruntergeladen: Sie weckt das Interesse an den Tieren und hilft auch Hobbygärtnern, ein bienenfreundliches Umfeld zu gestalten. Gemeinsam mit dem Verband der deutschen Gartencenter und dem Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte haben wir die Informationskampagne "Bienen füttern" entwickelt. Und ich freue mich wirklich sehr, dass es gemeinsam mit dem Verband der Gartencenter gelungen ist, die Kampagne Bienenfüttern in diesem Jahr weiterzuentwickeln: Gemeinsam mit der Präsidentin des Verbandes, Frau Mensing-Meckelburg, gebe ich heute den Startschuss für eine neue Mitmach-Webseite zum Bienen füttern. Auf einer Deutschlandkarte kann jeder von uns eintragen, wo sie bzw. er welche bienenfreundlichen Pflanzen ausgepflanzt hat. Das ist gelebter Bienenschutz durch aktive Bürgerbeteiligung! Machen Sie mit auf www.bienenfuettern.de.

Förderung von Wissenschaft und Forschung

Meine Damen und Herren, wenn wir beim Schutz der Bienen langfristig weiter kommen wollen, dann müssen wir auf Forschung und Innovation setzen. Deswegen habe ich im vergangenen Jahr ein Bienenschutzinstitut am Julius-Kühn-Institut gegründet. Und auch das Nationale Referenzlabor für Bienenkrankheiten am Friedrich-Loeffler-Institut, das sich in Deutschland bereits etabliert hat, forscht zum besseren Schutz unserer Bestäuber. Nun steht es kurz davor, Referenzlabor für die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), zu werden. Das ist für uns eine große Ehre und zugleich ein hoher Anspruch an die weitere Arbeit.

Ich suche den Schulterschluss jedoch nicht nur mit den Wissenschaftlern, sondern auch mit anderen relevanten Stellen. So hat mein Ministerium bereits im Jahr 2004 das Deutsche Bienenmonitoring, kurz DeBiMo genannt, gemeinsam mit den Ländern, Imkern, der Landwirtschaft und der Industrie ins Leben gerufen. Das DeBiMo liefert entscheidende wissenschaftliche Beobachtungen zur Erhaltung der Bienengesundheit in Deutschland. Und es fördert den Austausch unter den verschiedenen Akteuren: Landwirte, Imker und Wissenschaftler reden heute miteinander, statt übereinander.

Förderung der Vernetzung aller Akteure Auch die nationalen Bienenkonferenzen, die mein Ministerium im vergangenen Jahr in Mayen, Berlin und Nürnberg ausgerichtet hat, haben einen wichtigen Beitrag in diesem Sinne geleistet. Denn sie haben dazu beigetragen, die Akteure noch besser zu vernetzen. Und ganz konkret haben sie dazu geführt, dass heute mehr Flächen mit bienenfreundlichen Pflanzen in Stadt und Land für unsere Bestäuber bereitgestellt werden. Beispielsweise stellt die Deutsche Bahn AG – einer der bedeutendsten Flächennutzer Deutschlands – in Absprache mit den regionalen Imkern Flächen für "Bienenweiden" zur Verfügung.

Meine Damen und Herren, Sie sehen: In der Vergangenheit ist schon viel Gutes entstanden, auch weil der Wille zur Kooperation allgegenwärtig ist. Doch wir sind noch nicht am Ziel! Und genau darum sind wir heute hier. Wir wollen in den kommenden zwei Tagen Perspektiven entwickeln und Erfahrungen austauschen, um den Schutz unserer Bienen weiter zu verbessern!

IV. Schluss

Meine Damen und Herren, Der Schutz unserer Bienen – ja, unserer Bestäuber insgesamt – wird mit darüber entscheiden, wie es um unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen im 21. Jahrhundert bestellt ist. Für einen verbesserten Schutz brauchen wir eine stetige Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Erkenntnisse – auch im internationalen Bereich. Daher ist mir der Austausch unter Wissenschaftlern hier so wichtig.

Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass das gewonnene Wissen auch in die Breite getragen wird: Es muss von den Multiplikatoren – allen voran den Imkerorganisationen und Bauernverbänden, aber auch den Journalisten – an die Akteure vor Ort vermittelt werden, damit regional passgenaue Ansätze für den Bienenschutz ergriffen werden können. Besonders wichtig ist mir, den Blick über unseren jeweiligen nationalen Tellerrand hinaus auf Europa und die Welt zu richten.

Meine Damen und Herren, Wo und wann, wenn nicht hier und jetzt – wo die Crème de la Crème der Bienenexperten auf internationaler Ebene versammelt ist –, könnten wir besser die Grundlage für eine verbesserte internationale Zusammenarbeit im Bienenschutz legen? Lassen Sie uns gemeinsam weiter daran arbeiten, unsere Bienen global zu schützen!

Vielen Dank!

e

Wichtige Mitteilung

Bundespreis 2018 - Für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung

Jetzt Anmelden!

Aufruf zur Bewerbung zum Bundespreis 2018

Unternavigation aller Website-Bereiche