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Chancen der Integration für ländliche Regionen

Im vergangenen Jahr kamen mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland, um Schutz und Perspektiven zu finden. Die Integration der Menschen, die voraussichtlich dauerhaft in unserem Land bleiben werden, ist eine wichtige Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen.

Auch wenn es viele Menschen in die Metropolen zieht gibt es immer mehr gute Beispiele dafür, welche Möglichkeiten ländliche Regionen für die Integration bieten: Pluspunkte sind beispielsweise die Überschaubarkeit der Dorfgemeinschaft, sozialer Zusammenhalt und verfügbare Wohnungen.

Über die Chancen und Herausforderungen der Integration im ländlichen Raum berichtete Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt Ende April 2016 im Kabinett. Das Fazit: Nicht alle ländlichen Gemeinden sind gleich gut für die Integration geeignet. Gerade in strukturschwachen und abgelegenen Regionen muss fortlaufend daran gearbeitet werden, gute Lebens- und Arbeitsbedingungen für die gesamte Bevölkerung zu schaffen und zu erhalten. Die dafür notwendigen Maßnahmen kommen allen zugute.

Neben vielen Herausforderungen der Integration bietet die Integration auch Chancen für die ländlichen Regionen und kann Dörfer und Kleinstädte bereichern. Durch die neuen Nachbarn kann beispielsweise die Auslastung von Einrichtungen verbessert werden – so können manche von der Schließung bedrohte Schulen erhalten werden, wenn Flüchtlingsfamilien mit Kindern zuziehen. Auch der örtliche Einzelhandel profitiert von der gestiegenen Nachfrage. Fußballvereine können neue Nachwuchstalente finden. Der Bundeslandwirtschaftsminister sagte bei einer Dialog-Veranstaltung im April 2016: "Wenn wir es gut machen, kann der Zuzug einen enormen Gewinn für unser ganzes Land und insbesondere für unsere ländlichen Regionen bedeuten."

Eine Übersicht der Bundesregierung listet alle Projekte, Vorhaben und Förderprogramme zur Integration auf - darunter auch die Maßnahmen des BMEL.

Dorfentwicklung und Ehrenamt

"Integration" heißt auch: ankommen und sich zu Hause fühlen. Auf dem Land sind die Voraussetzungen dafür sehr gut; es gibt ein reges Vereinsleben, ehrenamtliches Engagement, gelebte Nachbarschaft und kurze Wege. Aber bei manchen entstehen ebenso Fragen: Wie kommen die Menschen unter? Wo finden sie später Arbeit? Und was passiert im Dorf, wenn neue Bewohner aus fremden Kulturkreisen kommen? Gerade auf dem Land tragen viele Ehrenamtlichen dazu bei, die Neuen im Ort willkommen zu heißen und ihnen bei den ersten Schritten beizustehen. Wichtig sind Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen von alten und neuen Bewohnern, um Ängste auf beiden Seiten abzubauen, mehr über die Lebenssituationen zu erfahren und Konflikten vorzubeugen.

Eine wertvolle Hilfe kann eine Dorfmoderation sein. Profis begleiten dabei Veränderungsprozesse im Ort. Bei der Ausrichtung von Projekten der ländlichen Entwicklung können die Verantwortlichen auf die neuen Anforderungen, die sich durch den Zuzug ergeben, vielfach bereits flexibel reagieren. So können etwa Leader-Aktionsgruppen ihre Projekte am Ort an die jeweiligen Verhältnisse anpassen. Die Leader-Förderung stärkt das Ehrenamt im Zusammenhang mit Projekten zur Integration. Schon heute gibt es Dorfgemeinschaften, die Vorbildliches leisten, wie der jüngste Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" gezeigt hat.

"Wenn wir es gut machen, kann der Zuzug einen enormen Gewinn für unser ganzes Land und insbesondere für unsere ländlichen Regionen bedeuten." Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bei einer Dialog-Veranstaltung im April 2016

Wohnungen

Oft stellt sich die Frage nach Wohnraum, der in ländlichen Regionen leichter verfügbar und preiswerter ist als in den Ballungsgebieten. Günstige Wohnungen und Häuser kann auch die Dorferneuerung schaffen: Für derzeit leerstehende Immobilien entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten - Ortskerne können damit wiederbelebt werden. Möglich ist es auch, leerstehende Gebäude aus der Land- und Forstwirtschaft umzubauen und anders zu nutzen, etwa für dorfgemäße Gemeinschaftseinrichtungen, Mehrfunktionshäuser oder Begegnungsstätten. Dafür gibt es Fördergeld aus der "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK). Außerdem kann es Unterstützung von der EU geben – aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Daraus können mittelfristig Gelder für Integrationsziele genutzt werden.

Mobilität und Erreichbarkeit

Zur Arbeit, zur Schule, zum Einkauf: Auf dem Land sind die Strecken von A nach B oft weiter als in der Stadt. Hinzu kommt, dass Busse und Bahnen deutlich seltener fahren. Wer kein Auto hat fühlt sich schnell außen vor. Nicht in jedem kleineren Ort können Integrations- und Deutschkurse angeboten werden, damit eine unkomplizierte Teilnahme möglich ist. Wichtig sind daher neue Ideen für Verkehrsangebote, etwa Anrufsammeltaxis, Rufbusse oder andere flexible Konzepte, mit denen der Bedarf gut und wirtschaftlich bedient werden kann. Auch der Ausbau von schnellen Breitbandverbindungen und Mobilfunknetzen ist für alle auf dem Land von hoher Bedeutung.

Fachkräfte und Arbeitsplätze

Wer dazugehören will, braucht ein Auskommen durch Arbeit. Integration funktioniert nur, wenn es Perspektiven auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt gibt. In vielen Gegenden auf dem Land haben Einheimische und Migranten bei entsprechenden Arbeits- und Ausbildungsvoraussetzungen gute Chancen in den Branchen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind. Fakt ist: Auch auf dem Land bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt, und für offene Stellen von Fachkräften findet sich niemand. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen können – wenn sie Migration als Chance begreifen und Lehr- und Arbeitsstellen anbieten – dem drohenden Nachwuchs- und Fachkräftemangel entgegenwirken.

Das Thünen-Institut (Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei) hat 21 Unternehmen in fünf Bundesländern befragt, welche Erwerbsmöglichkeiten kleine und mittelständische Unternehmen in ländlichen Regionen bieten. Auf der Grundlage der Ergebnisse dieser Interviews hat es einen praxisorientierten Ratgeber für potenzielle Arbeitgeber entwickelt: Ratgeber "Flüchtlinge einstellen − Tipps von Unternehmern für Unternehmer"
Auch Flüchtlinge wurden befragt und daraus Empfehlungen für den Weg in eine Arbeit zusammengestellt: Ratgeber "Arbeit finden in Deutschland – Tipps von Flüchtlingen für Flüchtlinge"

Unterstützung gibt es auch aus dem BMEL: Die GAK sieht neue Fördermöglichkeiten zur Verbesserung der Agrarstruktur vor, die auch für die Integration nützlich sein können. Es geht dabei auch um den Ausbau der Infrastruktur und Investitionen in Kleinstbetriebe der Grundversorgung. Über das Modellvorhaben "Land(auf)Schwung" wird ein Sonderprojekt im Landkreis Bautzen gefördert, um Menschen mit Migrationshintergrund in die Arbeitswelt zu integrieren.

Kitas und Schulen

Betreuung für die Jüngsten ist wichtig. Kitas, Schulen und Betreuungsangebote am Nachmittag – etwa Sport und Kultur – spielen für Eltern und ihren Nachwuchs eine große Rolle. Kommunen auf dem Land müssen oft genau hinschauen: Lohnt sich der Betrieb von Schulen und Kita noch, wenn es in der Gemeinde immer weniger Kinder gibt? Bereits heute gibt es in vielen kleinen Gemeinden auf dem Land die klassische Dorfschule nicht mehr. Die Grundschule ist längst geschlossen, und die Mädchen und Jungen müssen in eine der Nachbargemeinden pendeln. Das könnte sich an manchen Orten ändern. Bundesminister Schmidt verspricht sich positive Synergieeffekte.

Ernährungsinformation

Wissen über eine gesunde Ernährung ist wichtig. Doch gibt es Sprachbarrieren, bleiben Flüchtlinge außen vor. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstützt ein Projekt, um das zu ändern: Ernährungs- und Bewegungsförderung im Kontext von Alphabetisierung und Integration. Das Vorhaben gehört zu "IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung", die seit 2008 gemeinsam von Bundesernährungsministerium und Bundesgesundheitsministerium umgesetzt wird. Für Deutsch- und Alphabetisierungskurse entstand eine Spielebox als Lehrmaterial; Fortbildungen in ganz Deutschland machten es bei Dozentinnen und Dozenten bekannt. Erste Ergebnisse aus der Praxis zeigen: Das Material kommt gut an – und es wird dringend benötigt.

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