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Rat und Tat auf dem Land: Neue Online-Plattform bringt Senioren echte Hilfe

Unterstützungsangebote für Senioren und Angehörige zu bündeln und gezielt zugänglich zu machen: Das ist das Ziel des Projekts „NeaWiS“ im bayerischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim. Das Modellprojekt erhält rund 196.000 Euro Fördermittel aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Projektstart war am 26. Januar 2018; am 9. Februar 2018 hat Bundesminister Christian Schmidt den Förderbescheid überreicht.

Prof. Dr. Müller-Feuerstein, Hochschule Ansbach, leitet „NeaWiS“. Er stellt das Projekt im Gespräch vor:

Was ist das zentrale Anliegen von „NeaWiS“?
„NeaWiS“ steht für „Neustadt an der Aisch - Bad Windsheim Senioreninformationen“. Wir wollen ein Web-Portal aufbauen, das insbesondere den Angehörigen von hilfsbedürftigen älteren Menschen die Versorgungsangebote im Landkreis gebündelt und individualisiert zugänglich macht. Ziel ist es, dass ein digitaler persönlicher Organisationsassistent allen Beteiligten als gemeinsame Basis für Beratungsgespräche dient. So wird die Pflege der Senioren verbessert und die Angehörigen werden entlastet.

Was ist das Besondere an diesem persönlichen Organisationsassistenten?
Das Anliegen des Organisationsassistenten ist es, individuell geeignete Angebote ähnlich dem Warenkorb beim Online-Einkauf personalisiert zusammenzufassen und sie Betroffenen sowie Beratungsstellen zur Verfügung zu stellen. Mithilfe dieses digitalen Profils können geeignete Versorgungsangebote gemeinsam besser ausfindig gemacht und schneller in Anspruch genommen werden. Häufig geht es dabei beispielsweise um die erste Zeit zu Hause nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Da ist schnelle Unterstützung gefragt, um allein daheim zurecht zu kommen. Dann wird geschaut, ob ein Pflegedienst nötig ist, welche Anpassungen etwa in der Wohnungseinrichtung vorgenommen werden sollten und ob zum Beispiel ein Rollator oder die Hilfe von Ehrenamtlichen sinnvoll wären – sei es als seelischer Beistand oder zur Unterstützung im Tagesablauf.

Welche Vorteile bieten digitale Lösungsansätze in diesem Fall?
Wir denken bei „NeaWis“ stark an die Zukunft. Unser Landkreis ist sehr vom demographischen Wandel betroffen. In rund 20 Jahren werden ein Drittel der Menschen hier in Bad Windsheim und im Landkreis über 65 sein und die Jüngeren, die helfen können, werden tendenziell weniger. Dass die jüngere Generation immer webaffiner wird, wollen wir nutzen, um die Zugänglichkeit und die Inanspruchnahme von Pflege- und Hilfsangeboten effizienter zu gestalten. Das Web-Portal bietet die Chance, Angebote sehr übersichtlich, schnell und vor allem individualisiert verfügbar zu haben. Das kann den Angehörigen zukünftig helfen, die organisatorischen Herausforderungen bei der Unterstützung beispielsweise von erkrankten Eltern zu stemmen. Die Strukturen für dieses webbasierte System wollen wir jetzt aufbauen.

Welchen Beitrag leistet „NeaWiS“ zur ländlichen Entwicklung?
Die ärztliche Versorgung und die Pflegesituation sind bei uns eine große Herausforderung. Wir erhoffen uns, dass Angehörige durch die verbesserte Zugänglichkeit zu Pflegestrukturen entlastet werden und sich so ihre Lebensqualität erhöht. Die Betroffen selber erhalten eine bessere Versorgung und können länger zu Hause leben.

Mehrere Broschüren und ein Kalender liegen auf einem Tisch Die Informationsmöglichkeiten im Landkreis sind vielfältig, Quelle: Benjamin Maier

Was ist das Modellhafte an „NeaWiS“?
Die individualisierte, digitale Bündelung der Unterstützungsangebote ist neuartig. Darüber hinaus sind die Software und die erarbeiteten Prozesse des Informationsaustausches und der Zusammenarbeit auf andere Regionen übertragbar. Ich denke, dass wir die technische Basis für ein Konzept schaffen, das innerhalb von Wochen auf eine andere ländliche Region angewendet werden kann.

Welche Herausforderungen sehen Sie?
Die Kernaufgabe wird sein, alle relevanten Akteure im Landkreis an einen Tisch zu bekommen und die Informationen zu bündeln. Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen und bereit sein, sich einzubringen. Ein wichtiges Thema ist auch der Datenschutz. Wir müssen Software sicher entwickeln und Daten standardmäßig auf hohem Niveau verschlüsseln.

Wer sind die beteiligten Akteure im Landkreis?
Mit im Boot werden unter anderem die Kliniken im Landkreis sein – vor allem die Beratungsstelle der Akutgeriatrie – sowie die Stadt Bad Windsheim, der Sozialverband VdK, Seniorenvertretungen, Ämter, Selbsthilfeorganisationen, Fahrdienste, Krisendienste, Demenzberatung und Ehrenamtliche.

Was sind nach dem Auftakt im Januar 2018 die ersten Schritte?
Zunächst werden wir Personal zusammenstellen, um im dritten oder vierten Quartal 2018 den Prototyp des Portals auf die Beine stellen zu können. Dabei kommen uns besonders die Fördermittel aus dem Bundesprogramm Ländliche Entwicklung zugute: Neben den Kosten für die Technik benötigen wir vor allem Personal für die Koordinierung, um alle Akteure der Region zusammenzubringen.

Was sind die nächsten Meilensteine?
Noch 2018 soll die erste Version des Portals online gehen. Danach wollen wir die Zugänge für verschiedene Nutzergruppen wie Betroffene, Beratungsstellen und Dienstleister ausarbeiten. Mitte 2020 soll das Portal mit all den von uns gewünschten Funktionen fertig sein und laufen. Damit verbunden ist natürlich die ständige Pflege und Aktualisierung der Daten. Dabei wird voraussichtlich die Beratungsstelle der Akutgeriatrie unterstützen.

Stand:
09.02.18

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