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Braune,vertrocknete Maispflanzen mit der Aufschrift "Fragen und Antworten zu Erntebericht und Hilfen bei Extremwetter" Quelle: BMEL - stock.adobe.com/Carolyn Franks

Fragen und Antworten zu Erntedaten, dem BMEL-Erntebericht und den Hilfen bei Extremwetter

Die wochenlange Trockenheit gefährdet die Ernte der Landwirte. Hier finden Sie Fragen und Antworten zur Erhebung der Erntezahlen, den Zuständigkeiten von Bund und Ländern sowie den Hilfsmaßnahmen.

Wann liegen verlässliche bundesweite Zahlen zur Ernte 2018 vor?

Das erste vorläufige, amtlich festgestellte Ernteergebnis für Getreide und Raps wird mit dem BMEL-Erntebericht bekannt gegeben. Dieser wird voraussichtlich Ende August vorliegen. Das vorläufige Ergebnis der Kartoffelernte wird voraussichtlich einen Monat später festgestellt werden.

Wer ist für die amtliche Ernteermittlung zuständig?

Es ist Aufgabe der statistischen Ämter in Deutschland die Erntemengen bei wichtigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen festzustellen. Ziel der Erntestatistik ist, die Versorgungslage mit Grundnahrungsmitteln verlässlich einzuschätzen. Zudem spielen die Erntedaten für die Marktbeobachtung auf EU-Ebene, zunehmend aber auch im globalen Maßstab, eine wichtige Rolle.

Wie genau kommen die Erntezahlen des BMEL zustande?

Um die Erntemenge einer Fruchtart zu berechnen, werden die Erntefläche und der durchschnittliche Hektarertrag in der betrachteten Region benötigt.
Diese Eckdaten werden in Deutschland aus drei dezentralen agrarstatistischen Erhebungen gewonnen:

  • der Bodennutzungshaupterhebung,
  • der Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE) und
  • der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE).

Hierbei arbeiten die statistischen Ämter der Länder und des Bundes eng zusammen.

  • Die Arbeiten vor Ort führen die Landesämter durch. Sie stellen auch ihre jeweiligen Landesergebnisse zusammen und veröffentlichen diese in eigener Regie. Die Daten der Länder werden nach einem gemeinsam vereinbarten Zeitplan an das Statistische Bundesamt übermittelt und dort überprüft.
  • Aus den Länderergebnissen wird anschließend das Bundesergebnis berechnet. Eine Veröffentlichung von Bundesergebnissen ist grundsätzlich erst möglich, wenn alle Länderdaten vorliegen.

Welche Rolle spielt die Bodennutzungshaupterhebung?

Die jährlich stattfindende Bodennutzungshaupterhebung liefert flächendeckende Daten über die Anbauflächen aller Ackerfrüchte und des Grünlandes. Diese Flächen werden als Ernteflächen zur Berechnung der Erntemengen zu Grunde gelegt.

Das Statistische Bundesamt (StBA) veröffentlicht im August des Berichtsjahres (in diesem Jahr am 3. August) vorläufige Ergebnisse der Bodennutzungshaupterhebung. Im November folgt das endgültige Bundesergebnis. Eine Übersichtstabelle zur Flächennutzung ist unter folgendem Link abrufbar. Weitergehende Daten enthält die Fachserie des Statistischen Bundesamtes (StBA).

Welche Rolle spielt die Ernte- und Betriebsberichterstattung (EBE)?

Die EBE wird für Feldfrüchte und Grünland, Reben und Weinmost sowie Obst durchgeführt. Für Feldfrüchte und Grünland findet sie im Zeitraum April bis Dezember statt.

Auf freiwilliger Basis berichten sachkundige Experten – in der Regel erfahrene Landwirtinnen und Landwirte – über die in ihrem Berichtsbezirk zu erwartenden durchschnittlichen Erträge. Das Merkmalsprogramm der Berichte variiert entsprechend dem Vegetationsverlauf.

  • Zum 30. Juni nehmen die Berichterstatter und -erstatterinnen eine erste Vorschätzung der Hektarerträge von Getreide und Ölfrüchten vor.
  • Zum 31. Juli wird die Vorschätzung aktualisiert.
  • Für die später erntereifen Ackerkulturen wie Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben stehen die Ertragsschätzungen in den Monaten August bis Oktober an.

Aus den Angaben der Berichterstatter und -erstatterinnen errechnet das jeweilige Statistische Landesamt die durchschnittlich gewogenen Hektarerträge. Anschließend wird für jede Fruchtart der Hektarertrag mit der Anbaufläche multipliziert und so die jeweilige Erntemenge errechnet.

Die Länderergebnisse werden entsprechend dem vereinbarten Terminplan an das Statistische Bundesamt übermittelt und dort zum Bundesergebnis weiterverarbeitet. Die EBE-Ergebnisse zum Stand 30. Juni sind ab dem 3. August 2018 auf der Webseite des Statistischen Bundesamtes verfügbar. Die statistischen Ämter der Länder haben teilweise eigene Pressemitteilungen zu den EBE-Ergebnissen veröffentlicht, die auf den jeweiligen Webseiten verfügbar sind.

Welche Rolle spielt die Besondere Ernte- und Qualitätsermittlung (BEE)?

Durch die BEE werden die Ergebnisse der EBE für ausgewählte Fruchtarten (die wichtigsten Getreidearten, Raps und Kartoffeln) durch objektive Ertragsmessungen abgesichert. Diese Erhebung wurde eingeführt, um Kritik bezüglich mangelnder Objektivität der Ernteberichterstattung zu begegnen.

Durch das Agrarstatistikgesetz ist derzeit festgelegt, dass für die BEE bundesweit maximal 10.000 Felder herangezogen werden. Diese werden in einem Stichprobenplan des Statistischen Bundesamtes auf die Länder verteilt. Bei Getreide wird der Ertrag überwiegend, beim Raps ausschließlich, im sog. Volldruschverfahren ermittelt, d.h. die gesamte Erntemenge eines Probefeldes wird verwogen und anhand der Feldgröße der Hektarertrag ermittelt. Aus dem Erntegut werden zudem Proben gezogen.

Eine Teilmenge der Einzelproben geht an eine Untersuchungsanstalt im jeweiligen Bundesland. Dort werden der Feuchtegehalt, der Schwarzbesatz und der Auswuchs ermittelt. Der andere Teil wird an das Max Rubner-Institut in Detmold geliefert, wo weitergehende Qualitätsuntersuchungen (z. B. Rohproteingehalt und Backqualität bei Getreide, Ölgehalt bei Raps) durchgeführt werden.

Wann sind die BEE-Ergebnisse verfügbar?

Auch bei der BEE erfolgt die Datenaufbereitung zunächst auf der Länderebene. Die Daten werden ebenfalls nach einem vereinbarten Terminplan an das Statistische Bundesamt weitergeleitet. Dieser Terminplan berücksichtigt, dass es in Deutschland Früh- und Späterntegebiete gibt.

In einem normalen Erntejahr beginnt die Getreideernte – mit großen regionalen Unterschieden – meist im Juli und zieht sich bis in den September hin. In diesem Jahr hat sich der Erntezeitraum witterungsbedingt deutlich nach vorn verschoben. Dadurch werden für den Erntebericht des BMEL wahrscheinlich deutlich mehr Auswertungsergebnisse der BEE vorliegen werden als üblicherweise. Damit werden die vorläufigen Ergebnisse den endgültigen voraussichtlich bereits sehr nahe kommen.

Wie bzw. wo werden die Ernteergebnisse veröffentlicht?

Das vorläufige erste Ernteergebnis für Getreide und Raps veröffentlicht das BMEL mit dem BMEL-Erntebericht. Der letztjährige Bericht ist hier verfügbar. Das vorläufige Ergebnis der Kartoffelernte kommuniziert das BMEL in der Regel in der zweiten Septemberhälfte in einer Pressemitteilung.

Die endgültigen Ernteergebnisse werden in der Fachserie des StBA bereitgestellt. Zudem gibt es einen Abschlussbericht zur BEE, der neben den rein mengenmäßigen Ergebnissen auch Informationen zur Erntequalität enthält. Der Abschlussbericht zur BEE 2017 ist hier verfügbar.

Wie unterscheiden sich die Zahlen des BMEL von den bereits kursierenden Schätzungen?

Die amtlich festgestellten Ergebnisse basieren für die wichtigsten Feldfrüchte auf tatsächlich ermittelten Ernteergebnissen von bis zu 10.000 Probeflächen (Feldern), die über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind. Dadurch ergibt sich ein repräsentatives Bild über die Ernte in den Bundesländern und für Deutschland insgesamt.

Daneben gibt es Schätzungen von Wirtschaftsbeteiligten, z. B. vom Deutschen Raiffeisenverband und vom Deutschen Bauernverband, die sich im Wesentlichen auf Umfragen unter ihren Mitgliedern stützen. Die daraus entstehenden Prognosen tragen zur Lageeinschätzung bei, liefern aber keine repräsentativen Ergebnisse. Auch die Schadensabschätzungen, die in einigen Ländern vorgenommen werden, erheben nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein.

Wer ist für Hilfsmaßnahmen zuständig?

Für Hilfsmaßnahmen bei außergewöhnlichen Naturereignissen (Naturkatastrophen oder diesen gleichgestellten widrigen Witterungsverhältnissen) sind nach der verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern die Länder zuständig.

Was wurde schon gemacht, um den Landwirten zu helfen?

Darüber hinaus kommen weitere Hilfsmöglichkeiten in Betracht:

  • Die geschädigten Betriebe können Anträge auf Stundung von Steuerschulden stellen.
  • Die geschädigten Betriebe können Stundung der Sozialversicherungsbeiträge beantragen.
  • Die Finanzbehörden der Länder können steuerliche Vorauszahlungen anpassen und auf Säumniszuschläge, Stundungszinsen und Vollstreckungsmaßnahmen verzichten.

Wann kann der Bund helfen?

Lediglich wenn das Schadensereignis als "Ereignis von nationalem Ausmaß" eingestuft wird, kann der Bund finanzielle Hilfe leisten - ausnahmsweise im Rahmen der "gesamtstaatlichen Repräsentation". Dazu müssen die Gesamtumstände bewertet werden. Ob die anhaltende Trockenheit ein Ereignis von nationalem Ausmaß ist, kann erst entschieden werden, wenn belastbare Schadensmeldungen vorliegen.

Was sind die Voraussetzungen für Hilfen in der Forst- und Landwirtschaft?

Die Länder und ausnahmsweise der Bund können bei außergewöhnlichen Naturereignissen auf Grundlage einer nationalen Rahmenrichtlinie bei Naturkatastrophen oder diesen gleichgestellten widrigen Witterungsverhältnissen in der Land- und Forstwirtschaft Hilfe in Form von Zuschüssen leisten. Das BMEL hat die Rahmenrichtlinie 2015 bei der Europäischen Kommission genehmigen lassen, um Hilfen in akuten Fällen zu ermöglichen. Die Hilfen können in Form von Zuschüssen oder Zinszuschüssen geleistet werden.

Schäden durch widrige Witterungsverhältnisse wie Dürre können nur gewährt werden, wenn mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung des betreffenden Unternehmens zerstört wurden. Hilfen für Schäden durch widrige Witterungsverhältnisse können bis zu maximal 80 Prozent des Gesamtschadens betragen.

Voraussetzung für Hilfen bei Dürre in der Forstwirtschaft ist, dass mindestens 20 Prozent des forstwirtschaftlichen Potenzials des betreffenden forstwirtschaftlichen Unternehmens zerstört wurde. Die Hilfen richten sich in der Forstwirtschaft nach den Wiederherstellungskosten. Es gelten ansonsten dieselben Bedingungen wie in der Landwirtschaft.

Voraussetzung für die Gewährung von Hilfen ist, dass die zuständigen obersten Bundes- oder Landesbehörden oder bei gemeinsamen Bund-Länder-Hilfen die zuständigen obersten Bundes- und Landesbehörden das Ereignis als widriges Witterungsverhältnis einstufen.

Ist das Ausmaß der Schäden in der Forstwirtschaft bereits bekannt?

Einzelne Schäden, wie zum Beispiel vertrocknete Aufforstungen von diesem Frühjahr oder vertrocknete Bäume, sind bereits jetzt erkennbar. Das gesamte Ausmaß der Schäden in der Forstwirtschaft wird jedoch erst mit deutlicher Zeitverzögerung bezifferbar sein. Dies ist abhängig vom weiteren Witterungsverlauf und Einflussfaktoren, wodurch sich die Schäden weiter verschärfen könnten (zum Beispiel durch Sekundärschäden durch Insektenbefall wie Borkenkäfer). Hilfen können sowohl für die Land- als auch die Forstwirtschaft auf der Grundlage einer EU-notifizierten Nationalen Rahmenrichtlinie gewährt werden (siehe vorhergehende Antwort).

Das Statistische Bundesamt fasst jährlich die in Deutschland von den Ländern gemeldeten außerordentlichen Holzeinschläge getrennt nach Schadensursache (Sturm, Schneebruch, neuartige Waldschäden, Insektenschäden und sonstige Schäden) zusammen. Waldbrände, deren Ursachen sowie die damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden erfasst die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Die jeweiligen Daten werden für das vergangene Jahr erhoben und veröffentlicht. Für das Jahr 2018 liegen der Bundesregierung demnach noch keine Informationen vor.

Weitere Informationen zu Trockenheit im Wald: Maßnahmen bei außergewöhnlichen Naturereignissen

Stand:
03.08.18

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