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orangene Früchte in einer Schale Palmölfrüchte, Quelle: fotolia.com/Ellen Ebenau

Nur noch nachhaltig zertifiziertes Palmöl in Deutschland

In Deutschland soll bis zum Jahr 2020 nur noch nachhaltig produziertes Palmöl zum Einsatz kommen – das ist das erklärte Ziel des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL). Staatssekretär Michael Stübgen hat anlässlich der jährlichen Generalversammlubng am 18. Oktober 2018 des vom BMEL geförderten Forums Nachhaltiges Palmöl e.V. (FONAP) die Erfolge der Arbeit des Forums gewürdigt.

Zugleich forderte der Parlamentarische Staatssekretär im BMEL Michael Stübgen, trotz 54 aktueller Mitglieder, in Berlin: "Um die Ziele des FONAP noch schneller und wirkungsvoller erreichen zu können und in Deutschland den Palmölmarkt in Richtung Nachhaltigkeit zu drehen, muss das FONAP weiter wachsen. Wir brauchen mehr Mitglieder!"

Herausforderungen im Palmölmarkt

Der Agrarrohstoff Palmöl hat eine hohe Bedeutung für Erzeuger- wie Konsumländer: Palmöl ist ein sensibler Rohstoff, der viele Eigenschaften hat, auf denen wichtige Verarbeitungsprozesse basieren, und der deshalb in einigen Branchen als unverzichtbar gilt. In den Erzeugerländern hat Palmöl eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung, insbesondere für die ländlichen Regionen.

In Südost-Asien werden 45 Prozent der Ölpalmen in bäuerlicher Landwirtschaft angebaut, in Afrika ca. 80 Prozent. Hauptanbauländer sind Indonesien (ca. 55 Prozent der Weltproduktion) und Malaysia (ca. 35 Prozent).

Wir setzen uns sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene dafür ein, dass agrarische Rohstoffe wie Palmöl nachhaltig erzeugt werden. Unser Bedarf an dem wertvollen Pflanzenöl darf nicht dazu führen, dass kostbare Naturwaldflächen abgeholzt werden, Brandrodungen verheerende Waldbrände auslösen oder Landrechte verletzt werden. Als Abnehmer tragen Unternehmen, Politik sowie Verbraucherinnen und Verbraucher Verantwortung für die Art der Gewinnung des Rohstoffes!“ Staatssekretär Michael Stübgen

Eine nicht-nachhaltige Palmölproduktion hat gravierende lokale und globale Folgen.

Daher fordert das BMEL seit mehreren Jahren, "dass in Deutschland nur noch nachhaltig zertifiziertes Palmöl verwendet wird. Wir erwarten aber auch, dass alle Branchen ihre Verantwortung für Umwelt und Menschenrechte ernst nehmen und auf zertifiziertes Palmöl umstellen ", unterstrich Stübgen in seinem Grußwort auf der Generalversammlung.

Positiv: Anteil von nachhaltig zertifiziertem Palmöl in Deutschland gestiegen

Eine aktuelle Studie von Meo Carbon Solutions zum Palmölverbrauch in Deutschland im Jahr 2017 zeigt, dass zwischen 2015 und 2017 alle Branchen und viele Unternehmen in Deutschland die Nutzung von zertifiziertem Palmöl gesteigert haben:

  • Im Jahr 2017 stammten laut den Ergebnissen der Studie 55 Prozent des in Deutschland in den nicht-energetischen Sektoren verbrauchten Palmöls aus nachhaltig zertifiziertem Anbau.
  • Würde der Energiesektor - in dem die Nutzung von zertifiziertem Palmöl gesetzlich vorgeschrieben ist – berücksichtigt, läge der Anteil an zertifiziertem Palmöl bei 76 Prozent.
  • Spitzenreiter bei der Verwendung von nachhaltigem Palmöl ist der Lebensmittelsektor, wo laut der Studie 85 Prozent nachhaltig zertifiziertes Palmöl eingesetzt werden.
  • In der Futtermittelbranche liegt der Anteil bei 26 Prozent. Wobei hier gegenüber 2015 mit einem Zertifizierungsanteil von 15 Prozent ein erheblicher Zuwachs zu verzeichnen ist.
  • Haushalts- Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel für Privathaushalte enthalten gemäß den Ergebnissen der Studie durchschnittlich 58 Prozent zertifiziertes Palmöl.
  • Folglich wird in Konsumenten-fernen Branchen weniger zertifiziertes Palmöl verwendet als in Bereichen, in denen der Konsument direkt ins Regal greift.

Die Studie wurde vom BMEL über das FONAP mitfinanziert und die Zahlen, so Staatssekretär Stübgen, zeigen, "dass wir verstärkt, die gesamte Palmöl-nutzende Wirtschaft davon überzeugen müssen, auf nachhaltig zertifiziertes Palmöl umzusteigen, um so einen Beitrag zu Verbesserungen in den Produzentenländern zu leisten."

Palmöl durch andere Öle ersetzbar?

Häufig wird gefordert, Palmöl durch andere Öle zu zu ersetzen (substituieren). Aus Sicht des BMEL ist die Substitution von Palmöl durch andere pflanzliche Öle und Fette wie Kokos oder Soja grundsätzlich keine geeignete Antwort auf die Herausforderungen, da damit die Probleme lediglich verlagert oder abhängig von den jeweiligen Erzeugungsstandards sogar verschlimmert werden könnten. Die Ölpalme ist mit ca. 3,5 bis 4 t Öl pro Tonne die ertragsreichste Ölfrucht und damit die flächeneffizienteste. Raps, Kokos, Sonnenblume oder Soja bringen im Durchschnitt deutlich geringere Ölerträge pro Hektar.

Forum Nachhaltiges Palmöl e.V. (FONAP) ist beispielgebende Multi-Stakeholder-Initiative

Das Forum Nachhaltiges Palmöl e.V. (FONAP) ist ein Zusammenschluss aus palmölverarbeitender Industrie, Verbänden und Nichtregierungsorganisationen sowie des BMEL, das in Deutschland gemeinsam tragfähige Lösungen für die Verbesserung der Praktiken im Palmölsektor erarbeiten will. Momentan hat das Forum 54 Mitglieder.

Ziel des FONAP ist es, den Anteil zertifizierten Palmöls in Deutschland so schnell wie möglich, aber spätestens bis zum Jahr 2020, auf hundert Prozent zu steigern und gleichzeitig existierende Standards und Zertifizierungen zu verbessern. Als ausreichend im Sinne der Nachhaltigkeit erkennt das FONAP vier globale private Zertifizierungssysteme an: Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), International Sustainability Carbon Certification (ISCC+), Rain Forest Alliance sowie Round Table of Sustainable Biomass (RSB).

Das FONAP ist eine Multi-Stakeholder-Initiative, in der Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam Lösungen erarbeiten. Wer sich auch über den Horizont seines eigenen Unternehmens, seiner eigenen Institution hinaus für eine nachhaltige Palmölproduktion engagieren möchte, ist im FONAP gut aufgehoben“ Staatssekretär Michael Stübgen

Das FONAP existiert seit 2013 und arbeitet seit 2015 als eingetragener Verein. Mit der Gründung des Vereins haben die Mitglieder die Initiative auf eine institutionelle Basis gestellt und ihrer Selbstverpflichtung, ausschließlich zertifiziertes Palmöl zu nutzen, einen verbindlichen rechtlichen Rahmen gegeben.

BMEL war Gründungsmitglied des FONAP und fördert die Initiative politisch und finanziell von Beginn an über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) im Auftrag des BMEL. Im August 2018 hat BMEL eine dritte Förderphase für das FONAP im Umfang von 1.500.000 Euro bis Februar 2021 bewilligt. Die FONAP-Mitglieder werden in diesem Zeitraum durch Mitgliedsbeiträge weitere 500.000 Euro zur Finanzierung des Vereins beisteuern. Das Sekretariat des FONAP e.V. ist bei der GIZ angesiedelt.

Neben Dankesworten an das FONAP zum dreijährigen Geburtstag betont Staatssekretär Stübgen auf der Generalversammlung die Leuchtturmfunktion des FONAP. Das FONAP sei im Agrarsektor nach wie vor die Brancheninitiative mit einer der anspruchsvollsten Selbstverpflichtung.

Bereits zum Zeitpunkt des Vereinseintritts müssen die Mitgliedsunternehmen die Selbstverpflichtung: „ausschließliche Nutzung von nachhaltig zertifiziertem Palmöl“ erfüllen.

Weitere Aktivitäten des BMEL für Nachhaltigkeit im Ölpalmenanbau

  • BM a.D. Schmidt und BM Müller (BMZ) haben im Dezember 2015 neben Dänemark, Groß-britannien und den Niederlanden die Amsterdam Deklarationen zur „Unterstützung einer nachhaltigen Palmölwertschöpfungskette bis 2020“ und zur „Beendung von Entwaldung in Agrarlieferketten” unterzeichnet. Inzwischen gehören auch Norwegen, Frankreich und Italien zu den Signatarstaaten.
  • In einem Follow-up Prozess dazu haben die Unterzeichnerstaaten beschlossen, in informellem Rahmen als sogenannte Amsterdam-Gruppe rohstoffübergreifend zusammenzuarbeiten und gemeinsam u.a. im Rahmen der EU-Klima-, Forst- und Handelspolitik Anknüpfungspunkte für die Umsetzung der Ziele der Erklärungen zu identifizieren
  • Eine zentrale Forderung der Gruppe an die EU-Kommission ist, einen EU-Aktionsplan gegen Entwaldung vorzulegen.
  • Aktuell versucht die Gruppe, einen Dialogprozess mit Indonesien zu nachhaltigem Palmöl in Gang zu setzen.
Stand:
17.10.18

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