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orangene Früchte in einer Schale Palmölfrüchte, Quelle: fotolia.com/Ellen Ebenau

Mehr zertifiziertes Palmöl in Deutschland: BMEL-Förderung für nachhaltiges Palmöl wirkt

In Deutschland soll nur noch nachhaltig produziertes Palmöl zum Einsatz kommen – das ist das erklärte Ziel des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL). Staatssekretär Peter Bleser hat den Erfolg des vom BMEL geförderten Forums Nachhaltiges Palmöl e.V. (FONAP) beim einjährigen Geburtstag bestätigt.

Zugleich forderte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung Peter Bleser trotz 43 aktueller Mitglieder auf der öffentlichen Generalversammlung am 27. September 2016 in Berlin: "Damit es uns gemeinsam gelingt, in Deutschland den Palmölmarkt in Richtung Nachhaltigkeit zu drehen, muss das FONAP weiter wachsen. Wir brauchen mehr Mitglieder!"

Wichtig und umstritten: Der nachwachsende Rohstoff Palmöl

Palmöl ist schon längst einer der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2015 1,044 Millionen Tonnen verbraucht. Die Verwendungszwecke sind extrem vielfältig. Palmöl ist überall: in Süßwaren, in Margarine, in Kerzen, in Wasch- und Reinigungsmitteln und in anderen Industrieprodukten. Fast jeder Wirtschaftsbereich nutzt Palmöl, denn seine Konsistenz und Eigenschaft zur industriellen Verwertung sind gut. Zunächst ist es positiv, auf nachwachsende Rohstoffe zu setzen und auf fossile – also auf Erdöl basierte – Rohstoffe zu verzichten. Aber Agrarrohstoffe müssen dafür nachhaltig und verantwortlich produziert werden.

Wir sind auf einem guten Weg! Aber lassen Sie mich zu Ihrem ersten Geburtstag auch sagen - je älter man wird, desto schneller verfliegt die Zeit. Wir haben keine Zeit zu verlieren, denn die Waldbrände und die Landvertreibungen sind noch nicht gestoppt. Also gehen Sie die noch zu bewältigenden Herausforderungen jetzt an!“ Staatssekretär Peter Bleser

Die Realität beim Palmölanbau sieht jedoch häufig anders aus: Naturwaldflächen werden abgeholzt oder abgebrannt, bedrohte Arten wie der Orang-Utan verlieren ihren Lebensraum, Böden werden durch Pestizide belastet, Kleinbauern vertrieben oder bei Protesten gegen neue Ölpalmplantagen bedroht.

Daher fordert das BMEL seit mehreren Jahren, "dass in Deutschland nur noch nachhaltig zertifiziertes Palmöl verwendet wird. Auf diesem Weg soll die Palmöl-nutzende Wirtschaft ihrer Verantwortung für Umwelt und Menschenrechte in den Erzeugerländern gerecht werden", unterstrich Bleser in seinem Grußwort auf der Generalversammlung.

Positiv: Anteil von nachhaltig zertifiziertem Palmöl in Deutschland gestiegen

Eine aktuelle Studie von Meo Carbon Solutions aus dem Jahr 2016 zum Palmölverbrauch in Deutschland im Jahr 2015 zeigt, dass zwischen 2013 und 2015 alle Branchen und viele Unternehmen in Deutschland die Nutzung von zertifiziertem Palmöl gesteigert haben:

  • Im Jahr 2015 stammten laut den Ergebnissen der Studie 47 Prozent des in Deutschland verwendeten Palmöls aus nachhaltig zertifiziertem Anbau. Im Vergleich zu 2013 ist dies eine Steigerung von 12 Prozent. Dies umfasst alle Wirtschaftsbereiche bis auf den Energiesektor. Denn im Energiesektor verwendetes Palmöl kann – wie andere Biomasse auch – nur dann auf die gesetzlichen Treibhausquoten angerechnet werden, wenn es als nachhaltig zertifiziert wurde.
  • Würde der Energiesektor berücksichtigt läge der Anteil an zertifiziertem Palmöl bei 72 Prozent.
  • Spitzenreiter bei der Verwendung von nachhaltigem Palmöl ist der Lebensmittelsektor, wo laut der Studie 79 Prozent nachhaltig zertifiziertes Palmöl eingesetzt werden.
  • In der Futtermittelbranche liegt der Anteil danach nur bei 15 Prozent. Wobei hier gegenüber 2013 ein erheblicher Zuwachs um 12 Prozent zu verzeichnen ist.
  • Haushalts- Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel für Privathaushalte enthalten gemäß den Ergebnissen der Studie durchschnittlich 60 Prozent zertifiziertes Palmöl, während industrielle Reiniger nur zu 10 Prozent nachhaltiges Palmöl verwenden.
  • Folglich wird in Konsumenten-fernen Branchen weniger zertifiziertes Palmöl verwendet als in Bereichen, in denen der Konsument direkt ins Regal greift.

Die Studie wurde vom BMEL über das FONAP mitfinanziert und die Zahlen, so Staatssekretär Bleser, zeigen, "welche Industriebereiche das FONAP in Zukunft noch gezielter adressieren muss."

Palmöl durch andere Öle ersetzbar? Nein, bestätigt auch die Studie des WWF

Häufig wird gefordert, Palmöl durch andere Öle zu zu ersetzen (substituieren). "Das BMEL hält nichts von Forderungen nach der Substitution von Palmöl durch andere Öle. Damit werden die Probleme nicht gelöst, sondern nur verlagert. Der bessere Weg ist immer noch Palmöl nachhaltig zu produzieren und nicht zu verschwenden.", erläutert Staatssekretär Bleser. Auch die WWF-Studie: Auf der Ölspur. Berechnungen zu einer palmölfreieren Welt von 2016 zu diesem Thema bestätige diese Position.

Staatssekretär Bleser spricht zu nachhaltigem Palmöl Staatssekretär Bleser spricht zu nachhaltigem Palmöl auf der Generalversammlung des FONAP e.V., Quelle: BMEL

Um "Ersatz-Pflanzenöle" zu gewinnen, wären laut WWF rund 1,4 Millionen Hektar mehr Anbaufläche notwendig. Auch der Ausstoß von Treibhausgasen würde in Folge des gestiegenen Flächenbedarfs und der damit einhergehenden Landnutzungsänderungen anschwellen. Gravierende, negative Effekte durch Ersatz-Öle prognostizieren die WWF-Modellberechnungen auch für die biologische Vielfalt. Durch den zusätzlichen Flächenbedarf anderer Öle würden weltweit Ökosysteme zusätzlich unter Druck geraten.

Lediglich bei einem Austausch von Palmöl durch heimische europäische Öle aus Raps und Sonnenblume würde laut WWF-Studie die biologische Vielfalt weniger leiden. So ließen sich – rein technisch – rund eine Millionen Tonnen des in Deutschland genutzten Palmöls durch heimisches Rapsöl ersetzen. Dafür würden jedoch 730.000 Hektor zusätzliche Anbaufläche in Deutschland benötigt, die laut WWF nicht frei zur Verfügung stehen.

Forum Nachhaltiges Palmöl e.V. (FONAP) ist beispielgebende Multi-Stakeholder-Initiative

Das Forum Nachhaltiges Palmöl e.V. (FONAP) beruht auf einer Initiative des BMEL, einiger Unternehmen und des WWF. Es ist ein Zusammenschluss aus palmölverarbeitender Industrie, Verbänden, dem BMEL und Nichtregierungsorganisationen.

Ziel des FONAP ist es, den Anteil von nachhaltig zertifiziertem Palmöl auf dem deutschen, österreichischen und Schweizer Markt auf 100 Prozent zu erhöhen und gleichzeitig existierende Standards und Zertifizierungen zu verbessern. Momentan hat das Forum 43 Mitglieder. Das Sekretariat des FONAP e.V. ist bei der GIZ angesiedelt.

Das FONAP ist in Deutschland der wirkungsvolle Hebel zur Verbesserung der Produktionsbedingungen vor Ort. Denn das FONAP sorgt dafür, dass unsere Maßstäbe bei den Zertifizierungssystemen gehört werden und Gewicht haben. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen profitieren von der Beratung durch das FONAP für Lieferantengespräche. Nur gemeinsam wird es gelingen, den Markt zu drehen.“ Staatssekretär Peter Bleser

Am 11. November 2015 wurde in Berlin der FONAP e.V. als Verein gegründet. Mit der Vereinsgründung stellten die Mitglieder die Initiative rund zwei Jahre nach ihrer erstmaligen Initialisierung auf eine institutionelle Basis. Der bisherigen Selbstverpflichtung, ausschließlich zertifiziertes Palmöl zu nutzen, wurde damit erstmals ein verbindlicher rechtlicher Rahmen gegeben. Diese ambitionierte Selbstverpflichtung der Mitgliedsunternehmen ist im Vergleich mit anderen Brancheninitiativen für nachhaltige Agrarrohstoffproduktion beispielhaft. Das BMEL fördert das FONAP finanziell über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR). Zugleich stellen die Mitglieder des Vereins selbst Mittel zur Verfügung.

Neben Dankesworten an das FONAP zum einjährigen Geburtstag betont Staatssekretär Bleser auf der Vollversammlung die Bedeutung von Glaubwürdigkeit und Transparenz für die Vereinsarbeit: "Die wesentliche Verantwortung der FONAP-Mitgliedsunternehmen liegt darin, die Selbstverpflichtung weiterhin verbindlich umzusetzen. Das FONAP steht bei der Öffentlichkeit im Wort, sich für die Verbesserung der Zertifizierungssysteme einzusetzen. Der Verein muss zudem weiter Überzeugungsarbeit leisten, um weitere Firmen als neue Mitglieder zu gewinnen."

Weitere Aktivitäten des BMEL für Nachhaltigkeit im Ölpalmenanbau

Indonesien-Reise von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt und geplante Einrichtung einer deutsch-indonesischen Arbeitsgruppe zu Palmöl

  • Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt führte auf einer Reise im April 2016 mit der indonesischen Regierung politische Gespräche über Nachhaltigkeitsanforderungen bei der Palmölproduktion. Ein Erfolg ist die Bereitschaft auf indonesischer Seite, eine deutsch-indonesischen Arbeitsgruppe zur Förderung der nachhaltigen Produktion und des nachhaltigen Konsums von Palmöl entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufzubauen. Das BMEL erarbeitet dafür das Konzept.
  • Aus Indonesien stammt die Hälfte des weltweit erzeugten Palmöls. Der Besuch von Bundesminister Schmidt hat dazu beigetragen, dass sich die indonesische Regierung offen zeigt für einen Dialog über Nachhaltigkeit und die Weiterentwicklung des nationalen Palmöl-Standards ISPO (Indonesian Sustainable Palm Oil).
  • In Kürze wird die EU mit Indonesien Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufnehmen. BMEL setzt sich dafür ein, dass in das Abkommen konkrete Ansätze zur Förderung des nachhaltigen Ölpalmenanbaus aufgenommen werden.

Aktivitäten auf EU-Ebene und Amsterdam-Erklärung

  • Gemeinsam mit den Niederlanden, Großbritannien, Dänemark und Norwegen (Unterzeichnung 2016) hat Bundesminister Schmidt im Dezember 2015 die Amsterdam-Erklärungen zur "Unterstützung einer nachhaltigen Palmöllieferkette bis 2020" und zu "entwaldungsfreien Lieferketten" unterzeichnet. Damit wurden im europäischen Rahmen erstmals ein gemeinsames Ziel und die gleiche Erwartung in Bezug auf Palmöl formuliert.
  • In einem Follow-up Prozess dazu haben die Unterzeichnerstaaten beschlossen, zusammenzuarbeiten. Gemeinsam wollen sie im Rahmen der EU-Klima-, Forst- und Handelspolitik weitere Anknüpfungspunkte zugunsten der Ziele der Erklärung identifizieren.
  • Darüber hinaus sind verstärkte Austausche zwischen verschiedenen Brancheninitiativen mit anderen wichtigen Konsumentenländern, aber auch Produzentenländern sowie spezifische Monitoringaktivitäten der Umsetzung geplant. Begonnen hat dieser Dialog mit China, denn auch dort wächst das Interesse an nachhaltig erzeugtem Palmöl.
Stand:
26.09.16

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