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Nachhaltigkeitsstandards für nachwachsende Rohstoffe

Auf der Suche nach Ersatz für Öl, Gas und Kohle setzen Wirtschaft und Politik weltweit auf Industriepflanzen für die stoffliche Nutzung in einer biobasierten Wirtschaft. Die Notwendigkeit von Nachhaltigkeitsstandards rückt dabei immer mehr in den Fokus.

Trotz des kontinuierlichen Ausbaus von nachwachsenden Rohstoffen für stoffliche Nutzungen ist auch Deutschland weiterhin auf Importe angewiesen. Das gilt vor allem für Pflanzenöle wie Palm-, Kokos- oder Sojaöl sowie für Naturkautschuk, Baumwolle und Maisstärke. Allein für die Chemieindustrie werden enorme Mengen quer über den Globus transportiert: Von 3,6 Millionen Tonnen stofflich genutzter Biomasse im Jahre 2008 wurden allein 2,16 Millionen Tonnen importiert.

Die gesellschaftliche Diskussion um ökologische und soziale Probleme in exportierenden Entwicklungs- und Schwellenländern macht deutlich, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit auch bei importierten Rohstoffen ist. Die Bundesregierung und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) setzen sich daher für verbindliche internationale Standards und Zertifizierungssysteme ein. Die Einführung wirksamer Richtlinien für den globalen Agrar- und Forstsektor ist jedoch eine Herkulesaufgabe, die nicht von heute auf morgen bewerkstelligt werden kann.

Nachhaltigkeitskriterien implementieren

Mit der Entwicklung der International Sustainability & Carbon Certification (ISCC) wurde ein wichtiger Schritt für eine unabhängige Bewertung unternommen. Sie ist das weltweit erste staatlich anerkannte Zertifizierungssystem für Hersteller von Biomasse und Bioenergie. Die ISCC-Zertifizierung soll nachhaltige von nicht-nachhaltiger Biomasse und Bioenergie unterscheiden und Landwirte sowie Verarbeiter zu mehr Nachhaltigkeit in ihrem täglichen Handeln bewegen. Rund 1.600 Unternehmen aus 70 Ländern nutzen das System bereits. Neben ISCC wurde mit REDcert eine zweite Zertifizierung in Deutschland akkreditiert. Für die Anerkennung dieser Standards ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) verantwortlich. Die an diese Zertifikate gekoppelten Rechtsvorschriften in Deutschland und auf EU-Ebene beziehen sich jedoch nur auf Biomasse, die für die Stromerzeugung bzw. für die Herstellung von Biokraftstoff verwendet wird.

Deutschland geht mit gutem Beispiel voran

Aus diesem Grund wurde analog zu den oben genannten Zertifizierungssystemen unter Federführung des BMEL die "Initiative Nachhaltige Rohstoffbereitstellung für die stoffliche Biomassenutzung" – kurz "INRO" gestartet. Sie bringt Wirtschaftsverbände, Rohstoffhändler, Vertreter aus Wissenschaft sowie Umwelt- und Sozialverbände und Behörden zusammen, um freiwillige Nachhaltigkeitskriterien zu erarbeiten. Ziel ist, eine Grundlage für die Zertifizierung der stofflichen Biomassenutzung zu schaffen. Das BMEL will so mehr Akzeptanz schaffen und dazu beitragen, auch in diesem Biomassenutzungsbereich einen Nachhaltigkeitsstandard zu etablieren.

Chancen für biobasierte Produkte

Die Bundesrepublik Deutschland als führende Industrienation nimmt nicht nur bei Nachhaltigkeitsstandards eine Vorreiterrolle ein. Gerade wenn es um die stoffliche Verwertung nachwachsender Rohstoffe geht, wird die hiesige biobasierte Wirtschaft immer mehr als Innovationsmotor erkannt, der Wettbewerbsvorteile schafft und neue Märkte erschließt. Großes Potenzial steckt vor allem in der Entwicklung biobasierter Kunst- und Werkstoffe. Denn allein in Deutschland werden jährlich knapp neun Millionen Tonnen Kunststoffe verbraucht. Das entspricht dem Fassungsvermögen von insgesamt 360.000 Müllfahrzeugen. Für jeden Bundesbürger kommen so 110 Kilogramm im Jahr zusammen. Die Weltjahresproduktion 2010 lag bei 265 Millionen Tonnen Plastik – Tendenz weiter steigend.

Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen war noch vor 15 Jahren ein Randthema, das sich hauptsächlich in Laboren von Forschungseinrichtungen abspielte. Inzwischen gibt es eine große Bandbreite an Produkten mit dem Qualitätssiegel "Made in Germany": Verpackungen und Hygieneartikel, Schalen für Smartphones, Implantate, Büroartikel oder Duroplaste für Karosserieteile. Die Produktionskapazitäten für Biokunststoffe steigen weltweit von rund 700.000 Tonnen im Jahr 2010 voraussichtlich auf rund 1,7 Millionen Tonnen bis 2015.

Stand:
25.10.12

Zum Thema

Bioökonomie als Teil des Stundenplans

Wandtafel in der Schule mit mit Blume, Sonne und Wolken

Die Butterbrotdose aus Pflanzenstärke, das Smartphonegehäuse vom Acker, der Flugzeugsprit aus Algen: Für viele Alltagsprodukte, die heute zumeist noch aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl hergestellt werden, gibt es bereits nachwachsende Alternativen.

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Biobasierte Wirtschaft interaktiv

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Aus unserem Alltag sind Produkte aus fossilen Rohstoffen nicht wegzudenken. Umso größer ist die Herausforderung, die sich mit dem notwendigen Wandel hin zu einer biobasierten Wirtschaft stellt. Interaktiv können hier die Wege der biobasierten Wirtschaft entdeckt werden - wie aus Holz biobasierte Produkte entstehen, wie Kohlenstoff ideal genutzt werden kann oder warum Erdöl in der Industrie immer wichtiger wurde. Im interaktiven Quiz kann das biobasierte Wissen getestet werden.

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Links

Publikationen

Neue Produkte: Aus Natur gemacht

Cover der Broschüre Neue Produkte: Aus Natur gemacht

Die Broschüre "Neue Produkte: Aus Natur gemacht - Nachwachsende Rohstoffe im Alltag" zeigt neue Wege und Alternativen durch nachwachsende Rohstoffe und biobasierte Produkte auf - zuhause, unterwegs, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit.

Die Broschüre ist nur im Download zum Ausdrucken verfügbar!

Weitere Publikationen

Presse

Themendienst Biobasierte Wirtschaft
Schwerpunkt: 
nachwachsende Rohstoffe

Neue Produkte: Aus Natur gemacht

Das BMEL liefert in einem Themendienst Hintergründe zur biobasierten Wirtschaft und informiert über umweltfreundliche Innovationen. Die sechste Ausgabe beschäftigt sich konkret mit den Chancen und Möglichkeiten der Bioökonomie.

mehr: Themendienst Biobasierte Wirtschaft …

Neue Produkte: Aus Natur gemacht

Titelbild zur Veranstaltung Bioökonomie 2014

Die Pressemappe zum Schwerpunktthema "Biobasierte Wirtschaft".

mehr: Neue Produkte: Aus Natur gemacht …

Pressemitteilungen

Videos

Film: "Neue Produkte - Aus Natur gemacht"

Startbild des Videos zur Biobasierten Wirtschaft. Link zum Video.

Erdöl, Erdgas oder Kohle sind häufig die Basis für die Herstellung vieler unserer Alltagsprodukte, ob im Smartphone oder der Shampoo-Flasche. Doch fossilen Grundstoffe sind begrenzt und werden uns nicht ewig zur Verfügung stehen. Aber es gibt nachhaltige Alternativen. Nachwachsende Rohstoffe wie Pflanzen, Holz, Stärke oder Zucker werden immer mehr in der Industrie verwendet. Die Biobasierte Wirtschaft - oder auch Bioökonomie - konzentriert sich darauf, Produkte aus nachhaltigen Rohstoffen herzustellen.

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Film: "Neue Produkte: Aus Natur gemacht – Aus Pflanzen wird Plastik"

Video biobasierte Wirtschaft: der Moderator steht vor einer Maschine

Knapp neun Millionen Tonnen Kunststoffe werden jährlich in Deutschland verbraucht – umgerechnet 110 Kilogramm pro Bundesbürger. Rund ein Drittel davon entfällt auf Verpackungen wie Folien, Tragetaschen und Becher im Haushalt. Die gesamte erzeugte Abfallmenge würde 360.000 Müllfahrzeuge füllen. Heute besteht lediglich ein Prozent der Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Das Potenzial ist weitaus größer: Bei Verpackungen und Einweggeschirr, aber auch bei Spielzeug, Sportartikeln oder Gehäusen für Elektrogeräte lassen sich herkömmliche Kunststoffe durch biobasierte Kunststoffe ersetzen. Wie aus Pflanzen Plastik wird, zeigt dieser Film.

zum Video: Film: "Neue Produkte: Aus Natur gemacht – Aus Pflanzen wird Plastik" …

Weitere Videos

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