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Boden ist Produktionsgrundlage für die Landwirtschaft und Standort für die Erzeugung gesunder Lebensmittel. Über 90 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion hängen unmittelbar vom Boden ab, das zeigt seine große Bedeutung für die Ernährungssicherung.

Boden ist eine nicht erneuerbare Ressource, die immer knapper wird. Daher ist eine nachhaltige Sicherung der Produktionsfunktionen, insbesondere durch emissionsarme Produktionsprozesse und eine möglichst hohe Rohstoffeffizienz notwendig. Dieses Ziel verfolgt auch die Bundesregierung mit zahlreichen Maßnahmen, um die Nutzung der Böden durch die Land- und Forstwirtschaft nachhaltig zu gestalten. Deshalb engagiert sich Deutschland national und international für den Bodenschutz auch unter den Bedingungen des Klimawandels.

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100er Boden – bestbewerteter Boden in Deutschland

Ein Beitrag von Dr. Matthias Schrödter (Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt) und Prof. Manfred Altermann (priv.)

Die Bodenschätzung kennzeichnet die landwirtschaftlich nutzbaren Böden nach ihrer Beschaffenheit und stellt deren Ertragsfähigkeit fest.

Das Bodenschätzungsgesetz trat am 16. Oktober 1934 in Kraft. Die Bodenschätzung kennzeichnet die landwirtschaftlich nutzbaren Böden nach ihrer Beschaffenheit (Bestandsaufnahme) und stellt deren Ertragsfähigkeit fest. Hierbei werden nur die natürlichen Ertragsbedingungen (Bodenaufbau bis 1 Meter unter Flur, Geländegestaltung, klimatische Verhältnisse und Wasserverhältnisse) berücksichtigt und nach dem Acker- bzw. Grünlandschätzungsrahmen bewertet. Die Ergebnisse sind kartenmäßig erfasst und liegen flächendeckend für Deutschland vor. Ziele der Bodenschätzung sind eine einheitliche steuerliche Bewertung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes sowie eine planvolle Gestaltung der Bodennutzung. Die Novellierung des Bodenschätzungsgesetzes erfolgte 2007.

Bei den Feldarbeiten dienen Musterstücke und Vergleichsstücke zur Eichung der Schätzer und zur Absicherung der Einheitlichkeit der Bodenschätzung.

Für die zu schätzenden Bodenflächen werden Wertzahlen ausgewiesen, die das Verhältnis der Ertragsfähigkeit der geschätzten zur ertragsfähigsten Bodenfläche mit der Wertzahl 100 bei Ackerstandorten bzw. 88 bei Grünland ausdrücken. Für das Ackerland erfolgt das durch die Bodenzahl und Ackerzahl, für Grünland mit Hilfe der Grünlandgrundzahl und Grünlandzahl.

Die Bodenzahlen für Acker verdeutlichen die durch Bodenbeschaffenheit (Bodenarten, geologische Herkunft, Zustandsstufen) bedingten Ertragsunterschiede. Die Ackerzahlen werden durch Zu- oder Abschläge von der Bodenzahl nach dem Einfluss von Klima, Geländegestaltung u.a. auf die Ertragsbedingungen ausgewiesen. Die Grünlandgrundzahl wird nach den Kriterien Bodenart, Zustandsstufe (Bodenstufe), Klima-und Wasserstufe festgelegt und letztlich wird durch Zu- oder Abschläge die Grünlandzahl ermittelt.

Schnitt durch eine Schwarzerde aus Löß 100er Boden: Schwarzerde aus Löß mit der Bodenzahl 100, Gemarkung Eickendorf, Quelle: M. Altermann

Wirtschaftliche Ertragsbedingungen bleiben dabei unberücksichtigt und werden erst bei der Feststellung des Einheitswertes der Betriebe nach dem Bewertungsgesetz einbezogen.

Zur Sicherstellung einer einheitlichen Bewertung wurden damals Vergleichsbetriebe in den Kreisen und Ländern als Referenzstandorte (Bewertungsstützpunkte) festgelegt. Von diesen Betrieben, denen eine Beispiels- und Maßstabsfunktion zukam, leitete sich die Bewertungszahl der Einheitsbewertung aller anderen Betriebe ab.

Als Vergleichsbetrieb für das damalige gesamte Deutsche Reich wählte man den Hof Haberhauffe in Eickendorf (Magdeburger Börde) aus. Dieser 23 Hektar (ha) große Betrieb war der Reichsspitzenbetrieb der Einheitsbewertung mit den höchstbewerteten Böden Deutschlands. Die Böden erreichen fast durchweg Bodenzahlen von 100, wobei Zuschläge durch günstige klimatische Verhältnisse als Ackerzahlen bis 104 ausgewiesen wurden (siehe Tabelle). Mit der Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg verlor der Reichsspitzenbetrieb seine Bedeutung als bester Vergleichsbetrieb, jedoch haben die ausgewiesenen Musterstücke ihre Gültigkeit und Gesetzeskraft behalten. Die drei Musterstücke des Betriebes Haberhauffe/Jäger wurden 1935 folgendermaßen bonitiert:

Musterstück Nr.

M82

M83

M84

Parzelle

547

54

1

171

23

Größe (in Ar)6212250
Seehöhe807282
Jahresniederschlag (in mm)480480480
Jahreswärme (in Grad Celsius)999

Bodengefüge

hmiL 3

hmiL 3

kaLö

hmiL 3

hmiL 5-6

kaLö

h-h miL 3

h-h miL 2

kaLö

Klassenzeichen

L1Lö

100/104

L1Lö

100/104

L1Lö

95/99

Das Bodenprofil des Musterstücks M82 weist eine für Eickendorf und große Teile der Magdeburger Börde typische Löß-Schwarzerde (Normtschernosem) aus (Humushorizont ca. 60 cm, Lößmächtigkeit ca. 120…150 cm, unterhalb der Lößdecke sandiges, auch lehmiges Substrat). Die Querlatte kennzeichnet die bis 1 Meter unter Flur reichende Erkundungstiefe der Bodenschätzung. Die Horizontsymbolik (links) entspricht der Nomenklatur der KA3, die rechte der TGL 24300.

Gegen die Schätzungsergebnisse wurde damals folgender Einspruch geltend gemacht: "Die für die Festsetzung der Klimazuschläge zugrunde gelegte jährliche Niederschlagsmenge von 483 mm ist in den letzten 10 Jahren bei weitem nicht erreicht worden. ... In den letzten 6 Jahren ist der Grundwasserstand wesentlich gesunken. Aus diesem Grund scheint es uns nicht gerechtfertigt zu sein, noch einen Klimazuschlag von 4 zu machen." (1.7.1936)

Bezüglich der Beurteilung des Wasserhaushalts gab es insgesamt nach dem Abschluss der amtlichen Schätzung Zweifel an der damaligen Auswahl des Reichspitzenbetriebes. So weisen die höchstbewerteten Musterstücke im Raum Halle-Weißenfels, in der Hildesheimer Börde, in der Kölner Bucht und im Raum Heidelberg-Karlsruhe-Freiburg durch unterschiedlich hohe Klimazuschläge höhere Ackerzahlen als der Spitzenbetrieb Eickendorf auf (Klimazuschläge Magdeburger Börde +4 bis +6 v. H.; Kölner Raum +10 bis +14 v. H., Heidelberg/Karlsruhe +12 bis +20 v. H.). Dabei erhielten die höchsten Wertzahlen ein Betrieb in Hückelhoven (Finanzamt Köln) mit 120 und ein Betrieb in Machtsum (Finanzamt Hildesheim) mit 108.

Rothkegel und Herzog (1928), den Initiatoren der Bodenschätzung, waren die Niederschlagsverhältnisse in der Magdeburger Börde bekannt, denn sie schrieben bereits 1928: "Die Magdeburger Börde liegt im Regenschatten des Harzes und ist infolgedessen ein ausgesprochenes Trockengebiet. Die Niederschlagsmengen betragen 520 – 500 mm und darunter und gehören zu den geringsten, die in Deutschland beobachtet werden. … Die Niederschlagsmenge in der Börde ist gering; sie reicht aber doch für die Ernährung der Kulturpflanzen aus, weil die außerordentlich günstige physikalische Beschaffenheit des Schwarzerdelößbodens der Börde es bewirkt, dass die Regenmengen sehr schnell aufgenommen und festgehalten werden…".

Dem widersprechen heute allerdings die Ertragsstatistiken der letzten Jahrzehnte. Diese belegen, dass die niederschlagsbegünstigten sächsischen und niedersächsischen Lößgebiete der Magdeburger Börde im Ertrag überlegen sind (Lieberoth und Dunkelgod, 1975; Lieberoth, 1982; Kindler, 1992; Rust, 2006). Nach Adler (1986) müssten bei heutiger Festlegung für die Trockengebiete Sachsen-Anhalts die Ackerzahlen sogar bis zu 20 Punkten niedriger angesetzt werden.

Die Ertragsunterschiede sind jedoch nicht allein auf den Klimaeinfluss zurückzuführen. Boden- und Klimaunterschiede werden im Vergleich zu den 30er Jahren stark durch die verbesserten Produktionsfaktoren (Einsatz von Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln, neue Sorten, Technik) überprägt.

"Es kann … festgehalten werden, dass eine regional differenzierte Betrachtung der Ertragsverhältnisse notwendig ist und die klimatischen Bedingungen dabei eine besondere Rolle spielen" (Rust, 2006).
Zur Erinnerung an den Reichsspitzenbetrieb der Bodenschätzung wurde 1993 im ehemaligen Gehöft Haberhauffe/Jäger das Museum "Bodenschätzung" eröffnet. Damit soll die große Bedeutung der Bodenschätzung gewürdigt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

zwei Fotos: links ein Museumsraum, rechts eine Tafel an der Wand Museum Bodenschätzung. Anschrift: Querstraße 8, 39221 Bördeland-Eickendorf. Anmeldung unter 039297-20310, Leiter des Museums: Willy Jäger, Quelle: M. Altermann

Der besondere Wert der Bodenschätzung liegt aus heutiger Sicht vor allem darin, dass für das gesamte Gebiet Deutschlands (und Österreichs) erstmalig eine vergleichbare Bodenaufnahme und flächendeckende großmaßstäbige (hoch auflösende) Bodenkartierung nach einheitlichen Regeln und gleicher Nomenklatur durchgeführt wurde. Die Bodenschätzung in Deutschland erfolgt nun bereits seit über 80 Jahren. Nach Abschluss der Erstschätzung um 1960 erfolgen Nachschätzungen. Mit der Gesetzesnovellierung 2007 wird auch die Bedeutung der Bodenschätzungsergebnisse für nichtsteuerliche Zwecke, insbesondere für Agrarordnung, Bodenschutz und Bodeninformationssysteme herausgestellt.

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Literaturverzeichnis:

Adler, G. (1986): Untersuchungen zum Einfluss phänologisch fixierter Klimafaktoren auf den Ertrag ausgewählter landwirtschaftlicher Fruchtarten. In: Tag.-Ber., Akad. Landwirtsch.-Wiss. DDR, Berlin, S. 245

Altermann, M., Freund, K.L., Capellle, A., Betzer, H.-J. (2012): Walter Rothkegel (1874-1959) Initiator und Wegbereiter der Reichsbodenschätzung. Schriftenr. Inst. f. Pflanzenernährung und Bodenkunde Universität Kiel, Persönlichkeiten der Bodenkunde III; Hrsg. Blume, H.-P., Horn, R., 95, S. 77-109

KA3 (1982): AG Bodenkunde: Bodenkundliche Kartieranleitung, Hrsg.: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und Geologische Landesämter, 3. Aufl., Hannover

Kindler, R. (1992): Ertragsschätzung in den neuen Bundesländern, Verlag Pflug und Feder GmbH

Lieberoth, I. (1982): Bodenkunde. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin, 3. Auflage

Lieberoth, I., Dunkelgod, P. (1975): Ein Beitrag zum Einfluss der natürlichen Standortfaktoren-komplexe Boden und Klima auf den Ertrag von Getreide. Tag. Ber., Akad. Landwirtsch.-Wiss. DDR Berlin 130, S. 165-170

Rothkegel, W., Herzog, H. (1928): Das Verfahren der Reichsfinanzverwaltung bei der Bewertung landwirtschaftlicher Betriebe. Berlin Parey

Rust, I. (2006): Aktualisierung der Bodenschätzung unter Berücksichtigung klimatischer Bedingungen. Dissertation Göttingen

TGL 24 300 (1985): Aufnahme landwirtschaftlich genutzter Standorte. Akademie der Landwirtschaftswiss. DDR, Berlin

Stand:
16.02.16

Inhalt des Dossiers

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