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Eine Hand voll Torf Quelle: wordweaver/stock.adobe.com

Torfverwendung reduzieren - Klima schützen

Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung sieht Maßnahmen vor, die Verwendung von Torf zu reduzieren. Denn: Torf ist ein fossiler Rohstoff, in dem vor vielen Jahrhunderten viel Kohlenstoff gebunden wurde. Wird der fossile Rohstoff Torf genutzt, setzt er bei seinem nachfolgenden Abbau CO2 frei.

Welche Maßnahmen sind geplant?

Damit die CO2 Konzentration in der Atmosphäre nicht noch weiter steigt, führt der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung folgende Maßnahmen mit Blick auf den Torfeinsatz in Deutschland auf:

  1. "Insbesondere der Einsatz von Torfen im Hobbygartenbau sowie im Garten- und Landschaftsbau kann durch Beratungs- und Informationsmaßnahmen stark vermindert werden."
  2. "Dazu wird die Bundesregierung Vorgaben der Verwendung von Torfersatzstoffen in den Vergaberichtlinien für öffentliche Aufträge im Garten- und Landschaftsbau umsetzen."
  3. "Zur Reduzierung des Torfabbaus wird die Bundesregierung Beratungs- und Informationsmaßnahmen zur Nutzung von Torfersatzstoffen im Gartenbau anstoßen."
  4. "Die Bundesregierung wird Forschungsvorhaben zu Torfersatzstoffen unterstützen und die Beratungs- und Informationsmaßnahmen ausweiten."

Wie viel Torf wird in Deutschland genutzt?

Aus der amtlichen Statistik liegen keine verwertbaren Zahlen zur Torfgewinnung und zum Torfeinsatz in Deutschland vor. Daher können nur Zahlen des Industrieverbandes Garten e.V. (IVG) dargestellt werden: Der überwiegende Teil des deutschen Torfs kommt aus Niedersachens. Aktuell werden dort auf rund 10.000 Hektar jährlich etwa 3,5 Millionen Kubikmeter Torf abgebaut; 3,7 Millionen Kubikmeter torfbasierte Rohstoffe und Substrate werden importiert. Bis 2032 wird die verfügbare Abbaumenge in Niedersachsen voraussichtlich auf unter eine Millionen Kubikmeter Torf sinken.

Andere Rohstoffe mit bedeutenden Anteilen an der Substratherstellung sind Kompost (750.000 Kubikmeter), Holzfasern (500.000 Kubikmeter), Rinde bzw. Rindenhumus (300.000 Kubikmeter) und Kokos (100.000 Kubikmeter). Sie tragen zusammen 26 Prozent zur Substratherstellung bei.

Wo kommen Substrate zum Einsatz?

52 Prozent der Produkte der deutschen Substratindustrie (etwa 4 Millionen Kubikmeter) sind Kultursubstrate für den Erwerbsgartenbau, 48 Prozent (etwa 3,7 Millionen Kubikmeter) sind Blumenerden für den Hobbygärtner. Bei den Kultursubstraten für den Erwerbsgartenbau haben andere Ausgangsstoffe als Torf nach Angaben der substratherstellenden Industrie einen Anteil von nur 10 Prozent, bei den Blumenerden für den Hobbybereich einen Anteil von 47 Prozent.

Der in Deutschland im Erwerbsgartenbau eingesetzte Torf fließt zu rund 51 Prozent in die Erzeugung von Gemüse, circa 39 Prozent werden im Blumen- und Zierpflanzenbau verwendet, der Rest kommt beispielsweise in Baumschulen oder Pilzkulturen zum Einsatz. 60 Prozent der Kultursubstrate und 16 Prozent der Blumenerden gehen in den Export in 86 Staaten.

Welchen Beitrag leistet die Wissenschaft?

Wissenschaftler forschen seit mehr als 30 Jahren an Substraten, die Torf ersetzen oder seinen Anteil reduzieren können. Die heute erhältlichen Torfsubstitute reichen in der Hobbygärtnerei und professionellen Landschaftsgärtnerei aus, um den Einsatz von Torf vollständig oder größtenteils zu ersetzen.

Im professionellen Zierpflanzen- und Gemüsebau hingegen zögern die Gärtner bislang, Substrate mit Torfersatzstoffen in größerem Umfang zu verwenden. Dies liegt insbesondere daran, dass die Betriebe durch den Einsatz torfreduzierter Substrate höhere Produktionskosten im Vergleich zur Verwendung der herkömmlichen torfbasierten Substrate erwarten. Diese ergeben sich aus höheren Substratkosten sowie einem abweichenden Bedarf an Bewässerung, Düngung und Pflanzenschutz. Zudem gehen die Praxisbetriebe von einem höheren Kulturrisiko aus.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat im Rahmen des Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe (FPNR) bereits seit 2004 Projekte zur alternativen Nutzung von degenerierten Hochmoorflächen gefördert. Dabei wurde erforscht, wie ein ökonomisch und ökologisch sinnvoller Anbau von Torfmoosen auf wiedervernässten Moorflächen als nachwachsender Rohstoff zur Produktion von Kultursubstraten ermöglicht werden kann.

Darüber hinaus läuft seit 2017 ein BMEL-gefördertes Forschungsvorhaben zur Torfreduktion bei der Gemüsejungpflanzenanzucht, an das sich ein Modellvorhaben zur Praxiseinführung anschließen soll.

Stand:
12.09.18

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