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Modellvorhaben "Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz"

Am 8. Juni 2015 besuchte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Peter Bleser den BMEL-Demonstrationsbetrieb Agrar GbR Groß Kiesow bei Greifswald. Er ist einer von 66 Betrieben, die sich bereit erklärt haben, praktikable und innovative Verfahren in Sinne des integrierten Pflanzenschutzes anwenden.

"Wir brauchen die Demonstrationsbetriebe für die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis. Ein Forschungsergebnis ist erst dann erfolgreich, wenn es auch in der Praxis zu Veränderungen und Verbesserungen führt", so Bleser. Der Staatssekretär wurde bei seinem Besuch von Experten des Julius Kühn-Instituts und Mitgliedern des Deutschen Bundestages begleitet. Direkt auf dem Feld wurden die Themen "Pflanzenschutz im Winterraps" und "Gewässerschutz zur Förderung der Biodiversität" (Sommergerste, Zuckerrübe) unter den Teilnehmern erörtert.

Betriebe

Eine wichtige Maßnahme des "Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln" ist die Praxiseinführung neuer integrierter Pflanzenschutzverfahren (IPS). Dazu gehört das Modellvorhaben "Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz" des BMEL. Das Modellvorhaben läuft seit 2011 und fördert zurzeit 66 Betriebe mit Praxisphasen von bis zu 5 Erntejahren im Acker-, Apfel-, Wein-, Feldgemüse- und Hopfenbau in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein sowie Thüringen. Das Modellvorhaben wird vom Julius Kühn-Institut (JKI) und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) betreut.

Die Beteiligung eines jeden Betriebes ist auf fünf Jahre ausgelegt. Die erste Phase (2011 bis 2013) begann mit sieben Betrieben im Apfelanbau, vier Betrieben im Weinbau und 17 Betrieben im Ackerbau. Mit der im Jahr 2014 begonnenen zweite Phase wurden weitere Betriebe und Produktionszweige bzw. Kulturen, wie Kohl und Möhre sowie Hopfen, aufgenommen.

Erste Ergebnisse

Die im Modellvorhaben gewonnenen Daten werden für die Berechnung von Indikatoren genutzt und wenn möglich mit denen der Vergleichsbetriebe Pflanzenschutz, die es in Deutschland seit 2007 gibt, in der betreffenden Region verglichen. Besonderes Augenmerk verdienen bei den Analysen die Anwendung vorbeugender und nichtchemischer Maßnahmen, die Intensität und die Risiken der Pflanzenschutzmittelanwendung, die Aufwendungen für Feldkontrollen und Beratung sowie die ökonomischen Auswirkungen der Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes.

Die Ergebnisse aus den ersten drei Projektjahren zeigen, dass durch die konsequente Umsetzung des IPS im Vergleich zu den umliegenden Vergleichsbetrieben eine Reduktion der Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel um 10 bis 20 Prozent möglich war und das Risiko für die Umwelt gesenkt werden konnte. Unabdingbar war dazu jedoch die Beratung im Hintergrund und ein gewisser Aufwand für die Bestandskontrolle im Feld, der bei etwa 20 Minuten pro Feldbegehung liegen kann, um die Entscheidung treffen zu können, eine Pflanzenschutzmaßnahme durchzuführen oder zu unterlassen, ohne dass dadurch Ertragseinbußen entstehen.

Die Erkenntnisse aus der ersten Phase des Vorhabens machen deutlich, dass der Pflanzenschutz in Deutschland bereits einem sehr hohen Standard entspricht und weitere Optimierungen zusätzliche Anstrengungen erfordern. Der regelmäßige Austausch mit Experten genauso wie die Verfügbarkeit von Alternativen zur Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel spielen dabei eine wichtige Rolle. Hier ist die Forschung gefragt, neue Methoden zu entwickeln und bereits bestehende Verfahren weiter zu verbessern.

Wissenstransfer und Öffentlichkeitsarbeit

Neben einer umfassenden Analyse der Umsetzung und Auswirkungen des IPS, liegt ein besonderer Fokus darauf, die Ergebnisse zu allen relevanten Interessengruppen zu kommunizieren und Schlussfolgerungen für die Anwendung des IPS zu ziehen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hoftage, zu denen alle Demonstrationsbetriebe in Zusammenarbeit mit ihren Projektbetreuern/innen einmal jährlich einladen und die sich an die Praktiker der Region sowie die interessierte Öffentlichkeit richten. Die bisher mit viel Ideenreichtum und Engagement durchgeführten Hoffeste, Feldbegehungen, Fahrradtouren oder auch Frühschoppen sind auf viel positive Resonanz gestoßen. Hoftage und die Berichterstattung in den verschiedensten Medien (z. B. Fachzeitschriften, Webseiten, TV) bieten die Gelegenheit, den IPS sowohl einer breiteren Öffentlichkeit nahe zu bringen als auch im kleineren Kreis unter Fachkundigen intensiv zu diskutieren.

Zum Thema

Kirschessigfliege


Kirschessigfliege sitzt auf einer Kirsche Quelle: BLE

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), stammt ursprünglich aus Asien. Innerhalb kurzer Zeit ist sie zu einer enormen Bedrohung für den europäischen Obst- und Weinbau geworden. Sie befällt im Gegensatz zu anderen Arten derselben Gattung gesunde Früchte und verfügt über ein sehr breites Wirtspflanzenspektrum, ein enormes Vermehrungspotential und einen kurzen Entwicklungszyklus.

Weitere Informationen:

Kirschessigfliege: Management gegen Schäden

Julius-Kühn-Institut: Themenportal Drosophila Suzukii (Kirschessigfliege)



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Rechtsgrundlagen

Häufig gestellte Fragen

Publikationen

Driftmindernde Technik - Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit abdriftmindernden Flachstrahldüsen

Titelblatt: des  Flyers

Bei der Spritzanwendung können Pflanzenschutzmittel durch Abdrift auf benachbarte, nicht zu behandelnde Flächen gelangen. Die Abdrift kann u. a. durch die Verwendung von abdriftmindernder Technik deutlich reduziert werden.

Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz (Flyer)

Deckblatt des Faltblatts zu den Demonstrationsbetrieben integrierter Pflanzenschutz

Eine wichtige Maßnahme des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutz (NAP) ist die "Demonstration neuer integrierter Pflanzenschutzverfahren". In diesem Zusammenhang wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Modellvorhaben "Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ finanziert.

Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Titelseite der Broschüre Nationaler Aktionsplan Pflanzenschutz

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist in Deutschland umfassend und auf hohem Sicherheits- und Schutzniveau geregelt. Die wichtigsten Instrumente sind die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und die mit ihrem Vertrieb und ihrer Anwendung verbundenen gesetzlichen Regelungen. Der von der Bundesregierung am 10. April 2013 beschlossene Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) enthält Maßnahmen, die die bestehenden Regelungen zum Pflanzenschutz weiter unterstützen. Generelles Ziel des NAP ist die weitere Reduktion von Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entstehen können.

Insbesondere ist die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß zu begrenzen, damit unnötige Anwendungen dieser Pflanzenschutzmittel unterlassen und nichtchemische Pflanzenschutzmaßnahmen verstärkt eingesetzt werden. Im Mittelpunkt der Maßnahmen stehen die Förderung von Innovationen im Pflanzenschutz und die Weiterentwicklung der Verfahren des integrierten Pflanzenschutzes.

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