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Pflanzenschutzmittel

In den Medien wird ebenso häufig über Pestizide berichtet wie über Pflanzenschutzmittel. Wo liegt der Unterschied? Das europäische Pflanzenschutzrecht stellt dies klar. Pflanzenschutzmittel werden gegen Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse verwendet und gehören zur Gruppe der Pestizide. Weitere Pestizide sind die Biozid-Produkte, zu denen zum Beispiel Mittel gegen Ameisen auf der Terrasse gehören.

Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher und auch für Landwirte und Gärtner wäre es wünschenswert, man bräuchte gar keine Pflanzenschutzmittel. Wir brauchen aber Pflanzen und pflanzliche Produkte in einer bestimmten Menge und Qualität für die Ernährung von Mensch und Tier, für die Energiegewinnung und für unser Wohlbefinden. Menge und Qualität werden nicht nur durch die verfügbare Fläche für den Anbau dieser Produkte begrenzt, sie werden maßgeblich auch durch den Befall mit Schädlingen und Krankheiten beeinflusst. Bei der überwiegenden Mehrheit der Kulturen und Fruchtarten sind daher Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig. Gibt es keine geeigneten nicht-chemischen Maßnahmen, werden chemische Pflanzenschutzmittel gebraucht.

Bienen vor einem Rapsfeld Im Bereich Bienengesundheit, Bienenschutz und Pflanzenschutzmittel wird in Deutschland intensiv geforscht., Quelle: Željko Radojko - Fotolia.com

Bienenschutz: Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und Neonikotinoiden

Für den Bienenschutz ist neben der Auswahl der richtigen Pflanzen auch ein verantwortungsbewusster und sachgemäßer Umgang mit Pflanzenschutzmitteln wichtig.

Weitreichende Einschränkung von Neonikotinoiden in Deutschland

Zum Schutz der Bienen geht Deutschland bereits über die geltenden EU-Vorschriften hinaus. In Deutschland ist die Aussaat von Mais-, Raps- und Getreide-Saatgut, das mit mit einem Pflanzenschutzmittel behandelt ist, das eines der drei Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid oder Thiamethoxam enthält, bereits grundsätzlich untersagt.

Bei Wintergetreide ist aufgrund der angewendeten Verfahren der Saatgutbehandlung (Beizung) das Risiko von Schäden bei Bienen durch Abriebstäube bei der Aussaat erhöht. Daher hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt am 22. Juli 2016 die "Verordnung über das Inverkehrbringen und die Aussaat von mit bestimmten Pflanzenschutzmitteln behandeltem Saatgut" unterzeichnet. Die Verordnung führt die bereits im Juli 2015 erlassenen Eilverordnung fort, die den Handel (Einfuhr und Inverkehrbringen) mit und das Aussäen von Wintergetreidesaatgut verbietet, das mit bestimmten Neonikotinoiden behandelt wurde.

Auch landwirtschaftliche und gartenbauliche Verbände haben sich in einem Branchendialog verständigt, ab dem 1. Januar 2016 auf den Einsatz von sieben Neonikotinoiden in der Produktion von Zierpflanzen zu verzichten.

Saatgutbehandlung von Kulturen, die nicht Bienenattraktiv sind (z.B. Zucker- und Futterrübe, Salate, Endivien) sind in Deutschland zugelassen. Spritz- oder Gießanwendungen entsprechender Pflanzenschutzmittel sind in Deutschland ausschließlich außerhalb der Blütezeit möglich.

Stand auf EU-Ebene

In der Europäischen Union ist die Zulassung und Anwendung von bestimmten neonikotinoidhaltigen Pflanzenschutzmitteln mit der Verordnung (EU) Nr. 485/2013 eingeschränkt. Dies betrifft insbesondere die Saatgutbehandlung von Mais sowie Raps und andere für Bienen attraktive Pflanzen, nicht jedoch Wintergetreide. In Deutschland ist hingegen auch die Beizung mit Neonikotinoiden bei Wintergetreide nicht zugelassen (siehe oben: Die Aussaat ist verboten.), was zum Wohl der Bienen über die EU-Regeln hinausgeht.

Die europäische Kommission hat im März 2017 erstmalig Verordnungsentwürfe vorgelegt, um die Genehmigung der drei neonikotinoiden Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam weiter einzuschränken. Danach wäre deren Anwendung nur noch im Gewächshaus möglich, soweit die behandelten Pflanzen nicht ins Freiland verbracht werden.

Zu diesen neonikotinoiden Wirkstoffen hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen Bericht erstellt, um das Risiko der genannten Wirkstoffe bei der Saatgutbehandlung aller Pflanzenkulturen auf der Basis aktueller Daten wissenschaftlich einzuschätzen. Das Julius Kühn-Institut prüft den Bericht. Das Ergebnis dieser Prüfung wird in die deutsche Position für die entscheidungsrelevanten Sitzungen einfließen. Das Vorschlagsrecht für die notwendigen Verordnungen liegt bei der EU-Kommission.

Pflanzenschutzmittel im privaten Garten

Eine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln darf im privaten Garten nur erfolgen, wenn diese auch wirklich notwendig ist. Dabei sind die Anwendungsbestimmungen genauestens zu befolgen. Der Händler, bei dem Pflanzenschutzmittel erworben werden, ist zur Beratung und Information verpflichtet.

Stand:
28.02.18

Inhalt des Dossiers

Publikationen

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln - Gesundheit geht vor

Cover der Broschüre 'Rückstände von Pflanzenschutzmitteln - Gesundheit geht vor'

Die Broschüre "Rückstände von Pflanzenschutzmitteln - Gesundheit geht vor" zeigt, wie das Kontrollsystem vom Acker bis zum Teller funktioniert und was sich in den letzten Jahren in Sachen Pflanzenschutz getan hat.

Driftmindernde Technik - Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit abdriftmindernden Flachstrahldüsen

Titelblatt: des  Flyers

Bei der Spritzanwendung können Pflanzenschutzmittel durch Abdrift auf benachbarte, nicht zu behandelnde Flächen gelangen. Die Abdrift kann u. a. durch die Verwendung von abdriftmindernder Technik deutlich reduziert werden.

Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz (Flyer)

Deckblatt des Faltblatts zu den Demonstrationsbetrieben integrierter Pflanzenschutz

Eine wichtige Maßnahme des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutz (NAP) ist die "Demonstration neuer integrierter Pflanzenschutzverfahren". In diesem Zusammenhang wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Modellvorhaben "Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ finanziert.

Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Titelseite der Broschüre Nationaler Aktionsplan Pflanzenschutz

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist in Deutschland umfassend und auf hohem Sicherheits- und Schutzniveau geregelt. Die wichtigsten Instrumente sind die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und die mit ihrem Vertrieb und ihrer Anwendung verbundenen gesetzlichen Regelungen. Der von der Bundesregierung am 10. April 2013 beschlossene Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) enthält Maßnahmen, die die bestehenden Regelungen zum Pflanzenschutz weiter unterstützen. Generelles Ziel des NAP ist die weitere Reduktion von Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entstehen können.

Insbesondere ist die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß zu begrenzen, damit unnötige Anwendungen dieser Pflanzenschutzmittel unterlassen und nichtchemische Pflanzenschutzmaßnahmen verstärkt eingesetzt werden. Im Mittelpunkt der Maßnahmen stehen die Förderung von Innovationen im Pflanzenschutz und die Weiterentwicklung der Verfahren des integrierten Pflanzenschutzes.

Weitere Publikationen

Zum Thema

Kirschessigfliege


Kirschessigfliege sitzt auf einer Kirsche Quelle: BLE

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), stammt ursprünglich aus Asien. Innerhalb kurzer Zeit ist sie zu einer enormen Bedrohung für den europäischen Obst- und Weinbau geworden. Sie befällt im Gegensatz zu anderen Arten derselben Gattung gesunde Früchte und verfügt über ein sehr breites Wirtspflanzenspektrum, ein enormes Vermehrungspotential und einen kurzen Entwicklungszyklus.

Weitere Informationen:

Kirschessigfliege: Management gegen Schäden

Julius-Kühn-Institut: Themenportal Drosophila Suzukii (Kirschessigfliege)



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