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Pflanzenschutzmittel

In den Medien wird ebenso häufig über Pestizide berichtet wie über Pflanzenschutzmittel. Wo liegt der Unterschied? Das europäische Pflanzenschutzrecht stellt dies klar. Pflanzenschutzmittel werden gegen Schadorganismen der Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse verwendet und gehören zur Gruppe der Pestizide. Weitere Pestizide sind die Biozid-Produkte, zu denen zum Beispiel Mittel gegen Ameisen auf der Terrasse gehören.

Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher und auch für Landwirte und Gärtner wäre es wünschenswert, man bräuchte gar keine Pflanzenschutzmittel. Wir brauchen aber Pflanzen und pflanzliche Produkte in einer bestimmten Menge und Qualität für die Ernährung von Mensch und Tier, für die Energiegewinnung und für unser Wohlbefinden. Menge und Qualität werden nicht nur durch die verfügbare Fläche für den Anbau dieser Produkte begrenzt, sie werden maßgeblich auch durch den Befall mit Schädlingen und Krankheiten beeinflusst. Bei der überwiegenden Mehrheit der Kulturen und Fruchtarten sind daher Pflanzenschutzmaßnahmen notwendig. Gibt es keine geeigneten nicht-chemischen Maßnahmen, werden chemische Pflanzenschutzmittel gebraucht.

Überblick: Das Verfahren der Neubewertung und Wiedergenehmigung von Glyphosat

Im Dezember 2015 lief für Glyphosat die Genehmigung für den Einsatz als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln aus. Da von Herstellern ein erneuter Antrag auf Genehmigung gestellt worden war, musste die EU-Kommission, unterstützt von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und allen Mitgliedstaaten, den Wirkstoff erneut prüfen. In diesem Prüfverfahren wurden alle bekannten Untersuchungen und Forschungsergebnisse auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik berücksichtigt. Deutschland war für diesen Wirkstoff in der Europäischen Union berichterstattender Mitgliedstaat, vertreten durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Bericht der deutschen Zulassungs- und Bewertungsbehörden

In einem öffentlichen Fachgespräch des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages am 2. Juli 2014 erläuterten Experten der deutschen Zulassungsbehörde (BVL) und der Bewertungsbehörden (BfR, BVL, JKI und Umweltbundesamt) die Ergebnisse der Bewertung des Wirkstoffs. Hierbei wurde bestätigt, dass bei sachgerechter Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier zu erwarten sind.

Der Bewertungsbericht wurde im Rahmen der EU-Neubewertung von Glyphosat nach intensiver und sorgfältiger fachlicher Prüfung aller neuen Erkenntnisse erstellt. Beteiligt an diesem Bericht waren

  • Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  • Julius Kühn-Institut (JKI) und
  • Umweltbundesamt (UBA).

Das BVL als koordinierende Bundesoberbehörde hatte im April 2015 der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Bewertungsbericht übergeben. Anfang September 2015 leitete das BVL der EFSA außerdem eine Ergänzung ("Addendum") zum Bewertungsbericht zu, das die Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsbehörde (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 29. Juli 2015 zum Wirkstoff bewertet.

Auf Grundlage zahlreicher neuer Studien und Erkenntnisse kamen die zuständigen Behörden zu dem Ergebnis, dass Glyphosat nach jetziger Einschätzung Anforderungen des EU-Rechts für die Genehmigung von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen erfüllt.

Dem Bericht der EFSA zufolge gehen von Glyphosat bei sachgerechter und bestimmungsgemäßer Anwendung keine Gefahren für die Gesundheit von Mensch und Tier aus. Aus Sicht der zuständigen Behörden bestehen daher keine Bedenken gegen eine Genehmigung von Glyphosat für die beantragten Anwendungen. Auch sind nach vorliegenden Erkenntnissen Bienenvölker bei sachgerechter Anwendung und verantwortungsvollem Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, die Glyphosat enthalten, nicht unmittelbar gefährdet.

Bewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)

Nachdem die zuständige und koordinierende Bundesoberbehörde, das BVL, den Entwurf des Bewertungsberichts im Dezember 2013 an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) übermittelt hatte, veröffentlichte die EFSA den Bericht und führte ein Konsultationsverfahren bis Januar 2015 durch. Dabei haben Wissenschaftler aus den Behörden der Mitgliedstaaten und der EFSA den Bericht kritisch geprüft. Darüber hinaus wurde im Rahmen einer öffentlichen Konsultation bei der EFSA jedermann die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben. Auf der Basis der Anmerkungen aus beiden Konsultationsverfahren hat die EFSA in Abstimmung mit dem BVL und den deutschen Bewertungsbehörden vom Antragsteller Daten nachgefordert. Diese Nachlieferung umfasste etwa 700 Dokumente. Damit diese Unterlagen gründlich begutachtet werden konnten, verlängerte die Europäische Kommission die Frist für die Bewertung. Im März 2015 fanden hierzu Expertengespräche bei der EFSA statt.

Die EFSA fasste Anfang November 2015 die Ergebnisse in Form eines Gutachtens, der sogenannten Schlussfolgerung, zusammen, zu dem die zuständigen Behörden aller EU-Mitgliedstaaten konsultiert wurden. Danach stellte die EFSA ihre Schlussfolgerung zusammen mit dem deutschen Bewertungsbericht der Öffentlichkeit zur Verfügung (http://www.efsa.europa.eu).

Bewertung des Wirkstoffs durch Gremien der Weltgesundheitsorganisation WHO

Der gemeinsame Ausschuss für Pflanzenschutzmittel-Rückstände (JMPR) der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) sowie der Gesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen befasste sich im Mai 2016 mit dem Wirkstoff Glyphosat. Das Expertengremium kam zu dem Schluss, dass bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat keine krebserzeugenden oder keimzellschädigenden Wirkungen ausgehen. Es ist demnach auch sonst kein gesundheitliches Risiko aus den zulässigen Glyphosat-Rückständen in Lebensmitteln zu erwarten. Die WHO und die FAO bestätigen damit grundsätzlich die Schlussfolgerungen der EFSA.

Die EFSA hatte als zuständige Behörde nach öffentlicher Konsultation und intensiver Beratung mit 100 Fachleuten aus allen EU-Mitgliedstaaten den Bewertungsbericht des Berichterstatters Deutschland bestätigt und festgestellt, dass die Voraussetzungen für eine Wiedergenehmigung des Wirkstoffs vorliegen. Für ihren Bewertungsbericht hatten die zuständigen deutschen Behörden, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Julius Kühn-Institut; JKI) und das Umweltbundesamt (UBA) mehr als 1.000 Studien allein zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Glyphosat wissenschaftlich und unabhängig bewertet. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Wissenschaftler dabei der Monografie der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC.

Bewertung des Wirkstoffs Glyphosat durch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA)

Die nach Chemikalienrecht zuständigen deutschen Behörden (BAuA, BfR und UBA) haben nach der Prüfung des Wirkstoffes der zuständigen Europäischen Chemikalien Agentur (ECHA) ein überarbeitetes Dossier zur Aktualisierung der Legaleinstufung des Wirkstoffes zugeleitet. Die ECHA hatte dieses Dossier im Rahmen einer öffentlichen Konsultation allen Interessierten auf ihrer Homepage zur Kommentierung zugänglich gemacht. Im Anschluss bewertete der zuständige Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) alle verfügbaren Informationen eingehend und unabhängig auf wissenschaftlicher Grundlage.

Der RAC stellte am 15. März 2017 fest, dass der Wirkstoff Glyphosat auch nach dem EU-Chemikalienrecht nicht als krebserregend einzustufen ist (siehe Presseinformation der ECHA). Die Bewertung des Ausschusses bestätigt im Ergebnis die von den deutschen Behörden (BAuA, BfR, UBA) vorgelegte Bewertung, dass keine Einstufung hinsichtlich Kanzerogenität, Mutagenität oder Reproduktionstoxizität vorzunehmen ist. Dies steht im Einklang mit den Bewertungen der übrigen europäischen, internationalen und nationalen Organisationen, die für den Pflanzenschutz zuständig sind. Dazu gehören insbesondere die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), der gemeinsame Ausschuss für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Welternährungsorganisation (FAO) sowie die Fachbehörden aus den USA, Canada, Japan, Neuseeland und Australien. Die Monografie der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) wurde von der Europäischen Chemikalienagentur hingegen nicht bestätigt.

Die Wiedergenehmigung des Wirkstoffes Glyphosat

Nach Abschluss einer Bewertung legt die Kommission einen Verordnungsvorschlag über die Genehmigung (oder Nicht-Genehmigung) eines Wirkstoffes vor, über den die Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) abstimmen. Das BMEL wird seine Entscheidung zur Genehmigung des Wirkstoffs weiterhin auf Grundlage des geltenden Rechts und der dort verankerten wissenschaftlichen Risikobewertung der zuständigen Fachbehörden treffen.

Die Europäische Kommission hatte zuletzt in einem Berufungsausschuss am 27. November 2017 einen Vorschlag zur Wiedergenehmigung des Wirkstoffs Glyphosat für fünf Jahre vorgelegt, mit dem sie eine Resolution Europäischen Parlaments berücksichtigt hat. Der Vorschlag fand eine Mehrheit, so dass der Wirkstoff Glyphosat bis 2022 erneut für den Einsatz in Pflanzenschutzmitteln genehmigt wurde.

Bei der Frage nach Modifizierungen konnte Deutschland weitere Bedingungen einbringen. Den Mitgliedsstaaten wird durch die neue Genehmigungsverordnung ein Handlungsspielraum für nationale Maßnahmen eingeräumt.

Stand:
20.12.17

Inhalt des Dossiers

Publikationen

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln - Gesundheit geht vor

Cover der Broschüre 'Rückstände von Pflanzenschutzmitteln - Gesundheit geht vor'

Die Broschüre "Rückstände von Pflanzenschutzmitteln - Gesundheit geht vor" zeigt, wie das Kontrollsystem vom Acker bis zum Teller funktioniert und was sich in den letzten Jahren in Sachen Pflanzenschutz getan hat.

Driftmindernde Technik - Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit abdriftmindernden Flachstrahldüsen

Titelblatt: des  Flyers

Bei der Spritzanwendung können Pflanzenschutzmittel durch Abdrift auf benachbarte, nicht zu behandelnde Flächen gelangen. Die Abdrift kann u. a. durch die Verwendung von abdriftmindernder Technik deutlich reduziert werden.

Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Titelblatt des Flyers "Anwendung von Pflanzenschutzmitteln"

Verhalten in unmittelbarer Nähe zu Wohnbebauungen, Gärten oder Wegen

Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz (Flyer)

Deckblatt des Faltblatts zu den Demonstrationsbetrieben integrierter Pflanzenschutz

Eine wichtige Maßnahme des Nationalen Aktionsplans Pflanzenschutz (NAP) ist die "Demonstration neuer integrierter Pflanzenschutzverfahren". In diesem Zusammenhang wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) das Modellvorhaben "Demonstrationsbetriebe integrierter Pflanzenschutz“ finanziert.

Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Titelseite der Broschüre Nationaler Aktionsplan Pflanzenschutz

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist in Deutschland umfassend und auf hohem Sicherheits- und Schutzniveau geregelt. Die wichtigsten Instrumente sind die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und die mit ihrem Vertrieb und ihrer Anwendung verbundenen gesetzlichen Regelungen. Der von der Bundesregierung am 10. April 2013 beschlossene Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) enthält Maßnahmen, die die bestehenden Regelungen zum Pflanzenschutz weiter unterstützen. Generelles Ziel des NAP ist die weitere Reduktion von Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln entstehen können.

Insbesondere ist die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß zu begrenzen, damit unnötige Anwendungen dieser Pflanzenschutzmittel unterlassen und nichtchemische Pflanzenschutzmaßnahmen verstärkt eingesetzt werden. Im Mittelpunkt der Maßnahmen stehen die Förderung von Innovationen im Pflanzenschutz und die Weiterentwicklung der Verfahren des integrierten Pflanzenschutzes.

Weitere Publikationen

Zum Thema

Kirschessigfliege


Kirschessigfliege sitzt auf einer Kirsche Quelle: BLE

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), stammt ursprünglich aus Asien. Innerhalb kurzer Zeit ist sie zu einer enormen Bedrohung für den europäischen Obst- und Weinbau geworden. Sie befällt im Gegensatz zu anderen Arten derselben Gattung gesunde Früchte und verfügt über ein sehr breites Wirtspflanzenspektrum, ein enormes Vermehrungspotential und einen kurzen Entwicklungszyklus.

Weitere Informationen:

Kirschessigfliege: Management gegen Schäden

Julius-Kühn-Institut: Wissensportal Drosophila suzukii (Kirschessigfliege)



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