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per Klick zu den Fragen und Antworten zum Thema Fipronil in Eiern (verweist auf: Fragen und Antworten zur Verunreinigung von Eiern mit Fipronil) Quelle: AdobeStock/Mipan

Fragen und Antworten zur Verunreinigung von Eiern mit Fipronil

(veröffentlicht am 5. August 2017, aktualisiert am 28. August 2018)

Was ist Fipronil?

Fipronil ist ein Schädlingsbekämpfungsmittel. Es wird unter anderem gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben, Milben und Ameisen eingesetzt. Bei lebensmittelliefernden Tieren (Nutztieren) darf es nicht angewendet werden.

Fipronil war in der EU bis zum 30. September 2017 außerdem als Wirkstoff für Pflanzenschutzmittel genehmigt. In Deutschland sind keine Pflanzenschutzmittel mit Fipronil zugelassen.

Warum sind Eier mit Fipronil belastet?

In Belgien und in den Niederlanden wurden 2017 Erzeugerbetriebe für Eier zur Schädlingsbekämpfung mit einem Mittel behandelt, das mit dem Insektizid Fipronil verunreinigt war.

Verunreinigte Eier aus den Niederlanden gelangten seinerzeit nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen und wurden über dortige Packstationen weiter verteilt.

Dieselbe Firma, die in niederländischen Erzeugerbetrieben das verunreinigte Behandlungsmittel einsetzte, hatte seinerzeit auch Erzeugerbetriebe in Deutschland behandelt.

Wie kam Fipronil in das Behandlungsmittel?

Diese Frage wurde von den Strafverfolgungsbehörden in Belgien und den Niederlanden untersucht. Als wahrscheinlicher Auslöser gilt das Präparat Dega-16, mit dem Ungeziefer bei Geflügel bekämpft wird. Es wird vermutet, dass diesem Mittel im Rahmen der Anwendung Fipronil illegal beigemischt worden sein könnte.

Was tun die Behörden zum Schutz der Verbraucher im aktuellen Fall von erneuten Funden von Fipronil in Eiern aus den Niederlanden im Juni 2018?

Anlässlich der illegalen Verwendung des Wirkstoffs Fipronil 2017 wurde ergänzend beschlossen, Untersuchungen von Fipronil in Eiern und Geflügelfleisch in den Nationalen Rückstandskontrollplan (NRKP) 2018 aufzunehmen.

Die in Niedersachsen im Juni 2018 festgestellten Rückstände von Fipronil in Eiern mit niederländischer Herkunft wurden in Rahmen solcher zielorientierter NRKP-Untersuchungen festgestellt. Die zuständigen Überwachungsbehörden in den betroffenen Bundesländern haben umgehend gehandelt und die betroffenen Eier werden vom Markt genommen.

Von den Produkten geht kein Risiko für die menschliche Gesundheit aus. Die in den Eiern festgestellten Werte von Fipronil liegen weit unterhalb des vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als gesundheitlich bedenklich ermittelten Gehaltes von 0,72 mg/kg.

Zur Aufklärung der möglichen Ursachen der erneuten Kontamination stehen die zuständigen Behörden des Bundes und der Länder im engen Kontakt mit den Behörden in den Niederlanden.

Weitere Informationen zur Zusammenarbeit der Behörden von Bund Ländern finden Sie in der Broschüre "Lebensmittelsicherheit verstehen".

Weitere Informationen zum NRKP finden sie auf der Seite des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

BVL - Nat. Rückstandskontrollplan für Lebensmittel tierischen Ursprungs (NRKP)

Sollten Verbraucher vorsichtshalber auf den Verzehr von Eiern verzichten?

Bei dem Geschehen um Fipronil im August 2017 hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eingehend mit der gesundheitlichen Bewertung von Fipronil behafteten Lebensmitteln befasst. Seinerzeit ging weder von den mit Fipronil belasteten Eiern, noch von den in diesem Zusammenhang zurückgerufenen Lebensmitteln nach der Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) eine direkte Gesundheitsgefährdung aus. An dieser Bewertung hat sich seit Bekanntwerden des Falles nichts geändert. Die Funde im Juni 2018 lagen alle weit unter dem Gehalt von 0,72 mg/kg.
Eier können laut BfR nach wie vor gemäß der Verzehrempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) verzehrt werden. Die DGE empfiehlt bis zu drei Eier wöchentlich, inklusive verarbeiteter Eier. Es handelt sich um Orientierungswerte für Erwachsene.

Welche Auswirkungen kann Fipronil grundsätzlich auf die menschliche Gesundheit haben?

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist Fipronil im Tierversuch akut giftig, wenn es geschluckt, eingeatmet oder über die Haut aufgenommen wird. Der Stoff ist nicht als haut- oder augenreizend eingestuft und verursacht keine allergischen Hautreaktionen.

Im Tierversuch an Ratten, Mäusen, Hunden und Kaninchen wirkt Fipronil giftig auf das Nervensystem, wobei diese Effekte bei erwachsenen Tieren nachlassen, wenn keine Belastung mehr mit dem Stoff besteht. Bei Ratten werden negative Auswirkungen auf das Nervensystem bei den Nachkommen dosisabhängig beobachtet, wenn die Muttertiere den Stoff aufgenommen haben.

Darüber hinaus werden negative Auswirkungen auf die Leber in Ratten und Mäusen beobachtet. Fipronil ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht als Erbgut verändernd und nicht als Krebs erzeugend eingestuft.

Wie viele Eier kann man verzehren, ohne dass der gesundheitliche Richtwert (akute Referenzdosis) überschritten wird?

Der gesundheitliche Richtwert ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert als diejenige Substanzmenge pro kg Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne erkennbares Risiko für den Verbraucher aufgenommen werden kann.

Im Fall von Fipronil hat das Bundesinstitut für Risikobewertung dazu folgendes Beispiel berechnet: Bei dem bislang höchsten in Belgien (nicht in Deutschland) gemessenen Gehalt von 1,2 mg Fipronil/kg Ei kann ein Kind mit einem Körpergewicht von 16,15 kg rein mathematisch betrachtet an einem Tag (einmalig oder innerhalb von 24 Stunden) 1,7 Eier (bei einem Eigewicht von 70 g) essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert überschritten ist. Ein Erwachsener von 65 kg Körpergewicht kann demnach sieben Eier an einem Tag (einmalig oder innerhalb von 24 Stunden) essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert überschritten wird. Solange die abgeschätzte maximale Aufnahmemenge unterhalb dieses Wertes bleibt, ist eine gesundheitliche Gefährdung unwahrscheinlich. Ein Kind mit einem Körpergewicht von 10 kg, was einem Alter von etwa einem Jahr entspricht, kann demnach ein Ei pro Tag (einmalig oder innerhalb von 24 Stunden) essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert überschritten wird.

Besteht für Schwangere und das ungeborene Leben ein gesundheitliches Risiko?

Der gesundheitliche Richtwert schließt laut Bundesinstitut für Risikobewertung auch sensible Bevölkerungsgruppen wie Schwangere mit ein.

Was passiert, wenn man belastete Eier bereits gegessen hat?

Eine Überschreitung des gesundheitlichen Richtwerts bedeutet laut Bundesinstitut für Risikobewertung nicht zwangsläufig eine konkrete Gesundheitsgefährdung, sondern zeigt lediglich die Möglichkeit einer gesundheitlichen Gefährdung für Verbraucherinnen und Verbraucher an.

Der Sicherheitsfaktor zwischen der höchsten Dosis in Tierstudien, bei der keine signifikanten gesundheitsschädigenden Befunde beobachtet wurden, und dem gesundheitlichen Richtwert für den Menschen beträgt bei Fipronil 100. Das heißt, die Dosis, die in Tierstudien zu keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung führte, wurde durch 100 geteilt, um für die Übertragung auf den Menschen einen angemessenen Sicherheitsabstand zu erlangen.

Können auch Bio-Eier mit Fipronil belastet sein?

Sofern Fipronil in einem Betrieb mit biologischer Legehennenhaltung verwendet wurde - was generell verboten ist -, können auch Bio-Eier mit dem Stoff belastet sein.

Können auch pflanzliche Lebensmittel mit Fipronil belastet sein?

Seit 2010 wurden dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) von den zuständigen Länderbehörden 280.893 Untersuchungsergebnisse zu Rückständen von Fipronil übermittelt. Davon entfielen 270.252 auf pflanzliche Lebensmittel. In 338 Fällen wurde Fipronil in pflanzlichen Lebensmitteln nachgewiesen.

Wurden Eier schon in der Vergangenheit auf Fipronil untersucht?

Seit 2010 wurden dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) von den zuständigen Länderbehörden 280.893 Untersuchungsergebnisse zu Rückständen von Fipronil übermittelt. Davon entfielen 4.869 auf Lebensmittel tierischen Ursprungs, darunter 171 Ergebnisse von Eiern und Eiprodukten.

In keinem der tierischen Lebensmittel wurden Fipronil-Rückstände nachgewiesen.

2015 gab es ein Monitoring, bei dem Hühnereier neben anderen Stoffen auch auf Fipronil getestet wurden. Fipronil wurde in keiner der Proben nachgewiesen.

Auch Futtermittel waren im Untersuchungszeitraum 2011 bis 2016 unauffällig.

Verändert sich der Fipronil-Gehalt bei Verarbeitung der belasteten Eier?

Nach derzeitigem Kenntnisstand wird Fipronil durch Kochen oder Braten (bis zu 120 °C über 20 Minuten) nicht abgebaut. Daher werden für verarbeitete Erzeugnisse derzeit gleiche Fipronil-Gehalte wie für unverarbeitete Eier angenommen.

Eier werden zur Herstellung einer Vielzahl von Lebensmitteln verwendet. Der Ei-Anteil in den verschiedenen Lebensmitteln variiert. Bei Lebensmitteln, die unter Zusatz von Eiern hergestellt werden, ist von einer Verdünnung der Fipronil-Konzentration auszugehen.

Bestehen gesundheitliche Risiken beim Verzehr von Hühnerfleisch durch die in Deutschland gemessenen Fipronilgehalte?

2017 wurde ein Fipronil-haltiges Mittel illegal in Ställen, in denen Jung- und Legehennen zur Eiproduktion gehalten werden, eingesetzt. Fleisch von Legehennen kann beispielsweise als Suppenhuhn verwendet werden. Die Erzeugung von Broilern oder Masthähnchen erfolgt in gesonderten Betrieben. Es liegen keine Hinweise für den Einsatz von Fipronil in solchen Betrieben vor.

Auf Basis der wenigen amtlichen Analysenergebnissen aus Deutschland kommt das BfR zu dem Schluss, dass bei Verzehr von Hühnerfleisch nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand eine akute gesundheitliche Gefährdung der betrachteten Verbrauchergruppen, einschließlich Kinder, unwahrscheinlich ist.

Sollten Verbraucherinnen und Verbraucher den Behörden melden, wo und wann sie Eier mit einer gelisteten Chargen-Nummer gekauft haben?

Verbraucherinnen und Verbraucher können sich jederzeit an die zuständige Veterinär- und Lebensmittelüberwachung vor Ort wenden. Die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden verfolgen die Vertriebswege von belasteten Eiern anhand von vorliegenden Lieferlisten, so dass eine zusätzliche Benachrichtigung durch Verbraucherinnen und Verbraucher nicht erforderlich ist.

Was sollen Verbraucher tun, wenn sie belastete Eier gekauft haben?

Betroffene Chargen sollten entweder beim Handel zurückgeben oder im Hausmüll entsorgt werden.

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