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Tierschutzdebatte zur Schweinehaltung

In Deutschland gibt es 40.000 Betriebe, die Schweine halten. Das Gros davon sind Familienbetriebe. Rund 35 Prozent von ihnen haben weniger als 50 Tiere.

Der Großteil der Ferkel in Deutschland wird chirurgisch kastriert. Der Grund: Das Fleisch männlicher Schweine kann einen sehr unangenehmen Geruch entwickeln und gilt dann daher als schwer bis gar nicht verkäuflich.

Die Kastration wird bisher bei unter acht Tage alten Ferkeln ohne Betäubung durchgeführt. Mit der Änderung des Tierschutzgesetzes in 2013 wurde unter anderem die betäubungslose Ferkelkastration verboten. Ursprünglich sollte das Verbot zum 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Das deutsche Tierschutzgesetz ist mit Blick auf das Thema Ferkelkastration eines der ambitioniertesten Gesetze innerhalb der EU. Zum einen sieht das deutsche Recht, im Vergleich zu vielen anderen Mitgliedstaaten, ein Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration vor; zum anderen ist die Betäubung in Deutschland als wirksame Schmerzausschaltung definiert. Bei vergleichbaren Regelungen anderer Mitgliedstaaten wird hingegen lediglich eine Schmerzlinderung als ausreichend betrachtet.

Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen

Die Regierungsfraktionen haben sich im Herbst 2018 dafür ausgesprochen, die Übergangsfristen bis zum Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre zu verlängern. Die Debatte um die Verlängerung spiegelt die Zielkonflikte zwischen hohen Tierschutzstandards und betrieblicher Praxis. Bundesministerin Julia Klöckner hat deutlich gemacht, dass ihr Ziel mehr Tierschutz in der Schweinehaltung ist. Gleichzeitig dürfe aber der Strukturwandel in der Sauenhaltung nicht weiter vorangetrieben werden.

Zuletzt hatte 2012/2013 eine Verschärfung des Tierschutzes, die größere Stallumbauten erforderte, eine Vielzahl gerade kleinerer Sauen haltender Betriebe zur Aufgabe ihrer Höfe bewegt.

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen stellt Klöckner zufolge das Verbot vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Die Verlängerung sei nun ein Kompromiss, um auch künftig Ferkelerzeugung in Deutschland zu ermöglichen und nicht auf eine Abwanderung der Ferkelerzeugung ins Ausland hinzuwirken, wo mit Blick auf das Thema Ferkelkastration geringere tierschutzrechtliche Auflagen gelten.

Diskutierte Alternativen

Die kommenden zwei Jahre müssen nun genutzt werden, um die Umstellung zu erreichen. Für die Schweinezüchter gibt es derzeit drei Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration:

Stichwort: Isofluran

Das für die Zulassung von Tierarzneimitteln zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat mit Bescheid vom 19. November 2018 eine Zulassung für das Tierarzneimittel "Isofluran Baxter vet 1000 mg/g" zur Inhalationsnarkose für Hunde, Katzen, Pferde und Schweine (Ferkel) erteilt. Damit steht erstmals in der EU ein zugelassenes Inhalationsnarkotikum für die Durchführung einer wirksamen Schmerzausschaltung bei der Ferkelkastration zur Verfügung. Das ermöglicht künftig ein neues, praxisgerechtes Verfahren, das die Fortführung der chirurgischen Ferkelkastration unter tierschutzgerechten Bedingungen ermöglicht.

  • Die chirurgische Kastration unter Narkose: Bei diesem Verfahren wird das Tier mittels Injektionsnarkose oder Inhalationsnarkose unter Vollnarkose gesetzt. Die Vollnarkose darf derzeit nur von einem Tierarzt durchgeführt werden. Deshalb wird das BMEL eine Verordnung auf den Weg bringen, mit der es den Landwirten ermöglicht wird, die Isofluran-Betäubung selbst durchzuführen.
  • Die Ebermast: Bei diesem Verfahren erfolgt keine Kastration bzw. kein Eingriff am Tier. Bei der Ebermast werden höhere Anforderungen an das Haltungsmanagement gestellt. Dafür haben die Jungeber eine bessere Futterverwertung und weisen einen höheren Fleischanteil auf. Bei der Ebermast besteht das Risiko, dass das Fleisch einen Ebergeruch annimmt, so dass am Schlachthof eine Qualitätskontrolle erfolgen muss.
  • Die Immunokastration: Bei diesem Verfahren wird das männliche Mastschwein zweimal mit einer Injektion behandelt, die eine zeitlich begrenzte Unterdrückung der Hodenfunktion bewirkt. Dadurch wird der Ebergeruch verhindert.

    Neben den zusätzlichen Kosten wird auch hier von Kritikern ins Feld geführt, dass das Fleisch nur schwer verkäuflich sein könnte.

Das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration wurde 2013 beschlossen. Die Umsetzung des Verbots erwies sich mit den vorhandenen heterogenen Strukturen aufwändiger als im Jahre 2013 erwartet. Sowohl die Ebermast, die Durchführung der Immunokastration als auch die Vollnarkose vor der Kastration sind gravierende Änderungen jahrzehntelang eingeübter Produktionsverfahren. Die Verlängerung des Verbotes ist ein Kompromiss zwischen den Tierwohlzielen und den wirtschaftlichen Belangen der Branche.

Das BMEL setzt daher alles daran, die Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration weiterzuentwickeln, insbesondere mit Blick auf ihre Praxisgerechtheit. Dazu bedarf es eines konzertierten Zusammenwirkens aller Stufen der Produktionskette.

Vor diesem Hintergrund hat Bundesministerin Julia Klöckner am 27. November 2019 neben Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU und SPD auch Vertreter der Landwirtschaft, der Fleischwirtschaft, des Lebensmitteleinzelhandels, der Tierärzte sowie der Wissenschaft zu einem Runden Tisch ins Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft nach Berlin geladen. Sie lobte nach dem Gespräch den konstruktiven Austausch: "Deutlich wurde, dass wesentliche Branchenvertreter aller Stufen der Lebensmittelkette die rechtskonformen Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration unterstützen."

Debatte im Bundestag

Am 29. November hat sich der Deutsche Bundestag mit dem Thema Ferkelkastration befasst und einem Gesetzentwurf von CDU/CSU und SPD zugestimmt. Dieser sieht die Verlängerung der Übergangsfristen bis zum Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre vor.

Stand:
30.11.18

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