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Tierschutz in der Forschung

Das BMEL unterstützt die Entwicklung von Alternativmethoden zu Tierversuchen.

Sollten Tierversuche in bestimmten Bereichen unvermeidbar sein, macht sich das BMEL dafür stark, Versuchstieren den größtmöglichen Schutz zu gewährleisten. Ziel bleibt es, Tierversuche auf ein unerlässliches Maß zu beschränken.

Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2015

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat der Europäischen Kommission die Daten über die Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2015 übermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen fast unverändert geblieben. Allerdings sind der Anteil der genetisch veränderten Tiere sowie die Zahl der verwendeten Affen und Halbaffen leicht gestiegen.

Verwendete Tierarten

In Deutschland wurden rund zwei Millionen Wirbeltiere und Kopffüßer in Tierversuchen eingesetzt. Paragraf 7 Absatz 2 des Tierschutzgesetzes definiert den Begriff "Tierversuch". Bei etwa 82 Prozent der eingesetzten Versuchstiere handelt es sich um Nagetiere, vor allem Mäuse und Ratten, wobei Mäuse etwa 68 Prozent der eingesetzten Tiere ausmachten. Circa acht Prozent der Tiere waren Fische, rund fünf Prozent Kaninchen und etwa zwei Prozent Vögel.

Tortendiagramm zum Anteil der Tierarten, die in Tierversuchen verwendet wurden Abbildung 1: Anteil der in Tierversuchen verwendeten Tierarten

Schweregrad der Versuche

Im Hinblick auf den Schweregrad der Versuche lässt sich feststellen, dass die Belastung in Tierversuchen (gemäß Paragraf 7 Absatz 2 des Tierschutzgesetzes) überwiegend gering war (etwa 59 Prozent), während der Anteil an Tierversuchen mit mittlerer oder schwerer Belastung bei etwa 24 beziehungsweise sechs Prozent lag. Der Anteil an Tierversuchen, die vollständig unter Vollnarkose durchgeführt wurden, aus der die Tiere nicht mehr erwacht sind, lag bei etwa elf Prozent.

Kreisdiagramm mit Prozentangaben, wie häufig die verschiedenen Schweregrade an Tierversuchen waren. Die vier Schweregrade werden eingeteilt in  gering, mittel, schwer und "keine Wiederherstellung der Lebensfunktion" Abbildung 2: Anteil an Versuchen nach Schweregrad


Gesamtzahl der verwendeten Tiere

In Deutschland werden über die Vorgaben der EU-Versuchstierrichtlinie hinaus zusätzlich auch Tiere erfasst, die für wissenschaftliche Zwecke getötet werden, ohne dass an ihnen zuvor Eingriffe oder Behandlungen vorgenommen wurden – beispielsweise um Organe oder Zellmaterial dieser Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken zu verwenden. Hierzu wurden im Jahr 2015 etwa 755.000 Tiere verwendet.

ZweckAnzahl der Tiere

Tabelle 1: Gesamtzahl der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere

Verwendung von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken 2.044.964
Tötung von Tieren zu wissenschaftlichen Zwecken 754.997
Gesamtzahl 2.799.961

Verwendung von genetisch veränderten Tieren

Etwa 1.115.000 Tiere der insgesamt verwendeten Tiere waren genetisch verändert. Der Anteil an diesen sogenannten transgenen Tieren lag damit bei etwa 39 Prozent und ist im Vergleich zum Vorjahr (34 Prozent) leicht gestiegen. Zum Einsatz kamen hier insbesondere transgene Mäuse (91 Prozent) und Fische (sieben Prozent).

Das Tortendiagramm gibt in Prozentzahlen an, wie viele Tiere genetisch verändert waren und wie viele nicht. Abbildung 3: Genetisch veränderte Tiere nach Tierart

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, zu welchen wissenschaftlichen Zwecken genetisch veränderte Tiere verwendet wurden:

Versuchszweckgenetisch verändert ohne pathologischen Phänotypgenetisch verändert mit pathologischem PhänotypGesamt
Tabelle 2: Genetisch veränderte Tiere nach Versuchszweck
Grundlagenforschung810.94798.463909.410
Translationale und angewandte Forschung85.10516.521101.626
Regulatorischer Zweck und Routineproduktion41.8662.01243.878
Erhaltung der Art6.252726.324
Hochschulausbildung oder Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten2.6952672.962
Erhaltung von Kolonien etablierter genetisch veränderter Tiere26.43825.19051.628
Gesamt973.303142.5251.115.828

Wissenschaftliche Versuchszwecke

Obwohl heute schon viele Fragen der Wissenschaft durch den Einsatz von Zellkulturen, computergestützte Verfahren und weitere Alternativmethoden beantwortet werden können, kann auf den Einsatz von Tieren für wissenschaftliche Zwecke - unter anderem in der medizinischen Forschung - noch nicht verzichtet werden. So dienten rund 59 Prozent der in Tierversuchen verwendeten Tiere der Grundlagenforschung und etwa 14 Prozent der Erforschung von Erkrankungen von Menschen und Tieren. Etwa 23 Prozent der Tiere wurden bei der Herstellung und Qualitätskontrolle von medizinischen Produkten oder für toxikologische Sicherheitsprüfungen eingesetzt. Rund vier Prozent wurden für sonstige Zwecke, wie zum Beispiel zur Aus- oder Weiterbildung oder für die Zucht von genetisch veränderten Tieren, benötigt.

Das Tortendiagramm stellt in absoluten Zahlen dar, zu welchen Zwecken die Versuchstiere genutzt wurden. Abbildung 4: Insgesamt in Tierversuchen verwendete Tiere nach Versuchszweck

Tierversuche in der Grundlagenforschung

In der Grundlagenforschung spielten insbesondere die Untersuchungen im Bereich des Nervensystems und des Immunsystems eine Rolle:

GrundlagenforschungAnzahl Anteil in Prozent
Tabelle 3: Im Rahmen der Grundlagenforschung verwendete Tiere nach Zweck
Onkologie110.2246,71
Kardiovaskuläres System (Blut- und Lymphgefäße)183.40111,16
Nervensystem332.20320,22
Atmungssystem43.0532,62
Gastrointestinales System, einschließlich Leber49.0012,98
Muskuloskelettales System29.4081,79
Immunsystem395.90924,09
Urogenitales System/Fortpflanzungssystem31.5551,92
Sinnesorgane (Haut, Augen, Ohren)51.8793,16
Endokrines System/Stoffwechsel76.7934,62
Multisystemisch112.5986,85
Ethologie, Tierverhalten, Tierbiologie33.9062,06
Andere193.32911,76
Gesamtzahl1.643.259100,00

Tierversuche in der angewandten Forschung

Ein Schwerpunkt bei der Erforschung von Erkrankungen von Menschen und Tieren lag auf dem Bereich der Krebserkrankungen des Menschen. Einen detaillierten Überblick über die Forschungszwecke gibt die folgende Tabelle:

Translationale und angewandte ForschungAnzahlAnteil in Prozent
Tabelle 4: Im Rahmen translationaler und angewandter Forschung verwendete Tiere nach Zweck
Krebserkrankungen des Menschen129.33033,90
Infektionskrankheiten des Menschen25.9576,80
Kardiovaskuläre Erkrankungen des Menschen27.7127,26
Nerven- und Geisteserkrankungen des Menschen59.26415,54
Atemwegserkrankungen des Menschen17.4354,57
Gastrointestinale Erkrankungen des Menschen, einschließlich der Leber10.2562,69
Muskuloskelettale Erkrankungen des Menschen4.9101,29
Immunerkrankungen des Menschen21.7895,71
Erkrankungen des urogenitalen/des Fortpflanzungssystems des Menschen8.3142,18
Erkrankungen der Sinnesorgane (Haut, Augen und Ohren) des
Menschen
4.3311,14
Erkrankungen des endokrinen Systems/des Stoffwechselsystems
des Menschen
26.2006,87
Andere Humanerkrankungen2.9300,77
Tierkrankheiten20.6735,42
Tierschutz6.2691,64
Krankheitsdiagnose4.7901,26
Pflanzenkrankheiten360,01
Nicht-regulatorische Toxikologie und Ökotoxikologie11.2542,95
Gesamtzahl381.450100,00

Verwendung von Affen und Halbaffen

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 3.141 Affen und Halbaffen verwendet. Die Zahl dieser Tiere ist damit im Vergleich zum Vorjahr (2.848) leicht gestiegen. Menschenaffen wurden in Deutschland zuletzt 1991 für wissenschaftliche Zwecke verwendet.

Das Tortendiagramm stellt in Prozentzahlen dar, wie viele Altweltaffen, Neuweltaffen und Halbaffen für wissenschaftliche Zwecke verwendet wurden. Abbildung 5: Für wissenschaftliche Zwecke verwendete Affen und Halbaffen

Verwendung von Hunden und Katzen

Bei den Hunden und Katzen beliefen sich die Zahlen der eingesetzten Tiere auf 4.491 und 1.112, die insbesondere zur Erforschung von Tierkrankheiten sowie für die gesetzlich vorgeschriebene Toxizitäts- und Unbedenklichkeitsprüfung von Tier- und Humanarzneimitteln zum Einsatz kamen.

Wissenschaftlicher ZweckAnzahl der verwendeten Hunde (Anteil in Prozent)Anzahl der verwendeten Katzen (Anteil in Prozent)
Tabelle 5: Für wissenschaftliche Zwecke verwendete Hunden und Katzen
Grundlagenforschung433 (9,64 Prozent)111 (9,98 Prozent)
Translationale und angewandte Forschung1022 (22,76 Prozent)296 (26,62 Prozent)
Regulatorischer Zweck und Routineproduktion2880 (64,13 Prozent)663 (59,62 Prozent)
Hochschulausbildung oder Schulung zum Erwerb, zur Erhaltung oder zur Verbesserung beruflicher Fähigkeiten150 (3,34 Prozent)42 (3,78 Prozent)
Schutz der natürlichen Umwelt im Interesse der Gesundheit oder des Wohlbefindens von Menschen und Tieren6 (0,13 Prozent)0
Gesamt4.491 (100 Prozent)1.112 (100 Prozent)

Im Vergleich: Verwendung von Versuchstieren 2014 und 2015

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen zur Verwendung von Versuchstieren 2015 fast unverändert geblieben. Allerdings ist der Anteil der genetisch veränderten Tiere leicht gestiegen (von 34 auf 39 Prozent), ebenso wie die Zahl der verwendeten Affen und Halbaffen (von 2.848 auf 3.141 Tiere).

Einen detaillierten Vergleich der Daten, die 2015 und 2014 ermittelt wurden, ermöglichen die folgenden Zusammenfassungen (in englischer Sprache):

Daten zur Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2015 (PDF, 623 KB, nicht barrierefrei)

Daten zur Verwendung von Versuchstieren im Jahr 2014 (PDF, 626 KB, nicht barrierefrei)

Beim Vergleich der Gesamtzahlen der verwendeten Tiere in den Jahren 2015 und 2014 ist darauf hinzuweisen, dass im Jahr 2014 708.462 "andere Fische" (darin waren etwa 563.600 Fischlarven enthalten) gemeldet wurden (21,38 Prozent). Im Jahr 2015 lag der Anteil der Tiere in der Kategorie "andere Fische" hingegen nur bei 2,88 Prozent (80.777 Tiere).

Rückblick: Tierversuchszahlen 2009 bis 2013

Aufgrund von Veränderungen im Erfassungssystem sind die Tierversuchszahlen ab 2014 nicht mit den Daten aus den Vorjahren vergleichbar.

Unter den folgenden Links finden Sie die Tierversuchszahlen der Jahre 2009 bis 2013 zum Herunterladen:

Versuchstierzahlen 2013 (PDF, 212 KB, nicht barrierefrei)

Versuchstierzahlen 2012 (PDF, 192 KB, nicht barrierefrei)

Versuchstierzahlen 2011 (PDF, 190 KB, nicht barrierefrei)

Versuchstierzahlen 2010 (PDF, 202 KB, nicht barrierefrei)

Versuchstierzahlen 2009 (PDF, 162 KB, nicht barrierefrei)

Langfristiges Ziel: Tierversuche komplett ersetzen

Das BMEL ist bestrebt, die Anzahl verwendeter Tiere in Versuchen zu senken und fördert unter anderem die Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen finanziell und vergibt jährlich den Tierschutzforschungspreis zur Förderung methodischer Arbeiten mit dem Ziel der Einschränkung und des Ersatzes von Tierversuchen. Das Preisgeld wurde im Jahr 2016 von 15.000 auf 25.000 Euro hochgesetzt.

Außerdem ist das Engagement der Bundesregierung zur Senkung der Zahl der für Tierversuche verwendeten Tiere Teil der BMEL-Initiative "Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl". Im Rahmen dieser Initiative wurde die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET) im Bundesinstitut für Risikobewertung zum "Deutschen Zentrum zum Schutz von Versuchstieren" (BF3R) ausgebaut.

Hintergrundinformation zur Erhebung der Versuchstierzahlen

Am 9. November 2010 ist die EU-Versuchstierrichtlinie 2010/63/EU in Kraft getreten. Deren Umsetzung in nationales Recht im Jahr 2013 hat auch eine Neufassung der Versuchstiermeldeverordnung mit einer Ausweitung der Meldepflicht über die Verwendung von Versuchstieren erforderlich gemacht. So ist nun auch die Verwendung von Kopffüßern (beispielsweise Kalmare und Kraken), Larven von Wirbeltieren und die Zucht genetisch veränderter Tiere zu melden. Außerdem ist auch der Schweregrad der Schmerzen, Leiden oder Schäden (keine Wiederherstellung der Lebensfunktion, gering, mittel, schwer), dem die Tiere durch die Verwendung insgesamt ausgesetzt waren, zu übermitteln. Die Erfassung der Verwendung von Tieren in Tierversuchen im Jahr 2014 erfolgte erstmals entsprechend den neuen Vorgaben.

Vorgaben für die Meldung der Verwendung von Versuchstieren

Die Verwendung von Wirbeltieren in Tierversuchen oder zu bestimmten anderen wissenschaftlichen Zwecken wird jährlich statistisch erfasst. Rechtliche Grundlage für die Erfassung ist die Versuchstiermeldeverordnung. Weitere Informationen finden Sie hier.

Stand:
06.04.17

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