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Mehrere Küken, Quelle: aid, Peter Meyer Küken, Quelle: aid, Peter Meyer

Alternativen zum Töten männlicher Küken

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) fördert mit hoher Priorität im Rahmen seiner Initiative "Eine Frage der Haltung - Neue Wege für mehr Tierwohl" die Weiterentwicklung der "In Ovo-Geschlechtsbestimmung".

Ziel des Forschungsprojekts ist es, neue Methoden und Verfahren zu entwickeln, die geeignet sind, bei befruchteten Hühnereiern das Geschlecht bereits frühzeitig im Ei zu erkennen. Eier, aus denen sich männliche Küken entwickeln, können daraufhin aussortiert werden. Ein Ausschlüpfen und anschließendes Töten männlicher Küken kann so von vornherein verhindert werden.

Erläuterung zum Tierschutzgesetz - Warum ist mit dieser Methode ein Verbot des Kükentötens nicht notwendig?

§ 1 des Tierschutzgesetzes regelt: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Wenn das in diesem Forschungsprojekt zu entwickelnde Gerät als praxistaugliche Alternative zum Töten der Küken vorhanden ist, greift automatisch das Tierschutzgesetz in dieser jetzigen Form und das Töten männlicher Eintagsküken ist verboten.

Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 48 Millionen Hühnerküken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Dabei handelt es sich um die männlichen Geschwister der modernen Legehennen. Da für die Erzeugung von Fleisch andere Hühnerrassen besser geeignet sind, werden die Brüder der Legehennen in den meisten Fällen nicht aufgezogen, sondern getötet.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat zum Ziel, das routinemäßige Töten dieser sogenannten Eintagsküken zu beenden. Stattdessen soll bevor die Küken schlüpfen überprüft werden, ob aus dem Ei ein weibliches oder männliches Tier hervorgehen würde. Wenn diese Unterscheidung gelingt, können die Legehennen ausgebrütet werden, während auf das Ausbrüten der Hähne verzichtet wird. Diese Eier könnten stattdessen beispielsweise als Futtermittel genutzt werden.

Sobald den Brütereien für die Geschlechtsbestimmung und Sortierung der Eier ein praxistaugliches Verfahren zur Verfügung steht, gibt es für das Töten der männlichen Küken keine gesetzliche Rechtfertigung mehr (vgl. Kasten oben).

Wo stehen wir bei der Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei?

Im Film erklärt: Alternativen zum Kükentöten

Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum Video „Alternativen zum Kükentöten“

Bereits seit dem Jahr 2008 fördert das BMEL gezielt Forschungsprojekte zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Im Rahmen der Tierwohlinitiative "Eine Frage der Haltung" wurden diese Vorhaben mit höchster Priorität weiterverfolgt:

Im Juli 2015 das BMEL einer Arbeitsgruppe, die zur spektroskopischen Geschlechtsbestimmung im Ei forscht, Förderbescheide über zusätzliche Mittel in Höhe von mehr als einer Million Euro. Zu Beginn des Jahres 2016 wurden die Finanzmittel eines weiteren Projekts, dessen Fokus auf der Entwicklung hormoneller Methoden liegt, um rund 700.000 Euro aufgestockt.

Zur Jahreswende 2016/2017 steht nun fest: Zwei unterschiedliche Verfahren beherrschen die Geschlechtsbestimmung im Ei zweifelsfrei. Das Geschlecht wird mit der notwendigen Genauigkeit im Ei erkannt und aus den ausgebrüteten Eiern schlüpfen gesunde Legehennen. Bei beiden Verfahren werden die erforderlichen Arbeitsschritte zum Teil bereits vollautomatisch erledigt und die Pläne für die nächste Prototypen-Generation liegen vor.

Im nächsten Schritt liegt der Fokus auf der Optimierung und Automatisierung der Geräte unter Praxisbedingungen, damit sie für den breiten Einsatz in den Brütereien geeignet sind. Auch diese Phase begleitet das BMEL intensiv. Für Frühjahr 2017 sind die ersten Einsätze der neuen Prototypen in Brütereien geplant.

Wie funktioniert die Geschlechtsbestimmung im Ei?

Die vom BMEL mit bislang rund 5 Millionen Euro geförderten Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei verfolgen zwei völlig unterschiedliche Ansätze:

Bei der endokrinologischen Methode werden die Eier etwa neun Tage lang bebrütet. Dann wird von jedem Ei über eine Nadel etwas Flüssigkeit gewonnen. An diesen Proben wird das Geschlecht mit einem biotechnologischen Nachweisverfahren innerhalb kurzer Zeit bestimmt.

Bei der spektroskopischen Geschlechtsbestimmung im Ei ("Infrarot-Raman-Spektroskopie") wird das Ei etwa vier Tage lang bebrütet. Dann wird ein kleines Loch in das Ei gemacht und ein spezieller Lichtstrahl in das Innere des Eis geschickt. Das Geschlecht wird durch eine Analyse des reflektierten Lichts bestimmt. Im Anschluss wird das Ei wieder verschlossen.

Nach insgesamt 21 Tagen Bebrütung schlüpfen die kleinen Legehennen, von der Geschlechtsbestimmung bekommen die Tiere nichts mit.

Das Zweinutzungshuhn: Eier- und Fleischlieferant

Ergänzend zu den Forschungsvorhaben, die Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei entwickeln, fördert das BMEL ein Projekt zum Zweinutzungshuhn. Damit sind Rassen gemeint, die sowohl zur Eier- als auch zur Fleischproduktion genutzt werden können.
Die gemeinsame Haltung der beiden Geschlechter des Zweinutzungshuhns auf einem Betrieb erfordert ein neuartiges, integriertes, tiergerechtes und nachhaltiges Haltungssystem für Mast- und Legehühner. Ziel des Projekts "Integhof" ist es, die Haltung des Zweinutzungshuhns aus der Sicht des Tier-, Verbraucher- und Umweltschutzes sowie der Wirtschaftlichkeit zu prüfen.

Stand:
19.01.17

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