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65. Tagung der Internationalen Walfangkommission

Vom 15.-18. September 2014 fand in Portoroz, Slowenien die 65. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) statt.

Im Mittelpunkt der Tagung standen der von Dänemark vorgelegte Vorschlag zur Walfangquote für die indigene Bevölkerung Grönlands, der japanische Vorschlag zu Fangquoten für Minkwale für den kleinen Küstenwalfang, die Ausweisung eines Walschutzgebietes im Südatlantik sowie eine Resolution zum zukünftigen Umgang mit Walfangprogrammen zu Forschungszwecken.

Indigener Walfang

Mit qualifizierter Mehrheit verabschiedet wurde der dänische Vorschlag, Fangquoten für den indigenen Walfang der Ureinwohner Grönlands festzulegen. Auf der 64. IWC-Tagung 2012 in Panama hatte es keine Einigung über die Festlegung von Fangquoten für den indigenen Subsistenzwalfang der Ureinwohner Grönlands gegeben.

Die Neureglung basiert auf der Empfehlung des Wissenschaftsausschuss der IWC und sieht eine Senkung der Minkwalquote um 14 Tiere bei gleichzeitiger Erhöhung der Quoten für Finnwale und Buckelwale um 3 Tiere bzw. 1 Tier gegenüber den bisherigen Quoten vor.

Fangquoten für Minkwale

Die IWC lehnte den Vorschlag Japans für die Genehmigung des Fangs von jährlich 17 Minkwalen durch kleine Küstenwalfangschiffe zum lokalen Verbrauch ab. Ähnliche Vorschläge hatte Japan in der Vergangenheit immer wieder vorgelegt, gegen die sich die Walschutzländer jedoch stets ausgesprochen hatten, um nicht die Tür zum kommerziellen Walfang zu öffnen und so das Walfangmoratorium aufzuweichen.

Entwicklung der Walbestände

Zu den besonders gefährdeten Walbeständen gehören bei den Großwalen nach wie vor der Grauwal sowie der atlantische und pazifische Nordkaper. Die meisten Bestände der Buckel- und Finnwale erholen sich langsam. Bei den Kleinwalen sind vor allem  der kalifornische Schweinswal (Vaquita) im oberen Golf von Kalifornien, der Maui-Delphin in Neuseeland und der Yangtse Schweinswal in China besonders gefährdet. Die Bestände an Minkwalen, die zu den Zwergwalen gehören, sind überwiegend in gutem Zustand.

Im Jahr 2014 wurden insgesamt 1448 Wale im Rahmen des kommerziellen, indigenen und sog. wissenschaftlichen Walfangs gefangen. 2013 waren es noch 1626 Tiere. Dieser Rückgang ist insbesondere auf die Abnahme des sog. wissenschaftlichen Walfangs in Japan zurückzuführen.

IGH-Urteil zum Wissenschaftswalfang

Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat in seinem Urteil vom 31. März 2014 klar festgestellt, dass das japanische Walforschungsprogramm JARPA II im Südpolarmeer gegen die Internationale Walfangkonvention verstößt. Nachdem 1986 das Verbot des kommerziellen Walfangs in Kraft getreten war, hat Japan sog. wissenschaftlichen Walfang betrieben und in diesem Rahmen jährlich Hunderte von Meeressäugern getötet. Japan rechtfertigte dies mit dem Hinweis auf eine Bestimmung in der Internationalen Walfangkonvention, wonach Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken grundsätzlich möglich ist. Der IGH urteilte jedoch, dass das japanische Walfangprogramm kommerziell angelegt sei und nicht primär wissenschaftlichen Zwecken diene.

Der Vorschlag Neuseelands für eine Resolution über die praktische Umsetzung des IGH-Urteils zum Wissenschaftswalfang wurde nach schwierigen Verhandlungen mit einfacher Mehrheit verabschiedet. Die Resolution sieht insbesondere vor, dass die  von den IWC-Mitgliedern eingereichten Walforschungsprogramme künftig zunächst vom IWC-Wissenschaftsausschuss hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit dem IGH-Urteil umfassend geprüft werden. Anschließend legt der Wissenschaftsausschuss der IWC-Kommission (Beschlussgremium) eine Empfehlung vor. Auf dieser Basis entscheidet die Kommission über die Genehmigung dieser Programme.  

Walschutzgebiet im Südatlantik

Brasilien, Argentinien, Südafrika und Uruguay legten erneut einen Antrag auf Ausweisung eines Walschutzgebietes im Südatlantik vor. Der Vorschlag, der von einer Vielzahl lateinamerikanischer Staaten (sog. Buenos Aires Group) und den übrigen Walschutzländern unterstützt wurde, fand jedoch - trotz breiter werdender Zustimmung - wie auch schon auf der 64. IWC-Tagung nicht die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit. Die von Monaco erneut eingebrachte Resolution  zum verstärkten Schutz von Kleinwalen  wurde dieses Mal hingegen mit einfacher Mehrheit verabschiedet.

Fazit

Die 65. IWC-Tagung hat gezeigt, dass die Internationale Walfangkommission wieder handlungsfähig ist und wichtige Entscheidungen treffen kann. Nach den hitzigen Debatten, Kontroversen und Blockaden der letzten Jahre waren Walfanggegner und –befürworter weiter bemüht, alte Gräben nicht wieder aufzureißen und Entscheidungen nach Möglichkeit im Konsens herbeizuführen.

Eine signifikante Annäherung der Positionen beider Lager ist aber nicht zu erwarten, zumal unter anderem Japan trotz des IGH Urteils vom 31. März 2014 die Vorlage eines neuen Walforschungsprogramms für November 2014 angekündigt hatte und zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich vorlegte. Gleichzeitig will Japan das Forschungsprogramm JARPN II im Nordpazifik, das nicht unmittelbar von dem IGH-Urteil erfasst ist, weiterführen.

Stand:
24.02.16

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