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Drei Wale im Meer Quelle: © Claus Aagaard - Fotolia.com

Walschutz bleibt schwieriges Unterfangen

66. Tagung der Internationalen Walfangkommission

Wie geht es mit dem Moratorium für den Walfang weiter? Ist eine stärkere Kontrolle des Walfangs zu wissenschaftlichen Zwecken geboten? Wie sind die künftigen Quoten für den Walfang indigener Völker festzulegen? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt der 66. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC). Diese tagte vom 24.-28. Oktober 2016 im slowenischen Portoroz.

Blick in den Konferenzraum Quelle: BMEL

Stichwort: Tagung der IWC

Die Internationale Walfangkommission (IWC) basiert auf dem 1946 beschlossenen Übereinkommen zur Regulierung des Walfangs. Alle zwei Jahre kommen die derzeit 88 IWC-Mitgliedsstaaten zusammen. Deutschland ist seit 1982 in der IWC vertreten und setzt sich in dem Gremium entschieden gegen kommerziellen und so genannten wissenschaftlichen Walfang ein.

Das Treffen in Portoroz machte deutlich: Die Positionen von Walfangbefürwortern und Walfanggegnern liegen weiter weit auseinander. Gleichwohl zeigte sich nach den Kontroversen und Blockaden vergangener IWC-Treffen bei der 66. Tagung: Beide Seiten bemühen sich um sachliche Diskussionen, um alte Gräben nicht wieder aufzureißen.

Konkrete Fortschritte für den Walschutz konnten erzielt werden mit Bick auf vom Walfang losgelöster Bedrohungen der Meeressäuger. Hierzu zählen Themen wie die Vermeidung von Beifang, der Verfang in Fischereinetzen, Lärm- und Müllbelastung der Meere und die Vermeidung von Zusammenstößen mit Schiffen.

Verteidigung des geltenden Moratoriums

Im Zentrum der Konferenz stand weiter die Verteidigung des geltenden Walfangmoratoriums. Deutschland machte sich für eine klare Ablehnung des japanischen Walfangprogramms sowie des kommerziellen Walfangs von Island und Norwegen einschließlich des Handels mit Walfleisch und Walprodukten stark.
Walfangbefürwortende Nationen - allen voran Japan – brachten weiter Argumente vor, um das Moratorium zu beenden. Sie führten hierzu Themen an wie Ernährungssicherheit, wissenschaftlich begründeter Walfang, Walfang als Ausdruck der Rechte indigener Völker und den so genannten nachhaltigen Küstenwalfang.

Japan macht Unmut über Status Quo deutlich

Japan brachte in Portoroz seine Unzufriedenheit mit dem Status Quo der IWC klar zum Ausdruck. Der Grund: Die Walschutzländer lehnen weiter das Anliegen der am Walfang interessierten Länder auf Erteilung von Quoten für den Küstenwalfang entschieden ab, da sie diesen als kommerziell und damit unzulässig einstufen.

Auf Vorschlag Japans, das die Präsidentschaft der IWC für zwei Jahre übernommen hat, sowie der übrigen Walfangnationen verständigte man sich in Portoroz dazu eine Arbeitsgruppe zur Zukunft der IWC einzurichten. Die Walschutzländer werden sich diesem Dialog stellen. Offen ist, ob Japan die kommende IWC-Sitzung in zwei Jahren nutzen wird, um das Moratorium möglicherweise aufzuheben oder sogar aus der IWC auszuscheiden.

Indigener Substistenzwalfang

Ausnahmen vom Moratorium gelten für indigene Völker. Auf der nächsten IWC Sitzung 2018 müssen entsprechende Quoten zum indigenen Subsistenzwalfang beschlossen werden. Über den Prozess bis dorthin wurde in Portoroz kontrovers diskutiert.

Kontroverse um wissenschaftlich begründeten Walfang

Strittig blieben beim Treffen der IWC-Mitgliedsländer Ausnahmen vom Walfangmoratorium zu wissenschaftlichen Zwecken. Nach Ansicht der Walfangegner darf der Deckmantel der Wissenschaftlichkeit nicht genutzt werden, das Moratorium auszuhöhlen. Sie sehen sich durch ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH) vom 31. März 2014 bestärkt, wonach Japans Walforschungsprogramm JARPA II im Südpolarmeer gegen die Internationale Walfangkonvention verstößt.

Neuseeland und Australien schlugen vor, wissenschaftlichen Walfang stärker zu kontrollieren und hierfür eine IWC-Arbeitsgruppe einzurichten. Diese soll zunächst den Bericht des Wissenschaftskomitees zum aktuellen Walforschungsprogramm Japans (NEWREP-A) aufnehmen und künftig weitere Wissenschaftsprogramme bewerten. Da während der Sitzung keine Einigung erzielt wurden konnte, wurde die Resolution per Abstimmung jedoch nur mit einfacher Mehrheit angenommen.

Südatlantisches Walschutzgebiet

Keine erforderliche Drei-Viertel-Mehrheit fand auch der Vorschlag Brasiliens zur Ausweisung eines Walschutzgebietes im Südatlantik. Damit scheiterte Brasilien erneut mit diesem Anliegen. Es hatte sich zuletzt bei der 65. Tagung der IWC 2014 für ein solches Schutzgebiet eingesetzt. Ziel des Antrags ist neben der gemeinsamen grenzüberschreitenden Walforschung der Schutz der Wale vor Jagd und anderen vom Menschen ausgehenden Gefahren. Neben einer Vielzahl lateinamerikanischer Staaten hatten Deutschland und alle übrigen Walschutzländer den Antrag unterstützt.

Einfluss der Wale auf das Ökosystem

Ebenfalls auf den Widerstand der Walfangbefürworter stieß ein Vorschlag Chiles und anderer südamerikanischer Länder, der die wichtige Rolle von Walen im marinen Ökosystem hervorhebt etwa mit Blick auf den Klimaschutz durch Speicherung von CO2 am Meeresgrund. Die Vertragsstaaten werden ermutigt, diese Rolle im Ökosystem bei künftigen Entscheidungen und Resolutionen zu berücksichtigen. Auch wenn der Vorschlag schließlich nur eine einfache Mehrheit erzielte, ist davon auszugehen, dass der IWC-Wissenschaftsausschuss dem Thema künftig stärkere Beachtung schenken wird.

Rettung der Vaquita-Wale

Eine von den USA vorgelegte Resolution zum Schutz vom Aussterben bedrohter Vaquita-Wale wurde im Konsens angenommen. Von den im Golf von Kalifornien beheimateten Tieren gibt es nur noch 59 Exemplare; sie geraten immer wieder in illegale Fischereinetze, mit denen dem Totoabafisch wegen lukrativen illegalen Exports seiner Schwimmblase nach China nachgestellt wird. Eine Reihe von Staaten (Walfangnationen, viele afrikanische Staaten, Karibik) blieb der Abstimmung jedoch aus formalen Gründen fern. Sie wollten die Resolution nicht verhindern, vertreten aber der Ansicht, dass die IWC nicht das Mandat hat, Regelungen zu Kleinwalen zu treffen.

Stand:
02.11.16

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