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Waldnaturschutz: Das europaweite Netzwerk "Integrate"

Effektiven und effizienten Waldnaturschutz im Rahmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung voranbringen, das ist das Ziel eines neuen europaweiten Netzwerkes, das Deutschland und die Tschechische Republik gemeinsam angeschoben haben.

Der Vorschlag der beiden Forstminister fand große Unterstützung im Ständigen Waldausschuss der Europäischen Kommission, denn die Herausforderungen für die Waldbewirtschaftung sind in fast allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union ähnlich. Die Kommission und die meisten der EU-Mitgliedstaaten sagten anlässlich der Sitzung am 10. März 2017 in Brüssel zu, in diesem informellen Netzwerk zusammenzuarbeiten.

Europäisches Netzwerk "Integrate" entwickelt sich erfolgreich

Rund 50 Vertreter aus der Forst- und Umweltpolitik und der Wissenschaft aus 16 europäischen Staaten sowie der Europäischen Kommission haben bei der ersten Sitzung des Europäischen Netzwerkes Integrate am 26./27.6.2017 in Bonn ihr Interesse unterstrichen, die Integration von Naturschutzaspekten in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern weiter zu verstärken und zu verbessern. Seitdem wurden verschiedene Aspekte dieses wichtigen Themas bei weiteren Treffen in Polen und der Tschechischen Republik vertieft. Insbesondere die Frage, wie bei großflächigem Borkenkäferfraß vor allem an Fichtenwäldern der Naturschutz angemessen gewahrt werden kann, ist derzeit in der Diskussion.

Naturschutz und biologische Vielfalt in der Waldbewirtschaftung

Hintergrund für den Start des Netzwerks sind zunehmende Forderungen, den Naturschutz in den Wäldern Europas zu verstärken oder Wälder komplett aus der Bewirtschaftung herauszunehmen. Letzteres ist allerdings mit den vielfältigen weiteren Ansprüchen an die europäischen Wälder und mit den Zielen der nicht-staatlichen Waldeigentümer nur schwer in Einklang zu bringen. Auch die Notwendigkeit, die Wälder fit für den Klimawandel zu machen, ist bei Entscheidungen zur forstwirtschaftlichen Praxis abzuwägen.

Hilfreich sind in diesem Spannungsfeld Erkenntnisse aus der Wissenschaft, dass Waldbewirtschaftung und Naturschutz sich nicht ausschließen: So haben europaweite wissenschaftliche Studien im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) inzwischen belegt, dass es auch in nachhaltig bewirtschafteten Wälder möglich ist, Waldnaturschutz umzusetzen und die biologischen Vielfalt zu erhalten. Im Rahmen dieser Studien wurden zahlreiche erfolgreiche Beispiele aus der Forstpraxis, sowohl in Deutschland als auch in Europa, untersucht. Die Herausnahme von Wäldern aus dem aktiven Waldmanagement ist damit nur eine von vielen Maßnahmen des intelligenten Waldnaturschutzes der Zukunft. Das bestätigen auch zahlreiche weitere Forschungsergebnisse aus Deutschland.

Das Netzwerk Integrate wird künftig den Erfahrungsaustausch über besonders gelungene Integration von Naturschutz in bewirtschafteten Wäldern in den europäischen Ländern fördern und so Wege aufzeigen, wie effektiver und intelligenter Waldnaturschutz effizient umgesetzt werden kann. Dies zeigt der Film "Wald verantwortungsvoll nutzen: der integrative Ansatz" in eindrucksvoller Weise.

Marteloskope als Übungsflächen für eine auf die Zukunft ausgerichtete Folgenabschätzung der Waldbewirtschaftung

Förster stehen im Wald und schauen auf ein Tablet Erfahrungsaustausch im Wald: Exkursion des europäischen Netzwerksin in den Kottenforst und an der Waldau, Quelle: BMEL

Als Teil des Konzepts werden in repräsentativen Waldtypen Europas Flächen ausgewählt (so genannte Marteloskope), die als spezifische Anschauungs- und Trainingsobjekte dienen können. Dort sind alle Bäume mit ihren ökonomischen und ökologischen Werten, insbesondere ihren Mikrohabitaten, digital erfasst. Durch eine virtuelle Baumauswahl am Tablet-Computer kann der Experte verschiedene Bewirtschaftungsmaßnahmen testen und dabei sowohl den ökonomischen Erlös als auch die ökologischen Folgen ihrer Entscheidung einschätzen lernen. Dabei wird auch eine auf die Zukunft ausgerichtete Folgenabschätzung dieser Auswahlentscheidung ausgewertet.

Das Projekt dient zu Schulungs- aber auch Demonstrationszwecken. Im Ergebnis sollen Forstpraktiker noch stärker als bisher für ökologisch wertvolle Waldstrukturen sensibilisiert werden, um sie bei ihren künftigen Waldbewirtschaftungsentscheidungen besser berücksichtigen zu können. Naturschützer wiederum lernen, über die Minimierung der wirtschaftlichen Folgen ihrer Forderungen nachzudenken. Insgesamt werden damit effiziente und effektive Naturschutzmaßnahmen gefördert, die gleichzeitig größere Akzeptanzchancen bei den Waldbesitzern haben.

Einige Bundesländer führen regelmäßige Schulungen der Waldbautrainer mit ihren Förstern aber auch mit amtlichen Naturschützern durch. Berichte zu derartigen Übungen können auf der Webseite eingesehen werden. Das Europäische Forstinstitut unterstützt wissenschaftlich das europäische Netzwerk INTEGRATE.

Weitere Informationen können der Webseite sowie dem vor kurzem erschienen Schwerpunktheft der Allgemeinen Forstzeitung 2/2018 entnommen werden.

Konkrete Empfehlungen für die Forstpraxis: Mikrohabitate erkennen und bewahren

Ziel der Zusammenarbeit im Netzwerk Integrate ist es insbesondere, aus den gewonnenen Erkenntnissen konkrete Empfehlungen für die Forstpraxis abzuleiten. Ein Beispiel aus Deutschland: Im Rahmen eines BMEL-geförderten EFI-Projekte wurde ein Erkennungsschlüssel für so genannte Mikrohabitate entwickelt (Katalog der Baummikrohabitate (PDF, 2 MB, nicht barrierefrei)) . Die Vielfalt an solchen Mikrohabitaten ist eine zentrale Voraussetzung für den Erhalt der Vielfalt von Waldarten in bewirtschafteten Wäldern. Sie können im optimalen Fall sogar zu höheren Artendichten als im Naturwald führen. Der neue Erkennungsschlüssel hilft den Förstern, ökologisch besonders wertvolle Einzelbäume noch besser einzuschätzen und im Zuge notwendiger Waldbewirtschaftungsmaßnahmen gezielt zu erhalten oder sogar zu fördern.

Vermittelt wird dieses Verfahren bereits an Forstpraktiker und den forstlichen Nachwuchs durch praktische Übungen auf Lehr- und Demonstrationsflächen in ganz Europa, den sogenannten Marteloskopflächen. Unterstützt wird dies durch eine moderne Software für die Vor-Ort-Modellierung von Waldmanagement-Entscheidungen.

Die entsprechende Applikation für diese Software kann hier heruntergeladen und je nach Betriebssystem Google Play (Android ) bzw. IoS (Apple) unterschiedliche Versionen gewählt werden.

Stand:
27.08.18

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