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Bundesministerin Klöckner im Wald Bundesministerin Julia Klöckner lässt sich gemeinsam mit dem Waldbeauftragten des BMEL, Cajus Julius Caesar vom Experten des Europäischen Forstinstitutes die Tabletanwendung für ein Marteloskop erläutern , Quelle: BMEL/Thomas Imo/photothek.net

Waldnaturschutz: Das europaweite Netzwerk "Integrate"

Effektiven und effizienten Waldnaturschutz im Rahmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung voranbringen, das ist das Ziel eines neuen europaweiten Netzwerkes, das Deutschland und die Tschechische Republik gemeinsam angeschoben haben.

Europäisches Netzwerk "Integrate" entwickelt sich erfolgreich

Vertreter aus der Forst- und Umweltpolitik und der Wissenschaft aus 16 europäischen Staaten sowie der Europäischen Kommission diskutieren seit 2017 in regelmäßigen Sitzung des Europäischen Netzwerkes Integrate, wie die Integration von Naturschutzaspekten in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern weiter gestärkt und verbessert werden kann. So wurden verschiedene Aspekte dieses wichtigen Themas bei Treffen in Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik vertieft. Insbesondere die Frage, wie bei großflächigem Borkenkäferfraß vor allem an Fichtenwäldern der Naturschutz angemessen gewahrt werden kann, ist derzeit in der Diskussion.

Naturschutz und biologische Vielfalt in der Waldbewirtschaftung

Hintergrund für den Start des Netzwerks sind zunehmende Forderungen, den Naturschutz in den Wäldern Europas zu verstärken oder Wälder komplett aus der Bewirtschaftung herauszunehmen. Letzteres ist allerdings mit den vielfältigen weiteren Ansprüchen an die europäischen Wälder und mit den Zielen der nicht-staatlichen Waldeigentümer nur schwer in Einklang zu bringen. Auch die Notwendigkeit, die Wälder fit für den Klimawandel zu machen, ist bei Entscheidungen zur forstwirtschaftlichen Praxis abzuwägen.

Hilfreich sind in diesem Spannungsfeld Erkenntnisse aus der Wissenschaft, dass Waldbewirtschaftung und Naturschutz sich nicht ausschließen: So haben europaweite wissenschaftliche Studien im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) inzwischen belegt, dass es auch in nachhaltig bewirtschafteten Wälder möglich ist, Waldnaturschutz umzusetzen und die biologischen Vielfalt zu erhalten. Im Rahmen dieser Studien wurden zahlreiche erfolgreiche Beispiele aus der Forstpraxis, sowohl in Deutschland als auch in Europa, untersucht. Die Herausnahme von Wäldern aus dem aktiven Waldmanagement ist damit nur eine von vielen Maßnahmen des intelligenten Waldnaturschutzes der Zukunft. Das bestätigen auch zahlreiche weitere Forschungsergebnisse aus Deutschland.

Das Netzwerk Integrate wird künftig den Erfahrungsaustausch über besonders gelungene Integration von Naturschutz in bewirtschafteten Wäldern in den europäischen Ländern fördern und so Wege aufzeigen, wie effektiver und intelligenter Waldnaturschutz effizient umgesetzt werden kann. Dies zeigt der Film "Wald verantwortungsvoll nutzen: der integrative Ansatz" in eindrucksvoller Weise.

Marteloskope als Übungsflächen für eine auf die Zukunft ausgerichtete Folgenabschätzung der Waldbewirtschaftung

Als Teil des Konzepts werden in repräsentativen Waldtypen Europas Flächen ausgewählt (so genannte Marteloskope), die als spezifische Anschauungs- und Trainingsobjekte dienen können. Dort sind alle Bäume mit ihren ökonomischen und ökologischen Werten, insbesondere ihren Mikrohabitaten, digital erfasst. Durch eine virtuelle Baumauswahl am Tablet-Computer kann der Experte verschiedene Bewirtschaftungsmaßnahmen testen und dabei sowohl den ökonomischen Erlös als auch die ökologischen Folgen ihrer Entscheidung einschätzen lernen. Dabei wird auch eine auf die Zukunft ausgerichtete Folgenabschätzung dieser Auswahlentscheidung ausgewertet. Unterstützt wird dies durch eine moderne Software für die Vor-Ort-Modellierung von Waldmanagement-Entscheidungen. Die entsprechende Applikation für diese Software kann hier heruntergeladen und je nach Betriebssystem Google Play (Android ) bzw. IoS (Apple) unterschiedliche Versionen gewählt werden.

Mittlerweile wurden 50 solcher Flächen in 10 europäischen Ländern eingerichtet (siehe Karte). Weitere Flächen werden in naher Zukunft in der Slowakei, Spanien. Polen, Rumänien und Serbien eingerichtet werden.

Landkarte Europa Karte mit Marteloskopen (Stand Ende 2018), Quelle: Europäisches Forstinstitut

Das Projekt dient zu Schulungs- aber auch Demonstrationszwecken. Im Ergebnis sollen Forstpraktiker noch stärker als bisher für ökologisch wertvolle Waldstrukturen sensibilisiert werden, um sie bei ihren künftigen Waldbewirtschaftungsentscheidungen besser berücksichtigen zu können. Naturschützer wiederum lernen, über die Minimierung der wirtschaftlichen Folgen ihrer Forderungen nachzudenken. Insgesamt werden damit effiziente und effektive Naturschutzmaßnahmen gefördert, die gleichzeitig größere Akzeptanzchancen bei den Waldbesitzern haben.

Einige Bundesländer führen regelmäßige Schulungen der Waldbautrainer mit ihren Förstern aber auch mit amtlichen Naturschützern durch. Berichte zu derartigen Übungen können auf der Webseite eingesehen werden. Das Europäische Forstinstitut unterstützt wissenschaftlich das europäische Netzwerk INTEGRATE.

Weitere Informationen können der Webseite sowie dem vor kurzem erschienen Schwerpunktheft der Allgemeinen Forstzeitung 2/2018 entnommen werden.

Stand:
09.01.19

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