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Lichtdurchfluteter Wald Der Wald in Deutschland wird nachhaltig genutzt, Quelle: Den, Fotolia.com

Nachhaltige Waldbewirtschaftung: Definitionen und Konzepte auf internationaler Ebene

Waldzerstörung muss nicht sein, denn es gibt Konzepte für eine zeitgemäße und schonende Waldnutzung. Aus dem Forstsektor, und hier vor allem aus Deutschland, stammt die Idee des nachhaltigen Wirtschaftens. Diese Wirtschaftsweise hat hierzulande über die Jahrhunderte das Überdauern eines vitalen Waldes mit vielfältigen Funktionen für die Gesellschaft gesichert.

Der weltweit fortschreitende Raubbau an den Wäldern hat mit einer ordnungsgemäßen Forstwirtschaft hingegen nichts zu tun. Zentrale Aufgabe der internationalen Waldpolitik ist es, Konzepte nachhaltiger Waldwirtschaft auf internationaler Ebene voranzubringen und ihnen zum Durchbruch zu verhelfen.

Die Vereinten Nationen definieren das Konzept nachhaltige Waldbewirtschaftung heute wie folgt:

"Die nachhaltige Waldbewirtschaftung als dynamisches und sich entwickelndes Konzept verfolgt das Ziel, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Werte aller Arten von Wäldern zum Wohle gegenwärtiger und künftiger Generationen zu erhalten und zu verbessern." (Waldübereinkunft der Vereinten Nationen, 2007)

Die Staaten Europas haben sich auf eine ähnliche Definition geeinigt, gehen aber noch weiter:

"Die Signatarstaaten stimmen darüber überein, dass nachhaltige Bewirtschaftung die Betreuung von Waldflächen und ihre Nutzung in einer Art und Weise bedeutet, die die biologische Vielfalt, die Produktivität, die Verjüngungsfähigkeit, die Vitalität und die Fähigkeit, gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, erhält und anderen Ökosystemen keinen Schaden zufügt." (Forest Europe, Resolution H1, 1993 (PDF, 27 KB, nicht barrierefrei))

Kriterien und Indikatoren nachhaltiger Waldbewirtschaftung

Diese Definitionen werden inhaltlich weiter ausgefüllt durch Listen so genannter Kriterien und Indikatoren für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Da die Waldtypen und die Bedingungen für ihr Wachstum sehr unterschiedlich sind, gibt es nicht nur eine sondern mehrere solcher Listen in den verschiedenen Regionen der Welt. So wurden im Rahmen des paneuropäischen Prozesses "Forest Europe" regional angepasste Kriterien und Indikatoren nachhaltiger Waldbewirtschaftung für Europa entwickelt. Diese Kriterien und Indikatoren werden seither ständig weiter verbessert.

Speziell für die Tropenwälder verabschiedete die Internationale Tropenholzorganisation (ITTO) 2015 freiwillige Leitlinien zur nachhaltigen Bewirtschaftung von tropischen Naturwäldern. Diese stellen das bisher umfassendste und anspruchsvollste Set von Kriterien und Indikatoren für die nachhaltige Waldbewirtschaftung dar. Es enthält im Gegensatz zu den übrigen Sets nicht nur Empfehlungen für die nationale Ebene (also nachhaltige Waldwirtschaft auf das ganze Staatsgebiet bezogen), sondern auch konkret für die forstliche Betriebsebene, das heißt für die in den Tropen vorherrschenden Nutzungskonzessionen auf Staatsland.

Langfristig und ergänzend zu den (spezifischeren) Regionallisten unterstützt Deutschland das Ziel, ein globales Indikatoren-Kernset für alle Typen von Wäldern zu entwickeln. Entsprechende internationale Abstimmungen hierzu laufen derzeit auf Expertenebene, angeführt durch die Food and Agriculture Organization (FAO) und gefördert durch das BMEL. Auf diese Weise soll es ermöglicht werden, die 2015 beschlossene Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, insbesondere das Entwicklungsziel der nachhaltigen Waldbewirtschaftung (Sustainable Development Goal 15.2), nachzuverfolgen. Die Arbeiten sollen spätestens 2018 abgeschlossen sein.

Ein Ziel: Erhalt der biologischen Vielfalt

Alle Kriterien-/Indikatoren-Listen weltweit enthalten meistens sechs oder sieben übergeordnete Kriterien. Dazu gehört auch die Zielausrichtung "Erhaltung der biologischen Vielfalt" mit entsprechend zugeordneten Indikatoren wie zum Beispiel "Anteil gefährdeter Waldarten" oder "Anteil von Naturverjüngung". Auch bei dem angestrebten globalen Indikatoren-Kernset sollen Indikatoren zu diesem wichtigen Kriterium enthalten sein.

Angesichts dieser Entwicklungen in der Forstwirtschaft wurde das Konzept der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD (PDF, 204 KB, nicht barrierefrei) bereits 2004 dem so genannten "Ökosystemansatz" des CBD gleichgestellt.

Der Beitrag freiwilliger Zertifizierung

Internationale Zertifizierungssysteme, wie beispielsweise der "Forest Stewardship Council" (FSC) und das "Programme for the Endorsement of Forest Certification" (PEFC), haben eigene Definitionen und Standards für nachhaltige Waldbewirtschaftung entwickelt. Die Systeme sind privatwirtschaftlich organisierte und werden von Unternehmen freiwillig genutzt. Sie bieten Verbraucherinnen und Verbrauchern eine produktbezogene Absicherung, dass das angebotene Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Diese privatwirtschaftlich organisierten Siegel werden daher derzeit öffentlich gefördert, so zum Beispiel durch die Beschaffungspolitik des Bundes für Holzprodukte oder durch Berücksichtigung bei den obligatorischen Sorgfaltspflichten für den Holzhandel zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags.

Stand:
18.04.17

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