Aus "Berichte über Landwirtschaft"
Heft 4, Dezember 2003

Physikalische Bodendegradierung in der Hildesheimer Börde und das Bundes-Bodenschutzgesetz

Matthias Gieska, Rienk R. van der Ploeg, Peter Schweigert, Hannover und Nicholas Pinter, Carbondale

Physikalische Degradierung landwirtschaftlich genutzter Böden ist ein schleichendes Phänomen, welches auch in Deutschland zunehmend erkannt wird. Es verursacht externe Schäden und Kosten, die auf mehrere hundert Millionen Euro jährlich geschätzt werden. Ob, und in welchem Maße, ackerbaulich genutzte Schwarzerden der Hildesheimer Börde von physikalischer Bodendegradierung betroffen sind, war bislang weitgehend unbekannt. Wir untersuchten deshalb an einer Reihe von Ackerstandorten in der Börde den Strukturzerfall der Krume sowie die Verdichtung unterhalb der Krumenbasis. Als Maß für den Strukturzerfall wählten wir die Aggregatstabilität und für die Bodenverdichtung den auf die Proctordichte bezogenen Verdichtungsgrad. Um die zeitliche Entwicklung der physikalischen Bodendegradierung in der Nachkriegszeit verfolgen zu können, wurden zum Vergleich Daten von denselben Standorten aus den sechziger Jahren ausgewertet. Es wurde festgestellt, dass bereits in den sechziger Jahren Ackerstandorte in der Hildesheimer Börde eine physikalische Degradierung verzeichneten. Diese Tendenz hat sich jedoch in den folgenden Jahrzehnten verstärkt. Die relative Aggregatstabilität der Krume beträgt derzeitig nur noch etwa 10 Prozent, und die Bodendichte unterhalb der Krumenbasis weist Werte um 95 Prozent der Proctordichte auf. Zum Schutz des Bodens und der Umwelt wären Maßnahmen gegen eine weitere Degradierung und zur Wiederherstellung verlorener Funktionsfähigkeit der Bördeböden angebracht. Die relative Aggregatstabilität qGMD scheint dabei ein geeigneter Indikator zur Umsetzung des Bundes-Bodenschutzgesetzes zu sein. Eine reduzierte Bodenbearbeitung und eine Einschränkung der Größe und Leistungsstärke von Landmaschinen erscheinen sinnvoll. Sie könnten einhergehen mit einer Einschränkung in der Schlaggröße und -länge. Wir zeigen allerdings, dass derartige Einschränkungen bei der Bewirtschaftung der Landwirtschaftsfläche mit betrieblichen Einbußen einhergehen könnten. Da solche Einschränkungen jedoch volkswirtschaftlich vorteilhaft wären, könnten sie durch ein Umlenken von Fördermitteln ausgeglichen werden.

Möglichkeiten der Verwendung alternativer Verfahren zur Verwertung von Grünlandmähgut: Verbrennen, Vergären, Kompostieren

Martin Elsäßer, Aulendorf

Mit abnehmender Zahl an Raufutterfressern in der Landwirtschaft und gestiegenen Anforderungen der Milchkühe an die Futterqualität ist Mähgut aus der Landschaftspflege immer weniger über das Tier verwertbar. Extensive Weidehaltung wäre eine Möglichkeit zur Verwertung des Materials, wobei dann großflächige Strukturen für die Weidehaltung geschaffen werden müssen. Das erweist sich in dicht besiedel­ten Landschaftsräumen nicht immer als einfach. Weitere Alternativen zur Verwendung des Mähgutes aus der Landschaftspflege sind generell vorhanden, aber sie sind teilweise noch nicht hinreichend gut entwi­ckelt und ihr Einsatz hängt von einigen standörtlichen Bedingungen ab, die im Einzelnen nicht so leicht zu lösen sind. In getrocknetem Zustand könnte Halmgut als Pellets oder in Ballen gepresst verbrannt werden. Ebenso sind Flächenkompostierung, Mulchen oder die Nutzung des Materials zur Kofermentation in Biogasanlagen denkbar. Sogar Multikomponentennutzungen in Graskraftraffinerien (Faser, Biogas, Proteinsynthese) werden durchgeführt. Allerdings ist die Umsetzung im großtechnischen Maßstab nicht einfach, denn für jede Nutzungsalternative werden unterschiedliche Voraussetzungen an den Ausgangszustand des Materials gestellt. Im vorliegenden Beitrag werden die unterschiedlichen Anforderungen erläutert und die Möglichkeiten der großtechnischen Verbrennung von Landschaftspflegeheu an einem konkreten Versuch im Europareservat "Federseeried" untersucht.

Analyse der Investitionskosten und des Arbeitszeitbedarfs landwirtschaftlicher Biogasanlagen in Österreich

Christoph Walla und Walter Schneeberger, Wien

Die Biogastechnologie kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern und zum Klimaschutz liefern. Verbesserungen der Anlagentechnik, Förderungen und klare gesetzliche Regelungen motivierten Landwirte in Biogasanlagen zu investieren. Die vorgestellte Studie beschäftigt sich mit den Investitionskosten und dem Arbeitszeitbedarf bestehender Biogasanlagen. Diese wurden in einer schriftlichen Befragung und bei den Förderungsstellen erhoben. Mit Hilfe der Regressionsanalyse wurde eine Regressionsgleichung für die Investitionskosten für Anlagen zwischen 10 und 330 kWel ermittelt. Die Investitionskosten steigen nach der geschätzten Formel proportional zur Leistung, die Kosten je Einheit unterliegen einer Degression. Der Prozentanteil der Kostenblöcke Gebäude und Gasverwertung nimmt mit zunehmender Anlagengröße zu, während sich der Anteil der Technik und Installationen an den Investitionskosten verringert. Der erhobene Arbeitszeitbedarf wird vor allem von den verwendeten Substraten beeinflusst.

Effiziente Konfliktlösung im Gemeinschaftsmarketing

Klaus Hoff, Bingen

Die Aktivitäten des Gemeinschaftsmarketing der Landwirtschaft führen regelmäßig zu Konflikten mit den nachgelagerten Produktions- und Vermarktungsstufen. Das Konfliktverhalten variiert: mitunter fordert die Vermarktung ein höheres Budget von Seiten der Landwirtschaft; in anderen Fällen verlangt die Vermarktung von der Landwirtschaft eine deutliche Reduktion des Budgets oder sogar die Einstellung von Maßnahmen. Ursache für das wechselhafte Konfliktverhalten sind Anpassungskosten der Vermarktung auf das Gemeinschaftsmarketing der Landwirtschaft.

Die Aushandlung einer notwendigen Kompromisslösung zwischen Landwirtschaft und Vermarktung entspricht dem Verhandlungsproblem eines bilateralen Monopols. Es wird gezeigt, dass ein gesamtwirtschaftlich effizienter Kompromiss ein niedrigeres Budget erfordert, als nach dem Kriterium von Nerlove, Waugh (26). Das gesamtwirtschaftlich optimale Budget kann nur realisiert werden, wenn die dominierte Marktseite den Entscheidungen der dominierenden Marktseite zustimmen muss, und wenn indirekte Kompensationen fließen können. Indirekte Kompensation ist in einer vertikalen, produktbezogenen Organisation des Gemeinschaftsmarketing einfacher, als in einer horizontalen, Instrumente bezogenen Organisation. Für das deutsche Gemeinschaftsmarketing wird unter Berücksichtigung der existierenden, horizontal organisierten Trägerinstitutionen des Gemeinschaftsmarketing und der zu erwartenden, weiteren Integration zwischen Landwirtschaft und Vermarktung eine Matrixorganisation zur Diskussion gestellt.

Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln: Herausforderungen und Lösungsansätze aus organisatorischer Sicht

Ludwig Theuvsen, Göttingen

Als wichtiger Beitrag zur Gewährleistung der Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln wird gegenwärtig die Verbesserung ihrer Rückverfolgbarkeit betrachtet. Der Artikel analysiert die Bedeutung der Arbeitsteilung in den Wertschöpfungsketten des Agribusiness für die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln. Es gelingt, Rückverfolgbarkeit aus organisatorischer Sicht auf ein Koordinations- und ein Motivationsproblem zurückzuführen. Aus Koordinationssicht determinieren die aus der zwischen- und innerbetrieblichen Arbeitsteilung resultierenden Prozessinterdependenzen, genauer: ihre Zahl und ihre jeweiligen Koordinationsanforderungen, die Schwierigkeiten der Sicherstellung von Rückverfolgbarkeit. Das Motivationsproblem wird erschlossen durch die Interpretation der "food chains" als mehrstufige, reziproke Prinzipal-Agenten-Beziehungen mit den damit verbundenen, auch für die Rückverfolgbarkeit relevanten Agency-Problemen (verborgene Eigenschaften, verborgene Handlungen, verborgene Absichten). Es werden beispielhaft Koordinations- und Motivationsmaßnahmen zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit vorgestellt.

Das Innovationssystem der Lebensmittelindustrie in Deutschland

Klaus Menrad, Karlsruhe

Dieser Beitrag untersucht das Innovationssystem der Lebensmittelindustrie in Deutschland. Aufgrund ihres komplexen Charakters werden Innovationsaktivitäten auf der Ebene der Volkswirtschaft oft mit Hilfe von Systemansätzen untersucht. Zu diesem Zweck wurden insbesondere der Ansatz der "Nationalen Innovationssysteme", regionale und sektorale Ansätze sowie das Konzept "Technologischer Systeme" vorgeschlagen. Alle Ansätze betonen das Lernen von Akteuren und die Interaktionen zwischen ihnen als zentrale Komponenten von Innovationssystemen. In Deutschland werden Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten mit Relevanz für die Lebensmittelindustrie von zahlreichen privaten und öffentlichen Forschungsorganisationen durchgeführt. Die Finanzierung dieser Aktivitäten verteilt sich ebenfalls auf viele Quellen, wobei die Forschungs- und Entwicklungs-Intensität der Lebensmittelindustrie regelmäßig eine der niedrigsten im gesamten verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist. Produktinnovationen sind für Unternehmen der lebensmittelverarbeitenden Industrie wichtiger als Prozessinnovationen, oftmals sind beide auch kombiniert. Je nach Definition von "Innovationen" differieren die Zahlen der jährlich neu eingeführten Produkte der Lebensmittelindustrie um eine Zehnerpotenz, wobei ein größerer Teil der Produkte in den ersten Jahren nach der Markteinführung scheitert. Bei Produktinnovationen kooperieren Unternehmen der Lebensmittelindustrie oftmals mit Zulieferbetrieben, aber relativ selten mit Forschungseinrichtungen, Marktforschungsinstituten oder Nutzern/Verbrauchern ihrer Produkte. In zunehmendem Maße gewinnen grenzüberschreitende rechtliche Regelungen Relevanz für die deutsche Lebensmittelindustrie. Auf der Nachfrageseite sind nur geringe nominale Wachstumsraten für Lebensmittel zu verzeichnen, doch gibt es auch Segmente mit positiven Wachstumsaussichten. Die Situation im Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland ist geprägt durch einen aggressiven Preiswettbewerb, eine moderate Flächenexpansion, verstärkte Konzentrationstendenzen und eine zunehmende Europäisierung der Unternehmen. Abschließend werden Implikationen und Schlussfolgerungen für die zukünftige Ausgestaltung des Innovationssystems und das Verhalten der Akteure abgeleitet.

Der Transformationsprozess und die EU-Betrittsanpassungen in der slowenischen Landwirtschaft

Miroslav Rednak, Tina Volk und Emil Erjavec, Ljubljana

Der Aufsatz beschreibt die Veränderungen in der Landwirtschaft sowie in der Agrarpolitik Sloweniens im Zeitabschnitt 1993 bis 2001 vom Gesichtspunkt des angekündigten Beitritts Slowenien zur Europäischen Union. Die slowenische Landwirtschaft ringt mit ungünstigen Natur- und Strukturverhältnissen, was den Status Sloweniens als eines Nettoimporteurs und seine verhältnismäßig protektionistisch orientierte Agrarpolitik erläutern kann. Die slowenische Agrarpolitik hat eine umfangreiche Transformation erlebt. Die Ziele und Mechanismen der Gemeinamen Agrarpolitik (GAP), dabei auch die Direktzahlungen, wurden stufenweise übernommen. Unter den Kandidatenstaaten aus dem Mittel- und Osteuropa, die sich um die EU-Mitgliedschaft bewerben, ist Slowenien der einzige Staat, der einen Unterstützungsgrad in der Landwirtschaft nachweist, der sich mit dem Niveau der Unterstützungen in der EU vergleichen lässt. In den Beitrittsverhandlungen hat es ein mit den jetzigen Mitgliedern vergleichbares Niveau der Direktzahlungen erreicht, die in der ersten Periode hauptsächlich aus Nationalmitteln geleistet wurden. Die, in den Beitrittsverhandlungen erreichten, umfangreichen Mitteln für die Entwicklung des ländlichen Raumes ermöglichen dem Staat eine Umstellung auf die neuen Inhalte der GAP, wie auch eine besser gezielte und transparentere Politik. Unter Berücksichtigung der Verhandlungsresultate werden keine beträchtlichen Veränderungen der Lage der Landwirtschaft auf ihrer Gesamtebene erwartet, besonders nicht dann, wenn alle notwendigen Schritte zum Ausbau eines wirkungsvollen Systems für die Übernahme der GAP gemacht werden. Der Beitritt allein wird aber das Problem der verhältnismäßig schwachen Konkurrenzunfähigkeit der slowenischen Landwirtschaft nicht lösen; in Zukunft steht sie auf jedem Fall vor umfassenden Strukturänderungen und Anpassungen.

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