Aus "Berichte über Landwirtschaft"
Heft 1, Mai 2007, Band 85

Landwirtschaft ohne Ausgleichszahlungen? Mögliche Folgen für Einzelbetriebe und Regionen

Von Peter Wagner, Jürgen Heinrich und Klaus Hank, Halle

Wie die genaue Ausgestaltung der zukünftigen Agrarpolitik ausfallen wird, ist nicht prognostizierbar, es besteht allerdings berechtigter Grund zur Annahme, dass sie sich zunehmend aus den Ausgleichszahlungen zurückziehen wird.

Um aufzuzeigen, welche Auswirkungen ein solcher Paradigmenwechsel für ausgewählte Betriebsformen in Sachsen-Anhalt und Bayern haben würden, wurden für vergleichbare erfolgreiche Betriebe die Abweichungen zwischen den Betriebsergebnissen mit und ohne unternehmensbezogene Zulagen/Zuschüsse ermittelt und ausgewiesen. Wie nicht anders zu erwarten war, entwickelte sich der um die Zulagen/Zuschüsse bereinigte ordentliche Gewinn negativ. Die Unterschiede zwischen den Betrieben Sachsen-Anhalts und Bayerns zeigten allerdings deutlich, dass die Betriebsgröße allein keine Garantie für zukünftiges Überleben gewährleistet. Unter den veränderten Rahmenbedingungen bekommt – ohne Einbeziehung sonstiger Anpassungsmaßnahmen – die Eigentumsstruktur der Betriebe eine überragende Bedeutung für deren Stabilität. Die betrachteten Betriebe in Bayern hätten kurz- und mittelfristig auch ohne die Zahlung von Zulagen und Zuschüssen weniger ernsthafte Existenzprobleme als ihre Vergleichspartner in Sachsen-Anhalt.

Um "flächendeckende" Aussagen zu ermöglichen, wurden anhand eines Modells auf Basis von Standarddeckungsbeiträgen für ganz Deutschland Aspekte einer "Landwirtschaft ohne Ausgleichszahlungen" berechnet. Als regionale Basis lagen den Kalkulationen weitestgehend Daten auf Kreisebene zu Grunde. Obwohl auch in Zukunft die Maxime in der Landwirtschaft "wachsen oder weichen" lauten wird und unwirtschaftliche Kulturen durch andere ersetzt werden, bleiben diese Anpassungsreaktionen landwirtschaftlicher Unternehmen aus Übersichtsgründen im Modell unberücksichtigt. Es soll lediglich aufgezeigt werden, welche Veränderungen ohne Zulagen oder Zuschüsse in den verschiedenen Regionen tendenziell zu erwarten wären, wenn die bisherigen Strukturen auch in Zukunft Bestand haben würden. Für die Werte "Standarddeckungsbeiträge pro Hektar", "Standardbetriebseinkommen", "Gewinn" und "Kalkulatorischer Gewinn" zeigt eine Reihe von Abbildungen jeweils die Situation im Gegensatz, das heißt mit und ohne die gezahlten Zulagen und Zuschüsse.

Aus den Untersuchungen wird deutlich, dass Regionen und landwirtschaftliche Betriebsformen unterschiedlich stark betroffen wären, käme es zum Wegfall oder steigendem Abbau der derzeitigen Zahlungen und Zuschüsse. Ein einfaches "weiter wie bisher" wird demnach in vielen Regionen nicht sinnvoll oder gar möglich sein, deshalb wird abschließend die Frage diskutiert, wie Anpassungsreaktionen aussehen könnten.

Wie wirken die allgemeinen Direktzahlungen in der Schweizer Landwirtschaft?

Von Gabriele Mack und Stefan Mann, Tänikon

Mittels des Optimierungsmodells SILAS-dyn wird ex-post ermittelt, wie sich die allgemeinen Direktzahlungen für die Schweizer Landwirtschaft auf die agrarpolitischen Ziele wie Einkommenssicherung, flächendeckende Bewirtschaftung und Ressourcenschutz ausgewirkt haben. Im Ergebnis sind deutliche Unterschiede zwischen den pro Tier und den pro Fläche ausgezahlten Beiträgen festzustellen. Die pro Tier ausbezahlten Beiträge tragen in erster Linie zur vermehrten Produktion im Vergleich zu einer Situation ohne Stützung bei, während die Flächenbeiträge vor allem eine einkommenssichernde Wirkung haben.

Einstellung und Erhaltung eines standorttypischen optimalen pH-Wertes im Boden – Grundvoraussetzung für eine effektive und umweltverträgliche Pflanzenproduktion

Von Manfred Kerschberger und Gerhard Marks, Jena

Der Kalkgehalt des Bodens beeinflusst alle für das Pflanzenwachstum wesentlichen Faktoren und bestimmt insofern erstrangig den Bodenfruchtbarkeitszustand. Als Abgleich hierzu hat sich die Erfassung des pH-Wertes im Boden und seine Zugrundelegung für die Ermittlung des Kalkdüngebedarfs der Böden und Pflanzen bewährt. In diesem Sinn wird auch staatlicherseits auf die Kontrolle des Kalkversorgungszustands (im Rahmen der Düngeverordnung, DüV) besonderer Wert gelegt.

Anhand von Ergebnissen zahlreicher Dauerfeldversuche zur Kalkdüngung wird dargestellt, welche Bedeutung der Kalkversorgung des Bodens für eine erfolgreiche und nachhaltige Pflanzenproduktion zukommt.

Die Untersuchungen beziehen sich auf: den Kalkhaushalt von Ackerböden, Ursachen der Bodenversauerung im Pflanzenbau, Ertragsreaktionen pflanzenbaulicher Kulturen und Feldgemüse in Abhängigkeit vom pH-Wert des Bodens sowie auf Aspekte der Ertragssicherheit. Aus dem besonderen Stellenwert der Kalkversorgung des Bodens hinsichtlich seines Einflusses auf die Bodenfruchtbarkeit lässt sich herleiten, dass in der Bodenschutzgesetzgebung die Liste der besonders beachtenswerten Bodenfruchtbarkeitsparameter um den Faktor "Kalkzustand des Bodens" oder "Bodenreaktion" ergänzt werden sollte.


Öko-Audit nach EMAS in landwirtschaftlichen Betrieben

Von Karin Eckstein und Helmut Hoffmann, Freising-Weihenstephan

Seit 2001 besteht für landwirtschaftliche Unternehmen die Möglichkeit, an dem EU-weit eingeführten Umweltmanagementsystem EMAS teilzunehmen. Ziel von EMAS ist es, eine kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung des Betriebes zu erreichen sowie die Einhaltung von geltenden Rechtsvorschriften sicher zu stellen. In einem Pilotprojekt ist das System in bayerischen Familienbetrieben erprobt worden. Die Vorteile, die sich durch EMAS ergeben, liegen vor allem in einer höheren Rechtssicherheit und im Imagegewinn und weniger in verbesserten Vermarktungschancen. Durch die transparentere Organisationsstruktur können teilweise auch Kosten im Betrieb gesenkt werden. Allerdings ist die Einführung des Systems durch die umfangreichen Dokumentationspflichten mit einem für Familienbetriebe unverhältnismäßig hohen Aufwand verbunden. Umweltverbesserungen stellen sich vor allem dann ein, wenn eine detaillierte Analyse der erhobenen Daten erfolgt und die Ergebnisse im Betrieb umgesetzt werden.

Wertveränderung landwirtschaftlicher Grundstücke durch Wasserschutzgebietsausweisung in Bayern

Von Martina Huber, Helmut Hoffmann, Helmut Hausladen und Andreas Jandl,Freising-Weihenstephan

Der vorliegende Beitrag untersucht die Wertveränderung landwirtschaftlicher Grundstücke bei der Ausweisung von Wasserschutzgebieten. Es werden zunächst einige theoretische Grundlagen zum Themenbereich dargestellt. Für die quantitative Analyse von Kaufpreissammlungen wird ein spezieller Untersuchungsansatz entwickelt und anhand einzelner Fallstudien getestet. Die Untersuchung liefert einen ersten Einblick in die realen Kaufpreisverhältnisse in drei bayerischen Landkreisen.

Die Ergebnisse der Kaufpreisanalyse zeigen Flächenumsätze in den Wasserschutzgebieten der drei Untersuchungslandkreise und widerlegen damit zumindest in den untersuchten Landkreisen eine generelle Unverkäuflichkeit von landwirtschaftlichen Grundstücken in Wasserschutzgebieten.

Je geringer der Anteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche des Kreises ist, der in Wasserschutzgebieten liegt, desto niedriger ist der von natürlichen Personen erworbene Flächenanteil in den Wasserschutzgebieten.

Innerhalb von Wasserschutzgebieten kaufen natürliche Personen Ackerflächen zu Preisen, welche unter dem ortsüblichen Niveau liegen. Wasserversorger und die öffentliche Hand hingegen erwerben diese Flächen im Allgemeinen zu ortsüblichen Preisen. Bei der Auswertung von Grünlandflächen innerhalb und außerhalb von Wasserschutzgebieten zeigt die Kaufpreisanalyse der drei Landkreise ein uneinheitliches Bild hinsichtlich der Wertveränderung.

Die Expertenbefragung ergab, dass bei der Verkehrswertermittlung von Flächen in Wasserschutzgebieten vielfach ein Abschlag vorgenommen wird. Wesentliche Einflussfaktoren auf eine Verkehrswertminderung sind unter anderem der Umfang der Nutzungsbeschränkungen, die Nutzungsart des Grundstücks, die Situation auf dem regionalen Grundstücksmarkt oder die Größe des Wasserschutzgebietes. Ausgleichszahlungen können eine Verkehrswertminderung begrenzen, aber nicht verhindern.

"Lebensraum Dorf" – Methoden, Inhalte und Ergebnisse der Dorferneuerung

Von Joachim Grube, Nienburg/Weser

Aus dem historischen Standort Dorf ist nun endgültig die ländliche Siedlung geworden. Der Wechsel von einer ehemals sesshaften Produktions- zu einer nomadisierenden Konsumgesellschaft brachte auch den alten und neuen Dorfbewohnern eine Freiheitserfahrung, die natürlich nicht ohne Folgen für die Dörfer selbst bleiben konnte.

Aber auch 20 Jahre Dorferneuerung haben in den ländlichen Regionen Spuren hinterlassen – sowohl im baulichen Umfeld des Dorfes als auch im Bewusstsein seiner Alt- und Neubewohner. Von den geschätzten 4200 dörflichen Siedlungen in Niedersachsen sind bereits 1900, also annähernd die Hälfte erneuert worden, zumindest in den Genuss einer ganzheitlichen Planung und Betreuung gekommen. Sichtbar wurde der hohe Komplexitätsgrad dörflicher Lebenswirklichkeiten, die in den vergangenen 20 Jahren Dorferneuerungsförderung verstärkt dem Einfluss unterschiedlichster Rahmenbedingungen ausgesetzt waren.

Obwohl sich utopische Zukunftsentwürfe für die ländlichen Regionen und insbesondere für die Dörfer bei der labilen gesellschaftspolitischen Situation verbieten, soll doch der Versuch einer Darstellung dörflicher Entwicklungsphasen von 1985 bis 2010 gemacht werden.

Dabei geht es im Wesentlichen um eine prinzipielle Klärung der zukünftigen Standorte landwirtschaftlicher Betriebe in West- und Ostdeutschland, woraus sich wiederum Konsequenzen für die Aspekte Wohnen, Verkehr, Kultur- und Freizeitangebot ergeben. Letztlich dürfte es bei den kleinteiligen Raum- und Funktionsvorgaben der Dorfkerne als eigentlichem Lebensraum der Bewohner und den andersartigen Produktionsbedingungen einer mehr oder weniger industrialisierten Großlandwirtschaft keine Alternative zu weilerartigen Neuausweisungen von Betriebszweigen in die Flur geben.

Ausgenommen von einer außerdörflichen Standortvorgabe sind in diesem Modell lediglich die Betriebe, die nach biologisch-ökologischen Prinzipien produzieren und zugleich ihre Produkte hofnah vermarkten. In den neuen Bundesländern unter anderem in Sachsen-Anhalt sind die Standorte der ehemaligen Anlagen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), die sich auch nach 15 Jahren als zukünftige Produktionsstandorte mehr oder weniger im Windschatten verfestigt haben, als Siedlungsansatz für weilerartige Entwicklung von Produktions- und Landtechnikgebäuden durchaus ausbaubar.

In den neuen Bundesländern bieten dagegen lediglich bereits ausgesiedelte Hofanlagen oder Betriebszweigaussiedlungen Ansätze für die Schaffung neuer Weiler im Außenbereich, wobei die Wohnstandorte der Landwirte weiterhin im Ortskern verbleiben sollten.

Methodische Optimalfall-Analyse technischer Probleme am Beispiel der Methanol- und Wasserabscheidung vom Biodiesel

Von Ratan Kumar Ghosh und Hartmut Gaese, Köln, Hans-Peter Löhrlein und Rüdiger Krause, Kassel

Die Veröffentlichung behandelt methodische Probleme des Verfahrens zur optimalen Prozesslösung eines Systems, bei dem sowohl Methanol als auch Wasser von Biodiesel getrennt werden sollen. Anhand einer zweidimensionalen morphologischen Matrix werden von der Optimal- bis zur Alternativlösung unterschiedliche Methoden vorgestellt, jeweils unter Berücksichtigung des Kostenpunktes, der Leistungsqualität, der Instandhaltung, der Zuverlässigkeit, der Nachhaltigkeit und der Betriebskosten im Hinblick auf Bedeutung und Akzeptanz einer jeden Methode. Um die Problembehandlung noch besser zu veranschaulichen wird des Weiteren auch auf einige Aspekte zum Thema Biodiesel eingegangen.

Schlüsselwörter: Biodiesel, Verunreinigungen, Methanol, Wasser, Abscheidung, Auswahl

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