Das Produktmonitoring zur Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie

Regelmäßige Erhebungen begleiten die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten

Ein engmaschiges Produktmonitoring überprüft den Fortschritt der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten (NRI) während ihrer Umsetzung. Es gliedert sich in mehrere Einzelerhebungen und wird vom Max Rubner-Institut (MRI) durchgeführt. Die Ergebnisse geben Auskunft über die Entwicklung der Zusammensetzung von am Markt erhältlichen verarbeiteten Lebensmitteln im festgelegten Zeitverlauf und zeigen, ob Bedarf zur Nachsteuerung oder weiterer Handlungsbedarf besteht.

Mit Beginn des Jahres 2019 startete die Umsetzung der NRI. Ein umfassendes Produktmonitoring ist ein wesentlicher Bestandteil, um die Fortschritte der Strategie zu dokumentieren. Die Durchführung obliegt dem MRI und gliedert sich in mehrere, regelmäßig stattfindende Einzelerhebungen. Das Produktmonitoring ermittelt mögliche Veränderungen im Zeitverlauf der Zucker-, Fett-, Salz- und Energiegehalte von ausgewählten Fertigprodukten. Dieser engmaschige Ansatz bietet frühzeitig die Möglichkeit, weiteren Handlungsbedarf zu identifizieren und ggf. nachzusteuern.

Das Begleitgremium, das den Prozess der Umsetzung der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie flankiert, bewertet die Ergebnisse des Produktmonitorings und sorgt somit dafür, dass der Fokus der Strategie nicht verlorengeht.

2016 / 2018: Erhebung der Basisdaten von etwa 12.500 Fertigprodukten und 1.750 Erfrischungsgetränken

Um ein umfassendes Bild der Ausgangslage für das Produktmonitoring zu schaffen, untersuchte das MRI bereits 2016 etwa 12.500 im deutschen Lebensmitteleinzelhandel häufig gekaufte Fertigprodukte. Es erfasste von diesen Produkten die Angaben der „Big Seven“ (Gehalte an Energie, Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz). Die Lebensmittel wurden dabei in 18 Produktgruppen (z. B. Joghurtzubereitungen) und 167 Untergruppen (z. B. Fruchtjoghurt) unterteilt.

Im Jahr 2018 ergänzte das MRI die bereits erfasste Datenbasis durch eine Erhebung der Zuckergehalte von 1.750 Erfrischungsgetränken.

Erste Folgeerhebung für Produktgruppen mit konkreten Zielvereinbarungen

Zwischen September und Dezember 2019 erfolgte die erste Folgeerhebung, bei der diejenigen Produktgruppen im Vordergrund standen, für die derzeit konkrete Zielvereinbarungen der Lebensmittelwirtschaft vorliegen:

  • Milchprodukte (1.150 Joghurtzubereitungen, 247 gesüßte Quarkzubereitungen, 389 trinkbare Milchmischerzeugnisse),
  • 1.801 Erfrischungsgetränke,
  • 892 Frühstückscerealien und
  • 394 Tiefkühlpizzen.
  • Über alle untersuchten Produktgruppen hinweg wurden 267 Produkte mit Kinderoptik erfasst.

Die Ergebnisse der ersten Folgeerhebung hat das MRI am 1. April 2020 veröffentlicht. Sie dokumentieren, wie sich die Energie- und Nährstoffgehalte der genannten Lebensmittel zwischen 2016 (bzw. 2018) und 2019 verändert haben. Erstmalig lässt sich so die Wirksamkeit der Strategie objektiv und wissenschaftlich abgesichert bewerten.

Es zeichnet sich ab, dass die Strategie bereits Wirkung entfaltet, denn in allen betrachteten Produktgruppen sind reduzierte Energie- oder Zuckergehalte ersichtlich. Die größten Reduktionen wurden bei Produkten mit Kinderoptik festgestellt – besonders deutlich sanken die Zucker- und Energiegehalte bei Kinderjoghurts und Erfrischungsgetränken für Kinder. In mehreren Fällen mögen es Verbraucherinnen und Verbraucher lieber süßer und weniger salzig: sie entscheiden sich häufig für Teekaltgetränke und Frühstückscerealien mit höherem Zuckergehalt, während sie bei Tiefkühl-Pizzen tendenziell etwas niedrigere Salzgehalte bevorzugen.

Die Ergebnisse im Detail:

Milchprodukte

Im Vergleich zur Basiserhebung 2016

  • enthalten Joghurtzubereitungen mit Kinderoptik deutlich weniger Zucker (- 20,1 Prozent). Auch der Energiegehalt sank um rund 22 Prozent.
  • liegen die Zuckergehalte vieler Joghurts mit Kinderoptik unter denen der Produktkategorien, die nicht an Kinder gerichtet sind.
  • sank der Zuckergehalt in Quarkzubereitungen für Kinder um knapp 18 Prozent, während der Energiegehalt um rund 9 Prozent reduziert wurde.
  • ergibt sich für die gesüßten Milchprodukte mit Kinderoptik (dazu zählen Joghurtzubereitungen mit Kinderoptik und gesüßte Quarkzubereitungen mit Kinderoptik) eine durchschnittliche Zuckerreduktion von 13 Prozent. Dabei greifen die Haushalte stärker zu zuckerärmeren Produkten.

Die Milchindustrie ist damit auf einem guten Weg, ihr angestrebtes Reduktionsziel zu erreichen – bis 2025 den Gesamtzuckergehalt in gesüßten Milchprodukten für Kinder um 15 Prozent zu verringern.

Erfrischungsgetränke

Im Vergleich zur Erhebung aus dem Jahr 2018

  • sank der Zuckergehalt von Erfrischungsgetränken insgesamt um 3,2 Prozent.
  • weisen reguläre Erfrischungsgetränke für Kinder im Durchschnitt rund 35 Prozent weniger Zucker auf, wobei ein Viertel dieser Getränke auch Süßstoffe als Zutat enthalten.
  • wurde der Zuckergehalt von Limonaden und Cola-Getränken um durchschnittlich etwa zwei Prozent reduziert.
  • reduzierte sich bei zuckergesüßten Teekaltgetränken („Eistees“) zwar der durchschnittliche Zuckergehalt um knapp 13 Prozent, jedoch landen häufiger die zuckerreicheren Produkte im Einkaufskorb der Verbraucherinnen und Verbraucher.
  • enthalten fruchthaltige Getränke mit Zuckerzusatz knapp 10 Prozent weniger Zucker.

Innerhalb eines Jahres haben sich die Zuckergehalte von Erfrischungsgetränken und fruchthaltigen Getränken mit Zuckerzusatz bereits in die richtige Richtung entwickelt. Bis 2025 soll eine Kalorienreduktion (entspricht Zuckerreduktion) von 15 Prozent stattgefunden haben.

Frühstückscerealien

Zwischen 2016 und 2019

  • sanken die Zuckergehalte der gesamten Produktgruppe der Frühstückscerealien (mit und ohne Kinderoptik) um rund 9 Prozent.
  • verringerte sich der Zuckergehalt von Frühstückscerealien mit Kinderoptik um fast 15 Prozent.
  • trat bei den meisten Frühstückscerealien keine signifikante Energiereduktion auf.

Damit ist bereits ein wichtiger Schritt zum Erreichen des Ziels, die Zuckergehalte von Frühstückscerealien für Kinder um durchschnittlich mindestens 20 Prozent zu reduzieren, getan. Allerdings zeigt sich: Während Müslis mit Kinderoptik weniger Zucker als fast alle anderen Müslis enthalten, die nicht für Kinder beworben werden, weisen Cornflakes mit Kinderoptik höhere Zuckergehalte als Cornflakes ohne Kinderoptik auf. Außerdem ist festzustellen: Verbraucherinnen und Verbraucher bevorzugen oft Produkte mit höheren Zuckergehalten gegenüber zuckerärmeren Varianten.

Tiefkühlpizzen

Die Ergebnisse zeigen, dass

  • seit 2016 über die gesamte Produktgruppe der Tiefkühlpizzen hinweg keine signifikanten Änderungen im Salz- und Energiegehalt aufgetreten sind, die Salzgehalte in den meisten Fällen allerdings tendenziell abgenommen haben.
  • der mediane Salzgehalt 1,2 g / 100 g beträgt und damit bereits unterhalb der eigenen Zielvorgabe der Tiefkühlwirtschaft von 1,25 g / 100 g liegt.
  • Salami-Pizzen oft mehr Salz als beispielsweise Gemüse-Pizzen enthalten – dies ist in der Regel auf ihre besonders salzige Kernzutat zurückzuführen.
  • Pizzen derselben Sorte oft stark unterschiedliche Salzgehalte aufweisen ‒ zum Teil variieren sie um über 200 Prozent. Das zeigt: Bei vielen Produkten besteht noch Reduktionspotenzial.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher tendenziell eher zu salzärmeren Pizzen greifen.

 

Die Ergebnisse der ersten Folgeerhebung fließen in den Zwischenbericht zur Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie ein, den das BMEL Ende 2020 veröffentlichen wird.

Erhebung von Ernährungs- und Gesundheitsdaten über weitere Monitorings

Neben dem umfangreichen Produktmonitoring des MRI begleiten auch Untersuchungen aus dem Bereich Ernährung und Gesundheit die Umsetzung der Strategie.

Dabei liefern Ernährungserhebungen unter anderem Daten zur Energieaufnahme sowie zur Zucker-, Fett- und Salzzufuhr in der Bevölkerung. Gesundheitserhebungen können zudem Hinweise auf Veränderungen des Gesundheitsstatus der Bevölkerung geben. Deutschland verfügt sowohl im Bereich des Ernährungs- als auch im Bereich des Gesundheitsmonitorings über langjährige Expertise.

Bisher wurden Daten aus den Bereichen Ernährung und Gesundheit meist getrennt erhoben.

Im Rahmen der bundesweiten repräsentativen Gesundheits- und Ernährungsstudie der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland (gern-Studie) werden das MRI und das Robert Koch-Institut (RKI) diese Daten erstmalig innerhalb einer gemeinsamen Untersuchung erfassen. Die gern-Studie soll die Datenerhebungen fortsetzen, die im Rahmen der Nationalen Verzehrsstudien (NVS I und II), des Nationalen Ernährungsmonitorings (NEMONIT) und des Gesundheitsmonitorings (DEGS/GEDA) stattfanden. Aufgrund der Ausbreitung von COVID-19 verschiebt sich ihr ursprünglich für Frühjahr 2020 geplanter Start.

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