Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie: Weniger Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten

Fertigprodukte liegen im Trend und sind Teil eines modernen Lebensstils geworden. Sie enthalten allerdings nicht selten relativ viel Zucker, Fette und Salz. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) möchte Verbraucherinnen und Verbraucher dabei unterstützen, sich gesundheitsförderlich zu ernähren und dafür sorgen, dass verarbeitete Lebensmittel gesünder werden.

Sie sollen weniger Energie, Zucker, Fette und Salz, aber dennoch ausreichend Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe enthalten.

Die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz hat daher einen klaren Fokus auf Fertigprodukte - insbesondere auch solche, die sich durch die Art ihrer Aufmachung an Kinder und Jugendliche richten.

Wir wollen die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas senken. Ein zentraler Baustein dafür ist unsere Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner

Ernährungsmedizinische Relevanz

Nicht nur weltweit, sondern auch in Deutschland treten so genannte nichtübertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 immer häufiger auf.

Dies wirkt sich nicht nur auf die Lebensqualität der Betroffenen, sondern auch auf die Sozial- und Gesundheitskosten aus. Insbesondere Bewegungsmangel und einseitige, kalorienreiche Ernährung können das Risiko für Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) erhöhen und wiederum die Entstehung von nichtübertragbaren Krankheiten begünstigen.

Derzeit sind in Deutschland 47 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer übergewichtig. Fast ein Fünftel der Erwachsenen ist sogar adipös, also krankhaft übergewichtig. Bei Kindern und Jugendlichen sind 15 Prozent übergewichtig.

Die gesunde Wahl zur einfachen Wahl machen

Zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil gehört eine abwechslungsreiche, vollwertige Ernährung. Dabei gilt es, sowohl die Energiezufuhr als auch die Nährstoffversorgung im Blick zu haben. Das BMEL verfolgt im Rahmen seiner Ernährungspolitik einen ganzheitlichen Ansatz, um einen gesundheitsfördernden Lebensstil zu ermöglichen. So soll das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten verringert werden.

Eines unserer zentralen ernährungspolitischen Ziele ist es daher, Verbraucherinnen und Verbraucher dabei zu unterstützen, weniger Kalorien aufzunehmen und sich dennoch ausgewogen zu ernähren. Der Schlüssel dazu liegt auch in der Verbesserung der Ernährungskompetenz in allen Lebensphasen. Dafür setzt das Ministerium vor allem mit den Projekten des Nationalen Aktionsplans "IN FORM" auf Aufklärung und Ernährungsbildung.

Die Umsetzung der nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie

Mit dem Koalitionsvertrag ist das BMEL beauftragt worden, eine nachhaltig wirkende und wissenschaftlich fundierte Strategie zu erarbeiten, um Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten zu verringern.

Die nun vorliegende Strategie ist das Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses mit Beteiligten der Bundesregierung, der Bundesländer sowie von Verbänden aus den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Lebensmittelwirtschaft, Verbraucherschutz und Wissenschaft; sie wurde am 19.12.2018 vom Kabinett beschlossen. Dies ist ein in Europa einzigartiger Ansatz, denn Zucker, Fette und Salz werden in einer gemeinsamen Strategie behandelt. Mit der Strategie will Bundesernährungsministerin Klöckner den Herstellern den Blick öffnen, um beispielsweise neue, innovative Produkte auf den Markt zu bringen.

Handlungsfelder, Prozess + Ziele der Reduktions- und Innovationsstrategie

Basis des intensiven Dialogprozesses aller Beteiligten ist eine im September 2018 geschlossene Grundsatzvereinbarung zwischen Politik und Lebensmittelwirtschaft. Darin erkennt die Lebensmittelwirtschaft an, Teil einer Lösung zu sein, um eine ausgewogene Energiebilanz und Verbesserung der Nährstoffversorgung der Bevölkerung zu erreichen.

Selbstverpflichtung der Lebensmittelwirtschaft

Die Lebensmittelwirtschaft hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2025 konkrete Reduktionsziele zu erreichen – vor allem für Kinderprodukte. Erfolgen sollen diese Beiträge über Selbstverpflichtungen. Mehrere Verbände der Lebensmittelwirtschaft und des Lebensmittelhandels haben bereits branchen- bzw. produktbezogene Prozess- und Zielvereinbarungen geschlossen, um spezifische Schritte, Maßnahmen und Ziele festzulegen.

Die im Rahmen der Strategie getroffenen Maßnahmen sollen bis Ende 2025 umgesetzt werden und fokussieren sich bei Zucker auf eine Reduktion:

  • von mindestens 20 Prozent in Frühstückscerealien für Kinder
  • von jeweils 15 Prozent in gesüßten Milchprodukten für Kinder und in Erfrischungsgetränken sowie in fruchthaltigen Getränken mit Zuckerzusatz

Die Reduktion von Salz betreffend sind folgende Zielvereinbarungen geschlossen worden:

  • Vereinbarung mit dem Bäckerhandwerk zur Reduktion von Salzspitzen im Brot und zur Verbreitung von Informationsmaterialien und Lehrinhalten zur Reduzierung von Salz im Rahmen von Schulungen in den Betrieben sowie Seminaren in den Akademien des Bäckerhandwerks
  • Selbstverpflichtung zur Reduktion von Salz in Tiefkühl-Pizzen auf einen durchschnittlichen Gehalt von 1,25 g / 100 g

Produktmonitoring

Mit Beginn des Jahres 2019 startete die Umsetzung der Strategie. Bis zum Jahr 2025 wird diese durch ein engmaschiges Monitoring überwacht, das vom Max Rubner-Institut durchgeführt wird. Bereits 2016 fand die Basiserhebung von 12.500 im deutschen Lebensmitteleinzelhandel häufig gekauften Fertigprodukten statt, von denen Energie- und Nährstoffgehalte erfasst wurden. Zwei Jahre später kamen Daten zum Zuckergehalt von 1.750 Erfrischungsgetränken hinzu. Zwischen September und Dezember 2019 erfolgte die erste Folgeerhebung, bei der diejenigen Produktgruppen im Vordergrund standen, für die derzeit konkrete Zielvereinbarungen der Lebensmittelwirtschaft vorliegen: Milchprodukte, Erfrischungsgetränke, Tiefkühl-Pizzen und Frühstückscerealien.

Die Ergebnisse der ersten Folgeerhebung hat das Max Rubner-Institut am 2. April 2020 veröffentlicht. Sie dokumentieren, wie sich die Energie- und Nährstoffgehalte der genannten Lebensmittel zwischen 2016 (bzw. 2018) und 2019 verändert haben. Erstmalig lässt sich so die Wirksamkeit der Strategie objektiv und wissenschaftlich abgesichert bewerten. Dabei zeichnet sich ab, dass die Strategie bereits Wirkung entfaltet, denn in allen betrachteten Produktgruppen ist eine Reduktion der Energie-, Zucker- oder Salzgehalte ersichtlich. Die größten Reduktionen wurden bei Produkten mit Kinderoptik festgestellt – besonders deutlich sanken die Zucker- und Energiegehalte bei Kinderjoghurts und Erfrischungsgetränken für Kinder. In mehreren Fällen mögen es Verbraucherinnen und Verbraucher lieber süßer und weniger salzig: sie entscheiden sich häufig für Teekaltgetränke und einige Frühstückscerealien mit höherem Zuckergehalt, während sie bei Tiefkühl-Pizzen im Allgemeinen etwas niedrigere Salzgehalte bevorzugen. Die Ergebnisse der ersten Folgeerhebung fließen in den Zwischenbericht zur Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie ein, den das BMEL Ende 2020 veröffentlichen wird.

Ein Begleitgremium flankiert den Prozess der Umsetzung der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung, der Länder sowie von Verbänden und Institutionen aus den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Lebensmittelwirtschaft, Verbraucherschutz und Wissenschaft an. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass der Fokus der Strategie nicht verlorengeht und bewerten die Ergebnisse des Produktmonitorings.

Ergänzend werden umfangreiche Maßnahmen im Bereich Forschung, Innovation und Verbraucheraufklärung durchgeführt.

Verbot von Zucker in Säuglings-oder Kleinkindertees

Im Rahmen der Innovations- und Reduktionsstrategie hat Bundesernährungsministerin Klöckner im Juli 2019 einen Verordnungsentwurf für ein nationales Verbot des Zusatzes von Zucker und anderen süßenden Zutaten in Säuglings- oder Kleinkindertees vorgelegt.

Das Verbot soll neben Zucker auch andere süßende Zutaten umfassen, z.B. Honig, Fruchtsaft, Malzextrakt oder andere aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnene Sirupe und Dicksäfte. Denn für Säuglinge oder Kleinkinder werden Wasser und alternativ ungesüßte Kräuter- und Früchtetees als geeignete Getränke gesehen. Gesüßte Kräuter- und Früchtetees für Säuglinge oder Kleinkinder halten Experten hingegen für nicht geeignet. Dies liegt auch darin begründet, dass der Zuckerverzehr im Säuglings- und Kleinkindalter mit dem Zuckerverzehr in späteren Kindheits- und Jugendphasen assoziiert ist. Eine hohe und häufige Zuckerzufuhr steht u. a. im Zusammenhang mit der Entwicklung von Übergewicht bzw. Adipositas sowie der Entstehung von Zahnkaries.

Forschung und Innovation

Das BMEL fördert im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung viele Projekte, die sich der Reduktion von Zucker, Fett und Salz beziehungsweise dem Einsatz von Ersatzprodukten oder der Erhöhung der Geschmackswirkung und der Reformulierung beschäftigen.

Lesen Sie mehr zu den Projekten und der Forschungsförderung im Rahmen der nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie.

 

Ausgewählte Reduktionsziele bis Ende 2025

Mindestens 20 Prozent weniger Zucker in Frühstückscerealien für Kinder.

Jeweils 15 Prozent weniger Zucker in gesüßten Kinder-Milchprodukten, in Erfrischungsgetränken und in fruchthaltigen Getränken mit Zuckerzusatz.

Nur 1.25 Gramm von 100 Gramm als durchschnittlicher Gehalt von Salz in Tiefkühl-Pizzen.

Erschienen am im Format Basistext

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