Regionalfenster schafft zuverlässige und transparente Kennzeichnung

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher legen Wert darauf, beim Lebensmittel-Einkauf die Landwirtschaft in ihrer Region zu unterstützen und regionale Arbeitsplätze zu sichern. Zudem wollen viele Menschen wieder einen engeren Bezug zu der Produktion ihrer Lebensmittel herstellen und verstärkt auf saisonale Ware mit kurzen Transportwegen zurückgreifen. Regionalität ist für viele Bürgerinnen und Bürger daher zu einem wichtigen Merkmal beim Lebensmitteleinkauf geworden.

Das BMEL tritt dafür ein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher regionale Produkte beim Einkauf besser erkennen können. Das vom BMEL gemeinsam mit den Wirtschaftsbeteiligten angestoßene "Regionalfenster" schafft eine klare, zuverlässige und transparente Kennzeichnung regionaler Produkte: Mit einem Blick auf die Verpackung können Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen, was an dem Produkt "regional" ist. Das blaue Fenster garantiert, dass ein regionales Produkt gekauft wird, das dieses Etikett auch verdient.

Herstellern aus der Region gibt das Regionalfenster die Möglichkeit, sich von anderen Initiativen abzuheben und den Mehrwert ihres Produktes für Kunden glaubhaft zu belegen. Die Transparenz schafft das nötige Vertrauen, auf das es bei der regionalen Vermarktung ankommt.

Logo Regionalfenster Beispiel Regionalfenster (Beispiel)
Beispiel für eine Kennzeichnung mit dem Regionalfenster in Rheinland-Pfalz © Regionalfenster e.V.

Verbrauchende müssen sicher sein können, dass ein Produkt zu Recht mit seiner regionalen Herkunft wirbt. Deshalb wurden klare Kriterien für eine aussagekräftige und verlässliche Regionalkennzeichnung erarbeitet:

  • Die Region muss eindeutig und nachprüfbar benannt werden (z.B. Landkreis, Bundesland oder Angabe eines Radius in Kilometern); sie kann auch Staats- oder Ländergrenzen überschreiten (z.B. Getreide aus der Eifel oder 100 Kilometer um Aachen).
  • Die erste Hauptzutat und die wertgebenden Zutaten (z.B. die Erdbeeren im Erdbeerjoghurt) müssen zu 100 Prozent aus der genannten Region stammen und mindestens 51 Prozent des Gesamtgewichtes des Produktes ausmachen. Ist der Anteil der Hauptzutat geringer als 51 Prozent, müssen auch weitere Zutaten jeweils zu 100 Prozent aus der Region stammen, bis mindestens 51 Prozent des Gesamtgewichts erreicht sind.
  • Bei zusammengesetzten Produkten wird die Gesamtsumme aller regionalen Rohstoffe mit einer Prozentzahl angegeben
  • Der Ort der Verarbeitung muss im Regionalfenster benannt werden.
  • Angaben über die Herkunft der landwirtschaftlichen Vorstufen/Betriebsmittel (z.B. Futtermittel, Jungtiere, Saatgut) können zusätzlich im Regionalfenster angegeben werden.

Kontrolle

Anders als bei einer Vielzahl ungenauer Werbebezeichnungen erkennen Verbraucherinnen und Verbraucher beim Regionalfenster unmittelbar, aus welcher Region die Rohstoffe stammen und wo sie verarbeitet wurden. Die Hauptzutat muss nachweislich aus der angegebenen Region stammen. Ein neutrales und mehrstufiges Kontroll- und Sicherungssystem gewährleistet, dass die Angaben zur Region, zu den Zutaten und dem Ort der Verarbeitung verlässlich sind.

Vergabe des Zeichens und Verbreitung

Das Regionalfenster ist ein freiwilliges, privates Zeichen, das vom BMEL initiiert wurde. Es wird von dem Trägerverein "Regionalfenster e.V." und der „Regionalfenster Service GmbH“ getragen. Im Trägerverein "Regionalfenster e.V." ist die gesamte Wertschöpfungskette vertreten; neben Regionalinitiativen, Nahrungsmittelhandwerk und Landwirtschaft beteiligt sich auch der Lebensmitteleinzelhandel.

Für das operative Geschäft ist seit Januar 2019 die „Regionalfenster Service GmbH“ zuständig, die diese Aufgabe aufgrund der positiven Marktentwicklung des Regionalfensters von dem Trägerverein übernommen hat. Die „Regionalfenster Service GmbH“ organisiert die Prüfung der Kriterien und vergibt die Lizenzen für das Regionalfenster an die Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Sie ist zudem Inhaber des Zeichens, das als Marke eingetragen ist.

Seit Anfang Januar 2014 sind Produkte mit dem Regionalfenster im Handel. Bevor ein Produkt das Regionalfenster tragen kann, muss es nach den hohen Ansprüchen des Prüf- und Sicherungssystems des Regionalfensters geprüft worden sein. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen und müssen die Sicherheit haben, dass die Angaben in dem Regionalfenster richtig sind und das Produkt tatsächlich aus der angegebenen Region stammt.

Das System "Regionalfenster" hat sich bisher bewährt:

  • Schon bei Umfragen im Rahmen eines Forschungs- und Evaluierungsprojekts im Jahr 2013 wurde das Regionalfenster von Verbrauchenden und Händlern äußerst positiv bewertet.
  • Laut einer Verbraucherbefragung des Thünen-Institutes aus dem Jahr 2018 hält eine große Mehrheit (80 %) das Regionalfenster für glaubwürdig.
  • Im Juli 2019 bestehen Verträge mit mehr als 770790 Lizenznehmern und es sind mittlerweile über 4200 Produkte mit dem Regionalfenster gekennzeichnet, mit weiter steigender Tendenz.

Weitere Informationen zu dem Trägerverein "Regionalfenster e. V.", der „Regionalfenster Service GmbH“ und dem Deklarationsfeld erhalten Sie unter www.regionalfenster.de.

Regionalität wichtigstes Merkmal beim Lebensmitteleinkauf

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) veröffentlichte anlässlich der Grünen Woche 2014 in Berlin Ergebnisse einer repräsentativen Verbraucherbefragung von TNS Emnid. Die Ergebnisse besagen, dass knapp sechs von zehn Befragten (57 Prozent) angaben, beim Einkauf zumindest "häufig" Wert auf die Herkunft der gekauften Lebensmittel zu legen - unter Frauen sind es sogar noch mehr (64 Prozent). Damit ist Regionalität das wichtigste Merkmal beim Lebensmitteleinkauf. Jeweils knapp die Hälfte der Verbrauchenden berichtete, häufig auf Merkmale wie Tierschutz (44 Prozent), Nachhaltigkeit (43 Prozent) und biologische Anbauverfahren (41 Prozent) zu achten.

Auch in einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstitutes forsa zu den Ess- und Ernährungsgewohnheiten in Deutschland, deren Ergebnisse das BMEL 2018 veröffentlicht hat, wird der Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach regionalen Lebensmitteln deutlich. Demnach legen mehr als drei Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher (78 %) Wert darauf, dass ihre Lebensmittel aus ihrer Region stammen.

EU-weite Regelungen für bestimmte Lebensmittel

EU-weit bestehen Kennzeichnungsmöglichkeiten von Lebensmitteln mit einer bestimmten Qualität.

Ende 2012 hat die EU die freiwillige Qualitätsangabe "Bergerzeugnis" eingeführt. Mit dieser Angabe können Lebensmittel gekennzeichnet werden, deren Rohstoffe aus der Bergregion stammen. . Bei tierischen Erzeugnissen stammt auch das Futter aus der Bergregion. Bei Verarbeitungserzeugnissen wie beispielsweise Käse erfolgt dort auch die Verarbeitung.

Eine besondere Bedeutung auf EU-Ebene haben die EU-Qualitätszeichen für geschützte Ursprungsbezeichnungen, geschützte geografische Angaben und garantiert traditionelle Spezialitäten.

Regionalfenster (Beispiel)

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