Pflicht zur Herkunftsangabe bei Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch

Bei frischem, gekühltem oder gefrorenem Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch sind Herkunftsinformationen EU-weit verpflichtend anzugeben.

Grundlage für diese Kennzeichnung ist die EU-Lebensmittel-Informationsverordnung in Verbindung mit der Durchführungsverordnung der Europäischen Kommission (EU) Nr. 1337/2013.

Die Vorschriften sehen für die Abgabe von Produkten an den Endverbraucher Folgendes vor:

  • Unverarbeitetes und vorverpacktes Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch muss grundsätzlich mit dem Aufzuchtsland und dem Schlachtland des Tieres (jeweils Angabe des Staates) gekennzeichnet werden (z.B. „Aufgezogen in: Frankreich, Geschlachtet in: Deutschland“). Für die Angabe des Aufzuchtlandes sind für die jeweiligen Tierarten erforderliche Mindest-Aufzuchtsabschnitte festgelegt. Es werden auch Regelungen für Fälle getroffen, in denen diese nicht erreicht werden oder in denen die Informationen bei Fleisch aus Drittländern nicht vorliegen. Dann kann die Angabe zum Aufzuchtsland beispielsweise lauten: „Aufgezogen in mehreren Mitgliedstaaten der EU“ oder „Aufgezogen außerhalb der EU“.
  • Liegen Geburt, Aufzucht und Schlachtung der Tiere nachweisbar in einem einzigen EU-Mitgliedstaat oder Drittstaat, darf die Angabe „Ursprung“ verwendet werden (Beispiel: „Ursprung: Deutschland“).
  • Auf Mischpackungen, in denen Fleisch derselben oder verschiedener Tierarten zusammen abgegeben werden, sind die unterschiedlichen Informationen jeweils aufzuführen.
  • Für Hackfleisch und Abschnitte (Trimmings), gibt es Sonderregelungen. Auch hier sind Angaben zu Aufzucht und Schlachtung zu machen, die wahlweise auch so ausgedrückt werden können, dass sie sich auf die EU und/oder ein Land bzw. Länder außerhalb der EU beziehen (z.B. „Aufgezogen und geschlachtet in der EU“, „aufgezogen außerhalb der EU, geschlachtet in der EU“).
  • Zusätzliche freiwillige Angaben zur Herkunft sind zulässig (z.B. Angabe einer Region).
  • Die Vermischung von Fleisch unterschiedlicher Herkunft in der Produktionskette wird durch Vorgaben zur Partienbildung begrenzt. Es wird ein Rückverfolgbarkeits- und Überwachungssystem über die gesamte Produktionskette anhand eines Codes etabliert.

Damit wird dem Interesse der Verbraucher an ausführlicheren Produktinformationen und mehr Transparenz, den Möglichkeiten des Wirtschaftssektors, dies mit vertretbarem Aufwand umzusetzen sowie den Möglichkeiten der Behörden, die Anwendung der Vorschriften effizient zu kontrollieren, entsprochen. Die Angabe der Partienummer gehört ebenfalls zu den Pflichtinformationen.

Was gilt bei der Rindfleischetikettierung?

Mit der Etikettierung von Rindfleisch wurde ein System der Herkunftssicherung für Rindfleisch geschaffen, das zusätzlich zu den allgemeinen Vorschriften des Lebensmittelrechts und der Lebensmittelkennzeichnung gilt. Eingeführt wurde die Etikettierung von Rindfleisch im Anschluss an das Auftreten von BSE im Jahr 2000. Rechtliche Grundlage für die Etikettierung von Rindfleisch ist die EU-Lebensmittel-Informationsverordnung in Verbindung mit der Durchführungsverordnung der Europäischen Kommission (EG) Nr. 1825/2000. In Deutschland sind diese EU-rechtlichen Regelungen durch das Rindfleischetikettierungsgesetz und die Rindfleischetikettierungs-Verordnung in nationales Recht umgesetzt worden.

Die Etikettierungspflicht erstrecht sich auf frisches, gekühltes und gefrorenes Rindfleisch in Form von Fleischstücken, Fleischteilstücken und Fleischabschnitten sowie Hackfleisch. Jeder Marktteilnehmer, der Rindfleisch in der Gemeinschaft vermarktet (verkauft), muss dieses auf den verschiedenen Stufen der Erzeugung und des Verkaufs mit den obligatorischen Angaben etikettieren.

Bei Rindfleisch, das aus der EU stammt, müssen folgende Pflichtangaben gemacht werden:

  • Referenznummer/Referenzcode: Dient zur Rückverfolgbarkeit des Fleisches zu einem Tier oder einer Gruppe von Tieren.
  • „Geboren/Gemästet/Geschlachtet in“: Anzugeben ist hier der jeweils entsprechende EU-Mitgliedstaat oder das Drittland. Erfolgen Geburt/Mast/Schlachtung in einem Land, kann vereinfacht der Begriff „Herkunft“ angegeben werden.
  • „Zerlegt in“: Anzugeben ist der entsprechende EU-Mitgliedstaat oder das Drittland, in dem die Zerlegung erfolgt ist.
  • Zulassungsnummer des Schlachtbetriebes.
  • Zulassungsnummer des Zerlegebetriebes.

Im Einzelhandel sind bei nicht vorverpacktem Fleisch von weniger als 12 Monate alten Rindern auf dem Etikett zusätzlich die Verkehrsbezeichnung („Kalbfleisch“) und das Schlachtalter („weniger als 8 Monate“ oder „8 bis weniger als 12 Monate“) der Tiere anzugeben.

Bei Rinderhackfleisch sind - abweichend von den o. g. Pflichtangaben - auf dem Etikett, je nachdem, wo das Hackfleisch hergestellt worden ist, die Angabe „Hergestellt in:“ oder, wenn das Rinderhackfleisch nicht in dem betreffenden Staat hergestellt wurde, die Angabe „Herkunft:“ sowie die Angabe des Mitgliedstaats oder Drittlandes zu machen, in dem die Schlachtung erfolgt ist.

Aus Drittländern eingeführtes Rindfleisch, für das nicht sämtliche Angaben vorliegen, ist wie folgt zu etikettieren: „Herkunft: Nicht-EU“ und „Geschlachtet in:“.

Von den Marktteilnehmern können freiwillig zusätzliche Angaben auf den Etiketten gemacht werden; diese müssen jedoch objektiv, durch die Kontrollbehörden überprüfbar und für die Verbraucher verständlich sein.

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