Lebensmittelabfälle in Deutschland: Neue Studie über Höhe der Lebensmittelabfälle nach Sektoren

Wie viele Lebensmittelabfälle fallen in Deutschland entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette an – also auf dem Weg eines Lebensmittels vom Landwirt bis zum Teller? Dieser Frage ist das Johann Heinrich von Thünen-Institut (TI) im Auftrag des Bundesernährungsministeriums zusammen mit der Universität Stuttgart in der Studie "Lebensmittelabfälle in Deutschland – Baseline 2015" nachgegangen. Im September 2019 stellten die Wissenschaftler ihre Ergebnisse vor.

Höhe der Lebensmittelabfälle nach Sektoren in der Lebensmittelversorgungskette

Der Studie zufolge beträgt die Gesamtabfallmenge rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle (Frischmasse).

  • Die Primärproduktion hat daran einen Anteil von 12 Prozent (1,4 Mio. Tonnen).
  • Bei der Verarbeitung beispielweise aufgrund technischer Störungen bei der Temperaturführung fallen 18 Prozent (2,2 Mio. Tonnen) an.
  • Im Handel entstehen 4 Prozent (0,5 Mio. Tonnen) der Lebensmittelabfälle, wenn z.B. die Portionierung von Verpackungen nicht bedarfsgerecht erfolgt.
  • Bei der Außer-Haus-Verpflegung fallen 14 Prozent (1,7 Mio. Tonnen) der Abfälle an.
  • Der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht mit 52 Prozent (6,1 Mio. Tonnen) in privaten Haushalten.
  • Jeder Verbraucher und jede Verbraucherin wirft demnach etwa 75 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg.

Zahlen & Fakten zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland

Rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr im Müll. © Studie des Thünen-Instituts, 2019

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Mit 52 Prozent entsteht der Großteil der Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten. © Studie des Thünen-Instituts, 2019

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Etwa 75 Kilogramm  werden pro Person und Jahr in den Privathaushalten in Deutschland weggeworfen. © Studie des Thünen-Instituts, 2019

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Neues Studiendesign nach EU-Vorgaben

Die Studie legt erstmals eine Gesamtbilanzierung vor, in der alle Lebensmittelabfälle von der Erzeugung bis zum Verbraucher einbezogen wurden. Sie beruht auf der besten verfügbaren Datenlage zum Zeitpunkt der Untersuchung, was für Deutschland das Jahr 2015 ist. Diese "Baseline 2015" dient als Ausgangspunkt für eine kontinuierliche Berichterstattung gegenüber der EU bis 2030.

Um Entwicklungen abbilden zu können, werden die Berechnungen nun regelmäßig erfolgen. Die Methode, mit der die Daten erhoben und berechnet wurden, berücksichtigt auf EU-Ebene vereinbarte Vorgaben. Deutschland ist eines der wenigen Länder, die bereits jetzt die Ausgangslage durch eine Datenbasis definiert hat.

Beim Erstellen der Studie wurde deutlich: Auch wenn die Daten zur Berechnung entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette heute besser für die Wissenschaft als in früheren Jahren verfügbar sind, bestehen noch immer Datenlücken. Unsicherheiten in der Datenlage gibt es vor allem in den Bereichen Primärproduktion, Verarbeitung und Groß- und Einzelhandel. Hier gilt es mit Blick auf die Zukunft, mit den Akteuren aus der gesamten Lebensmittelversorgungskette die Datenlage zu verbessern.

Vergleich der Ergebnisse zu vorhergehenden Studien

Warum ist die jetzt vorgelegte Studie so wichtig? Die Ergebnisse sind für Deutschland maßgeblich; sie unterscheiden sich von vorangegangen Studienergebnissen aufgrund des EU-weit vorgegebenen Methodendesigns.

Die TI-Studie löst die vorhergehende Studie der Universität Stuttgart von 2012 ab, die nicht die gesamte Lebensmittelversorgungskette abbildet und daher nicht als Ausgangsbasis für die EU-Berichterstattung dienen kann.

© AdobeStock, Stefan Körber (93122008)

Erschienen am im Format Basistext

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