Einsatz des BMEL für nachhaltigen Kakao

Für Deutschland, einen der größten Exporteure von Schokoladenprodukten weltweit, spielt der Agrarrohstoff Kakao wirtschaftlich eine wichtige Rolle. Knapp zehn Prozent der Weltkakaoernte wird allein in Deutschland verarbeitet. Es ist daher hilfreich, den Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in der Wertschöpfungskette sowie dessen Verfügbarkeit und Qualität langfristig zu sichern.

Hierfür macht sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zusammen mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stark. So stellten Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Bundesentwicklungsminister Gerd Müller auf der Internationalen Grünen Woche 2019 einen 10-Punkte-Plan für nachhaltigen Kakao vor.

Verbesserung der Lebensbedingungen für Kakaobauern ist unser gemeinsames Ziel.

Bundesminister Klöckner und Müller

Damit verstärken und konkretisieren sie die Anstrengungen der Bundesregierung, dass langfristig 100 Prozent der in Deutschland verkauften kakaohaltigen Endprodukte aus nachhaltigem Anbau stammen sollen.

Bundesministerin Klöckner: "Mit dem 10-Punkte-Plan setzen wir ein starkes Signal und gehen die Probleme im Kakaoanbau an. Wir treten ein für Waldschutz und -erhalt, auch die Rolle der Frauen im Kakaoanbau wollen wir stärken. Ziel ist, die Lebensumstände der Kakaobauern und ihrer Familien zu verbessern. Wir fördern zum Beispiel das Projekt "Pro Planteurs", das Bauern und speziell Bäuerinnen gezielt in nachhaltiger Kakaoerzeugung schult und so vor Ort Perspektiven schafft - das hat Modellcharakter."

Hintergrund Kakaoproduktion

Kakaoschoten neben einem Sack mit Kakaobohnen Kakao
© Yai - stock.adobe.com

Der Kakaoanbau in Westafrika wird zu 90 bis 95 Prozent durch Kleinbauern betrieben - auf Flächen zwischen ein bis drei Hektar Größe. Der Kakao ist oft die einzige Einnahmequelle dieser Familienbetriebe.

Die überwiegende Mehrheit der Kakaobauern lebt in abgelegenen Gebieten. Schlechte Infrastruktur und kleinbäuerliche Organisation machen für sie den Zugang zu technischer Beratung, Betriebsmitteln und Finanzdienstleistungen aufwändig und teuer.

Derzeit werden nur etwa 30 bis 50 Prozent der Ertragspotenziale der lokalen Kakaosorten ausgeschöpft. Grund dafür sind fehlendes Know-how der Bauern und mangelnde Anreize für Investitionen. Die Mehrheit der Kakaobauern und ihrer Familienmitglieder lebt unterhalb der Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag und Person.

Über 85 Prozent des Kakaos in Deutschland wird in den westafrikanischen Ländern Nigeria, Ghana und der Elfenbeinküste produziert. In der Elfenbeinküste verdient eine siebenköpfige Bauernfamilie mit der Kakaoernte etwa 170 Euro im Monat. Damit kann sie kaum ihren Lebensunterhalt decken. Die Folgen sind Armut, Hunger und auch Kinderarbeit. Trotz Verbots arbeiten über zwei Millionen Kinder in westafrikanischen Kakaoplantagen.

Forum Nachhaltiger Kakao

Deutschland geht hier mit dem vom BMEL und BMZ initiierten "Forum Nachhaltiger Kakao", das 2016 als Leuchtturmprojekt der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ausgezeichnet wurde, voran. Die deutsche Süßwarenindustrie, der deutsche Lebensmittelhandel, die Zivilgesellschaft und die Bundesregierung engagieren sich in dem Gremium für einen nachhaltigen Kakaoanbau.

Gemeinsam verfolgen sie als so genannte Multistakeholder-Initiative das Ziel, die Lebensumstände der Kakaobauern und ihrer Familien zu verbessern sowie den Anbau und die Vermarktung nachhaltig erzeugten Kakaos zu erhöhen. Dafür engagieren sich die Mitglieder des Forums in Zusammenarbeit mit den Regierungen der kakaoproduzierenden Länder. Vor diesem Hintergrund richtete Deutschland im April 2018 gemeinsam mit der Internationalen Kakaoorganisation die 4. Weltkakaokonferenz aus.

Der Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in den von den Mitgliedern des Forums in Deutschland hergestellten Süßwaren konnte 2019 auf rund 72 Prozent gesteigert werden. Bis 2025 soll der Anteil bei den Mitgliedern des Forums bereits bei 85 Prozent liegen.

Das genügt allerdings noch nicht – deshalb legen BMZ und BMEL mit dem 10-Punkte-Plan gemeinsame Ziele für einen nachhaltigen Kakaosektor fest. Ziel ist ein faires Einkommen für die Produzentinnen und Produzenten. Nur so kann Armut und damit missbräuchliche Kinderarbeit wirksam bekämpft werden. Langfristig sollen 100 Prozent des Kakaos in Deutschland unter fairen Bedingungen produziert und gehandelt werden.

10-Punkte-Plan für nachhaltigen Kakao

Im Einzelnen heißt es in dem Plan:

  1. Wir setzen uns als Mitglied des Forum Nachhaltiger Kakao für eine gemeinsame Strategie aller deutschen Akteure für einen nachhaltigen Kakaosektor ein.
  2. Wir setzen uns für eine ambitionierte Steigerung des Anteils von Kakao aus zertifiziertem bzw. unabhängig verifiziertem Anbau in Deutschland ein.
  3. Wir streben verbindliche Regelungen an, die einen einheitlichen Standard für nachhaltig erzeugten Kakao vorgeben.
  4. Wir unterstützen Initiativen, die die Wirkung von Standardsystemen erhöhen.
  5. Wir informieren die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland über nachhaltigen Anbau von Kakao.
  6. Wir setzen uns dafür ein, dass Kakaobäuerinnen und –bauern eine Perspektive für ein Leben ohne Armut haben.
  7. Wir setzen uns für Waldschutz und -erhalt im Kakaosektor ein.
  8. Wir setzen uns gegen missbräuchliche Kinderarbeit und für eine Stärkung der Rolle der Frauen im Kakaoanbau ein.
  9. Wir unterstützen die Regierungen der Erzeugerländer dabei, einen nachhaltigen Kakaosektor auf- bzw. auszubauen.
  10. Wir unterstützen Sektor übergreifende Dialoge sowie Kooperationen von länderübergreifenden Initiativen im Kakaosektor.

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