Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme

Voraussetzung für eine dauerhaft ausreichende und gesunde Ernährung bei gleichzeitigem Schutz von Mensch, Tier, Ökosystemen und Klima sind nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme. Diese sollen außerdem für eine vielfältige Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft sorgen, in der Bäuerinnen und Bauern ökonomisch tragfähig wirtschaften können und in der auch junge Menschen Perspektiven erkennen und nutzen können.

Nachhaltig bedeutet aber nicht nur zukunfts-, sondern auch krisenfest. Die Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft steht vor enormen Herausforderungen: Klimakrise, Artensterben, Bodenqualitätsverschlechterung und -verluste, zunehmende Verschmutzung und ein hoher Ressourcenverbrauch gefährden unsere natürlichen Lebensgrundlagen und damit auch die Ernährungssicherheit. Darüber hinaus zählen bewaffnete Konflikte wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, wirtschaftliche Schocks und die noch immer insbesondere in Entwicklungsländern spürbaren Folgen der Covid-19-Pandemie zu den Risiken.

Definition:

„Agrar- und Ernährungssysteme“ sind die komplexen Zusammenhänge und Abhängigkeiten zwischen der Art und Weise der Produktion der Agrarrohstoffe, ihrer Verarbeitung, des Transports sowie schließlich des Konsums und des Umgangs mit Lebensmitteln und anderen agrarbasierten Produkten.

Grundlage für die deshalb notwendige Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme ist die Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals, "SDGs"), die 2015 entwickelt wurde. Auf dieser Basis bilden die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) sowie die Vereinbarungen des Koalitionsvertrages den politischen Rahmen für den Beitrag Deutschlands zur Verwirklichung der Transformationsziele. Die DNS wird 2024 in einem breiten öffentlichen Prozess weiterentwickelt und spiegelt so das verstärkte deutsche Engagement zu Erreichung aller SDGs wider, darunter im Transformationsbereich 5 „Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme“.

Jugendpolitisches Forum 2024

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie mitgestalten?

Das geht aktuell bei der Online-Beteiligung! Hier kommentieren, liken und mitwirken:

Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie - Landwirtschaft und Ernährung zukunftsfest machen! Unter diesem Leitsatz hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zum zweiten Mal junge Menschen, die in der Land- und Ernährungswirtschaft etwas verändern wollen, in den Berliner Dienstsitz zum Jugendpolitischen Forum eingeladen

Über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben in Berlin über den Weg zu zukunftsfesten und resilienten Agrar- und Ernährungssystemen diskutiert. Denn die junge Generation spielt bei dieser Transformation eine wichtige Rolle: sie ist von den wichtigen Zukunftsfragen besonders betroffen und sehr engagiert bei der Erarbeitung und Umsetzung von Lösungen. Neben Bundesminister Cem Özdemir und Staatssekretärin Silvia Bender waren auch Fidelis Stehle und Audrey MacLean, die Jugenddeligierten der Vereinten Nationen, sowie Dr. Gesa Miehe-Nordmeyer, Leiterin der Abteilung für Sozial, Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Umwelt und Gesellschaftspolitik im Bundeskanzleramt, mit dabei.

In interaktiven Workshops ging es um Klimapolitik in der Land- und Forstwirtschaft, Biodiversität, nachhaltigen Konsum und die zukünftige Europäische Agrarpolitik. Die Ergebnisse des Forums werden nun bei der Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie einfließen.

Anlässlich des Jugendpolitischen Forums wurde zudem von Teilnehmenden des Forums eine "Junge Erklärung zur Zukunft der Landwirtschaft" formuliert und unterzeichnet.

Transformationsbericht „Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme“

Das Bundeskabinett hat am 5. Juni 2024 den Transformationsbericht „Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme“ verabschiedet. Darin werden Wege aufgezeigt, wie Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft und Forstwirtschaft in Zeiten der Klimakrise für ausreichende, gesunde Ernährung sorgen und gleichzeitig zum Schutz der Ökosysteme, der Gesundheit von Mensch und Tier sowie des Klimas beitragen.

Der Bericht zeigt entlang der Wertschöpfungsketten Herausforderungen und Ziele in allen landwirtschaftlichen Bereichen auf und stellt Maßnahmen zur Lösung der Probleme dar. Wesentliche Punkte sind unter anderem:

  • Der Einstieg in die verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung und die Finanzierung einer zukunftsfesten Tierhaltung. Sie sorgen für mehr Transparenz und tragen dazu bei, dass künftig weniger Tiere und diese zugleich besser gehalten werden können – und unsere Landwirtinnen und Landwirte fair entlohnt werden.
  • Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Es macht Ökosysteme stark und verbindet Klimaschutz mit Natur- und Artenschutz und der Vorsorge gegen die Folgen der Klimakrise.
  • Die Eiweißpflanzenstrategie. Mit ihr wird einerseits die heimische Produktion von pflanzlichen Proteinen für Fütterung und menschliche Ernährung gefördert, zudem trägt sie zum Umwelt- und Klimaschutz bei durch die Einsparung von Düngern sowie Humusaufbau.
  • Die Biostrategie 2030. Das Ziel, den Ökolandbau zu stärken und bis 2030 die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft auf 30 Prozent Marktanteil auszubauen, schafft Mehrwert an vielen verschiedenen Stellen: vom Erhalt der Artenvielfalt, über den Wasserschutz bis hin zu fruchtbaren Böden sowie der aktiven Kohlenstoffspeicherung.
  • Die Nationale Wasserstrategie und das Aktionsprogramm Wasser. Sie legen die Grundlage für ein modernes Wassermanagement zum Schutz dieser unersetzlichen Ressource für Natur und Mensch.

„Wir arbeiten daran, dass wir unsere Landwirtschaft und die nachgelagerten Bereiche nachhaltiger und damit krisenfest machen. Wir haben schon vieles erreicht, die Herausforderungen bewältigen wir letztlich aber nur gemeinsam – und wenn wir die mitnehmen, die heute und künftig Verantwortung tragen.“

Der Bericht wurde gemeinsam mit dem BMUV im Zuge eines breiten Konsultationsprozesses mit Beteiligung der Praxis, Jugend und aller Stakeholder entwickelt. Auch der Rat für nachhaltige Entwicklung, die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 sowie das Dialognetzwerk zukunftsfähige Landwirtschaft (bestehend aus 50 praktisch tätigen Personen aus Landwirtschaft und Naturschutz) wurden einbezogen. Das BMUV und das BMEL wurden beim Bericht unterstützt durch ein Transformationsteam, in dem weitere fünf Bundesministerien sowie das Bundeskanzleramt vertreten sind.

Jugendpolitisches Forum 2023

Jugendpolitisches Forum 2023: Im Hof des BMEL wirft Cem Özdemir jemandem einen Ball zu Jugendpolitisches Forum 2023: Im Hof des BMEL
Jugendpolitisches Forum 2023: Im Hof des BMEL wirft Cem Özdemir jemandem einen Ball zu © BMEL

Am 22. und 23. September 2023 fand in Berlin ein Jugendpolitisches Forum zur Nachhaltigkeit statt. Zum Forum wurden u.a. Verbandsvertreterinnen und Verbandsvertreter aus dem Agrar- und Umweltbereich eingeladen, um die Ergebnisse der im Mai 2023 vom BMEL organisierten Nachhaltigkeitskonferenz vertieft zu diskutieren und aktiv die Inhalte des Transformationsberichts mitzugestalten. Die jungen Vertreterinnen und Vertreter nutzten dabei die Gelegenheit, konkrete Forderungen zu den Themen der Workshops (Unsere Ernährung von Morgen/ Soziale Nachhaltigkeit - Geschlechtergerechtigkeit in der Landwirtschaft/Ökologische Agrar- und Ernährungswirtschaft/ Regionale Wertschöpfung) aufzustellen und zu präsentieren. Sowohl Bundesminister Özdemir als auch Staatssekretärin Bender nahmen aktiv teil und diskutierten mit den Teilnehmenden.

Die zweitägige Veranstaltung war ein weiterer, wichtiger Baustein zur Erstellung des Berichts zum "Transformationsbereich 5 der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie: Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme", der 2024 verabschiedet wurde.

Nachhaltigkeitskonferenz 2023

"Gemeinsam Wandel gestalten – Agrar- und Ernährungssysteme jetzt transformieren"

"Wenn Bäuerinnen und Bauern nachhaltiger wirtschaften sollen, dann muss uns das auch an der Ladentheke mehr wert sein." Diese Überzeugung vertrat Bundesernährungsminister Cem Özdemir auf der Nachhaltigkeitskonferenz seines Ministeriums am 4. Mai in Kirchberg an der Jagst (Baden-Württemberg). Die Veranstaltung, zu der Özdemir Bürgerinnen und Bürger, Vertreterinnen und Vertreter von Jugendorganisationen sowie aus Politik, Landwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft begrüßt hatte, stand unter dem Motto "Gemeinsam Wandel gestalten – Agrar- und Ernährungssysteme jetzt transformieren!" Über 700 Personen waren vor Ort sowie digital dabei.

Bundesminister Cem Özdemir eröffnete gemeinsam mit Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Frans Timmermans, dem Vizepräsidenten der Europäischen Kommissionstellte, die Konferenz.

"Wer heute oder in den nächsten Jahren einen Hof übernimmt, wird stärker von den Folgen der Klimakrise betroffen sein – und zwar mit jedem Tag, den wir tatenlos verstreichen lassen. Es ist folgerichtig, dass die junge Generation zentral zu Wort kommt, Verantwortung übernimmt und mitgestaltet. Aufgabe der Politik ist es, neben dem Heute immer auch die nachfolgenden Generationen im Blick zu behalten." so Bundesminister Cem Özdemir.

Eröffnungsveranstaltung: Reden Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Bundesminister Cem Özdemir und Kommissar Frans Timmermans

Daher lag der Fokus der Konferenz insbesondere auf der jüngeren Generation und ihren Vorstellungen und Lösungsansätzen für die Umsetzung einer nachhaltigen Landwirtschaft und Ernährung. Mit Theresa Schmidt, Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend und Moritz Tapp, Bundesvorstand der Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND). präsentierten zwei Mitglieder der Zukunftskommission Landwirtschaft die Erwartungen der Jugend. Abschließend kamen in der Podiumsdiskussion mit Bundesminister Özdemir neben Theresa Schmidt und Moritz Tapp weitere junge Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Umweltschutz und Ernährungswirtschaft zu Wort.

Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmenden in fünf Fachforen auf der Basis konkreter Nachhaltigkeitskonzepte von Landwirtinnen und Landwirten zu diesen Fragen:

  • 30 Prozent Ökolandbau
  • Pflanzenbetonte Ernährung
  • Umbau der Tierhaltung
  • Landwirtschaft in der Klimakrise
  • Ländliche Räume voller Energie

In der Abschlussdiskussion wurde deutlich, dass die Agrar- und Ernährungswirtschaft zwar wichtige Transformationsschritte gemacht hat, der Weg hin zu einem nachhaltigen System aber mit Nachdruck weiter verfolgt werden muss.

Nachhaltigkeitsbericht 2022

"Gemeinsam Wandel gestalten"

Der Nachhaltigkeitsbericht von November 2022 führt die Beiträge auf, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) leistet, um die 17 SDGs zu erreichen – konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland und weltweit.

Der Schutz unserer Lebensgrundlagen – Klima, Boden, Wasser, Luft sowie biologische Vielfalt – ist essenzieller Auftrag und Bestandteil unseres politischen Handelns. Zu diesem Zweck lassen wir uns davon leiten, eine ressourcenschonende und umweltverträgliche Landwirtschaft zu gestalten, die auch in Zukunft in der Lage ist, unsere Ernährung zu sichern.

Erschienen am im Format Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme (Thema:Nachhaltigkeit)

Voraussetzung für eine dauerhaft ausreichende und gesunde Ernährung bei gleichzeitigem Schutz von Mensch, Tier, Ökosystemen und Klima sind nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme. Diese sollen außerdem für eine vielfältige Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft sorgen, in der Bäuerinnen und Bauern ökonomisch tragfähig wirtschaften können und in der auch junge Menschen Perspektiven erkennen und nutzen können.

Mehr

Förderprogramm klimaangepasstes Waldmanagement (Thema:Wald)

Mit dem Programm hat das BMEL im November 2022 eine langfristige Förderung eingeführt, mit der zusätzliche Klimaschutz- und Biodiversitätsleistungen finanziert werden. Die Förderung ist seit 2023 beihilferechtlich freigestellt und unterliegt nicht der de-minimis-Auflage. Förderanträge können online bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) über die Seite www.klimaanpassung-wald.de gestellt werden. 

Mehr

Torffrei gärtnern ist Klimaschutz (Thema:Gartenbau)

Der Wechsel zu torffreier Erde ist einfach. Mit der richtigen Erdenauswahl und passenden Pflegemaßnahmen unterscheidet sich torffreies Gärtnern kaum von der torfhaltigen Variante. Die positiven Auswirkungen auf das Klima sind dafür umso größer.

Mehr