Preisschwankungen (Volatilität) bei Agrarrohstoffen

Preisschwankungen und Preisspitzen auf den weltweiten Rohstoffmärkten sind in den vergangenen Jahren stärker in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Insbesondere die Nahrungsmittelversorgung in den Entwicklungs- und Schwellenländern, die auf Importe angewiesen sind, kann in Zeiten geringen Angebots und hoher Nachfrage durch extreme Preisausschläge massiv gefährdet werden.

Funktionierende Agrarterminmärkte sind sowohl für Verbraucher als auch für Produzenten immer wichtiger geworden. Sie verringern tendenziell das Ausmaß von Preisschwankungen und geben Signale über die Erwartungen künftiger Preisentwicklungen. Eine wesentliche Antriebskraft für funktionsfähige Warenterminmärkte ist die Spekulation. Ohne Finanzinvestoren und ihre spekulative Erwartung in künftige Marktentwicklungen würden Warenterminmärkte nicht funktionieren, da die für das Zustandekommen von Kontrakten notwendige Liquidität fehlen würde. Kritisch ist jedoch jede Form von Verschleierung, Intransparenz und exzessiver Spekulation auf Warenterminmärkten, bei der das Interesse an der physisch gehandelten Ware in den Hintergrund tritt. Exzessive Spekulation und Intransparenz beschleunigen Preisentwicklungen und können kurz- bis mittelfristig zu extremer Preisvolatilität mit entsprechend negativen Folgen für die Erzeuger oder Verarbeiter der physischen Ware führen.

Seit 2007 kam es auf einzelnen Märkten für Agrarrohstoffe zu extremen Preisschwankungen mit Aufwärtstrend, was vor allem in den am wenigsten entwickelten Ländern zum Teil gravierende Versorgungsprobleme auslöste. Hauptursachen waren Veränderungen bei fundamentalen Angebots- und Nachfragefaktoren. Dies betrifft etwa das Bevölkerungswachstum oder das geänderte Ernährungsverhalten - vor allem in den Schwellenländern - sowie den daraus resultierenden höheren Futtergetreide- und Lebensmittelverbrauch. Großen Einfluss auf die Preisentwicklung haben auch witterungsbedingte Ernteausfälle in wichtigen Anbauländern.

Zunehmende Preisschwankungen bedeuten Unsicherheit und finanzielle Risiken für alle Marktbeteiligten. Betriebseigenes Risikomanagement gewinnt daher an Bedeutung. Die Etablierung von Warenterminbörsen auf den landwirtschaftlichen Märkten und deren Nutzung ist als ein wichtiges Instrument zur Preisabsicherung zu sehen, das weiter an Bedeutung gewinnen wird. Preisvolatilität ist kein Problem, solange der Preis seiner zentralen Steuerungsfunktion nachkommt und durch Spekulation weder Missbrauch noch Manipulation der Preise erfolgen kann. Hierfür sind funktionierende Finanzmärkte eine Grundvoraussetzung. Es gilt, dies durch Setzung eines entsprechenden Rechtsrahmens und durch die Finanzaufsicht sicherzustellen.

Die Finanzkrise hat die Risiken gezeigt, die auf nicht ausreichend regulierten Märkten bestehen. Möglichkeiten des Missbrauchs sind deshalb zu verhindern. Dies ist eine internationale Aufgabe. Vor diesem Hintergrund haben die G20 Staats- und Regierungschefs beschlossen, auf den Finanzmärkten für Transparenz und angemessene Regulierung zu sorgen.

Die EU hat inzwischen entsprechende Regulierungsmaßnahmen, wie die Überarbeitung der MiFID-Richtlinie (Markets in Financial Instruments Directive), die seit Januar 2018 in Kraft ist, ergriffen. Das BMEL hat diese Überarbeitung aktiv begleitet. Wichtig sind dabei die neu eingeführten Positionslimits (Obergrenzen für die gehandelten Mengen), die nur für die Finanzinvestoren, nicht aber für die mit der physischen Ware handelnden Akteure, gelten sowie entsprechende Positionsmeldepflichten, die dazu beitragen, die Transparenz an den Warenterminmärkten zu erhöhen sowie Missbrauch und Manipulation einzudämmen.

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