Berliner Agrarministerkonferenz: 74 Ressortchefs beschließen Abschlusskommuniqué

Regierungen einigen sich auf Kommuniqué zu Digitalisierung und Landwirtschaft

Die Agrarminister von 74 Ländern haben sich bei der 11. Berliner Agrarministerkonferenz des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) verpflichtet, bei Landwirtschaft und Digitalisierung sowohl Chancen als auch Risiken im Blick zu behalten.

Gemeinsam verständigten sie sich einstimmig auf ein ambitioniertes Abschlusskommuniqué. Darin betonen die Ressortchefs: Die Digitalisierung in der Landwirtschaft lässt sich nicht ausschließlich nationalstaatlich gestalten – sondern die Vernetzung soll international stattfinden.

In dem Abschlussdokument fordern die Vertreter der 74 Länder die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) auf, ein Konzept für einen unabhängigen internationalen Digitalrat auszuarbeiten.

Auch die Regierungen selbst sind in der Pflicht: Sie sind in dem Kommuniqué aufgefordert, Potenziale und Risiken der Digitalisierung zu erkennen, die Potenziale zu nutzen und zu fördern. Dazu zählt auch, dass Landwirte überhaupt Zugang zu digitaler Technologie haben. Bei den verarbeiteten Informationen aus dem Stall und vom Acker stellt sich die Frage nach Datensicherheit und Datenhoheit. Im Abschlussdokument blicken die Minister auch auf gesellschaftliche Zusammenhänge: Die Digitalisierung bringt strukturelle Veränderungen und Brüche in Landwirtschaft und ländlichen Räumen – diese Änderungen gilt es zu gestalten.

Grenzüberschreitend zusammenarbeiten

Das Berliner Agrarministertreffen gilt als das politische Glanzlicht des GFFA. An drei Tagen waren beim GFFA 2.000 hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammengekommen. Sie tauschten sich bei der internationalen Konferenz zu den zentralen Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungswirtschaft aus.

Unter dem Titel "Landwirtschaft digital – Intelligente Lösungen für die Landwirtschaft der Zukunft" ging es bei den Fachveranstaltungen des GFFA um die Frage, wie sich das Potenzial der Digitalisierung für die Landwirtschaft besser nutzen lässt und wie Landwirte von digitaler Technologie profitieren können. Dabei spielten auch Datensicherheit und Datenhoheit – im Zusammenhang mit – OpenData eine große Rolle. Ziel war es, neue Impulse für die Gestaltung und Entwicklung von "Landwirtschaft und Digitalisierung" auf internationaler Ebene geben.

Bundeskanzlerin Merkel erstmals zu Gast

Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rednerpult, links von ihr Bundesministerin Julia Klöckner, rechts Staatssekretär Hermann Onko Aeikens Bundeskanzlerin Angela Merkel beim GFFA
© Bundesregierung/Denzel

Auf Einladung von Bundesministerin Klöckner hatte erstmals Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am GFFA teilgenommen. Am Freitagnachmittag sprach Merkel vor den Agrarministern über die Bedeutung der Digitalisierung für die Landwirtschaft.

Merkel hob hervor, der Kampf gegen Hunger nehme in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle ein und sagte an die Adresse der internationalen Konferenzteilnehmer: "Sie sind heute hier, um scheinbar unvereinbare Dinge zusammenzubringen: eben jenen Kampf gegen den Hunger sowie der Kampf für einen bewussten Umgang mit Ressourcen. Für Beides ist die Digitalisierung sehr viel mehr Chance als Risiko." Beispielhaft ging die Bundeskanzlerin auf den Klimawandel ein: "Bestimmte Pflanzen gedeihen nicht mehr so, wie vor 100 Jahren – auch bei uns in Deutschland. Klimawandel ist eine ökologische Herausforderung unserer Zeit. Und auch hier kann die Digitalisierung helfen", sagte Merkel.

Bundesministerin Julia Klöckner am Rednerpult
Video der Rede von Bundesministerin Klöckner auf dem GFFA 2019

Zudem zeigte die Kanzlerin die Bedeutung der Präzisionslandwirtschaft auf - etwa angesichts hoher Stickstoffanteile, die oft ein sehr großes Problem seien. Merkel: "Da kommt uns Präzisionslandwirtschaft zugute. Sie kann jede Pflanze erreichen, Düngemittel sparen. Wenn wir künstliche Intelligenz und ihre Prognosemethoden dazu rechnen, dann haben wir eine ganz wunderbare Zukunft vor uns.“

Mit Blick auf die Konferenz stellte Merkel die Bedeutung politischer Zusammenarbeit heraus: "Damit der Mensch im Zentrum der Dinge bleibt, brauchen wir Leitplanken, Regulierung, einen Rahmen, der Rechtssicherheit bringt." Sie rief die Landwirtschaftsminister aus aller Welt dazu auf, Digitalisierung zu gestalten und als Chance zu nutzen – gerade in Bezug auf Ernährungssicherung.

Das GFFA ist die weltweit führende internationale Konferenz zu zentralen Zukunftsfragen der globalen Land- und Ernährungswirtschaft. Sie findet seit 2009 jährlich unter dem Leitthema der Ernährungssicherung im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin statt. Die Agrarministerkonferenz mit 74 teilnehmenden Ministerinnen und Ministern bildet das politische Glanzlicht. Organisiert und geleitet wird das Forum vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Kooperation mit dem Senat von Berlin, der Messe Berlin GmbH und dem GFFA Berlin e. V.

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