Tansania: Stübgen informiert sich über Forschungsprojekt "Scale-N"

Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Michael Stübgen, hat sich bei einer Tansania-Reise vom 27. Februar bis 3. März 2019 über das Forschungsprojekt "Scale-N" informiert. In dem vom BMEL geförderten Projekt geht es um die Ernährungssicherung auf dem Land.

Stübgen war mit einer Delegation im Dorf Chinoje zu Gast, das 60 Kilometer von Dodoma, der Hauptstadt Tansanias, entfernt liegt. Das Dorf liegt in einer der Pilotregionen des Forschungsprojektes "Scale-N". Diese Regionen bestehen seit 2015. Der Begriff "Scale-N" steht für "Scaling-up Nutrition" - konkret geht es um Anwendungsmöglichkeiten einer ernährungssensitiven und diversifizierten Landwirtschaft für eine verbesserte Ernährungssicherung.

Dorfbewohner James Lungwa erklärte der Delegation aus Deutschland: "Die Dinge haben sich geändert. Ernährung ist kein reines Frauenthema mehr, sondern es geht um unser aller Wohlbefinden. Alle reden darüber. Wenn sie es nicht von unseren Gemeindeleitern hören, erhalten sie Nachrichten von den Dorfversammlungen oder im Krankenhaus oder sogar von unseren Schulkindern."

Langfristige Maßnahmen mit Bevölkerung entwickelt

Viele Vorhaben trugen - und tragen - zur Ernährungssicherung auf dem Land bei:

  • Lösungen zur langfristigen Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit
  • Anbau von Lebensmitteln in Hausgemeinschaften und Schulgärten
  • Online-Marktplatz für den An- und Verkauf landwirtschaftlicher Produkte
  • Schulungen und Bildungsmaßnahmen

Das Forschungsprojekt "Scale-N" entwickelte diese Maßnahmen in den vergangenen drei Jahren in einem partizipativen Forschungsansatz; das heißt alle Beteiligten - Forscher, landwirtschaftliche Berater, Farmer, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und kleinen Wirtschaftsunternehmern sowie politische Entscheidungsträger - waren von Beginn an in das Projekt eingebunden.

Stübgen betonte, dass es besonders wichtig sei, die lokale Bevölkerung bei der Entwicklung der Innovationen zur Ernährungssicherung einzubinden. Der Staatssekretär sagte: "Ich habe den Eindruck, die Projektergebnisse sind direkt bei den Menschen vor Ort angekommen und erfolgreich umgesetzt worden." Insbesondere die Begeisterung der jungen Menschen für das Thema Ernährung und Landwirtschaft gebe Hoffnung, dass langfristige und nachhaltige Strukturen entstehen können.

Küchen- und Schulgärten als Erfolgsmodell

Vor allem die Küchen- und Schulgärten und die Sensibilisierung aller Beteiligten leisten in Chinoje heute einen wertvollen Beitrag, um die Nahrungsmittelversorgung zu verbessern.
Begleitet wurden die Praxismaßnahmen durch gezielte Bildungsinitiativen und Coachings. Ein langfristiger Projekterfolg ist damit gewährleistet und kann als Modell für andere ländliche Regionen dienen.

Klimawandel und Abhängigkeit von Landwirtschaft

Traditionell produziert die einheimische Bevölkerung in Chinoje nur vier Monate im Jahr Gemüse in den feuchten Flussbetten kurz nach der Regenzeit. Diese Situation wird sich verschärfen, denn der Klimawandel trifft den afrikanischen Kontinent besonders hart. Laut Ernährungsreport 2018 der Vereinten Nationen sank das Durchschnittseinkommen allein in den vergangenen fünf bis zehn Jahren durch die starken Schwankungen der Regenzeiten um etwa 35 Prozent. Die Abhängigkeit von der Landwirtschaft ist groß: 69 Prozent der in Tansania produzierten Lebensmittel werden in kleinbäuerlichen Strukturen angebaut - sie dienen der Ernährungs- und Einkommenssicherung.

Hintergrund

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) agiert im Auftrag des BMEL als Projektträgerin für das Projekt "Scale-N" (Scaling-up Nutrition: Anwendungsmöglichkeiten einer ernährungssensitiven und diversifizierten Landwirtschaft für eine verbesserte Ernährungssicherung). Geleitet wird das Projekt vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). Derzeit fördert die BLE in den Regionen Afrika südlich der Sahara und Südostasien 26 Forschungsprojekte im Bereich Welternährung mit einem Gesamtvolumen von 21 Millionen Euro.

Mehr Informationen zu Scale-N auf der Projektinternetseite Scale-N: Scaling-Up Nutrition: Implementing Potentials of nutrition-sensitive and diversified agriculture to increase food security und unter: Projektsuche Scale-N.

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