Monitoring "Ländliche Räume":
Ausgewählte Umfrageergebnisse des Thünen-Instituts

Das Thünen-Institut für Ländliche Räume hat im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Herbst 2016 Menschen, die in ländlichen Räumen zuhause sind, zu ihrer Lebensqualität befragt: Der erste Schritt war eine Repräsentativbefragung der Bevölkerung ab 18 Jahren in ländlichen Räumen (Allgemeinbefragung). In einem zweiten Schritt wurden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München Erziehungsberechtigte mit mindestens einem Kind unter 13 Jahren befragt (Vertiefungsbefragung). Beide Befragungen werden laufend weiter ausgewertet.

Lebensqualität umfasst sämtliche Lebensbereiche, die nicht alle in einer begrenzten Befragung erfasst werden können. Das Thünen-Institut hat die Lebensbereiche "Familie und Erwerbstätigkeit" als einen Schwerpunkt ausgewählt, da ihnen eine hohe Bedeutung in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion zukommt. Es wurden auch andere Themen in den Blick genommen: die allgemeine Lebenszufriedenheit und das Vorhandensein, die Erreichbarkeit und Nutzung von Einrichtungen wie zum Beispiel im Betreuungs- oder Gesundheitsbereich oder der Nahversorgung. Darüber hinaus haben sich die Befragten zu den guten und weniger guten Seiten ihres Wohnortes äußern können und in welchem Maße sie ihre Gegend als ländlich betrachten.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Die Menschen in ländlichen Räumen sind im Durchschnitt mit ihrem Leben genauso zufrieden wie die Menschen in Deutschland insgesamt.
  • Gesundheitszustand und das relative Haushaltseinkommen haben einen großen Einfluss auf die allgemeine Lebenszufriedenheit.
  • Fast 60 Prozent der Befragten kommen gut bis sehr gut mit ihren relativen Haushaltseinkünften zurecht. Ihre Lebenszufriedenheit ist im Durchschnitt vergleichsweise hoch.
  • In ländlichen Räumen mit weniger guter sozioökonomischer Lage ist die Lebenszufriedenheit niedriger als in ländlichen Räumen mit guter sozioökonomischer Lage.
  • Alle ländlichen Räume Ostdeutschlands weisen eine vergleichsweise weniger gute sozioökonomische Lage auf. Im Vergleich mit ländlichen Räumen Westdeutschlands mit weniger guter sozioökonomischer Lage scheinen in Ostdeutschland einige Bedingungen, welche die Lebenszufriedenheit beeinflussen, schlechter zu sein.

Hintergrund zur Befragung: Methodik und Stichprobe

  • Das Thünen-Institut für Ländliche Räume hat im Herbst 2016 zwei telefonische Haushaltsbefragungen in ländlichen Räumen durchgeführt. Im Blickpunkt standen insbesondere die Lebensbereiche „Familie und Erwerbsarbeit“. Hier erfahren Sie mehr über die genutzte Methodik.
  • Für die Allgemeinbefragung wurde eine nach Alter und Geschlecht repräsentative Stichprobe gezogen. Hier erfahren Sie mehr über die gewählte Stichprobe.

Die allgemeine Lebenszufriedenheit hängt von vielen Einflussfaktoren ab. So weiß man aus zahlreichen Bevölkerungsbefragungen, dass beispielsweise eine arbeitslos gemeldete Person weniger zufrieden ist als eine erwerbstätige Person und dass in Ostdeutschland die Zufriedenheit der Menschen etwas niedriger ausfällt als in Westdeutschland. Einen vergleichsweise hohen Einfluss haben der Gesundheitszustand und auch das relative Einkommen eines Haushalts, gemessen am Bedarf und an den Ansprüchen der Haushaltsmitglieder. Wie aber sieht es in ländlichen Räumen aus?

Sind Menschen auf dem Land zufriedener als anderswo in Deutschland?

Menschen in ländlichen Räumen sind im Schnitt mit ihrem Leben genauso zufrieden wie die Menschen in Deutschland insgesamt: In Zusammenhang mit Lebensqualität wird oft die subjektiv wahrgenommene Lebenszufriedenheit genannt. Dahinter steht die Annahme, dass eine gute Lebensqualität eine hohe Lebenszufriedenheit zur Folge hat. Lebenszufriedenheit wird in vielen Umfragen, so auch hier, anhand einer elfstufigen Skala gemessen. Gefragt wird: „Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig, alles in allem, mit Ihrem Leben?“ Die Antwortmöglichkeiten reichen von „ganz und gar unzufrieden“ (Wert 0) bis zu „ganz und gar zufrieden“ (Wert 10).

In der Thünen-Allgemeinbefragung – die nur in ländlichen Räumen durchgeführt wurde – beträgt der Wert für Lebenszufriedenheit im Durchschnitt 7,7. Dabei ist er in Ostdeutschland mit 7,3 etwas niedriger als in Westdeutschland mit 7,9.

Zum Vergleich: In der Allgemeinen Bevölkerungsbefragung der Sozialwissenschaften (ALLBUS) von 2016 für Deutschland insgesamt beträgt der entsprechende Wert ebenfalls 7,7, der Wert für Ostdeutschland 7,3 und für Westdeutschland 7,8 (eigene Berechnung). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Menschen in ländlichen Räumen im Durchschnitt mit ihrem Leben genauso zufrieden sind wie die Menschen in Deutschland insgesamt.

Im Blick: Der Einfluss von Gesundheit und Einkommen

Der Gesundheitszustand und das relative Haushaltseinkommen haben einen großen Einfluss auf die allgemeine Lebenszufriedenheit: Der Gesundheitszustand einer Person ist einer der herausragenden Faktoren für die allgemeine Lebenszufriedenheit. Wir fragten, ob jemand im Verlauf der letzten sechs Monate gesundheitliche Probleme hatte, die zu Einschränkungen bei alltäglichen Verrichtungen geführt haben – und falls ja, ob es dadurch zu starken oder weniger starken Einschränkungen kam.

Balkendiagramm Zusammenhang zwischen Gesundheit und allgemeiner Lebenszufriedenheit
Zum Vergleich: Laut Gesundheitsberichterstattung des Bundes gab es in Deutschland insgesamt 67 Prozent Befragte ohne Einschränkungen des Alltagslebens aufgrund dauerhafter gesundheitlicher Probleme © Thünen-Institut 2017

Für die Allgemeinbefragung ergibt sich daraus folgendes Bild: Die 65 Prozent der Befragten ohne gesundheitliche Einschränkungen haben im Durchschnitt eine allgemeine Lebenszufriedenheit von 8,0. Die 21 Prozent der Befragten mit starken Einschränkungen haben mit 6,9 im Durchschnitt eine deutlich niedrigere Lebenszufriedenheit.

Fast 60 Prozent der Befragten kommen gut bis sehr gut mit ihren relativen Haushaltseinkünften zurecht. Ihre Lebenszufriedenheit ist im Durchschnitt vergleichsweise hoch:

Es wurde mit Bezug auf das Einkommen aller Mitglieder eines Haushalts gefragt, wie der Haushalt mit den monatlichen Einkünften zurechtkommt. Die Antwortmöglichkeiten reichten auf einer sechsstufigen Skala von sehr schlecht bis sehr gut. In der Allgemeinbefragung gaben vergleichsweise wenig Befragte an, dass ihr Haushalt sehr schlecht (2 Prozent), schlecht (4 Prozent) oder relativ schlecht (6 Prozent) mit den monatlichen Einkünften zurechtkommt.

Balkendiagramm Zusammenhang zwischen relativen Haushaltseinkünften und allgemeiner Lebenszufriedenheit
© Thünen-Institut 2017

Deshalb werden diese Befragten zu einer Gruppe zusammengefasst. Sie haben mit einem durchschnittlichen Wert von 5,9 eine vergleichsweise niedrige allgemeine Lebenszufriedenheit. Am anderen Ende stehen Personen, deren Haushalte sehr gut mit ihrem monatlichen Einkommen zurechtkommen. Ihre allgemeine Lebenszufriedenheit ist mit einem Wert von 8,6 überdurchschnittlich hoch.

Zum Vergleich: In einer EU-weiten Umfrage von 2015 (EU-SILC) sagten nur 11 Prozent der Befragten in Deutschland insgesamt, dass sie sehr gut zurechtkommen, 30 Prozent kommen gut, 41 Prozent relativ gut und 18 Prozent relativ schlecht bis sehr schlecht zurecht. Verglichen damit kommen die Menschen in ländlichen Räumen besser mit den Einkünften ihres Haushalts zurecht.

Im Blick: Der Einfluss der soziökonomischen Lage

In ländlichen Räumen mit weniger guter sozioökonomischer Lage ist die Lebenszufriedenheit niedriger als in ländlichen Räumen mit guter sozioökonomischer Lage:

In der Thünen-Typologie ländlicher Räume ist ein Abgrenzungsmerkmal die „sozioökonomische Lage“. Ländliche Räume werden in solche mit guten und in solche mit weniger guten sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen unterteilt. Dabei werden Bedingungen wie etwa die Arbeitslosenquote und die Höhe der Bruttolöhne und -gehälter berücksichtigt. Die Abgrenzung wird ausgehend vom bundesdeutschen Durchschnitt vorgenommen.

Balkendiagramm Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Lage ländlicher Räume und allgemeiner Lebenszufriedenheit
© Thünen-Institut 2017

Im Ergebnis weisen alle ländlichen Räume in Ostdeutschland eine weniger gute sozioökonomische Lage auf. Dort wohnen 22 Prozent aller Befragten. Nur in Westdeutschland finden sich ländliche Räume mit sowohl weniger guter sozioökonomischer Lage (32 Prozent aller Befragten) wie auch guter sozioökonomischer Lage (46 Prozent).

Wie folgendes Bild zeigt, ist im Durchschnitt die Lebenszufriedenheit in ländlichen Räumen mit guter sozioökonomischer Lage mit 8,0 am höchsten. In ländlichen Räumen mit weniger guter sozioökonomischer Lage ist die Lebenszufriedenheit im Durchschnitt niedriger, in Ostdeutschland mit 7,3 noch niedriger als in Westdeutschland mit 7,6.

Im Blick: Ländliche Räume in Ost und West

Alle ländlichen Räume Ostdeutschlands weisen eine vergleichsweise weniger gute sozioökonomische Lage auf. Im Vergleich mit ländlichen Räumen Westdeutschlands mit weniger guter sozioökonomischer Lage scheinen in Ostdeutschland einige Bedingungen, welche die Lebenszufriedenheit beeinflussen, schlechter zu sein:

Befragte, die sehr gut oder gut mit ihrem Haushaltseinkommen zurechtkommen, machen in ländlichen Räumen mit guter sozioökonomischer Lage 64 Prozent der Befragten aus. In ländlichen Räumen mit weniger guter sozioökonomischer Lage beträgt ihr Anteil in Westdeutschland 58 Prozent und in Ostdeutschland 51 Prozent.

Zum Vergleich: Innerhalb Ostdeutschlands weisen Befragte in ländlichen Regionen im Vergleich zu städtischen Regionen eine niedrigere Lebenszufriedenheit auf. Dies zeigt eine Analyse von Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP), einer großen Langzeitbefragung in Deutschland, durch eine Forschungsgruppe der Universität Halle-Wittenberg (Jansch, Wunder, Hirschauer 2016). Die Abgrenzung von ländlichen Regionen wird in dieser Analyse etwas anders vorgenommen als die Abgrenzung ländlicher Räume in der Thünen-Typologie.

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